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US-Dollar vor großer Rallye? Die Lage ist nicht ganz so einfach

US-Dollar Geldscheine

Steht der US-Dollar vor einer großen Rallye? Auf den ersten Blick scheint die Lage recht einfach zu sein. Die Inflation in den USA hat im Mai 5 Prozent erreicht. Die US-Notenbank Federal Reserve hat jüngst signalisiert, dass bis 2023 mehrere Zinsanhebungen anstehen könnten. Gleichzeitig klebt die EZB für die Eurozone an und sogar unter der Null-Linie bei den Zinsen.

US-Dollar würde bei steigenden Zinsen in den USA an Attraktivität gewinnen

Erhöhen die USA ihren Leitzins und die Eurozone bleibt gleichzeitig bei Null kleben, werden damit Zinsanlegen in den USA attraktiver, und der Geldfluss zieht Richtung US-Dollar. Das sollte/könnte/müsste die US-Währung weiter nach oben bringen? Als Gradmesser nimmt man am Kapitalmarkt stets den Dollar-Index, einen Währungskorb des US-Dollar gegen andere wichtige Währungen wie Euro, Pfund, Yen oder Franken. Der Kurs des Dollar-Index ist seit den Aussagen der Fed in den letzten drei Wochen von 90 auf aktuell 91,99 Indexpunkte gestiegen. Damit preist der Markt schon mal in einem gewissen Umfang die anstehende Zinswende in den USA ein. Noch ist sie nicht definitiv beschlossen, aber die Anzeichen sind da.

Und nun beginnen die Fragezeichen. Denn bis 2022 und vor allem 2023, wo Zinsanhebungen in den USA möglicherweise anstehen, ist noch viel Zeit. Und einige Experten (unter anderem die der Commerzbank) sehen ab Herbst diesen Jahres eine nachlassende Inflationsdynamik in den USA. Falls die Inflation wieder auf vielleicht 2 Prozent sinkt, lässt dann bei einigen US-Notenbankern auch der Wunsch nach höheren Zinsen nach? Das ist durchaus möglich. Wohl wegen diesem Szenario ist der US-Dollar derzeit noch nicht weiter am Ansteigen, sondern nur diese zwei vollen Indexpunkte in drei Wochen.

Dollar-Aufwertung 2014

Und man schaue auch auf folgenden Chart. Hier sieht man den Dollar-Index als blaue Linie seit dem Jahr 2009. In direktem Vergleich sieht man in orange den Verlauf von Euro gegen US-Dollar. Mittig im Chart sieht man ab 2014, wie der Euro stark abwertete, was natürlich auch den Dollar-Index kräftig nach oben brachte – weil der Euro im Dollar-Index sehr stark gewichtet ist. Als die EZB damals für die Eurozone mit weiteren kräftigen Zinssenkungen aufwartete, rutschte der Euro ab, und der US-Dollar legte zu.

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Im ganz großen Bild gesehen notiert der US-Dollar seitdem bis heute auf einem erhöhten Niveau. Also hat der Devisenmarkt damals schon kräftig darauf reagiert, dass die EZB die Zinsen nicht nur auf Null, sondern sogar ins Negative gesenkt hat. Und jetzt ist es mehr als klar. Anders als bei der Fed gibt es bei der EZB gar keine Anzeichen dafür, dass man überhaupt über ein Ende dieser Geldpolitik nachdenkt – die aktuell höhere Inflation sei vorübergehend. Also dürfte wohl Aufwärtspotenzial für den US-Dollar vorhanden sein. Wichtig dürfte die Frage werden, ob die Inflation in den USA im zweiten Halbjahr 2021 wirklich wieder auf normale Niveaus fällt. Denn zuletzt war sie auch so stark angestiegen, weil der sogenannte Basiseffekt voll durchschlug. Im 2. Quartal 2020 lag nämlich wegen Corona alles am Boden, die wirtschaftliche Tätigkeit, die Nachfrage, die Preise.

Was wird mit der US-Inflation im zweiten Halbjahr?

Und von diesem tiefen Niveau aus die Preise mit den heutigen Preisen zu vergleichen, bringt nun mal hohe prozentuale Steigerungsraten. Der Basiseffekt bei der Inflation dürfte in den nächsten Monaten nachlassen. Dennoch gibt es viele Signale, dass die hohen Preise ab Herbst nicht enden werden. Viele Indikatoren zeigen eine Unterversorgung mit Gütern, und eine dramatisch hohe Nachfrage. Wer an eine weiterhin hohe US-Inflation im zweiten Halbjahr glaubt, könnte auch an einen weiter steigenden US-Dollar glauben. Aber man vergesse bitte nie, dass der Devisenmarkt die viel drastischere Geldpolitik der Eurozone vor 7 Jahren schon eingepreist hatte, und dass dieser Move zu großen Teilen nicht rückgängig gemacht wurde. Aufwärtspotenzial für den US-Dollar dürfte dennoch vorhanden sein. Aber bitte, Preisziele oder Prognosen am Devisenmarkt, das ist die Königsdisziplin, an der wohl jeder scheitert. Es geht eher um grobe Tendenzen und mögliche Szenarien!

Chart vergleicht seit 2009 US-Dollar gegen EURUSD
TradingView Chart zeigt Langfristvergleich von US-Dollar-Index vs EURUSD.



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1 Kommentar

  1. Interessanter Bericht, was auch noch für den Dollar spricht: Immer bei Krisen erstarkt der Dollar, dies auch bald wieder bei der überfälligen Börsenkorrektur.

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