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US-Berichtssaison: Ende der Seitwärtsrange?

Wolfgang Müller

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US-Berichtssaison kann Bewegung in die Wall Street bringen

Manche bezeichnen es als langweilige Kursbewegungen, manch einer als Ruhe vor dem Sturm und andere wiederum als frühes Sommerloch. Die Rede ist von einer Querbewegung an den großen Börsen (Ausnahme Nasdaq), nach dem etwa 40-prozentigen Anstieg und Aufwärtstrend seit dem 23. März bis zur ersten Juniwoche (der große Goldrausch). Wird sich mit dem Beginn der US-Berichtssaison etwas daran ändern, vielleicht auch wegen der ständig steigenden Coronazahlen in Amerika?

Die Großbanken beginnen die US-Berichtssaison

In der neuen Woche nimmt die US-Berichtssaison in den USA für das zweite Quartal Fahrt auf: In den kommenden Tagen berichten 36 Unternehmen aus dem S&P 500-Index, nach PepsiCo (Montag), vor allem die großen US-Banken JPMorgan, Wells Fargo, Citigroup, Goldman Sachs, Morgan Stanley und die Bank of America. Dazu unter unter anderen die Fluggesellschaft Delta Air Lines, der Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson und der Filmstreaming-Dienst Netflix (hier die Zahlen von vor drei Monaten).

Die Banken haben in der Coronakrise mächtig gelitten. Die Kurse von JP Morgan und Bank of America liegen 30 bis 40 Prozent im Minus gegenüber Vor-Corona. Damit könnte sehr viel eingepreist sein und die Ergebnisse inklusive Aussichten nicht mehr viel anrichten – eher das Gegenteil? Dabei sollte man einen Blick auf Wells Fargo richten, einer Bank, die besonders viele kleinere Kunden und Firmen als Geschäftspartner hat.

Richtig kursrelevant dürfte es erst bei den Highflyern der letzten Monate werden, die Dickschiffe mit einer Marktkapitalisierung, die sonst ganze Länderindizes nicht aufweisen können (z.B. unser Dax), aus dem Tech-Sektor, aber auch im Pharmabereich. Bei Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet und Co liegen die Erwartungen und die bereits erzielten Gewinne so hoch, so dass es hier am ehesten zu Enttäuschungen oder Gewinnmitnahmen kommen könnte. Auf diese Zahlen müssen wir uns aber noch etwas gedulden.

Die Konjunkturdaten

Die derzeitigen Konjunkturdaten zeichnen ein ziemlich diffuses Bild. Da gibt es Abstufungen durch die großen Wirtschaftsinstitute für die großen Volkswirtschaften 2020, düstere Prognosen für die Exportwirtschaften, zuletzt durch unseren Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dafür aber wieder Zeichen von Licht am Ende des Tunnels, wie der starke Anstieg des Ifo-Instituts oder die neuesten Zahlen am Freitag zur Industrieproduktion Italiens und Frankreichs, die trotz tiefer Rezession nicht so schlimm ausfielen wie befürchtet. Und natürlich die Wirtschaftsdaten aus dem Ursprungsland der Virusinfektion China, das mit Daten aufwartet, die zugleich verblüffen, aber auch misstrauisch machen. Der Automarkt Chinas ist im Juni zum ersten Mal seit einem Jahr wieder gewachsen. 1,8 Millionen Fahrzeuge im größten Automobilmarkt der Welt bedeuten 4,9 Prozent mehr Pkw als im Vorjahresmonat, wie der Branchenverband China Passenger Car Association (PCA) letzte Woche in Peking mitteilte.

Ich bleibe dabei: Für Covid-19 gibt es wirtschaftlich keine Blaupause, einen gerade erlebten globalen Lockdown gab es früher in keiner Gesundheitskrise, nicht einmal bei großen Kriegen. Es herrscht auch jetzt zum Start der US-Berichtssaison Unsicherheit über die weitere Ausbreitung von Corona und vor allem über die Reaktionen der Regierungen betroffenerer Regionen mit neuen Lockdowns, aber auch Rätselraten zum Verhalten der Menschen. Wie schnell verfliegt die Angst vor der Pandemie und wie schnell kehren die Konsumenten zu ihrem „alten“ Gewohnheiten zurück? Aber fast überall hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass ein nochmaliger großer Shutdown die große wirtschaftliche Katastrophe wäre, mit nicht mehr zu kontrollierenden Schäden. Ergo: Man tappt weiterhin im Dunkeln und bewertet die Situation von Monat zu Monat neu.

Was machen die Notenbanken?

Hier scheint sich zur Sommerzeit auch eine Sommerpause in den Aktivitäten anzudeuten. So sprach die EZB-Chefin Christine Lagarde in einem Interview mit der Financial Times von einer Phase des Abwartens: „Wir haben so viel getan, dass wir etwas Zeit haben, die Wirtschaftsdaten sorgfältig zu bewerten.“ Damit ist eine weitere Lockerung der Geldpolitik derzeit voraussichtlich nicht zu erwarten. Auch von der Federal Reserve kommt derzeit wenig, ganz im Gegenteil. Bereits seit ein paar Wochen schrumpft die Bilanz der Notenbank etwas. Mit ein Grund, warum die Kurse auch beim S&P 500 sich seit über einem Monat in einer Querbewegung befinden.

Weitere Konjunkturpakete?

Eine weitere Unbekannte ist der Fortgang bei den möglichen Rettungspaketen für die Konjunktur der Staaten, ob der Aufbaufonds in Europa oder die US-Infrastrukturprogramme – bei jeder Verschärfung der Coronakrise wird nachgelegt. Zuletzt warb auch der Herausforderer Joseph Robinette „Joe“ Biden für seinen Job- und Investitionsplan. Er wolle 700 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung von Elektrofahrzeugen und neuer Technologien investieren, um die Nachfrage heimischer Produkte anzukurbeln. Das alte Motto: „Buy American“.

Fazit

Fünf Wochen dauert die Querbewegung der großen Indizes nun schon an. Man oszilliert zwischen einem Boden und einem Deckel – beim Dax in einer Range von etwa 1000 Punkten (11.900 – 12.913 Punkte) und 240 Punkte beim S&P 500 (3.000 – 3.240 Punkte). „Normalerweise“ müsste es jetzt eine weitere Korrektur geben, schließlich sind die Kurse der Realwirtschaft weit vorausgelaufen und die täglichen Coronazahlen aus den USA lassen auf weitere Verzögerungen der Wirtschaftserholung schließen. Viele Anleger haben sich an diese Sommer-Range gewöhnt und handeln innerhalb dieser Zone. Damit dürfte es viele Stopps geben, die bei einem Über- oder Unterschreiten gerissen werden könnten. Wie gesagt „normalerweise“ wäre eine von Vielen herbeigesehnte Korrektur angebracht, aber liegen nicht immer noch fünf Billionen Dollar an Cash an der Seitenlinie, von Fonds, die schon einmal ein Quartal „underperformt“ haben und ist die Zuversicht der großen Anleger eher nicht so ausgeprägt? Nicht die der RobinHood-er, aber können die 3 Millionen Neukunden seit Jahresanfang wirklich Märkte bewegen, in denen Microsoft, Apple und Amazon schon eine Marktkapitalisierung von 4500 Milliarden Dollar aufweisen? Einen Konkurswert wie Hertz kann man schon um ein paar Hundert Prozent in die Höhe spekulieren, aber einen Index mit 25 Billionen Dollar? Es riecht nach einer Kursbewegung, zu leicht konnte man mit Range-Trading über Wochen Geld verdienen. Die US-Berichtssaison könnte hier den entsprechenden Schubs geben.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Besserwisser

    13. Juli 2020 11:55 at 11:55

    Klar sind in China die Zahlen bestens. Und in Italien und Frankreich auch. Alles ist wieder gut, die Wirtschaft ist so stark, wie davor, wir sehen eine V-Erholung…Wie Trump sagte, die beste Zeit aller Zeiten kommt erst noch.

    Ist doch klar, was hier abgeht. Die Welt steht vor einem systemischen Komplettzusammenbruch. Und man fakt sich die Daten so hin, wie man sie brauchen kann, da Niemand diesen Zusammenbruch will, und die Anleger lieber die fake Daten glauben wollen.

    Insolvenzen kann man aber nicht faken. Und die werden kommen!

    • Avatar

      Besserwisser

      13. Juli 2020 12:03 at 12:03

      Die Deutsche Bank besteht dann noch den Stresstest^^
      Allein, dass sich die Politik genötigt sieht, diesen Test genau jetzt durchzuführen zu müssen, bei dem schon vorher das Testergebnis fest stand. Und dass sich dann auch noch die Medien dazu genötigt fühlten, es unbedingt herum posaunen zu müssen, sollte einem Angst machen.

      Das ist der Code für: Die Deutsche Bank ist pleite.

  2. Avatar

    Gabriel Scheer

    13. Juli 2020 15:33 at 15:33

    Zitat: Die Welt steht vor einem systemischen Komplettzusammenbruch. Und man fakt sich die Daten so hin, wie man sie brauchen kann, da Niemand diesen Zusammenbruch will, und die Anleger lieber die fake Daten glauben wollen.
    => Genau so ist es!

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Immer mehr zusätzliche Luft für die Aktienblase, Branchenrotation dank Biden

Claudio Kummerfeld

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Derzeit gibt es immer mehr zusätzliche Luft zum weiteren Aufblähen der globalen Aktienblase, so ein Experte im folgenden Gespräch mit Manuel Koch. Notenbanken und Stimulus-Maßnahmen würden die Blase weiter befeuern. Dabei würden sich die Börsenbewertungen immer mehr von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit entfernen. Deswegen sollten die Anleger Bestände gegen Verluste absichern. Auch interessant sind die Aussagen über eine Branchenrotation bei US-Aktien. Dank des neuen US-Präsidenten Joe Biden würden Branchen wie Pharma und alternative Energien profitieren, dafür könnte zum Beispiel die Ölindustrie verlieren.

Im Video auch besprochen werden zwei Handelsideen der trading house-Börsenakademie. Bei Netflix könne man market kaufen, und bei Microsoft könne man über das Vehikel einer Stop-Buy-Order auf steigende Kurse setzen.

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Aber CFDs sind Termingeschäfte? Verbände für steuerliche Bevorzugung von Optionsscheinen

Claudio Kummerfeld

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Aktives Trading mit CFDs und Optionsscheinen könnte problematisch werden

Was sind CFDs? Die „Contracts for Difference“ erlauben gehebelte Wetten auf steigende und fallende Kurse. Die CFDs können Anleger zeitlich unbefristet lange halten. Und Optionsscheine? Die haben einen fest definierten Ablaufzeitpunkt. Und wie definiert man Termingeschäfte? In Kurzform: Dies sind Börsengeschäfte, bei denen die Erfüllung des Vertrags (Abnahme und Lieferung der Ware) zu einem späteren Termin erfolgt. Also sind Optionsscheine doch Termingeschäfte, und CFDs irgendwie nicht so richtig?

Egal. Wenn der Gesetzgeber eine Feststellung trifft, dann ist das eben so – weil es nun mal der Gesetzgeber ist? So wurde vor Kurzem die seit Anfang Januar gültige Novellierung des Einkommensteuergesetzes beschlossen, wonach Verluste aus „Termingeschäften“ nur noch bis zu 20.000 Euro pro Jahr mit Gewinnen aus Termingeschäften verrechnet werden dürfen. Dadurch wird die bizarre Realität entstehen, dass Anleger Steuern auf Gewinne zahlen müssen, obwohl sie effektiv in einem Börsenjahr im Handel keinen Gewinn erzielt haben (wir berichteten schon mehrmals). Danke Olaf Scholz, darf man da schon mal im Voraus sagen.

Klar zu sein scheint, dass die CFDs in die Kategorie der Termingeschäfte fallen im Sinne dieser Novelle des Einkommenssteuergesetzes – wohl ganz einfach, weil der Gesetzgeber es so will. Aber auch Optionsscheine, die per Definition doch viel eher Termingeschäfte sind? Wie man derzeit munkelt, wird das Bundesfinanzministerium noch eine Klarstellung für die ausführenden Steuerbehörden veröffentlichen, aus welcher hervorgehen könnte, dass auch Optionsscheine als Termingeschäfte zu betrachten wären. Das würde den Kreis der betroffenen Anleger deutlich erweitern.

Lobbyarbeit für Optionsscheine – von CFDs ist keine Rede

Aber halt. CFDs werden fast komplett von angelsächsischen und Offshore-Anbietern angeboten. Optionsscheine sind die Kinder der deutschen Bankenbranche. Und drei Mal darf man raten, wer den besseren Draht zu BaFin, Bundesfinanzministerium, Staatssekretären etc haben könnte? Diese Woche sieht man vom Deutschen Derivate-Verband, der Börse Stuttgart und der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) einen offiziellen Appell an das Bundesfinanzministerium (siehe hier), worin man eindringlich dazu auffordert Optionsscheine bezüglich dieser Neuregelung nicht als Termingeschäfte einzustufen. Man möchte also erreichen, dass Anleger auch weiterhin unbegrenzt Verluste aus Optionsscheinen mit Gewinnen aus Optionsscheinen verrechnen dürfen.

Gibt der Gesetzgeber dem nach, wäre dies ein glasklarer Vorteil für die Anbieter von Optionsscheinen, und ein riesiger Nachteil für die ausländischen CFD-Anbieter. Und wer ist denn Mitglied im Deutschen Derivate-Verband? Eben nicht die CFD-Anbieter, sondern so ziemlich alle deutschen Anbieter von Zertifikaten und Optionsscheinen, wie Deutsche Bank, Deka, Hypo, LBBW, DZ, Baader usw. Für CFDs bitten sie nicht um eine Ausnahme, sondern nur für Optionsscheine. Und die DSW? Hat sie die CFDs schon aufgegeben, und hofft nun noch darauf, wenigstens noch die Optionsscheine vor diesem Steuerirrsinn retten zu können? Aus dem Appell zitieren wir hier auszugsweise im Wortlaut:

Der Deutsche Derivate Verband (DDV), die Börse Stuttgart und die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) appellieren an das Bundesfinanzministerium, die Linie aus dem Juni 2020 beizubehalten und Optionsscheine nicht als Termingeschäfte einzuordnen. Im Entwurf des Anwendungsschreibens des BMF vom Juni 2020 wurden Optionsscheine nicht als Termingeschäfte klassifiziert und damit eine klare, angemessene Abgrenzung erreicht. Damit wird vermieden, dass Anleger in der Depotgestaltung beeinträchtigt werden und zudem aufwendige individuelle Veranlagungen vornehmen müssen. Anderenfalls drohen schwere steuerliche Nachteile, nachträgliche Steuerzahlungen und Unsicherheiten für hunderttausende von Anlegern. Für Termingeschäfte sieht das Jahressteuergesetz, das seit Jahresbeginn gilt, eine begrenzte Verlustverrechnungsmöglichkeit nur mit anderen Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltegeschäften vor.

Marc Tüngler, DSW-Hauptgeschäftsführer: „Die steuerliche Neuregelung der Verlustverrechnung ist ein weiterer herber Schlag für Privatanleger und führt zu massiven Verunsicherungen. Vom Grundsatz her halten wir die Regelung insgesamt für verfassungswidrig. Der Entwurf des BMF-Schreibens war immerhin ein fairer Vorschlag, wie die Anwendung zumindest in Bezug auf Optionsscheine zu regeln ist, und würde betroffenen Anlegern eine Perspektive geben. Wenn das BMF jetzt von diesem ursprünglichen Entwurf abweicht, weckt das Unverständnis und offenbart einmal mehr die feindliche Gesinnung gegenüber Privatanlegern.“

Würden Optionsscheine jetzt durch das Anwendungsschreiben des BMF den Termingeschäften zugerechnet, wird die neugeschaffene Unwucht im Steuerrecht weiter dramatisch verschärft.

Es gibt gute sachliche Argumente dafür, warum Optionsscheine steuerlich als sonstige Finanzinstrumente und nicht als Termingeschäfte zu klassifizieren sind. Die Klassifizierung sollte anhand der Erfüllungsweise von Optionsgeschäften vorgenommen werden. Diese ist bei Optionsscheinen „Zug-um-Zug“, sie sind daher bei der steuerlichen Behandlung den Kassageschäften zuzurechnen, und nicht den Termingeschäften. Diese Einschätzung wird auch von Wissenschaftlern geteilt.

Eine Studie der WHU aus dem vergangenen Jahr zeigt, dass hunderttausende von Privatanlegern von einer solchen Klassifizierung betroffen wären. Zudem stellt die Studie der WHU fest, dass 68,8 Prozent der Nutzer von Hebelprodukten wie Optionsscheinen diese zur Absicherung einsetzen. Die Beschränkung der Verlustverrechnung erschwert es Anlegern von dieser Möglichkeit Gebrauch zu machen.

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Quartalszahlen und Inflation

Redaktion

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Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. IBM und Intel werden heute Abend ihre Quartalszahlen veröffentlichen – sie werden von ihm vorab besprochen. Auch das Thema Inflation ist auf der Tagesordnung.

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