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US-Ölexperte Daniel Yergin: Amerikanisches „Shale 2.0“ unterbietet mit 40-50 Dollar Break Even Russen und OPEC

Yergin sagte heute bei CNBC, dass die amerikansiche Fracking-Industrie (in den USA „Shale“ genannt) inzwischen eine ganz andere sei als noch vor 2-3 Jahren. Es sei eine Art „Shale 2.0“. Damit meint er die in den letzten drei…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Wie ist das gemeint? Vor allem die OPEC-Staaten produzieren ihr Öl oft weit billiger als 40 Dollar pro Barrel. Dazu gleich mehr. Daniel Yergin ist ein hoch angesehener Experte. Der Pulitzer-Preisträger ist Chef der Beratungsfirma IHS und ausgewiesener Öl-Experte. Er präsentiert heute sozusagen die amerikanische Sicht auf die Lage am Ölmarkt kurz nach der gestrigen Entscheidung von OPEC und Nicht OPEC-Staaten, die bisherige Mengenkürzung von 1,8 Mio Barrels pro Tag um 9 Monate zu verlängern.


Daniel Yergin. Foto: WEF / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Yergin sagte heute bei CNBC, dass die amerikansiche Fracking-Industrie (in den USA „Shale“ genannt) inzwischen eine ganz andere sei als noch vor 2-3 Jahren. Es sei eine Art „Shale 2.0“. Damit meint er die in den letzten drei Jahren durchgeführten enormen Effizienzsteigerungen und den technischen Fortschritt der Branche. Das war auch bitter nötig, denn die OPEC-Staaten hatten den Frackern ganz offiziell den Krieg erklärt, weil die Fracker 2014 massiv dabei waren den Golfstaaten ihre Marktanteile streitig zu machen.

Also öffnete die OPEC die Schleusen, und der Ölpreis fiel von über 100 Dollar bis unter 30 Dollar. Ziel war es die Fracker regelrecht zu vernichten. Viele gingen auch den Bach runter. Zahlreiche Fracker aber fusionierten oder legten ihre Aktivitäten erstmal auf Eis. Dazu gab es billige Kredite zum Überleben und einen enormen Effizienzschub. Yergin erwähnt, dass noch 2014 alle Beobachter zurecht davon sprachen, dass sich Fracking in den USA erst ab einem Ölpreis von 70-80 Dollar rechnen würde (Break Even).

Heute sehe das völlig anders aus. Diese quasi generalüberholte Industrie habe inzwischen einen Break Even von 40-50 Dollar, wie es ihm gerade erst wieder in Houston bei Gesprächen mit Produzenten bestätigt wurde. Damit seien sie in der Lage OPEC und Russen zu unterbieten. Nun, wie meint er das? Die haben doch viel tiefere Gewinnschwellen! Es verhält sich so: Vor allem die OPEC braucht deutlich höhere Preise um die eigenen Staatshaushalte finanzieren zu können. Die Fracker arbeiten aber nur für sich selbst und nicht für einen Staatshaushalt.

Die Fracker müssen daher nur darauf achten, dass sich die Produktion selbst rechnet. Und wenn sie sich bei Preisen unter 50 Dollar rechnet, haben Russen und OPEC ein Problem. Denn steigende Fracking-Förderung bringt mehr Angebotsvolumen, was den Ölpreis am Ansteigen hindert. Dementsprechend sagt Yergin heute auch, dass die Fracker in den USA alleine in diesem Jahr ihre Fördermenge um satte 0,9-1,0 Mio Barrels pro Tag erhöhen werden.

Im nächsten Jahr rechne er kaum mit einer weiteren Steigerung, aber nur weil sie in 2017 schon so hoch ausfallen werde. Die OPEC sei nach ihrer gestrigen Entscheidung zurück im Geschäft als „Swing Producer“. Die OPEC-Produzenten hätten laut Yergin massive Probleme sich zurechtzufinden in dieser neuen Fracking-Welt, in der die USA eine entscheidende Rolle spielen. Man solle den Ölmarkt nicht mehr betrachten wie bisher in Kategorien wie „OPEC gegen Nicht-OPEC“. Man solle den Markt ab sofort betrachten in der Kategorie der großen drei Produzenten, nämlich Saudi-Arabien, Russland und die USA.

Anmerkung unsererseits: Die USA als Herstellerland sind kein staatlicher gesteuerter Produzent wie die anderen beiden Großen. Hunderte kleine und mittelgroße Fracking-Buden sowie private Öl-Konzerne machen in den USA das Geschäft. Sie müssen von keiner Regierung Anweisungen entgegennehmen nach dem Motto „jetzt bitte mehr oder weniger fördern“.

Der Preis für WTI-Öl notiert aktuell 2,80 Dollar tiefer als gestern früh vor dem Bekanntwerden der OPEC-Entscheidung. Der Preis von 49,20 Dollar liegt laut Yergin also am oberen Ende der Break Even-Range der US-Fracker. Wie man sieht, gefällt ihnen dieser Preis von leicht über oder unter 50 Dollar, denn die Fördermenge und die Zahl der aktiven Öl-Bohrstellen in den USA steigt momentan von Woche zu Woche.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Walter Schmid

    28. Mai 2017 23:01 at 23:01

    Der Bericht ist wieder mal Geld wert. Er bestärkt mich in meiner Ansicht, dass einige OPEC-Länder, insbesondere Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate in gewaltige Schwierigkeiten kommen könnten. Und diese Schwierigkeiten hätten sogar das Zeug dazu, einen Crash auszulösen.

    • Avatar

      frank.trg

      29. Mai 2017 09:08 at 09:08

      das ist doch lächerlich. Die arabischen Ölstaaten haben Berge von Geld und wissen gar nicht wohin damit. Die könnten auch eine 10-jährige Durststrecke mit tiefen Ölpreisen überleben und hätten dann immer noch Massen an Geld.

      • Avatar

        Walter Schmid

        29. Mai 2017 11:24 at 11:24

        Saudi-Arabien und die VAE wären wahrlich sehr froh, wenn es so wäre, wie Sie schreiben. :-)

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Aktien

Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

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Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

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Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

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Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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