Die ab dem 19. August mehrmals verkündeten Maßnahmen der US-Regierung, verstärkt lang laufende US-Staatsanleihen zu kaufen, bewirkten kurzzeitig steigende Kurse und damit eine fallende Anleiherendite, wie gewünscht. Die Käufe sollen zwar erst nächste Woche beginnen – aber es gab eine sofortige Reaktion am Anleihemarkt. Aber inzwischen ist dieser anvisierte verstärkte Markteingriff der US-Regierung in den Kursen mehr als verpufft!
Anleiherendite auch bei 30 Jahren Laufzeit auf vorigem Niveau
Die zehnjährige US-Anleiherendite lag am 19. August kurz vor Verkündung von US-Finanzminister Scott Bessent bei 4,69 %, heute bei 4,80 %. Und die von der US-Regierung wohl noch mehr ins Visier genommene 30jährige Rendite lag vorher bei 5,28 %, fiel zwischenzeitlich auf 5,15 %, um bis jetzt wieder auf 5,28 % anzusteigen. Diese Vorankündigung der US-Regierung ist also auch am ganz langen Ende verpufft. Der Chart zeigt im roten Kreis den Zeitpunkt von Bessent´s erster Ankündigung von Anleihekäufen, danach das gewünschte Absacken der Rendite bei 30 Jahren Laufzeit, zuletzt der Anstieg auf vorige Niveaus.
US-Regierung will Kreditkosten für Amerikaner senken
Warum ist das Thema überhaupt interessant? Nichts hasst Donald Trump mehr als hohe Kreditkosten. Verbraucher und Unternehmen sollen sich möglichst günstig verschulden. Und die Anleiherendite für 10 und 30 Jahre ist die Referenz für Immobilienkredite in den USA, wie auch für andere Kreditarten. Hätte man es geschafft die Anleiherendite spürbar zu senken, würden auch die Kreditkosten für die Realwirtschaft sinken. Aber der Markt ist stärker als eine Regierung, die kurzzeitig mit kleinen Volumen die Anleihekurse bewegen will.
Künstliche Verzerrungen scheitern immer
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Historisch sind solche staatlichen Interventionen immer gescheitert. Der freie Markt ist eben viel zu groß, als dass eine Regierung ihn dauerhaft in eine andere Richtung bewegen kann. Staatsdefizite und Neuverschuldung abzubauen, den Iran-Krieg beenden und damit die Inflation senken – das wären Themen, die die US-Regierung in der Hand hat, was strukturell die Anleiherendite absenken würde. Aber man will es sich leicht machen und „ein paar“ Anleihen kaufen. Das Ergebnis ist schon vorab ein Desaster.
Ob Scott Bessent seine „Drohnung“ wahrmacht, und selbst das „Girokonto“ der US-Regierung, auf dem laufende Steuereinnahmen eingehen und aus dem laufende Ausgaben bezahlt werden, für Anleihekäufe nutzen wird? Abwarten. Dies könnte kurzzeitig einen Effekt haben, wenn er vielleicht mit größeren Summen von vielleicht 100 Milliarden Dollar Staatsanleihen kauft. Aber auch das könnte die Anleiherendite nicht dauerhaft, nicht strukturell runterdrücken.
Aussagen von Marktstrategen
„Der Zinsmarkt war nicht in der Lage, einen nennenswerten Zinsrückgang zu halten“, so sagt es Mark Cabana, Leiter der US-Zinsstrategie bei der Bank of America laut Bloomberg News. „Anleger verlangen die höchstmögliche Vergütung, um ihre Anlagen so weit in die Zukunft zu strecken.“
Die Kreditkosten der Regierungen sind weltweit in die Höhe geschnellt, da Anleger eine höhere Vergütung verlangen, um sie zum Halten von Anleihen mit längerer Laufzeit zu bewegen. Die US-Anleiherendite mit zwei Jahren Laufzeit, die am empfindlichsten auf die kurzfristigen Aussichten für die Geldpolitik der Federal Reserve reagieren, stiegen am Dienstag um sechs Basispunkte auf 4,40 %, da Händler eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 % einpreisten, dass die Zentralbank bei ihrer Sitzung in diesem Monat zum ersten Mal seit 2023 die Zinsen anheben wird.
Unterdessen erreichten die Renditen 30-jähriger deutscher Staatsanleihen ihren höchsten Stand seit 2011, und der entsprechende britische Zinssatz stieg auf ein Niveau, das zuletzt 1998 verzeichnet wurde. Australische Staatsanleihen verzeichneten ein neues Rekordhoch seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2016, während die Rendite eines Bloomberg-Index für globale Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten kletterte.
„Rückkäufe sind kein Ersatz für die Maßnahmen, die erforderlich sind, um die Renditen strukturell zu senken. Die entwickelten Märkte treten in eine Phase höherer Realzinsen ein, angetrieben durch ein stärkeres nominales Wachstum, einen steigenden neutralen Zinssatz, massive Investitionen und Produktivitätssteigerungen im Bereich der künstlichen Intelligenz sowie ein wachsendes Emissionsvolumen des privaten Sektors, das mit US-Staatsanleihen konkurriert. Damit stehen die Rückkäufe vor einer ziemlich starken Gegenbewegung,“ so sagt es aktuell Brendan Fagan, Makrostratege bei Bloomberg Markets Live.
Bessent will Markt ins „Gleichgewicht“ bringen
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Das bedeutet nicht, dass die Bemühungen des Finanzministeriums keinerlei Auswirkungen hatten. Die ausgeweiteten Rückkäufe sollen erst am 9. September beginnen, und es ist noch ungewiss, wie viele Anleihen das US-Finanzministerium letztendlich kaufen wird. In der Ankündigung des Ministeriums hieß es, man werde den Umfang der Maßnahmen „mindestens verdoppeln“, ohne jedoch einen konkreten Betrag zu nennen.
Verschiedene Marktkennzahlen deuten zudem darauf hin, dass die langfristigen US-Finanzierungskosten ohne diese Intervention über dem aktuellen Niveau lägen. So haben sich US-Staatsanleihen seit der Ankündigung besser entwickelt als Swaps mit gleicher Laufzeit, während die Anleiherendite bei langen Laufzeiten in diesem Zeitraum weniger stark gestiegen ist als die kürzerer Laufzeiten.
Bessent seinerseits hat seine Maßnahmen als Versuch beschrieben, einen Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, der sich von seinen Fundamentaldaten entfernt hatte. „Ich glaube nicht, dass ich den Gleichgewichtszinssatz ändern kann. Aber was ich tun kann, ist, die Entwicklung zu verlangsamen“, sagte Bessent am Dienstag in einem Interview bei Newsmax. „Ich stelle sicher, dass es nicht zu einem schlechten, schwerwiegenden negativen Ergebnis kommt und dass alle Maßnahmen auf Fakten basieren.“
„Ein Bluff funktioniert nur, wenn niemand am Pokertisch weiß, dass man blufft“, sagte Dan Morehead, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Pantera Capital Management, gegenüber Bloomberg TV. „Ich glaube, das ist einfach nach hinten losgegangen.“
FMW/Bloomberg
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Müssen die Amis halt Gold verkaufen(kleiner Scherz am Morgen☺️).
Haben ja genug davon, 3,5 mal soviel wie China.
Ja höhere Zinsen auf immer steigenden Schulden sind wohl ein grosses Problem. Man könnte aber auch ruhig erwähnen, dass viele der bisherigen Käufer der Schulden von den Amis mutwillig vergrämt werden und eher verkaufen als kaufen. Der grösste Halter von US – Anleihen ( die Japser) sind in der gleichen Scheisse und müssen wohl eher verkaufen, die Chinesen wollen verkaufen und viele andere auch.Sogar die dauernd schikanierte Schweiz hält mit 300 Milliarden fast soviel Anleihen wie das grosse Frankreich.Würde jemand einem Nachbarn viel Geld leihen wenn er sie dauernd verhöhnt ?
Die gesamte EU hält einen grossen Anteil an US Aktien und Anleihen.Wenn die EU- Politiker eine Schuss Pulver wert wären, würden sie diesen Trumpf gegen die Amis ausspielen, darum leben sie so feudal und sicher, da sie keinen Schuss Pulver wert sind.
Insgesamt kann nur die FED die Renditen unter Kontrolle bringen …da sie über unbegrenzte Möglichkeiten verfügt …seitdem Amerika nicht mehr goldgedeckt agiert…
Früher musste man sich im Zaum halten…seit dem Ende von Bretton Woods ist das nicht mehr nötig…
Jetzt kann man nötigenfalls unbegrenzt Staatsanleihen aufkaufen und damit die Renditen drücken…MMT halt…