Hintergrund

US-Handelsdefizit fällt unerwartet auf 34,3 Milliarden Dollar

Von Claus-Peter Sesin

Erwartet wurde ein Defizit von 40 Milliarden Dollar. US-Kommentatoren werten dies als Indiz für einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Das US-Handelsdefizit fließt direkt in die Ermittlung des BIP ein. Gemeinhin gilt: Je niedriger es ausfällt, desto positiver ist die Wachstumserwartung. So sehen es zumindest US-Marktkommentatoren, die aufgrund der heutigen Zahlen einen Aufschwung in USA vorhersagen:

WASHINGTON (MarketWatch) – The U.S. trade deficit sank nearly 13% to $34.3 billion in November from a revised $39.3 billion in the prior month, the Commerce Department said Tuesday. Economists surveyed by MarketWatch forecast a deficit of $40.0 billion. The sharp decline in the deficit in November likely means the U.S. economy grew faster in the fourth quarter than economists were expecting. A smaller trade deficit means the U.S. is selling more goods overseas and buying less from foreign countries.

Allerdings kann ein niedrigeres Handelsdefizit auch bedeuten, dass die Wirtschaft eines Landes schwächelt. So sanken beispielsweise letztes Jahr in vielen Eurozonen-Problemstaaten vor allem die Importe, weil es den unter hoher Arbeitslosigkeit leidenden Bevölkerungen schlichtweg an Kaufkraft für ausländische Güter mangelte. Die Folge war ein nur pro forma „besseres“ – da niedriges – Handelsdefizit.

In USA ist das Handelsdefizit nicht zuletzt deshalb geschrumpft, weil der massive Anstieg der Öl- und Gasgewinnung durch die Fracking-Technologie weniger Öl-Importe aus dem Ausland erforderlich macht. Öl-Importe sanken gemäß den heutigen Zahlen auf den tiefsten Wert seit Mai 2009. Der Fracking-Boom ist für USA daher zumindest ökonomisch ein Gewinn. Ökologen kritisieren die neue Fördertechnik allerdings als stark umweltschädigend.

Zerohedge hält das gesunkene US-Handelsdefizit für einen statistischen Artefakt, der daraus resultiert, dass die letzten Zahlen deutlich nach oben abwichen – und in der Folge nun entsprechend nach unten korrigieren. Für Oktober wurden revidiert  39,3 Milliarden Defizit gemeldet, der aktuelle Wert liegt bei 34,3 Milliarden. Die Differenz von 5,0 Mrd. geht aber nur zu 1,7 Mrd. auf gestiegene US-Exporte zurück (was die obigen „blumigen“ Aussagen der Marketwatch-Kommentatoren deutlich relativiert), während die Importe um 3,4 Billionen schrumpften – vor allem infolge von Fracking.



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