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US-Finanzminister: „Ab 3. November noch 30 Mrd Dollar Cash in der Kasse“

Redaktion

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FMW-Redaktion

Es wird wie in den vergangenen Jahren auch immer knapper. Vor wenigen Minuten wies US-Finanzminister Jack Lew erneut eindringlich darauf hin, dass ab 3. November nur noch gut 30 Miliarden Dollar Cash in der Staatskasse vorhanden sein werden um laufende Rechnungen zu bezahlen. 30 Milliarden Cash hört sich nach viel an, aber bei einem gigantischen Jahresbudget von knapp 4 Billionen Dollar ist das nichts. Er könne bei den großen täglichen Schwankungen des Finanzbedarfs (mal 30, mal 60 Milliarden) nicht sagen, ob das exakt hinkommt zum 3. November.

Jack Lew US Finanzminister
US-Finanzminister Jack Lew. Foto: US Treasury Department (Gemeinfrei)

Der US-Kongress, der (wir berichteten am Freitag) munter weiter streitet, solle sich der Knappheit in der Kasse bewusst sein. Wenn man sich dort zu viele Zeit lasse, könne es zu einem „schrecklichen Unfall“ kommen, so Lew im TV-Interview mit „CNBC“. Die USA seien auf dem Weg zu weiterem wirtschaftlichen Wachstum (??) und einige im Kongress würden mit ihren Blockadehaltungen dieses Wachstum gefährden. Lew betonte im Interview mehrmals der Kongress müsse so oder so die Schuldenobergrenze erhöhen. Denn bei der Knappheit der Liquidität geht es nicht darum, dass die USA keine neuen Käufer mehr für Staatsanleihen finden, sondern es geht nur um die aktuelle Schuldenobergrenze von 18,1 Billionen Dollar, die bereits erreicht ist und weswegen Lew letzte Woche schon eine neue Anleihe-Auktion über 26 Milliarden Dollar verschieben musste.

Auf und Ab in der Staatskasse

Lew beschreibt detailliert das aktuelle Auf in „seiner“ Staatskasse. Veränderungen von ein paar Milliarden Dollar rauf oder runter könnten darüber entscheiden, ob man noch zahlungsfähig ist oder nicht (und bei so einem Riesenbudget kann das schnell gehen). Wohl als Info für die TV-Zuschauer sagte Lew die Schuldenobergrenze sei keine Verpflichtung bis zu dieser Summe das Geld auszugeben, sondern eine Maßnahme die es der Regierung erlaube Rechnungen zu bezahlen. „Der Kongress hat es getan (Anheben der Grenze) und der Kongress muss es auch jetzt tun“ so Lew.

Gut sei es 150 Milliarden Cash zu haben, damit könne er 1 Woche auskommen. Im September war man noch in dieser komfortablen Lage, rutschte dann aber unter diese Marke – damals bekam sein Ministerium aber am 15. September quartalsweise eingezogene Steuern herein, was ihn wieder liquide machte, so Lew. Von da an bis jetzt ging es runter auf aktuell 75 Milliarden – das Cash schmelze jeden Tag dahin. Am 3. November sei man dann bei 30 Milliarden. Erst letzte Woche habe er dem Kongress einen Brief geschrieben die Grenze sei bis 3. November erreicht – kurz davor war er noch davon ausgegangen das Cash würde bis 5. November reichen.

Lew sagte ab nächste Woche Dienstag könne der Staat dann „nur noch“ Einnahmen aus Steuern und Gebühren erzielen, was aber für alle laufenden Kosten nicht reiche. Hier kommt das strukturelle Dilemma der USA voll zum Vorschein, weil man strukturell auf ständig neue Schulden angewiesen ist, um alte Schulden abzulösen und laufende Ausgaben zu bezahlen, für deren Begleichung man auf der Einnahmeseite nicht genug Steuern hereinholt.

Der „USA Today“ sagte Lew der US-Kongress habe mit dem selben Zögern und Zaudern bereits 2011 und 2013 die USA an den Rand einer Katastrophe gebracht. Denn auch damals konnte man sich schon nicht einigen zwischen Republikanern und Demokraten. So verstrich die Zeit und die Staatskasse war leer, weil man keine neuen Schulden machen konnte. Bibliotheken, Ministerien, Nationalparks etc wurden geschlossen, Mitarbeiter in einen nicht bezahlten Urlaub geschickt. Erst dann knickten die Republikaner ein, weil der Imageschaden zu groß wurde für sie und für die USA. Die Republikaner, die die letzten Male wie auch jetzt die Probleme bei der Anhebung der Schuldenobergrenze machen, haben bei den sagenhaften 78 Erhöhungen seit 1960 die Grenze 49 Mal erhöht, die Demokraten 29 Mal.

Was lernt man aus der Geschichte? Es ist viel entspannter und angenehmer einen Staatshaushalt zu haben, der strukturell ohne neue Schulden auskommt. Die Einnahmen decken die Ausgaben, fertig aus!

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    Siggi50

    26. Oktober 2015 16:19 at 16:19

    Und jährlich grüsst das Murmeltier.

    Die Amis lügen sich wie immer eins in die Tasche, die trotzdem immer leerer wird.

    • Avatar

      Siggi50

      26. Oktober 2015 16:22 at 16:22

      Es wird der Tag kommen, da die Welt den Amerikanern sagen wird, wo ihre Schuldenobergrenze ist.

      • Avatar

        Bernhard Zimmermann

        26. Oktober 2015 16:41 at 16:41

        Dieses Szenario wird nicht kommen, vorher gibt es Kriege in welchen Regionen auch immer , die über dieses Problem hinwegtäuschen. Sieht man sich die Aussenpolitik der letzten Jahre an, kann es keine andere Schlussfolgerung geben.

  2. Avatar

    Jorgen

    26. Oktober 2015 19:19 at 19:19

    Wachstum? Welches Wachstum denn? Das der Armee? Diese vermaledeiten Amerikaner mit ihrem verteufelten Grössenwahn. Könnte nicht ein Asteroid auf Washington knallen, und dem Spuk ein Ende bereiten? Irgendwas …. muss einfach passieren.

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    leser

    26. Oktober 2015 20:37 at 20:37

    Wieder ein kostenloser Expertenrat von mir (ist aber der Letzte kostenlose):
    Wie wäre es mit der Aufnahme von Flüchtlingen? Zum einen würde dies konjunkturbelebend wirken (http://www.rp-online.de/politik/deutschland/fluechtlinge-stuetzen-die-konjunktur-aid-1.5454518). Zum anderen wäre das eine verursachungsgerechte Lösung.

  4. Avatar

    N. Ritter

    26. Oktober 2015 20:47 at 20:47

    Der Running Gag der amerikanischen Finanzpolitik – natürlich wird die Schuldengrenze angehoben werden, was denn sonst? Solange der Rest der Welt dumm genug ist, eine fremde Währung nachzufragen, um die eigenen Geschäfte abzuwickeln und im Gegenzug dafür echte Produkte liefert, wird man sich das auch zu Nutze machen…

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    Franz

    26. Oktober 2015 20:55 at 20:55

    Das gefährliche an den Amis ist, dass ihre Wirtschaft ohne Kriege nicht mehr auskommt. Die Rüstungsindustrie ist was das Land noch über Wasser hält und die braucht Kriege!

  6. Avatar

    tm

    27. Oktober 2015 07:28 at 07:28

    Die Schuldenobergrenze scheint ein faszinierendes Thema zu sein. Das Parlament beschliesst einen Haushalt, der gewisse Steuereinnahmen und gewisse Ausgaben vorsieht, woraus meist auch ein bestimmtes Defizit resultiert. Das gleiche Parlament weigert sich dann aber mitunter genau dieses selbst beschlossene Defizit auch zu finanzieren.

    Mit dem USD als Weltreservewährung und dergleichen mehr hat das nichts zu tun, zumal das US-Leistungsbilanzdefizit ohnehin mit 2,4% des BIPs moderat ist. Da weisen diverse Staaten ohne Weltwährung klar höhere Leistungsbilanzdefizite auf. Und was die Rüstungsindustrie angeht: Die Militärausgaben sind in den letzten Jahren deutlich gesunken, gerade diese Industrie hält die USA nicht über Wasser. Insgesamt exportieren die USA aber dennoch mehr als Deutschland und nur etwas weniger als China.

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Achtung: Korrektur voraus – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Stimmung auf dem digitalen Börsenparkett ist prächtig. Wir haben überhaupt nicht genug Geld, um alle die großartigen Titel des internationalen Kurszettels kaufen zu können, so eine verbreitete Empfindung.

Das sind einige der Zutaten dieser Euphoriewelle, die bereits seit einigen Monaten über die Aktienmärkte hinwegrollt.

Fokussierung auf wenige Trendbranchen: Die Hausse verkürzt sich zunehmend auf einige wenige Titel aus einigen Trendbranchen wie Wasserstoff oder E-Mobilität. Das waren zuletzt etwa die Favoriten auf der Privatanleger-Plattform Tradegate: NEL ASA, Plug Power, Xiaomi, Tesla und Ballard Power.

Es ist ein Warnsignal, wenn eine Hausse nur noch auf den Schultern weniger Aktien liegt. Gesund ist eine Hausse immer dann, wenn sie von möglichst vielen Aktien aus unterschiedlichen Branchen getragen wird.

Kauf zu jedem Preis: Typisch ist dabei, dass die Anleger derzeit bereit sind, für eine „geile“ Aktie jeden Preis zu bezahlen. Die Bewertung interessiert nicht mehr, solange der Titel einer Trendbranche zuzurechnen ist. Typisch ist auch, dass man diese Aktien nicht erst in einer Woche haben will, sondern jetzt sofort. Folglich verzichten immer mehr Anleger auf die Bestimmung eines Kauflimits und fassen stattdessen billigst zu.

In der Folge erleben wir immer öfter prozentual zweistellige Kursanstiege auf Tagesbasis, ohne dass eine Nachricht aus dem Unternehmen vorliegt. Zu Deutsch: Die Kursanstiege sind in der Regel nicht mehr fundamental begründet.

Am Ende entsteht ein gewaltiger Sog, dem wir uns kaum noch entziehen können. Selbst Profis fallen dann um, werfen ihre bewährten Strategien über…..

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Experte: Finger weg von Deutsche Bank und Commerzbank

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Andre Stagge über Commerzbank und Deutsche Bank

Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) rät als Langfristinvestment ganz klar ab von Aktien wie Deutsche Bank und Commerzbank. Ausführlich bespricht er die Krise der Banken, und warum 2021 wohl kein gutes Jahr für sie werden wird. Auch wenn die Kurse auf den ersten Blick günstig zu sein scheinen. Eine Welle an Kreditausfällen könnte nun anstehen. Das Thema der faulen Kredite, die auch schon vor der Coronakrise da waren, aber jetzt noch deutlich ansteigen dürfen, besprechen wir oft auf FMW (siehe zum Beispiel hier). Andre Stagge geht aktuell darauf näher ein, und bietet eine Art Gesamtüberblick auf die Lage der Bankenbranche in der Krise.

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Verbraucherpreise in Deflation – Rabattschlacht bei Bekleidung

Claudio Kummerfeld

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Geldbörse in einer Klemme

Für die deutschen Verbraucherpreise im Monat Dezember liegen ganz frisch die endgültigen und ausführlichen Daten vor. Weiterhin hängen sie mit -0,3 Prozent in der Deflation. Wie die Details zeigen, passiert genau das was man erwarten darf. Weil alle Daten zeigen, dass die stationären Verkäufer in den Bereichen Bekleidung und Schuhe die großen Corona-Verlierer im Einzelhandel sind, durfte man von einer kräftigen Rabattschlacht ausgehen. Und so kam es auch. Dank Lockdown muss man mit kräftigen Rabatten die Produkte online an die Kunden bringen – Hauptsache man bekommt überhaupt Geld in die Kasse um durchzuhalten?

So kam für den Bereich Bekleidung und Schuhe im Dezember im Jahresvergleich ein deutliches Minus von 5,4 Prozent zustande. Oben drauf kommt ja für alle Endkundenprodukte noch dazu, dass der Dezember der letzte Monat mit reduzierter Mehrwertsteuer dazu. Dieser Faktor wird sich wohl auf alle Segmente ausgewirkt haben – weshalb man aber für Januar mit steigenden Preisen rechnen darf? Die Verbraucherpreise für den Sektor Verkehr lagen mit 2,7 Prozent im Minus. Hier wirken nach wie vor die schwachen Energiepreise.

Grafik zeigt Details der Verbraucherpreise für Dezember

An dieser Stelle zitieren wir auszugsweise die aktuellen Aussagen des Statistischen Bundesamts zum Gesamtjahresvergleich zwischen 2019 und 2020:

Im Jahresdurchschnitt 2020 verbilligten sich vor allem die Energieprodukte

Die Energieprodukte verbilligten sich 2020 gegenüber dem Vorjahr deutlich um 4,8 % nach einem Anstieg um 1,4 % im Jahr 2019. Preisrückgänge gab es insbesondere bei leichtem Heizöl (-25,9 %) und bei Kraftstoffen (-9,9 %). Verantwortlich war neben der Senkung der Mehrwertsteuersätze vor allem der Ölpreisverfall auf dem Weltmarkt in den ersten Monaten des Jahres. Dagegen verteuerte sich Strom um 3,0 %. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Jahresteuerungsrate 2020 bei +1,1 % gelegen.

Preise für Nahrungsmittel überdurchschnittlich gestiegen

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich 2020 gegenüber 2019 überdurchschnittlich um 2,4 %. Im Jahresverlauf hat sich der Preisauftrieb zeitgleich mit der Senkung der Mehrwertsteuersätze abgeschwächt. Deutlich teurer waren im Jahr 2020 Obst (+7,1 %) sowie Fleisch und Fleischwaren (+6,1 %). Günstiger hingegen wurden insbesondere Speiseöle und Speisefette (-4,1 %).

Waren verbilligten sich 2020 gegenüber 2019 um 0,4 %

Waren insgesamt verbilligten sich 2020 gegenüber 2019 um 0,4 %. Unter den Verbrauchsgütern verteuerten sich Tabakwaren (+4,9 %) deutlich, die von der Senkung der Mehrwertsteuersätze ausgenommen wurden. Unter den Gebrauchsgütern verbilligten sich zum Beispiel Telefone (-6,0 %) sowie Geräte der Informationsverarbeitung (-4,4 %).

Dienstleistungen verteuerten sich 2020 gegenüber 2019 um 1,3 %

Die Preise für Dienstleistungen insgesamt erhöhten sich im Jahresdurchschnitt 2020 gegenüber 2019 mit +1,3 % überdurchschnittlich, darunter Nettokaltmieten mit +1,4 %. Bei einigen Dienstleistungen stiegen die Preise deutlich stärker, unter anderem für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+5,2 %), Leistungen für Friseure und Körperpflege (+4,1 %) sowie für die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (+3,2 %). Die Ursachen hierfür waren vielschichtig, neben der Mindestlohnerhöhung dürfte auch der Aufwand für Hygienemaßnahmen zur Vermeidung von Corona-Infektionen relevant gewesen sein. Günstiger wurden vor allem Fahrkarten im Bahnfernverkehr (-14,9 %), bedingt vor allem durch die bereits seit Jahresbeginn abgesenkte Mehrwertsteuer für Bahnfernfahrten von 19 % auf 7 %.

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