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US-Dollar: Die Schwäche der Weltleitwährung – Euro-Stärke dauerhaft?

Was wurde nicht alles in den letzten Jahren geschrieben über den Zerfall der Eurozone, über das Scheitern der Gemeinschaftswährung Euro – aber gerade in der Coronakrise ist das Gegenteil zu vermelden, der US-Dollar schwächelt, und im internationalen Handel wird immer  mehr auf den Euro gesetzt.

US-Dollar: Der Fall der Weltleitwährung

Es hat wohl schon jeder gemerkt, die Stärke des Euro im Vergleich zu US-Dollar – an der Tankstelle oder sonstwo. Seit dem Beginn der Coronakrise im Westen verliert der Dollar sukzessive an Wert gegenüber der Gemeinschaftswährung in Europa. Und dies nach über einem Jahrzehnt andauernder Kursstärke des Greenback. Seit dem Hoch bei der Finanzkrise, wo man noch 1,55 für einen Euro bezahlen musste, ging es bis 1,05 aufwärts, auch zu Frühlingsbeginn 2020 kostete dieser noch 1,08 Dollar.

Mit Corona, den gigantischen Geldspritzen in den USA und dem ausufernden Haushaltsdefizit ging es immer schneller abwärts mit dem eigentlich sicheren Hafen US-Dollar. Allein im Monat Juli verlor der Greenback gegenüber dem Euro über vier Prozent an Wert.

Betrachtet man die Prognosen mancher Großbanken (1,25 – 1,30) oder die rekordverdächtigen Wetten auf einen fallenden Dollar an der CFTC, so könnte es noch deutlich weiter nach oben gehen, mit dem Euro. Wobei Letzteres erstmal für eine Verschnaufpause bei der Aufwärtsbewegung spricht.

Coronakrise stärkt den Euro

Obgleich es immer ein Sammelsurium an Gründen für Bewegungen bei den Währungen gibt, so sind die Gründe für eine Schwäche beim US-Dollar schon sehr signifikant. Der Anstieg der Geldmenge M2 in den USA im Vergleich zur Eurozone, die Verschuldungsorgie der USA bis über 130 Prozent zum BIP, die Emissionsflut an Dollar-Anleihen und, und, und. Darüber wurde schon ausführlich berichtet. Aber, dass man sich in Europa auf einen Wiederaufbaufonds geeinigt hat, auf so etwas wie gemeinsame Euroanleihen, das ist für die Amerikaner und den Rest der Welt doch ein Signal, dass es plötzlich eine Alternative zu den dominanten und überaus liquiden Dollar-Anleihemärkten geben könnte.

Denn die Wachstumsaussichten für die USA sind nach den Handelsstreitigkeiten vor allem mit dem schlechten und wirtschaftlich folgenreichen Missmanagement der Corona-Pandemie urplötzlich anders geworden. Der Finanzdienstleister Bloomberg berichtet, dass das Wachstum für das kommende Jahr für die Eurozone über 1,5 Prozent höher eingeschätzt wird, als für die USA. An Derartiges können sich die Wenigsten erinnern, es ist anscheinend seit 1992 auch erst achtmal vorgekommen.

Veränderungen der Geldströme

Dass die neue Situation an den Anleihemärkten etwas Größeres werden könnte, darauf haben die bekannten Ökonomen Carmen Reinhart, Kenneth Rogoff und Ethan Ilzetzki schon vor ein paar Monaten in einer Studie hingewiesen:

Ein wesentlicher Grund, warum der Euro im Währungssystem kaum einen größeren Anteil besitzt, als die großen Währungen vor der Euroeinführung , liege am Mangel an hochwertigen marktfähigen Vermögenswerten in Euro und dem Liquiditätsmangel im Vergleich zu den in US-Dollar notierten Anleihenmärkten.

Denn die US-Staatsanleihen gebe es in einem Volumen von deutlich über 20 Billionen Dollar, versehen mit dem Siegel der Sicherheit (die USA hatten noch nie einen Staatsbankrott, Deutschland schon deren sieben in den letzten 220 Jahren) – und damit waren diese Schuldscheine unter Investoren stets sehr begehrt.

Und wie erwähnt: Ein Auseinanderfallen der Eurozone ist für die internationalen Investoren nach den letzten Brüsseler Beschlüssen deutlich unwahrscheinlicher geworden. Auch wenn Deutschen bei dem Gedanken an gemeinsame Euro-Schulden mulmig wird, für das Ausland wird dies als Stabilisator gesehen. EZB – „Einer Zahlt Bestimmt“..

Und dann gibt es noch das Argument des Handels- und Währungstreits – mit unabsehbaren Folgen. Die USA (speziell ihr Präsident) haben derart viele Länder mit dem Geschachere um Neuverträge in der Nach-Obama-Ära brüskiert, dass sich einige immer stärker nach Alternativen zum bisher dominierenden US-Dollar umsehen.

Im Handel zwischen Russland und China ist der Anteil der US-Währung schon unter 50 Prozent gesunken, Nutznießer ist der Euro. Konkret: 2018 lag der Anteil des US-Dollar noch bei 76 Prozent, aktuell nur noch bei 46 Prozent. Der Anteil des Euro hingegen ist von 7 auf 30 Prozent gestiegen.

Das ist ein Aspekt, der Handel. Aber was wird mit der Flut an neu emittierten US-Staatsanleihen und vor allem mit dem Ersatz der auslaufenden und in Bälde zu ersetzenden? Wird das Ausland diese Flut weiter aufnehmen, bei den Minizinsen und der schwächelnden Weltleitwährung? Eine interessante Konstellation für die Zukunft, die US-Exportschlager (FAANG) freut die Abwertung, aber wer kauft in Zukunft die Anleihen? Die Federal Reserve?

Fazit

Der Preisverfall beim US-Dollar ist ein erstes Zeichen. Wird die aktuelle Lage die Dominanz des Dollar und vielleicht auch der USA beenden? Es kann natürlich nicht auf kurze Zeit geschehen, denn die Dominanz des Greenback auf dem Rohstoffsektor, auf den Anleihemärkten und an den Börsen ist schon noch gewaltig. Auch deuten kurzfristige Indikatoren auf eine Gegenbewegung hin.

62 Prozent beträgt der Anteil des US-Dollar an den globalen Devisenreserven, über 63 Prozent an den Aktien des MSCI World und noch mehr im Bereich des Rohstoffhandels. Vertrauen in die Stabilität einer Währung ist das A und O. Die US-Regierung ist seit geraumer Zeit dabei dieses Vertrauen zu erschüttern, sei es durch die Handelskriege, durch den Boykott vieler überstaatlicher Abkommen (America first, in neuer Dimension) oder zuletzt durch das US-Krisenmanagement bei Covid-19.

Aber halt: Bald sind US-Präsidentschaftswahlen, aber da ist der Ausgang wahrscheinlich genauso voraussehbar, wie die Entwicklung einer Währung.

Der US-Dollar steht derzeit unter Druck gegenüber dem Euro



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