Die US-Inflation für Juli wurde um 14:30 Uhr veröffentlicht. Und was sah man als erste Reaktion? Renditen runter, Aktien rauf. Aber wenige Minuten später sah man: Der Aktienanstieg schwächt sich ab, und die sinkenden Anleiherenditen sind wieder gestiegen. Die zehnjährige US-Rendite fiel von 4,29 % auf 4,25 %, ist jetzt aber wieder bei 4,29 %.
US-Inflation und Ausblick auf Zinssenkungen
Mit 94,1 % ist die Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung der Fed im September zwar gestiegen laut CME Fed Watch Tool. Aber die Anleiherenditen zeigen aktuell, dass man doch nicht ganz so glücklich ist mit der aktuellen Meldung zur US-Inflation. Die Headline-Zahlen lassen zwar weiterhin jeden Inflationsdruck durch Trumps Zölle vermissen. Aber beim zweiten und dritten Blick auf die Zahlen ist doch etwas zu erkennen.
Der Kernindex zur US-Inflation, der die oft volatilen Kategorien Lebensmittel und Energie ausschließt ( Kernrate), stieg laut den Daten des Bureau of Labor Statistics gegenüber Juni um 0,3 %. Auf Jahresbasis stieg er auf 3,1 %. Wichtig: Die „Super-Kernrate“ der US-Inflation (Supercore / nur Dienstleistungen) steigt im Jahresvergleich um 3,21 %, nach vormals +3,02 %. Im Monatsvergleich sind es +0,48 %, vorher +0,21 %. Bloomberg berichtet: Die Preise für Waren ohne Lebensmittel und Energie (Kernrate) stiegen nur moderat. Einige Kategorien, die von Zöllen betroffen sind, wie Spielzeug, Sportartikel sowie Haushaltswaren und -bedarf, verzeichneten zwar einen Anstieg, jedoch langsamer als im Vormonat.
„Die heutigen Daten zur US-Inflation waren so moderat, dass sie der Federal Reserve grünes Licht für eine Zinssenkung um mindestens 25 Basispunkte im September geben und die Möglichkeit einer größeren Senkung um 50 Basispunkte im September eröffnen“, sagte Skyler Weinand von Regan Capital.
Die Fed-Vertreter haben die Zinsen in diesem Jahr unverändert gelassen, in der Hoffnung, Klarheit darüber zu gewinnen, ob die Zölle zu einer anhaltenden Inflation führen werden. Gleichzeitig zeigt der Arbeitsmarkt – die andere Hälfte ihres doppelten Mandats – Anzeichen einer Abschwächung.
Analystenaussagen
Chris Zaccarelli von Northlight Asset Management: Während die Debatte darüber weitergeht, ob Zölle zu einer anhaltenden Inflation führen werden oder nicht, hat der Bericht dieses Monats niemanden überzeugen können. Noch wichtiger ist, dass vor der nächsten Sitzung der Fed noch ein weiterer Arbeitsmarktbericht und ein weiterer Bericht zur US-Inflation veröffentlicht werden, die umso wichtiger sein werden, als die Fed entscheiden muss, ob sie die Zinsen senken wird, um den Arbeitsmarkt präventiv zu stützen, oder ob die Inflationsdaten so besorgniserregend sind, dass sie lieber abwartet.
Seema Shah von Principal Asset Management: Es gibt einige Anzeichen dafür, dass sich die Zölle auf die Verbraucherpreise auswirken, aber zum jetzigen Zeitpunkt sind diese noch nicht so stark, dass Alarm geschlagen werden muss. Die Märkte begrüßen die heutigen Inflationszahlen, da sie bedeuten, dass die Fed die Zinsen im nächsten Monat ohne Bedenken senken kann – Zinssenkungsentscheidungen im Oktober, Dezember und darüber hinaus könnten jedoch schwieriger werden.
Alexandra Wilson-Elizondo von Goldman Sachs Asset Management: Die geldpolitische Haltung der Fed ist stark datenabhängig, und angesichts der eingedämmten US-Inflation und der sich in den revidierten Beschäftigungsdaten zunehmend abzeichnenden Schwäche des Arbeitsmarktes wird der Schwerpunkt nun auf die Beschäftigung verlagert werden. Im Wesentlichen stützt dieser Inflationswert die These einer präventiven Zinssenkung im September, die eine wichtige Triebkraft für die Märkte sein wird.
Ian Lyngen von BMO Capital Markets: Wir halten daher an unserer Grundannahme fest, dass die Fed im September die Zinsen um 25 Basispunkte senken wird. Die Daten haben zu einer Rally bei US-Staatsanleihen geführt. Der kurze Laufzeitenbereich hat auf die Implikationen für die Fed reagiert, während der lange Laufzeitenbereich weitgehend unverändert geblieben ist.
Von hier aus gibt es nicht viel, was den vorherrschenden Ton verändern könnte, und wir gehen davon aus, dass die Renditen weiter sinken werden, da die Anleger darüber nachdenken, wie die Fed im Falle einer anhaltenden Tendenz zu schwächerer Beschäftigung und moderater Inflation im Oktober und Dezember vorgehen wird.
Josh Jamner von ClearBridge Investments: Die den Erwartungen entsprechenden Daten zur US-Inflation werden die Aussichten für eine Zinssenkung im September, die bereits weitgehend vom Markt eingepreist war, nicht ändern, dürften aber Risikoanlagen Auftrieb verleihen, da die Aktienkurse steigen und die Zinsen sinken, da Händler ihre Absicherungen gegen das Risiko einer positiven Überraschung durch die Daten, die nicht eingetreten ist, auflösen.
Greg McBride von Bankrate: Dies könnte die Ruhe vor dem Sturm sein. Dieser Verbraucherpreisindex misst die US-Inflation im Juli, aber in diesem Monat treten eine Reihe von Zöllen in Kraft. Es kann einige Monate dauern, bis diese Kosten vollständig an die Verbraucher weitergegeben werden, aber die Inflation dürfte im weiteren Verlauf des Jahres 2025 weiter anziehen.
Die Inflation hat Auswirkungen auf die Entscheidung der Federal Reserve über die Höhe der Zinssätze. Das hartnäckig hohe und steigende Inflationsniveau könnte ausreichen, um eine sofortige Zinssenkung zu verhindern, selbst bei einem schwächelnden Arbeitsmarkt. Aber wir haben noch eine weitere Runde Inflations- und Beschäftigungsdaten vor uns, bevor die Fed am 17. September zusammentritt.
Commerzbank: US-Inflationdruck nimmt nur langsam zu
Hier die Headline-Aussage der Ökonomen der Commerzbank: Die US-Verbraucherpreise sind im Juli um 0,2% gegenüber Vormonat gestiegen. Dabei dämpfte allerdings der Preisrückgang bei Benzin. Wenn man Energie und Nahrungsmittel herausrechnet („Kernrate“), betrug die Vormonatsrate 0,3%, der höchste Wert seit Januar. Diese Beschleunigung geht aber eher auf höhere Dienstleistungspreise als auf die Zölle auf Warenimporte zurück. Von einem massiven Preisschub ist weiterhin wenig zu sehen. Die US-Notenbank wird damit wohl im September die Zinsen senken.
FMW/Bloomberg
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