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US-Inflation mit 7,5 Prozent auf 40-Jahreshoch – Kommentare von Experten

US-Dollar auf US-Flagge

Die US-Inflation ist heute für Januar mit 7,5 Prozent vermeldet worden, der stärkste Anstieg seit 40 Jahren (nach 7,0 Prozent im Dezember). Selbst ohne die Komponenten Energie und Nahrungsmittel war es eine Steigerung der Verbraucherpreise in den USA von 5,5 auf 6,0 Prozent. Wie ist das einzuordnen, und was bedeutet dieser enorme Anstieg für die Zinsen in den USA? Was wird die Fed tun?

US-Inflation auf 40-Jahreshoch – Einordnung von Experten

Die Experten der Commerzbank sagen dazu in ihrem aktuellen Kommentar, dass der Blick auf die Details weiterhin einen relativ breiten Inflationsdruck quer über die wichtigsten Gütergruppen wie Nahrungsmittel (+0.9% gegenüber Dezember), Energie (+0,9%), sonstige Waren (+1,0%) und sonstige Dienstleistungen (+0,4%) zeigt. Besonders starke Preissteigerungen gab es erneut bei Gebrauchtwagen, die aufgrund der Produktionsprobleme bei Neuwagen weiter stark nachgefragt waren, und sich entsprechend verteuerten (+1,5%). Negativ sei darüber hinaus, dass die Mieten, der wichtigste Posten im Warenkorb, im Vormonatsvergleich den bisher stärksten Anstieg im aktuellen Zyklus aufwiesen.

Die Inflationsrate dürfte laut Meinung der Commerzbanker Dr. Christoph Balz und Bernd Weidensteiner immer noch nicht am Gipfel angelangt sein. Man erwartet allerdings in den nächsten Monaten nur noch geringfügig höhere Raten. Denn die Vorjahresrate werde nur dann steigen, wenn die Preise von Monat zu Monat stärker zulegen als im gleichen Monat 2021. Dies erscheine für den Februar wahrscheinlich, wo der Anstieg 2021 nur 0,4 Prozent betrug. Im März und im April (2021: jeweils +0,6 Prozent) und im Mai (2021: +0,7 Prozent) soll die Latte aber so hoch liegen, dass ein Überspringen nur bei weiteren exorbitanten Preissteigerungen für Energie – wie sie bei einer Eskalation des Ukraine-Konflikts zu erwarten wären – realistisch ist.

Ohne ein solches Krisenszenario sollte die US-Inflation laut Meinung der beiden Experten ab dem Frühjahr sinken, auch weil die preistreibenden Lieferengpässe im Jahresverlauf tendenziell nachlassen dürften. Wegen der stark steigenden Lohnkosten sollte der Preisdruck aber höher bleiben als vor der Pandemie. Die ursprünglich einmal gehegte Erwartung, dass sich der durch die Verspannungen der Coronakrise bewirkte Preisschub rasch wieder verflüchtigen würde, habe sich schon lange erledigt. Die Fed habe daher bereits Ende des letzten die geldpolitische Wende eingeleitet. In wenigen Wochen werde die Fed die Nettokäufe von Anleihen einstellen. Auf der nächsten Sitzung am 15./16. März stehe dann die erste Zinserhöhung auf dem Programm.

Die Frage sei, ob die Fed die Zügel nicht stärker anziehen muss. Schließlich zeige sich in immer mehr Kategorien steigender Preisdruck, auch bei den eher „trägen“ Komponenten. Dies erhöhe das Risiko, dass sich die US-Inflation bei zu hohen – also merklich über dem Ziel der Fed liegenden – Werten verfestigt. Das Jahr 2022 wird laut Aussage der Commerzbanker somit ganz im Zeichen des Kampfes gegen die Inflation stehen. Man prognostiziert inzwischen auf jeder der noch anstehenden sieben Sitzungen eine Straffungsmaßnahme – dies wären sechs Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte sowie die Ankündigung, die Anleihenbestände zu verringern. Damit erwartet man eine schärfere Kurswende als die meisten anderen Volkswirte.

Thorsten Polleit, Chefvolkswirt der Degussa, sagt zur aktuell verkündeten US-Inflation, dass der Inflationsdruck gewaltig bleibe. Dies liege vor allem an dem enormen Geldmengenüberhang, für den die Fed gesorgt hat, und der weiter stark wachse. Es sei zu befürchten, dass die Fed nicht entschieden genug ihre inflationäre Geldpolitik zurückfährt. Und diese Befürchtung müsse man auch mit Blick auf die EZB haben. Investoren sind seiner Aussage nach gut beraten sich auf eine weiterhin hohe Inflation – also hohen Kaufkraftverlust von US-Dollar, Euro und Co – in den nächsten Jahren einzustellen.

Naeem Aslam, Chief Market Analyst von Avatrade, sagte heute direkt nach Veröffentlichung der US-Inflation in einem Kurzkommentar, dass die Chancen für eine aggressivere Politik der Fed gestiegen sind. Sein Basisszenario geht sogar davon aus, dass man im Juli eine Anhebung des Zinssatzes um einen ganzen Prozentpunkt sehen könne. Die heutigen Zahlen würden den Aktienhändlern nicht gefallen, ebenso wenig wie den Goldhändlern.

Hier sieht man die US-Inflation in den letzten 25 Jahren:


source: tradingeconomics.com

Hier sieht man die US-Inflation in den letzten 100 Jahren:


source: tradingeconomics.com



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1 Kommentar

  1. Lieber Fuggi- 🤝 heute Nacht wirst du kein Auge zu bekommen 😉

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