Devisen

US-Dollar vor doppeltem Absturz? Genauer Blick

Wird der US-Dollar die nächsten Tage und Wochen gegen Euro und Yen abwerten? Ein Blick auf die Zinsen bei Fed, EZB und Bank of Japan.

Dollar-Scheine. Foto: Claudio Kummerfeld

Steht für den US-Dollar an zwei „Fronten“ Abwärtsdruck an für die nächsten Tage und Wochen? Durchaus möglich! Es lohnt sich aber der genaue Blick auf die Eurozone und Japan. Anstehende Zinsänderungen bei den Zentralbanken und weitere Aussichten können entscheidend werden.

US-Dollar gegen Euro

Auf der einen Seite hat EZB-Direktorin Isabel Schnabel erst gestern verkündet, sie plädiere für Zinserhöhungen in der Eurozone bei der nächsten Änderung. Dies war von ihr aber nicht als kurzfristiger Ausblick gemeint, sondern eher als Signal für die nächsten Monate. Klar wird mit so einer Aussage aber, dass bei der EZB das Zinstief erreicht ist. Für den US-Dollar bedeutet dies womöglich Abwärtsdruck, weil der Euro durch eine Aussicht zur Zinswende aufwärts tendieren könnte. Denn bei der Aussicht auf höhere Zinsen dürften Kapitalflüsse Richtung Eurozone zunehmen, was die Nachfrage nach Euros erhöht.

Im Chart sehen wir im Verlauf der letzten drei Monate: Seit Oktober gibt es vereinfacht gesagt einen Seitwärtstrend zwischen Euro und Dollar (rote Linie). Auf der einen Seite ist anstehende Euro-Stärke zu erwarten. Auf der anderen Seite wird die Federal Reserve aller Voraussicht nach morgen Abend die Zinsen senken – und für 2026 sind weitere Zinssenkungen angedacht, was tendenziell den Dollar weiter schwächen sollte. Die Frage ist nur: In wie weit haben Anleger dieses Szenario von steigenden Euro-Zinsen und fallenden US-Zinsen bereits eingepreist im US-Dollar? Tendenziell könnte aber Dollar-Schwäche gegenüber dem Euro anstehen.

Chart zeigt Dollar gegen Euro und Yen in den letzten drei Monaten

Lage in Japan weniger klar

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Beim Blick nach Japan wird die Lage deutlich schwieriger. Nach einer gefühlten Ewigkeit stiegen die Zinsen der Bank of Japan im letzten Jahr von -0,1 % auf derzeit +0,5 % an. Nun steht für den 19. Dezember eine Zinserhöhung auf 0,75 % an, und danach könnte es weiter bergauf gehen. Damit müsste doch eigentlich eine Markterwartung eingepreist werden, die den Yen gegenüber dem US-Dollar aufwerten lässt? Aber nein. Im Chart sieht man in der blauen Linie: In den letzten drei Monaten hat der Dollar gegen den Yen sogar um 5,94 % kräftig aufgewertet!

Aufschlussreich sind dazu Erläuterungen von Marktteilnehmern. Bloomberg berichtete am Sonntag: Es gibt zunehmend Spekulationen, dass die Bank of Japan diesen Monat die Zinsen anheben wird, aber die Marktteilnehmer setzen weiterhin darauf, dass der Yen gegenüber dem US-Dollar schwächer wird. Händler bei der Bank of America, Nomura Holdings und RBC Capital Markets sagen, dass die Positionierung der Anleger solche Wetten widerspiegelt. Der Pain Gauge der Citigroup für den Yen, ein Maß für die Gesamtpositionierung der Händler, bleibt deutlich unter Null – ein Zeichen für die anhaltend negative Stimmung gegenüber der Währung.

Die Anleger halten auch nach der Ankündigung von BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda, dass die Zinsen bald steigen könnten, und der Aussage, dass die Zentralbank bereit sei, die Zinsen im Dezember anzuheben, sofern es keine größeren Schocks für die Wirtschaft oder die Finanzmärkte gebe, an ihren pessimistischen Prognosen fest. Der Grund dafür ist, dass die Renditen in Japan auch nach einer möglichen Zinserhöhung durch die BOJ deutlich unter denen in den USA bleiben dürften, was den Dollar begünstigt.

„Die Positionierung tendiert weiterhin zu einem Anstieg des Dollar-Yen-Kurses bis zum Jahresende, und es würde einen echten Schock seitens der BOJ erfordern, um dieses Szenario umzukehren“, sagte Ivan Stamenovic, Leiter des Devisenhandels für die G-10-Währungen im asiatisch-pazifischen Raum bei der Bank of America in Hongkong. Uedas hawkische Äußerungen lösten eine Debatte über das Währungspaar aus, aber es gab keine wirkliche Veränderung der Stimmung, sagte er.

Frische Aussagen der Bank of Japan

Heute gab es frische Aussagen aus Japan. Der Gouverneur der BOJ, Kazuo Ueda, sagte, die Zentralbank nähere sich ihrem Inflationsziel, was die Anzeichen dafür verstärkt, dass die BOJ bei ihrer Sitzung nächste Woche den Leitzins anheben könnte. „Wir nähern uns einer nachhaltigen Inflation von 2 %“, sagte Ueda in einem Interview mit der Financial Times, das am Montagabend aufgezeichnet und am Dienstag ausgestrahlt wurde. „Das kann ich sagen.“

Ueda äußerte sich vor dem Hintergrund erhöhter Erwartungen, dass die BOJ die Kreditkosten auf 0,75 % anheben wird, den höchsten Stand seit 1995, wenn sie am 19. Dezember ihre nächste geldpolitische Entscheidung bekannt gibt. Bloomberg berichtete letzte Woche, dass Vertreter der Bank bereit sind, die Zinsen bei der Sitzung anzuheben, sofern es in der Zwischenzeit zu keinen größeren Schocks für die Wirtschaft oder die Finanzmärkte kommt, wie aus Kreisen bekannt wurde, die mit der Angelegenheit vertraut sind.

In seinem Interview mit der FT deutete der Gouverneur an, dass die Bank nach einer erneuten Zinserhöhung wahrscheinlich noch nicht am Ende ihrer Maßnahmen angelangt sein wird, da sie weiterhin das Ausmaß ihrer Unterstützung für die Wirtschaft anpasst.

Die Bank wird den Grad der geldpolitischen Lockerung weiterhin langsam anpassen, „bis wir eine nachhaltige Inflationsrate von 2 % erreichen und bis unser Leitzins wieder auf seinem natürlichen Niveau ist. Wo auch immer das sein mag”, sagte Ueda.

Der Yen legte leicht zu, als Uedas Kommentare übertragen wurden, und fiel kurzzeitig unter die Marke von 156 gegenüber dem US-Dollar. Händler sehen auf der Grundlage von Overnight-Swaps eine Wahrscheinlichkeit von etwa 88 % für eine Zinserhöhung bei der bevorstehenden Sitzung. Ein wichtiger Schwerpunkt ist, wie Ueda den künftigen Zinspfad und seine Überlegungen zum neutralen Zinssatz, bei dem die Kreditkosten die Wirtschaft weder stimulieren noch einschränken, darlegen wird.

Ueda bekräftigte auch die Haltung der BOJ, dass sie die Auswirkungen der Wechselkurse auf die Inflation genau beobachtet. Der Yen erreichte im letzten Monat 157,89 pro Dollar, den niedrigsten Stand seit Januar, was die Sorge vor zusätzlichen inflationären Kräften schürte. Für einige Beobachter der BOJ gehört die anhaltende Schwäche der Währung zu den Faktoren, die eine Zinserhöhung im Dezember begünstigen.

Der Yen hat sich teilweise aufgrund wachsender Sorgen um die finanzielle Gesundheit Japans abgeschwächt, da Premierministerin Sanae Takaichi im November ein größer als erwartetes Konjunkturpaket geschnürt hat. „Wir versuchen, uns mit expliziten Kommentaren zur Finanzpolitik zurückzuhalten“, sagte Ueda. „Wir sagen in der Regel Dinge wie: ‚Es ist Aufgabe der Regierung, für mittel- bis langfristige finanzielle Nachhaltigkeit zu sorgen.‘“

Kommentar

FMW: Eigentlich spräche die anstehende Zinserhöhung der Bank of Japan und die Aussicht auf weitere Anhebungen für einen stärkeren Yen und einen schwächeren US-Dollar. Aber die aktuelle Marktlage und Expertenaussagen zeigen: Zumindest derzeit sieht man die Zinserhöhungen in Japan noch als zu gering an, um eine Yen-Aufwertung zu rechtfertigen. Wird sich diese Sichtweise in den nächsten Tagen ändern? Das ist das Risiko, das Anleger eingehen müssen, die auf den Yen und gegen den Dollar setzen wollen.

FMW/Bloomberg

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2 Kommentare

  1. ok und die anhaltenden Stärke des Euro vs. Dollar basierte also auf dem lange Zeit wesentlich höheren Zins beim Dollar?

    aber was weiß ich schon .. und vermutlich würde bei einem mal nennenswerten Korrekturmove … sicher auch keine Dollars gefragt nach der Liquidation von Wertpapieren ?

    es bleibt spannend und die Welt irre …

  2. Beim Euro ist das Zinstief erreicht? Die EZB glaubt wohl immer noch, dass die geliehenen Milliarden Deutschlands das Wirtschaftswachstum anschieben? In der Realität geht der Einbruch der hiesigen Industrie ungebremst weiter, weil das Geld mindestens zur Hälfte zur Finanzierung kaputter Strukturen eingesetzt wird. Bei der anderen Hälfte weiß man nicht wann das Geld überhaupt kommt und wo es investiert wird. Sollten damit zB Autobahnen gebaut werden, dann hilft das zwar der Bauindustrie, aber sonst niemanden.

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