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US-Immobilienkredite: Die Party geht weiter als wäre nichts passiert

Vorortsiedlung in Las Vegas - US-Immobilienkredite nehmen zu

Was ist da los, wenn man aktuell auf US-Immobilienkredite schaut? Hat die Coronakrise den USA in den letzten Wochen nicht 30 Millionen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und 20 Millionen verlorene Jobs beschert? Doch, genau so ist es. Und viele Amerikaner, die ihren Job noch haben, dürften kräftige Einkommenseinbußen erleiden. Kauft man da ein neues Haus? Der deutsche Michel würde sagen: Bloß nicht, um Gottes Willen. Kein Auto, kein Haus, kein Fernseher, keine Urlaubsreise. Bei dem Schock um Job und Geld erstmal sparen und Ausgaben einschränken. Man weiß ja nie ob die Coronakrise zurückkommt? Aber die Amerikaner, die sehen das wohl viel entspannter?

Die Lage der US-Immobilienkredite sieht aktuell genau so aus wie vor der Coronakrise! Kein Witz. Als wäre nichts gewesen. Dies zeigen die aktuellsten Daten für Kreditanträge des Branchenverbandes „Mortgage Bankers Association“. Demnach lag die Kaufaktivität in den USA letzte Woche nur 1,5 Prozent niedriger als vor genau einem Jahr. Also ein nicht mal erwähnenswerter Absturz! Ist die Coronakrise am Häusermarkt also längst vergessen? Noch sechs Wochen zuvor lag das Minus im Jahresvergleich bei 35 Prozent. Und im Wochenvergleich nehmen die Hypothekenanträge sogar um 6 Prozent zu, basierend auf dem saisonal bereinigten „Purchase Index“ des Branchenverbandes. Die Anträge um ein neues Haus zu kaufen seien nun die fünfte Woche nacheinander am Ansteigen. Man erhole sich vom Tiefpunkt der Coronakrise im April.

Was dabei hilft die US-Immobilienkredite wieder anzufeuern? Na klar, die Federal Reserve hat die Zinsen im Zuge der Coronakrise runter gedrückt. So können die Amerikaner jetzt günstiger an Hauskredite kommen. Die Zinsen für US-Immobilienkredite würden derzeit nahe an den Rekordtiefs liegen, so die Aussage der Mortgage Bankers Association. Klar, da kann den willigen Hauskäufern gerade jetzt der Hauskauf schmackhaft gemacht werden. Und die Coronakrise? War da was mit Arbeitslosigkeit, Existenzangst? Egal, jetzt muss erstmal ein neues Haus her?


source: tradingeconomics.com
Zinssatz der Federal Reserve im Verlauf der letzten zehn Jahre. Jüngst im Zuge der Coronakrise ging es steil bergab auf 0,25 Prozent.



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1 Kommentar

  1. Man darf nicht vergessen, dass die Situation in den USA anders ist als in Deutschland. Wie in Schweden dient der Häuserkauf nur selten dem Vermögensaufbau. Das bedeutet, der Käufer hat überhaupt nicht hat die Immobilie abzuzahlen (findet man auch in der Schweiz).
    Man zahlt also die Zinsen und prolongiert den Kredit immer wieder. Bei Zinsen nahe 0 kann man also praktisch umsonst wohnen. Tatsächlich wird das Haus also nicht gekauft, sondern gepachtet.

    Bei einer Pacht, anders als bei einer Miete, hat der Pächter allerdings für die Dauer der Pacht das vollständige Handlungs- und Verwertungsrecht über das Objekt.

    Hinzu kommt in den USA noch die besondere Situation bei der Kredithaftung. Denn die hypothekengebende Bank hat, im Gegensatz zu Deutschland, bei Kreditausfall keinen Zugriff auf das Gesamtvermögen sondern nur auf das Haus.

    Bei volskwirtschaftlichen Vergleichen wird oft auf die Eigentumsquote geschaut. Das ist allerdings falsch. Tatsächlich muss man auf die Quote des „bezahlten Eigentums“, denn erst dann ist es Eigentum, schauen.
    So leben die Italiener und übrigens auch die Griechen zu einem großen Teil in hypothekenfreien Immobilien, während den Amerikanern, genau wie den Schweden, ihre Immobilien gar nicht mehr gehören. Sie sind dort Eigentum der Bank.

    Wie hat ein Amerikaner mal in einem Interview gesagt, nachdem sie ihm das Haus weggepfändet haben: „Ist doch egal. So habe ich 10 Jahre meines Lebens in einem Haus gewohnt, dass ich mir eigentlich gar nicht leisten konnte. Ist doch deutlich besser als mein ganzes Leben nur in einer Bruchbude gelebt zu haben.“

    Es kommt halt immer auch auf die Perspektive an.

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