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US-Berichtssaison: Sind die Erwartungen niedrig genug?

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Mit Spannung blickt man auf die US-Berichtssaison für das zweite Quartal 2020. Kaum eine Wirtschaftssendung berichtet nicht darüber (hier dazu auch mein gestriger Kommentar). Schließlich beinhaltet diese Periode den ganz großen Lockdown in fast allen westlichen Staaten und damit wird das ganze Ausmaß der wirtschaftlichen Folgewirkungen eines historisch einmaligen Vorganges sichtbar.

US-Berichtssaison: Heute starten die US-Großbanken

Gleich mit J.P. Morgan, der größten Bank der USA, mit einer Marktkapitalisierung von über 290 Milliarden Dollar und zu den Top-10-Aktien in der Börsenbewertung gehörend. Die Unternehmenszahlen des Großinstituts könnten einen Überblick über den Zustand der US-Wirtschaft geben. Erinnern wir uns an die Zahlen des ersten Quartals. J.P. Morgan hatte wegen der Corona-Krise viel Geld für faule Kredite zurückgestellt und einen Gewinneinbruch erlitten – von 9,2 Millarden Dollar auf 2,9 Milliarden auf Jahresfrist. Die Bank hatte deutlich schlechter als von Analysten erwartet abgeschnitten. CEO Jamie Dimon sprach davon, dass man wegen der Rezession 6,8 Milliarden Dollar für faule Kredite zurückgelegt habe. Und heute?

Anders ist die Situation im Investmentbanking sowie im Eigenhandel. Hier erwartet man gute Ergebnisse, denn die Volatiltät und der rege Handel bescherten Provisionen. Dazu zählen auch die Einnahmen aus vielen Emissionen von neuen Anleihen. Ein gutes Geschäft für Investmenthäuser wie JP Morgan oder Goldman Sachs?

Bei der zweiten Bankbilanz – der von Wells Fargo -, sieht die Situation etwas anders aus. Der CEO der Bank, Charlie Scharf, hatte bereits gewarnt, dass die Kreditausfälle im zweiten Quartal die Reserve von 3,1 Milliarden Dollar aus dem ersten Quartal übersteigen werden. Man erwarte für das gesamte Jahr ein elf Prozent niedrigeres Zinsergebnis als im Vorjahr. Deshalb solle auch die Dividende soll gekürzt werden. Wells Fargo hat auch viele kleinere Privat- und Firmenkunden und ist aus dieser Warte auch ein Seismograph für die Wirtschaft abseits der Großkonzerne.

Die Erwartungen für die gesamte Branche

Insgesamt wird die aktuelle US-Berichtssaison für die Bankenbranche eine selten tiefrote Bilanz offenbaren. Hierzu ein Bankenanalyst von Wells Fargo im Fernsehinterview: Man werde durch eine Ergebnishölle gehen, mit Ergebnissen wie zur Finanzkrise 2008. Mit einer Halbierung von Gewinnen, aber auch mit der Hoffnung, dass das Schlimmste vorbei sei.

Für die „Hölle“ wären das eigentlich noch gute Zahlen. Ulrich Stephan, der Chefanlagestratege der Deutschen Bank für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, rechnet sogar mit Gewinnrückgängen von 70 Prozent, auch Goldman Sachs ist bei der Durchschnittsschätzung von 69 Prozent nicht weit entfernt. Steckt hier Kalkül dahinter? In jedem Fall wird das große Augenmerk der Investoren auf der Beurteilung des weiteren Jahresverlaufs liegen.

Dividende wird dennoch bezahlt

Egal wie schlecht die Unternehmensergebnisse ausfallen, an der Ausschüttungspolitik hält man eisern fest. Schließlich bilden die vierteljährlichen Dividendenzahlungen den großen Geldfluss für die Pensionskassen, mit denen diese ihre Kunden bedienen müssen. Dafür hat man auch den Segen der Federal Reserve, die im jüngsten Stresstest fast allen Banken eine gute Kapitalisierung bescheinigt hat. Bis auf Wells Fargo werden wahrscheinlich alle Institute ihre Ausschüttungen von Dividenden beibehalten. Anders als in Europa gibt es seitens der Notenbank keine Ausschüttungsverbote, nur das Verbot der Anhebung der Dividenden. Das sind die USA abhängig von ihren Aktienmärkten, bereits im Dezember 2018 überdeutlich zu erkennen. Siehe dazu: „Aktienmärkte, die Achillesferse der USA.“

Fazit

Wieder einmal beginnt eine US-Berichtssaison mit den Bankentiteln. Und wieder einmal stellt sich die Frage, ob diese die Konsensschätzungen und die „Whisper Numbers“ übertreffen können. Im ersten Quartal musste man die Märkte mit Gewinnrückgängen von 46 Prozent (Citigroup) bis zu 90 Prozent (Wells Fargo) schocken. Zu brutal war der Einbruch binnen weniger Wochen gewesen. Jetzt hatte man doch einige Wochen Zeit, um das Umfeld auf die Geschäftslage einstellen zu können. Was für mich besonders spannend ist, könnte die Beantwortung der Frage sein, ob die Banken als Verteiler des Kapitals den erwarteten Anstieg der US-Wirtschaft zumindest in ihren Ausblicken bestätigen werden. Zum Ende der letzten Wochen waren die Banktitel fast unisono bei anziehenden Umsätzen gestiegen. War dies nur Spekulation oder haben die Firewalls nicht vollständig funktioniert? In ein paar Stunden/Tagen sind wir schlauer.

Die US-Berichtssaison wirkt sich heute auf die Wall Street aus
Die Wall Street in New York. Foto: Arild Vågen CC BY-SA 4.0

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Aktuell: CureVac-Aktie mit 190 Prozent Plus am ersten Handelstag!

Claudio Kummerfeld

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CureVac forscht im Kampf gegen das Coronavirus

Das Unternehmen CureVac aus dem beschaulichen Tübingen hat heute für 213 Millionen Dollar Aktien verkauft, und legt heute auch seinen Börsengang an der Nasdaq in New York hin. Das Unternehmen forscht mit Hochdruck nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Vor wenigen Minuten gab es den ersten Börsenkurs. Nach dem IPO-Preis von 16 Dollar liegt der Aktienkurs jetzt schon mit 190 Prozent im Plus. Starke Schwankungen um die 46 Dollar sieht man derzeit. Der Höchstkurs lag vorhin schon bei 48,88 Dollar, der Erstkurs bei 44 Dollar. Was für ein Hype!

Frage: Wollen Sie liebe Anleger auf den Erfolg spekulieren, und hier einsteigen? Wer wirklich ein erfolgreiches Corona-Medikament auf den Markt bringt? Wer weiß das schon zum jetzigen Zeitpunkt? Ist es CureVac, könnte die Aktie natürlich durch die Decke gehen. Es ist eine reine Spekulation. Von den 213 Millionen Dollar IPO-Erlös bei Curevac gehen 150 Millionen Dollar in die Entwicklung des Corona-Impfstoffs. Mit weiteren 50 Millionen Dollar soll die kurzfristige Produktionskapazität ausgebaut werden.

SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp ist Haupteigner und soll es auch bleiben. Nach der Börsengang soll sein Unternehmen Dievini knapp 50 Prozent der Anteile halten. Die deutsche Staatsbank KfW hält knapp 17 Prozent, der Pharmakonzern GlaxoSmithKline knapp acht Prozent. Wird die Aktie der Renner an der Börse? Heute am ersten Tag ist sie es jedenfalls!

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – negative Nachrichten

Redaktion

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Markus Koch meldet sich LIVE im folgenden Video vor dem Handelsstart in New York. Heute gibt es verschiedene negative Nachrichten, welche die Stimmung zum Handelsauftakt eintrüben.

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Antizyklische Idee: Jetzt einen Touristiker kaufen? – Werbung

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Lieber Börsianer,

juckt Ihnen da schon der Orderfinger? In den vergangenen 12 Monaten rauschte die Tui-Aktie über 50 % in den Keller. Kaum besser das Bild der Lufthansa, deren Aktie in diesem Zeitraum 37 % verlor. Zum Vergleich: Der DAX gewann auf Jahressicht bis dato rund 10 % hinzu.

Sind diese Corona-Opfer jetzt möglicherweise einen Kauf? Nun, die aktuellen Zahlen der Tui sehen nicht nur auf den ersten Blick grausam aus. So schrumpfte der Umsatz im sog. Corona-Quartal um 98,5 % auf kleine 72 Millionen Euro. Gleichzeitig häufte der Touristiker aus Hannover einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro an. Klingt überschaubar, oder? Naja, das ist ungefähr so viel, wie wenn Apple in einem Quartal 500 Milliarden US-Dollar verlieren würde. Der Verlust der Tui entspricht also über der Hälfte der aktuellen Marktkapitalisierung der Aktie.

Bei solchen Relationen werden üblicherweise Insolvenzverwalter hellhörig und geben ihre Visitenkarten beim zuständigen Amtsgericht ab. Im Falle der Tui werden die Insolvenzverwalter allerdings voraussichtlich untätig bleiben, da Vater Staat – ähnlich wie der Lufthansa – rettend einspringen wird.

So stellt die staatliche KfW-Bank rund 3 Milliarden Euro in Form verbilligter Kredite für Tui zur Verfügung. Gleichzeitig schießt der Bund über eine Wandelanleihe 150 Millionen Euro in das Touristik-Unternehmen ein.

Also doch ein antizyklischer Kauf, die Tui-Aktie? Schauen wir uns die Situation bei der kurz zuvor geretteten Deutschen Lufthansa einmal im Detail an. Die Kranich-Linie wurde in einer konzertierten Aktion aus Wien (Austrian Air), Bern (Swiss und Edelweiss), Berlin (Lufthansa selbst) und Brüssel (Brussels Air) gerettet. Eine große europäische Anstrengung, die das Unternehmen und viele Arbeitsplätze retten wird.

Freilich kommt der Staat als Retter nie kostenlos. Beispiel Bern: Dort organisierte und garantiert die Regierung ein vergünstigtes Bankendarlehen in Höhe von rund 1,4 Milliarden Euro für die Lufthansa-Töchter Swiss und Edelweiss. Der Preis für die…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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