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„US-Schuldenbombe wird explodieren“ – und warum Trumps Infrastrukturplan negativ für die Wirtschaft ist

An der Wall Street gibt es ein zentrales Dogma seit dem Wahlsieg Trumps: die geplanten Investitionen in die marode US-Infrastruktur sind gut für die Wirtschaft! Wirklich? Ein einfaches Beispiel zeigt, warum das Unsinn ist!

Redaktion

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FMW-Redaktion

An der Wall Street gibt es ein zentrales Dogma seit dem Wahlsieg Trumps: die geplanten Investitionen in die marode US-Infrastruktur sind gut für die Wirtschaft! Wirklich? Peter Schiff, CEO von Euro Pacific Capital und in den USA ein sehr bekannter Querdenker, dagegen sagt: das ist totaler Unsinn!


Peter Schiff, Ökonom, Investor und Broker
Foto: Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0

In einem Gespräch mit dem CNBC-Moderator Rick Santelli prognostiziert Schiff: die Schuldenbombe der USA wird explodieren, auch wegen den geplanten Investitionen in die Infrastruktur, die die Schulden der USA noch erhöhen werden – die Fed werde dann versuchen, sich aus dem Problem „raus zu inflationieren“, damit aber das Problem noch verschärfen („to inflate its way out of this problem, but it´s going to inflate its way into a bigger one“). Schließlich werde sie dann sogar QE4 betreiben müssen – sprich die Schulden wandern vom Staat in die (halb-staatliche) Notenbank – linke Tausch raus, rechte Tasche rein.

In dem Gespräch zwischen Rick Santelli und Peter Schiff wird einem schlagartig klar, warum die massiven Investitionen in die Infrastruktur nicht hilfreich sein werden für die US-Wirtschaft. So wirft Rick Santelli ein, dass er kürzlich sein Dach neu decken lassen musste, weil es undicht war – es war also notwendig. Darauf Peter Schiff: es wäre doch viel besser, wenn das Dach nicht kaputt gewesen wäre, oder? So entstehen nur Kosten, müssen Gelder für Reparaturen eingesetzt werden, die andernorts gebraucht worden wären! Etwa für Innovationen.

Mithin entstehen also Kosten für Reparaturen – ist das wirklich positiv? Vielmehr werden nun Ressourcen (Kapital und Arbeitskräfte) für Reparaturen investiert, und damit eben Kosten produziert, die durch vorherige jahrzehntelange Untätigkeit nun gesammelt und auf einen Schlag auflaufen. Ist das toll? Würden Sie sich freuen, wenn Ihr Dach repariert werden muß und sie viele tausend Euro dafür ausgeben müssen, die Sie faktisch nicht haben und durch die Aufnahme neuer, teurer werdender Kredite finanzieren müssen?
Anderes Beispiel: Ist es etwa toll, wenn das Dach einer Schule repariert werden muss, statt die dafür notwendigen Gelder in die Verbesserung der Schulbildung zu stecken, etwa durch Einstellung neuer Lehrer?

Peter Schiff bringt es auf den Punkt. Die Fed hat die Zinsen gesenkt, damit die Verschuldung durch die USA überhaupt bedient werden kann, sprich die dafür fälligen Zinsen gezahlt werden können. Nun wird die Verschuldung der USA weiter drastisch steigen unter Trump. Aber diese Schulden werden nie zurück gezahlt, das sei völlig unmöglich, so Peter Schiff.

Und das gilt ja nicht nur für die USA…

Sehen Sie hier die Diskussion zwischen Rick Santelli und Peter Schiff – ein absolutes Muß!

28 Kommentare

28 Comments

  1. Avatar

    heldheiko

    27. Januar 2017 12:47 at 12:47

    Naja, der Vergleich mit dem Dach ist etwas dürftig. Nehmen wir mal eine Strasse mit einem Schlagloch: für 50 € repariert, bei nur einem Unfall tausende € Verlust. Da hätte sich eine Reparatur gut gelohnt….macht die Tatsache mit der Schuldenexplosion aber nicht wett….

    • Avatar

      Walter Schmid

      30. Januar 2017 12:09 at 12:09

      Der Vergleich mit dem Dach ist durchaus treffend gewählt. Es ist nicht das Gleiche, ob man z. B. 20.000 EUR für ein neues Dach ausgeben muss, um dessen Funktionsfähigkeit wieder herzustellen oder das Geld für eine gewinnbringende Investitionen zur Verfügung steht. Ein neues Dach bringt keinen Gewinn, es wehrt nur Schaden ab. Es gibt einen großen Unterschied zwischen lästigen Kosten und Investitionen.

  2. Avatar

    bassmaker

    27. Januar 2017 12:58 at 12:58

    @FMW-Redation
    Wieso „halb-staatliche“ Notenbank? Das ist ziemlich verharmlosend. Die FED GEHÖRT einigen wenigen Privatbanken, die Anteilseigner der FED sind. Der amerikanische Staat gehört NICHT zu den Anteilseignern und darf lediglich den/die Notenbankchef(in)bestimmen. Das war´s dann auch schon. Hier ist nichts „halb-staatlich“ (zumindest nicht in den Besitzverhältnissen und der damit verbundenen Aufteilung der enormen Profite der FED). Selbst die „Politik“ der FED wird durch die Anteilseigner und nicht dem Staat bestimmt.
    Also wieso dieser irreführende Zusatz?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      27. Januar 2017 12:59 at 12:59

      @bassmaker, die Fed hat einen staatlichen Auftrag, auch wenn sie in Privatbesitz ist..

      • Avatar

        Siggi50

        27. Januar 2017 15:28 at 15:28

        Nach Ihrer Erklärung wären alle Firmen halbstaatliche Firmen, die beim Bau des Kanzleramts beschäftigt wurden.
        Die FED hat private Eigentümer und der US-Staat ist nicht weisungsbefugt. Wo also sehen Sie die halbstaatliche Eigenschaft?

      • Avatar

        leser

        27. Januar 2017 15:44 at 15:44

        Das Zustandekommen des staatlichen Auftrags (Federal-Reserve-Act) wird aber von Kritikern zu Recht als eine der größten Gaunereien der Menschheitsgeschichte bezeichnet. Wer das nachlesen möchte, dem sei G. Edward Griffin’s Buch „Die Kreatur von Jekyll Island“ empfohlen.

        • Avatar

          vlim

          27. Januar 2017 21:06 at 21:06

          Um die Diskussion mal zu Ende zu bringen, denn genau jener G. Edward Griffin hat die Fed nicht als eine private, sondern als eine „hybride“ Institution bezeichnet, halb staatlich, halb privat. Und genau das macht die Fed auch so mächtig, weil durch das staatliche Gewaltmonopol per Gesetzeskraft ihre Macht erhalten hat.

          Bei uns ist das so ähnlich mit dem Öffentlich Rechtlichen Rundfunk.

      • Avatar

        joah

        28. Januar 2017 23:19 at 23:19

        „busted“ :-D

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    Emm wie Meikel

    27. Januar 2017 12:59 at 12:59

    Wegen der Verzinsung von (aus dünner Luft) neu erschaffenen Währungseinheiten, gibt es in einem Fiatmoney System in der Summe zwangsläufig höhere Zahlungsverpflichtungen als verfügbare Währungseinheiten. Würden die Schulden so weit als möglich getilgt, gäbe es keine Währungseinheiten (Euros, Dollars usw.) mehr. Die Schulden wären selbst dann nicht vollständig getilgt.

    Die Zahlungsmittel zur Bedienung der Zinsen auf die geschöpften Währungseinheiten werden nicht mit erschaffen und müssen erst durch weitere Schulden in Umlauf kommen (QE und staatliche Neuverschuldung lassen grüßen). Ohne eine ständige Ausweitung der Anzahl an Währungseinheiten (Inflation), trocknen die Märkte aus, weil Schulden nicht mehr vollständig bedient werden können. Ein brutaler Wirtschaftscrash und Staatsbankrotte wären die Folge.

    • Avatar

      Emm wie Meikel

      27. Januar 2017 13:08 at 13:08

      Das wissen übrigens auch die Notenbanken. Diese versuchen ihre Schneeballsysteme (mehr ist es im Grunde nicht) so lang wie möglich am Laufen zu halten, indem sie für eine moderate, stetige Ausweitung der Menge an Fiatmoney sorgen. Daran hängt das ganze System und kaum einer versteht es.

  4. Avatar

    verinet

    27. Januar 2017 14:08 at 14:08

    Schiff hat recht aber erst an einem bitteren Ende …..bis dahin profitiert die Wirtschaft durchaus von den Reparaturaufträgen schlecht sind sie für denjenigen der irgendwann mal die Zeche bezahlen muss aber keiner weiß wann das irgendwann sein wird….vermutlich erst nach Trumps Amts-und Lebenszeit

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    GN

    27. Januar 2017 14:22 at 14:22

    Das man pro Tag 5 Milliarden USD für das Militär in der Welt ausgeben kann, also 1.800 Milliarden pro Jahr, was in 10 Jahren 18.000 Milliarden (18 Billionen) ausmacht, stört niemanden. Wenn da ein US-Präsident Trump sinnvoller Weise in die marode Infrastruktur investieren will, ist das Unsinn….

    Das hier beschriebene Beispiel ist an Unsinn nicht mehr zu überbieten. Ein Dach hat keine unendliche Lebensdauer und bedarf, je nach Qualität der Ausführung, der Reparatur. Andernfalls würde das gesamte Haus Schaden nehmen.

    Das gilt im übrigen für jedes Bauwerk. Dementsprechend sollten Rücklagen für die Instandhaltung gebildet werden. Wenn das nicht getan wurde, so ist das nicht dem jetzigen Präsidenten anzulasten, sondern seinen Vorgängern……

    Sofern die FED ein QE4 auflegen würde, würde das die Märkte eher weiter beflügeln. Wann denn der von allen ersehnte Zusammenbruch unseres Finanzsystems erfolgen wird bleibt abzuwarten….

    Alle Auguren, die uns seit Jahren den Zusammenbruch vorhersagen, lagen bislang ziemlich daneben….

    • Avatar

      verinet

      27. Januar 2017 14:41 at 14:41

      naja Trump will zu allem was er bezahlen will ja auch noch mehr fürs Militär ausgeben
      er wird das aber alles nie sinnvoll finanzieren können letztendlich geht es nur über die Notenpresse. Es ist für die Nation USA natürlich insgesamt auch keine tolle Nachricht dass die Infrastruktur marode ist und man sie neben allem anderen jetzt instandsetzen muss Trump hat daran keine Schuld aber darum geht es auch gar nicht. Die Auguren werden Recht bekommen aber wann? traden kann man diese Erkenntniss sicher nicht

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      Dieter G.

      27. Januar 2017 15:41 at 15:41

      Den Vergleich finde ich auch ziemlich absurd. Scheinbar hat die große Welt Angst vor einem Menschen, der genau das macht was andere immer fordern: machen, tun, loslegen. In 7 Tagen hat Trump mehr in Bewegung gebracht als die EU in 10 Jahren.

      Auch der Hinweis auf „Rückzahlung“ der Staatsschulden ist völlig daneben. Seit Obama wissen wir, wie man mit einer US-Staatspleite umgeht. Einfach mehr Geld drucken. Wann war das nochmal? 2011 o. 2012, als die Gehälter der Beamten nicht mehr gezahlt werden konnten.

      Ein aufregendes Trump-Wochenende wünscht :-)

      Dieter

      • Avatar

        verinet

        27. Januar 2017 15:53 at 15:53

        einfach mehr Geld drucken….wir sind im Paradies….und Sie meinen dass bleibt dann so einfach immer ohne Folgen?

        was in Bewegung bringen ist nicht alles auch ein Wagen der vor die Wand fährt wurde in „Bewegung“ gebracht

      • Avatar

        joah

        28. Januar 2017 23:24 at 23:24

        »In 7 Tagen hat Trump mehr in Bewegung gebracht als die EU in 10 Jahren.«

        Da ist was Wahres dran. Dennoch bedenkt Trump die Auswirkungen seines Handelns nicht ganz zu Ende – dass ist das Problem daran.

  6. Avatar

    pavel

    27. Januar 2017 14:27 at 14:27

    Unser Fiatmoney System ist unglaublich flexibel und damit sozusagen unzerstörbar, das wird von den Kritikern völlig ausgeblendet.

  7. Avatar

    Toni

    27. Januar 2017 15:29 at 15:29

    Ich verstehe was Peter Schiff meint und gebe ihm zu 100 Prozent recht. Es gibt gute u.schlechte Schulden,z,B. schlechte Schulden sind Konsumschulden d.h.= vorgezogener Konsum, der später fehlt, oder verpasste Reparaturen, ( Man hat frühere Gewinne ausbezahlt statt zürückgestellt ) Gute Schuden sind ,wenn man eine Fabrik vergrössert oder modernisiert u.nacher mehr Ertrag herausholt. Auch Hyposchulden, d.h. Investitionen in eine Immobilie sind im vernünftigen Rahmen gute Schulden.

    • Avatar

      leser

      27. Januar 2017 16:05 at 16:05

      @ Toni
      So sehe ich das auch. Peter Schiff schätze ich sehr, auch wenn er vom Timing daneben liegt.
      Bei der Infrastruktur gibt es bei unterlassener Instandhaltung auch irgendwann den Punkt, wo die Sachen vom Stadium des „schlecht funktionierens“ in den Totalausfall wechseln. Jeder, der in amerikanischen Städten (oder Berliner Schulen) mal einen Blick auf die kunstvolle Elektroinstallationen geworfen hat, weiss, was ich meine. Ab diesem Punkt bleibt einem gar nichts anderes übrig, als Geld in die Hand zu nehmen.

  8. Avatar

    ET

    27. Januar 2017 15:44 at 15:44

    Das ist ja ein Witz, was der Herr Schiff da schreibt. Wieso ist das eine TOPSTORY, liebe FMW-Redaktion ? Alles Irreführende sollten Sie eher weglassen als durch den Stempel TOPSTORY noch besonderes Gewicht verleihen.
    Ohne hier für oder gegen irgend einen US-Präsidenten sprechen zu wollen ist festzustellen (faktisch!), dass die US-Staatsschulden während Obamas Amtszeit jedes Jahr um rund 8% = mehr als 1 Bill. US$ gestiegen sind. Und nun soll wegen eines Konjunkturprogrammes von 1 Bill. in 10 Jahren (!) die Schuldenbombe platzen?
    Auch die Dachreparatur-Beispiele sind m.E. voll daneben (wie schon oben angeführt).

  9. Avatar

    columbo

    27. Januar 2017 16:08 at 16:08

    http://www.teleboerse.de/mediathek/mediathek_videos/geldanlage-check/Hendrik-Leber-Acatis-article19667882.html

    Hendrik Leber hatte ich bisher eher optimistisch erlebt. Was er hier sagt, gibt zu denken.

    • Avatar

      verinet

      27. Januar 2017 16:29 at 16:29

      sehe ich auch so….allerdings hat Yellen auch nicht mehr soviel Zeit bis Trump jemand willfähriges einsetzen kann bis dahin wird sie ihm aber in die Suppe spucken

  10. Avatar

    Steven

    27. Januar 2017 20:32 at 20:32

    Das solcher Quatsch überhaupt verlinkt wird ist wirklich traurig at FMW .

    Die Aussage ist also die schlechte Infrastruktur weiter verkommen lassen um in „innovation“ zu investieren .

    Klar wäre regelmäßige Wartung besser.
    Aber späte Reparatur ist immer noch besser als gar keine .

    Lasst die Schüler doch von oben nass werden . Hauptsache die smarte Schultafel hängt .

    SO EIN BULLSHIT !
    ist der zufällig Demokrat ?!

  11. Avatar

    Ulrich

    27. Januar 2017 23:22 at 23:22

    irgendwie blicke ich mehr durch. machen die amis nichts an der Infrastruktur, lassen sei also verrotten, jammern alle und sehen die USA auf dem absteigenden ast. machen sie, dann kann es den und den gründen nicht klappen. aktuell kommt bei mir an, wäre die clinton gewählt worden und hätte in die Infrastruktur investiert, wäre das eine tolle Sache gewesen. lieber herr fugmann, warum sind sei auf einmal so ausgesprochen parteiisch??

    • Avatar

      verinet

      28. Januar 2017 19:02 at 19:02

      das ist doch gar nicht die Meinung von Herrn Fugmann sondern von Herrn Schiff,
      klar muss man eine verrottete Infrastruktur wieder überholen aber der Moment an dem sie feststellen dass Ihre Infrastruktur verrottet ist und sie jetzt viel Geld in die Hand nehmen müssen ist keine guter Moment das meint Schiff.

    • Avatar

      rote_pille

      28. Januar 2017 21:26 at 21:26

      Und wenn Deutschland keine neuen Schulden macht, dann ist das angeblich auch ganz schlecht, wegen der Infrastruktur … weil in der Eurozone natürlich definitiv niemand die Zinsen senken musste, um die Verschuldung unter Kontrolle zu halten.

  12. Avatar

    Tino

    28. Januar 2017 09:51 at 09:51

    Ist eh nur eine Frage der Zeit bevor das System einen restart braucht, im Moment will keiner der erste sein, aber Schuldenschnitt oder und Helikoptergeld und oder das aufkaufen von den Zentralbanken muss kommen oder wir haben eine Revolution von links oder rechts

  13. Avatar

    Uwe

    9. Februar 2017 15:43 at 15:43

    Nun der erste Schuldenschnitt wird wohl in Griechenland kommen (Mentalität, hohe Steuern, unwilliger öffentlicher Dienst und kein Interesse an Export) bringt diesem Land keine Erholung – Sondern bei einem GR-Paket 3 wird der IWF (größter Anteilseigner = USA) ohne Schuldenschnitt nicht mitmachen. Aber die Euro-Politker werden den € mit Zähnen und Klauen verteitigen …und die Sparguthaben aus Europas Norden wandern in das Mittelmeer-Dreieck… Es bleibt also sehr spannend.

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Andre Stagge über sein Depot, Inflation, Bitcoin und steigende US-Renditen

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

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EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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Biden sei dank: Märkte glauben an die große Rettung – Risiko war gestern

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Joe Biden tritt heute sein Amt als US-Präsident an. In Windeseile wird er sich offenkundig daran machen sein 1,9 Billionen US-Dollar schweres Stimulus-Paket durch den US-Kongress zu bekommen. Die dortige Mehrheit ist zwar hauchdünn. Aber die Märkte sind frohen Mutes. Woran man das sieht? Schauen wir auf den folgenden Chart im Tweet. Er zeigt die Rendite für US-Schrottanleihen (Junk Bonds). Dies sind Anleihen, bei denen das Ausfallrisiko besonders hoch ist. Da Anleger für ein hohes Risiko entschädigt werden wollen und müssen, erhalten sie höhere Renditen als Inhaber von (vermeintlich sicheren) Staatsanleihen. Die Rendite fungiert hier also als Risikoprämie.

Die Höhe der Risikoprämie zeigt an, für wie ausfallgefährdet der Markt diese Anleihen hält. Je höher die Rendite, desto höher ist in den Augen des Kapitalmarkts das Risiko, dass die begebende Firma dahinter pleite geht, und somit die Anleihe nicht zurückzahlen kann. Im Chart sehen wir seit dem Jahr 2010 den Verlauf der Rendite bei US-Schrottanleihen. Zum Start der Coronakrise im März 2020 schoss die Rendite von 5 Prozent auf über 11 Prozent in die Höhe. Und danach beruhigte sich die Lage wieder, aktuell auf nur noch 4,13 Prozent – ein Rekordtief! In den letzten Monaten kamen die Impfstoff-Hoffnungen auf. Und jetzt seit einigen Tagen wird der große Stimulus in den USA immer konkreter. Wie gesagt, Joe Biden wird heute vereidigt. Und wie seine neue Finanzministerin Janet Yellen gestern klar machte, wird man die US-Volkswirtschaft kräftig mit Geld fluten.

Und wie sie sagte, sei das kräftige Schuldenmachen im Augenblick wichtiger als der Blick auf eine zu hohe Staatsverschuldung. Die müsse man zwar später mit höheren Unternehmenssteuern wieder abbauen, aber kurzfristig müsse man sich stark neu verschulden und die Konjunktur anfeuern. Und ja, der Kapitalmarkt scheint fest daran zu glauben, dass somit die Schrottunternehmen weiterhin im Spiel bleiben, und ihre Schulden weiterhin bedienen können. Wenn nur genug frisches Geld vom Staat kommt, geht die Party also weiter? Dieser Chart zeigt es jedenfalls an. Die Risikoprämie sinkt immer weiter, auf wie gesagt ein Rekordtief von nur noch 4,13 Prozent.

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Aber schauen wir auch mal nach Deutschland. Hier sehen wir im folgenden Langfristvergleich seit dem Jahr 2010, wie die Rendite für deutsche Staatsanleihen immer weiter fällt, und der Dax (orange) immer weiter steigt. Das immer weiter sinkende Zinsniveau (in Deutschland dank hoher Bonität deutliche Negativrendite) treibt die Anleger in Aktien, Immobilien etc. Aktuell notieren die Aktienmärkte an ihren Allzeithochs. Heute hat auch der deutsche Staat mal wieder für 30 Jahre laufende Anleihen verkauft, mit einem Bruttovolumen von 1,5 Milliarden Euro. Die Nachfrage lag bei einem Volumen von 1,79 Milliarden Euro.

Und (wie gesagt 30 Jahre Laufzeit) die Emissionsrendite lag bei minus 0,13 Prozent, nach minus 0,06 Prozent im November. Immer weiter sinkende Zinsniveaus, immer mehr Stimulus – da wird die Lücke doch gut aufgefangen oder besser gesagt aufgefüllt, die Corona gerissen hat? Und diese Rettungsorgie wird vor allem in den USA kräftig weiter gehen, davon darf man ausgehen. Und so könnte man glatt sagen, dass „Risiko“ bei Anleihen irgendwas war, dass man mal kannte – aber heute gibt es das nicht mehr?

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