Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen steht unmittelbar vor der 5-Prozent-Marke – und bringt die Fed vor ihrer Zinsentscheidung in Bedrängnis. Die Märkte rechnen inzwischen nicht nur fest mit einer Zinserhöhung in der kommenden Woche, sondern preisen bis Januar bereits zwei Zinsschritte ein. Ob sich der Ausverkauf am Anleihemarkt weiter verschärft, dürften vor allem die US-Inflationsdaten am Freitag um 14:30 Uhr entscheiden.
Fed-Wette wird immer größer
Wie Bloomberg berichtet, kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am Freitagmorgen zeitweise auf 4,98 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2023. Bis zur psychologisch wichtigen Marke von 5 Prozent fehlt nur noch ein Wimpernschlag. Seit Wochenbeginn beträgt der Anstieg rund 19 Basispunkte. Die besonders stark auf die Geldpolitik der Fed reagierende zweijährige Rendite erreichte unterdessen zeitweise 4,596 Prozent.

Parallel zum Renditeschock haben sich die Erwartungen für die nächste Fed-Sitzung drastisch verschoben. Die Zinsmärkte rechnen mittlerweile mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent mit einer Anhebung um 25 Basispunkte am 16. September. Das FedWatch-Tool der CME zeigt sogar eine Wahrscheinlichkeit von rund 72 Prozent an.
Doch damit nicht genug: Bis Dezember preisen die Märkte laut Bloomberg bereits knapp 50 Basispunkte an zusätzlichen Zinserhöhungen ein, bis Januar sogar mehr als 50 Basispunkte. Damit rechnet der Markt faktisch mit zwei Zinsschritten um jeweils 25 Basispunkte. Aus der lange erwarteten Zinspause könnte somit ein neuer Straffungszyklus werden. Vor allem der kräftige Anstieg der Ölpreise und die seit Jahren hartnäckig über dem Fed-Ziel liegende Inflation treiben diese Neubewertung.

Renditen: Die 5 Prozent rücken näher
Am Anleihemarkt wächst daher die Sorge, dass der Aufwärtstrend der Renditen noch nicht beendet ist. „Dass die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen die Marke von 5 Prozent erreicht, erscheint inzwischen eher unvermeidlich als eine Prognose“, sagte Padhraic Garvey, Leiter des Amerika-Research bei ING. „Für die Anleihemärkte sind das beunruhigende Zeiten.“
Der Ausverkauf hat längst auf andere Märkte übergegriffen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg zeitweise auf 3,51 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 2009. In Australien erreichten die Benchmark-Renditen Niveaus, die zuletzt vor mehr als einem Jahrzehnt zu beobachten waren. Japanische Staatsanleihen nähern sich derweil der psychologisch wichtigen Schwelle von 3 Prozent. Ein Index der weltweiten Renditen steht so hoch wie seit 2007 nicht mehr.
Zusätzliche Unruhe verursachte US-Finanzminister Scott Bessent. Seine kämpferische Aussage „I am the house now“ kam bei Investoren gar nicht gut an. Statt den Markt zu beruhigen, verstärkte die konfrontative Rhetorik die Zweifel, ob das Finanzministerium den Verkaufsdruck unter Kontrolle bringen kann. Auch die erste ausgeweitete Rückkaufoperation enttäuschte: Mit tatsächlich rund 5,2 Milliarden Dollar blieb das Volumen hinter den Erwartungen zurück.
US-Inflation entscheidet alles
Damit richten sich die Blicke auf die US-Verbraucherpreise. Die Inflationsdaten dürften maßgeblich darüber entscheiden, ob die Fed kommende Woche tatsächlich die Zinsen erhöht und ob die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen die Marke von 5 Prozent durchbricht.
„Niedrigere US-Verbraucherpreise und eine Zinserhöhung der Fed sind aus meiner Sicht derzeit die einzigen möglichen Notbremsen. Andernfalls dürfte sich kaum jemand damit wohlfühlen, auf fallende Renditen zu setzen“, sagte Michael Tang, Zinsstratege bei der Commonwealth Bank of Australia. „Die massive restriktive Stimmung übernimmt einfach die Kontrolle.“
Ein unerwartet hoher Verbraucherpreisindex könnte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung deutlich über 80 Prozent treiben und die nächste Verkaufswelle am Anleihemarkt auslösen. Fallen die Daten dagegen moderater aus, wäre zumindest eine kurzfristige Entspannung möglich. Erwartet wird wie im Vormonat eine Inflationsrate von 3,4 Prozent.
Die Folgen reichen weit über den Bondmarkt hinaus. Ein nachhaltiger Anstieg der zehnjährigen Rendite über 5 Prozent würde den Bewertungsdruck auf den S&P 500 und besonders auf zinssensitive Technologieaktien im Nasdaq 100 erhöhen. Gleichzeitig könnten auch Gold und Bitcoin unter steigenden Realrenditen leiden. Der US-Inflationsbericht entscheidet damit nicht nur über den nächsten Schritt der Fed, sondern womöglich über die kurzfristige Richtung der gesamten Finanzmärkte.
FMW/Bloomberg
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US Inflationsdaten sind eh gefaekt.