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US-Immobilienkrise vorbei? Von wegen! Diese Zahlen zeigen die Realität

FMW-Redaktion

Offiziell ist die US-Immobilienkrise, die schon lange vor der Lehman-Krise 2008 begann, längst Geschichte. Alles läuft schon seit ca. 2010 angeblich wie geschmiert am US-Häusermarkt. Doch Pustekuchen. Die Realität schlägt jede nett formulierte politische Floskel.

Die US-Firma „Realty Trac“, die sich mit Zwangsversteigerungen und Analysen rund um das Thema beschäftigt, hat jetzt Daten zum abgelaufenen 3. Quartal für die USA veröffentlicht. Die Zahl der Häuser, die mangels Nachfrage nicht zwangsversteigert werden konnten und daher letztlich bei der finanzierenden Bank hängenbleiben, stieg im 3. Quartal 2015 im Vergleich zum 3. Quartal 2014 um satte 66%. Insgesamt gingen 123.040 Häuser in den USA in nur 3 Monaten zurück an die Bank, die jetzt sehen muss, was sie mit den Häusern anfängt. Das ist der größte Anstieg, den Realty Trac seit 2008 gemessen hat.

Das zeigt die harte Realität auf dem US-Immobilienmarkt. Wenn niemand da ist, der selbst bei Zwangsversteigerungen Häuser zu Spottpreisen kaufen will, kann etwas nicht stimmen in einer Volkswirtschaft, die laut ihrer eigenen Regierung de facto Vollbeschäftigung auf dem Arbeitsmarkt hat. Viele Häuser kommen teils Jahre verzögert erst in den Zwangsversteigerungsprozess, weil z.B. regionale Hilfsvereine den verzweifelten Hausbesitzern helfen die Prozeduren in die Länge zu ziehen. Parallel dazu gibt es auch viele Hausfinanzierer, die sehen, dass es im Zwangsversteigerungsmarkt wohl eh kaum Käufer geben dürfte, und warten daher und räumen dem Schuldner mehr Zeit ein um seine Ratenzahlungen fortzusetzen bzw. seinen Zahlungsrückstand aufzuholen.

Zitat Realty Trac:

„The widespread rise in foreclosure activity in the third quarter compared to a year ago is the result of two starkly different trends taking place. In states such as New Jersey, Massachusetts, and New York, a flood of deferred distress from the last housing crisis is finally spilling over the legislative and legal dams that have held back some foreclosure activity for years.“

Was noch hinzukommt: In den Bundesstaaten New York und New Jersey als Beispiel dauern die Zwangsvollstreckungsprozesse an sich bis zu 3 Jahre. D.h. die Häuser, die jetzt zurück an die Bank gehen, sind das Resultat einer Explosion, die mit Verzögerungszünder ausgelöst wurde. Dies sind teilweise Uralt-Fälle aus der 2008er-Immobilienkrise, die bei einer wirklich gesunden Konjunktur in den letzten 5 Jahren außerhalb des Zwangsvollstreckungsprozesses locker einen echten Käufer gefunden hätten, der auch einen besseren Preis hätte zahlen können als ein Ramschaufkäufer vor Gericht.

Auch kommt hinzu, dass immer mehr Finanzinvestoren, die im Zuge der Immobilienkrise die legendären Kreditpakete mit den Schrottimmobilien aufkauften, jetzt verstärkt die Hausbesitzer in die Zwangsversteigerung schicken, nachdem sie lange stillhalten mussten durch Moratorien. Im Vergleich zu 66% im US-Schnitt erzielte New Jersey den Spitzenwert und verzeichnete eine Steigerung von 351% der an die Bank zurückgegebenen Immobilien. Die neuen Fälle von Zwangsversteigerungen steigen hier um „nur“ 27%.

Diese Werte zeigen einfach, dass es sehr viele Häuser in den USA gibt, die vom Käufermarkt nicht „abgearbeitet“ werden können. Bei einer intakten Volkswirtschaft mit Vollbeschäftigung sollte das eigentlich kein Problem sein.



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1 Kommentar

  1. Also: Migranten aufs Schiff, ab in die USA, da gibt’s Häuser en masse für kleines Geld und es trifft auch den Richtigen, nämlich den Verursacher.

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