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US-Dollar mit brutalem Absturz – Blick auf US-Rendite und EZB

US-Dollar Scheine

Den US-Dollar kann man auch ohne Gegenwährung alleine betrachten. Dies geht über den Dollar-Index, einem Währungskorb, in dem der US-Dollar gegen andere große Leitwährungen wie Euro, Yen oder Pfund) berechnet wird. Viele Werte, die gegen den US-Dollar gehandelt werden, profitieren von seiner Schwäche, so zum Beispiel Gold, die türkische Lira, das Pfund etc. Im folgenden Chart sehen wir den Verlauf des US-Dollar Index in den letzten zwölf Monaten. Man sieht den brutalen Absturz ab dem 21. Februar – es ging runter von 99,80 auf aktuell 95,76 Indexpunkte – das sind Welten! Damit erreicht der Index den tiefsten Stand seit Juni 2019. Ein starker Profiteur der Dollar-Schwäche ist natürlich der Euro. Denn seit dem 21. Februar konnte Euro vs US-Dollar kräftig zulegen, von 1,0781 auf aktuell 1,1337!

US-Dollar Index im Verlauf der letzten 12 Monate

US-Rendite kollabiert völlig

Auch im großen historischen Vergleich ist der aktuelle Absturz in der US-Rendite unfassbar. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe ist diese Woche immer weiter gestützt, und hat heute erneut ein historisches Tief erreicht bei nur noch 0,69 Prozent! Vor genau einem Monat lag sie noch bei 1,64 Prozent! Das ist in der Tat unfassbar! Die Anleger fliehen seit Tagen massiv aus Aktien, und gehen in die „Sicheren Häfen“ namens Gold und US-Staatsanleihen, was den Kurs der Treasuries natürlich hochtreibt – die Rendite geht brutal in den Keller. Wir erleben derzeit den stärksten Rückgang der Renditen für länger laufende US-Staatsanleihen seit dem Jahr 1953 – sprich seit dem Koreakrieg, der damals zu einem Weltkrieg zu eskalieren drohte.

Nachdem die Fed Anfang der Woche erst den Leitzins um 50 Basispunkte gesenkt hatte (im Kampf gegen die Auswirkungen des Coronavirus), erwartet der Markt (siehe Fed Watch Tool) für die Sitzung am 18. März von der Fed mit 100 Prozent Wahrscheinlichkeit eine weitere kräftige Zinssenkung auf dann nur noch 0,25-0,50 Prozent. Der Markt setzt die Fed unter Druck, und sie wird wohl am 18. März senken! Damit werden also Geldanlagen in US-Dollar deutlich weniger attraktiv, was den US-Dollar schwächt. Deswegen fällt der Greenback aktuell  mit einer selten gesehenen Dynamik.

US-Rendite 10 Jahre Staatsanleihen seit 1970

Achtung, nicht die EZB vergessen

Den US-Dollar hat natürlich zusätzlich geschwächt, dass sein größter Gegenspieler (der Euro) keine Zinssenkung oder sonstige Lockerung durch die EZB einstecken musste. Das ist diese Woche überhaupt die größte Überraschung. Kanada, USA und Australien haben die Zinsen gesenkt. Aber die EZB noch nicht (EZB-Sitzung in der nächsten Woche!). Wenn sie nächste Woche jedoch konkrete Maßnahmen ergreifen sollte wie Zinssenkungen, Liquidität für die Banken, oder weitere Anleihekäufe, dann könnte das dem Euro schaden – und der US-Dollar hätte wieder die Chance für ein Comeback (zumindest gegenüber dem Euro)! Aber grundsätzlich muss man im Auge behalten, wie sehr sich die Krise um das Coronavirus verschärft. Ironie des Schicksals – das Coronavirus erreicht, was Donald Trump seit Monaten mit üblen Tweets Richtung Fed nicht erreichen konnte – nämlich deutlich sinkende US-Zinsen und einen schwächeren Dollar!



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