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„US-Schuldenbombe wird explodieren“ – und warum Trumps Infrastrukturplan negativ für die Wirtschaft ist

An der Wall Street gibt es ein zentrales Dogma seit dem Wahlsieg Trumps: die geplanten Investitionen in die marode US-Infrastruktur sind gut für die Wirtschaft! Wirklich? Ein einfaches Beispiel zeigt, warum das Unsinn ist!

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FMW-Redaktion

An der Wall Street gibt es ein zentrales Dogma seit dem Wahlsieg Trumps: die geplanten Investitionen in die marode US-Infrastruktur sind gut für die Wirtschaft! Wirklich? Peter Schiff, CEO von Euro Pacific Capital und in den USA ein sehr bekannter Querdenker, dagegen sagt: das ist totaler Unsinn!


Peter Schiff, Ökonom, Investor und Broker
Foto: Gage Skidmore, CC BY-SA 3.0

In einem Gespräch mit dem CNBC-Moderator Rick Santelli prognostiziert Schiff: die Schuldenbombe der USA wird explodieren, auch wegen den geplanten Investitionen in die Infrastruktur, die die Schulden der USA noch erhöhen werden – die Fed werde dann versuchen, sich aus dem Problem „raus zu inflationieren“, damit aber das Problem noch verschärfen („to inflate its way out of this problem, but it´s going to inflate its way into a bigger one“). Schließlich werde sie dann sogar QE4 betreiben müssen – sprich die Schulden wandern vom Staat in die (halb-staatliche) Notenbank – linke Tausch raus, rechte Tasche rein.

In dem Gespräch zwischen Rick Santelli und Peter Schiff wird einem schlagartig klar, warum die massiven Investitionen in die Infrastruktur nicht hilfreich sein werden für die US-Wirtschaft. So wirft Rick Santelli ein, dass er kürzlich sein Dach neu decken lassen musste, weil es undicht war – es war also notwendig. Darauf Peter Schiff: es wäre doch viel besser, wenn das Dach nicht kaputt gewesen wäre, oder? So entstehen nur Kosten, müssen Gelder für Reparaturen eingesetzt werden, die andernorts gebraucht worden wären! Etwa für Innovationen.

Mithin entstehen also Kosten für Reparaturen – ist das wirklich positiv? Vielmehr werden nun Ressourcen (Kapital und Arbeitskräfte) für Reparaturen investiert, und damit eben Kosten produziert, die durch vorherige jahrzehntelange Untätigkeit nun gesammelt und auf einen Schlag auflaufen. Ist das toll? Würden Sie sich freuen, wenn Ihr Dach repariert werden muß und sie viele tausend Euro dafür ausgeben müssen, die Sie faktisch nicht haben und durch die Aufnahme neuer, teurer werdender Kredite finanzieren müssen?
Anderes Beispiel: Ist es etwa toll, wenn das Dach einer Schule repariert werden muss, statt die dafür notwendigen Gelder in die Verbesserung der Schulbildung zu stecken, etwa durch Einstellung neuer Lehrer?

Peter Schiff bringt es auf den Punkt. Die Fed hat die Zinsen gesenkt, damit die Verschuldung durch die USA überhaupt bedient werden kann, sprich die dafür fälligen Zinsen gezahlt werden können. Nun wird die Verschuldung der USA weiter drastisch steigen unter Trump. Aber diese Schulden werden nie zurück gezahlt, das sei völlig unmöglich, so Peter Schiff.

Und das gilt ja nicht nur für die USA…

Sehen Sie hier die Diskussion zwischen Rick Santelli und Peter Schiff – ein absolutes Muß!

28 Kommentare

28 Comments

  1. Avatar

    heldheiko

    27. Januar 2017 12:47 at 12:47

    Naja, der Vergleich mit dem Dach ist etwas dürftig. Nehmen wir mal eine Strasse mit einem Schlagloch: für 50 € repariert, bei nur einem Unfall tausende € Verlust. Da hätte sich eine Reparatur gut gelohnt….macht die Tatsache mit der Schuldenexplosion aber nicht wett….

    • Avatar

      Walter Schmid

      30. Januar 2017 12:09 at 12:09

      Der Vergleich mit dem Dach ist durchaus treffend gewählt. Es ist nicht das Gleiche, ob man z. B. 20.000 EUR für ein neues Dach ausgeben muss, um dessen Funktionsfähigkeit wieder herzustellen oder das Geld für eine gewinnbringende Investitionen zur Verfügung steht. Ein neues Dach bringt keinen Gewinn, es wehrt nur Schaden ab. Es gibt einen großen Unterschied zwischen lästigen Kosten und Investitionen.

  2. Avatar

    bassmaker

    27. Januar 2017 12:58 at 12:58

    @FMW-Redation
    Wieso „halb-staatliche“ Notenbank? Das ist ziemlich verharmlosend. Die FED GEHÖRT einigen wenigen Privatbanken, die Anteilseigner der FED sind. Der amerikanische Staat gehört NICHT zu den Anteilseignern und darf lediglich den/die Notenbankchef(in)bestimmen. Das war´s dann auch schon. Hier ist nichts „halb-staatlich“ (zumindest nicht in den Besitzverhältnissen und der damit verbundenen Aufteilung der enormen Profite der FED). Selbst die „Politik“ der FED wird durch die Anteilseigner und nicht dem Staat bestimmt.
    Also wieso dieser irreführende Zusatz?

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      27. Januar 2017 12:59 at 12:59

      @bassmaker, die Fed hat einen staatlichen Auftrag, auch wenn sie in Privatbesitz ist..

      • Avatar

        Siggi50

        27. Januar 2017 15:28 at 15:28

        Nach Ihrer Erklärung wären alle Firmen halbstaatliche Firmen, die beim Bau des Kanzleramts beschäftigt wurden.
        Die FED hat private Eigentümer und der US-Staat ist nicht weisungsbefugt. Wo also sehen Sie die halbstaatliche Eigenschaft?

      • Avatar

        leser

        27. Januar 2017 15:44 at 15:44

        Das Zustandekommen des staatlichen Auftrags (Federal-Reserve-Act) wird aber von Kritikern zu Recht als eine der größten Gaunereien der Menschheitsgeschichte bezeichnet. Wer das nachlesen möchte, dem sei G. Edward Griffin’s Buch „Die Kreatur von Jekyll Island“ empfohlen.

        • Avatar

          vlim

          27. Januar 2017 21:06 at 21:06

          Um die Diskussion mal zu Ende zu bringen, denn genau jener G. Edward Griffin hat die Fed nicht als eine private, sondern als eine „hybride“ Institution bezeichnet, halb staatlich, halb privat. Und genau das macht die Fed auch so mächtig, weil durch das staatliche Gewaltmonopol per Gesetzeskraft ihre Macht erhalten hat.

          Bei uns ist das so ähnlich mit dem Öffentlich Rechtlichen Rundfunk.

      • Avatar

        joah

        28. Januar 2017 23:19 at 23:19

        „busted“ :-D

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    Emm wie Meikel

    27. Januar 2017 12:59 at 12:59

    Wegen der Verzinsung von (aus dünner Luft) neu erschaffenen Währungseinheiten, gibt es in einem Fiatmoney System in der Summe zwangsläufig höhere Zahlungsverpflichtungen als verfügbare Währungseinheiten. Würden die Schulden so weit als möglich getilgt, gäbe es keine Währungseinheiten (Euros, Dollars usw.) mehr. Die Schulden wären selbst dann nicht vollständig getilgt.

    Die Zahlungsmittel zur Bedienung der Zinsen auf die geschöpften Währungseinheiten werden nicht mit erschaffen und müssen erst durch weitere Schulden in Umlauf kommen (QE und staatliche Neuverschuldung lassen grüßen). Ohne eine ständige Ausweitung der Anzahl an Währungseinheiten (Inflation), trocknen die Märkte aus, weil Schulden nicht mehr vollständig bedient werden können. Ein brutaler Wirtschaftscrash und Staatsbankrotte wären die Folge.

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      Emm wie Meikel

      27. Januar 2017 13:08 at 13:08

      Das wissen übrigens auch die Notenbanken. Diese versuchen ihre Schneeballsysteme (mehr ist es im Grunde nicht) so lang wie möglich am Laufen zu halten, indem sie für eine moderate, stetige Ausweitung der Menge an Fiatmoney sorgen. Daran hängt das ganze System und kaum einer versteht es.

  4. Avatar

    verinet

    27. Januar 2017 14:08 at 14:08

    Schiff hat recht aber erst an einem bitteren Ende …..bis dahin profitiert die Wirtschaft durchaus von den Reparaturaufträgen schlecht sind sie für denjenigen der irgendwann mal die Zeche bezahlen muss aber keiner weiß wann das irgendwann sein wird….vermutlich erst nach Trumps Amts-und Lebenszeit

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    GN

    27. Januar 2017 14:22 at 14:22

    Das man pro Tag 5 Milliarden USD für das Militär in der Welt ausgeben kann, also 1.800 Milliarden pro Jahr, was in 10 Jahren 18.000 Milliarden (18 Billionen) ausmacht, stört niemanden. Wenn da ein US-Präsident Trump sinnvoller Weise in die marode Infrastruktur investieren will, ist das Unsinn….

    Das hier beschriebene Beispiel ist an Unsinn nicht mehr zu überbieten. Ein Dach hat keine unendliche Lebensdauer und bedarf, je nach Qualität der Ausführung, der Reparatur. Andernfalls würde das gesamte Haus Schaden nehmen.

    Das gilt im übrigen für jedes Bauwerk. Dementsprechend sollten Rücklagen für die Instandhaltung gebildet werden. Wenn das nicht getan wurde, so ist das nicht dem jetzigen Präsidenten anzulasten, sondern seinen Vorgängern……

    Sofern die FED ein QE4 auflegen würde, würde das die Märkte eher weiter beflügeln. Wann denn der von allen ersehnte Zusammenbruch unseres Finanzsystems erfolgen wird bleibt abzuwarten….

    Alle Auguren, die uns seit Jahren den Zusammenbruch vorhersagen, lagen bislang ziemlich daneben….

    • Avatar

      verinet

      27. Januar 2017 14:41 at 14:41

      naja Trump will zu allem was er bezahlen will ja auch noch mehr fürs Militär ausgeben
      er wird das aber alles nie sinnvoll finanzieren können letztendlich geht es nur über die Notenpresse. Es ist für die Nation USA natürlich insgesamt auch keine tolle Nachricht dass die Infrastruktur marode ist und man sie neben allem anderen jetzt instandsetzen muss Trump hat daran keine Schuld aber darum geht es auch gar nicht. Die Auguren werden Recht bekommen aber wann? traden kann man diese Erkenntniss sicher nicht

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      Dieter G.

      27. Januar 2017 15:41 at 15:41

      Den Vergleich finde ich auch ziemlich absurd. Scheinbar hat die große Welt Angst vor einem Menschen, der genau das macht was andere immer fordern: machen, tun, loslegen. In 7 Tagen hat Trump mehr in Bewegung gebracht als die EU in 10 Jahren.

      Auch der Hinweis auf „Rückzahlung“ der Staatsschulden ist völlig daneben. Seit Obama wissen wir, wie man mit einer US-Staatspleite umgeht. Einfach mehr Geld drucken. Wann war das nochmal? 2011 o. 2012, als die Gehälter der Beamten nicht mehr gezahlt werden konnten.

      Ein aufregendes Trump-Wochenende wünscht :-)

      Dieter

      • Avatar

        verinet

        27. Januar 2017 15:53 at 15:53

        einfach mehr Geld drucken….wir sind im Paradies….und Sie meinen dass bleibt dann so einfach immer ohne Folgen?

        was in Bewegung bringen ist nicht alles auch ein Wagen der vor die Wand fährt wurde in „Bewegung“ gebracht

      • Avatar

        joah

        28. Januar 2017 23:24 at 23:24

        »In 7 Tagen hat Trump mehr in Bewegung gebracht als die EU in 10 Jahren.«

        Da ist was Wahres dran. Dennoch bedenkt Trump die Auswirkungen seines Handelns nicht ganz zu Ende – dass ist das Problem daran.

  6. Avatar

    pavel

    27. Januar 2017 14:27 at 14:27

    Unser Fiatmoney System ist unglaublich flexibel und damit sozusagen unzerstörbar, das wird von den Kritikern völlig ausgeblendet.

  7. Avatar

    Toni

    27. Januar 2017 15:29 at 15:29

    Ich verstehe was Peter Schiff meint und gebe ihm zu 100 Prozent recht. Es gibt gute u.schlechte Schulden,z,B. schlechte Schulden sind Konsumschulden d.h.= vorgezogener Konsum, der später fehlt, oder verpasste Reparaturen, ( Man hat frühere Gewinne ausbezahlt statt zürückgestellt ) Gute Schuden sind ,wenn man eine Fabrik vergrössert oder modernisiert u.nacher mehr Ertrag herausholt. Auch Hyposchulden, d.h. Investitionen in eine Immobilie sind im vernünftigen Rahmen gute Schulden.

    • Avatar

      leser

      27. Januar 2017 16:05 at 16:05

      @ Toni
      So sehe ich das auch. Peter Schiff schätze ich sehr, auch wenn er vom Timing daneben liegt.
      Bei der Infrastruktur gibt es bei unterlassener Instandhaltung auch irgendwann den Punkt, wo die Sachen vom Stadium des „schlecht funktionierens“ in den Totalausfall wechseln. Jeder, der in amerikanischen Städten (oder Berliner Schulen) mal einen Blick auf die kunstvolle Elektroinstallationen geworfen hat, weiss, was ich meine. Ab diesem Punkt bleibt einem gar nichts anderes übrig, als Geld in die Hand zu nehmen.

  8. Avatar

    ET

    27. Januar 2017 15:44 at 15:44

    Das ist ja ein Witz, was der Herr Schiff da schreibt. Wieso ist das eine TOPSTORY, liebe FMW-Redaktion ? Alles Irreführende sollten Sie eher weglassen als durch den Stempel TOPSTORY noch besonderes Gewicht verleihen.
    Ohne hier für oder gegen irgend einen US-Präsidenten sprechen zu wollen ist festzustellen (faktisch!), dass die US-Staatsschulden während Obamas Amtszeit jedes Jahr um rund 8% = mehr als 1 Bill. US$ gestiegen sind. Und nun soll wegen eines Konjunkturprogrammes von 1 Bill. in 10 Jahren (!) die Schuldenbombe platzen?
    Auch die Dachreparatur-Beispiele sind m.E. voll daneben (wie schon oben angeführt).

  9. Avatar

    columbo

    27. Januar 2017 16:08 at 16:08

    http://www.teleboerse.de/mediathek/mediathek_videos/geldanlage-check/Hendrik-Leber-Acatis-article19667882.html

    Hendrik Leber hatte ich bisher eher optimistisch erlebt. Was er hier sagt, gibt zu denken.

    • Avatar

      verinet

      27. Januar 2017 16:29 at 16:29

      sehe ich auch so….allerdings hat Yellen auch nicht mehr soviel Zeit bis Trump jemand willfähriges einsetzen kann bis dahin wird sie ihm aber in die Suppe spucken

  10. Avatar

    Steven

    27. Januar 2017 20:32 at 20:32

    Das solcher Quatsch überhaupt verlinkt wird ist wirklich traurig at FMW .

    Die Aussage ist also die schlechte Infrastruktur weiter verkommen lassen um in „innovation“ zu investieren .

    Klar wäre regelmäßige Wartung besser.
    Aber späte Reparatur ist immer noch besser als gar keine .

    Lasst die Schüler doch von oben nass werden . Hauptsache die smarte Schultafel hängt .

    SO EIN BULLSHIT !
    ist der zufällig Demokrat ?!

  11. Avatar

    Ulrich

    27. Januar 2017 23:22 at 23:22

    irgendwie blicke ich mehr durch. machen die amis nichts an der Infrastruktur, lassen sei also verrotten, jammern alle und sehen die USA auf dem absteigenden ast. machen sie, dann kann es den und den gründen nicht klappen. aktuell kommt bei mir an, wäre die clinton gewählt worden und hätte in die Infrastruktur investiert, wäre das eine tolle Sache gewesen. lieber herr fugmann, warum sind sei auf einmal so ausgesprochen parteiisch??

    • Avatar

      verinet

      28. Januar 2017 19:02 at 19:02

      das ist doch gar nicht die Meinung von Herrn Fugmann sondern von Herrn Schiff,
      klar muss man eine verrottete Infrastruktur wieder überholen aber der Moment an dem sie feststellen dass Ihre Infrastruktur verrottet ist und sie jetzt viel Geld in die Hand nehmen müssen ist keine guter Moment das meint Schiff.

    • Avatar

      rote_pille

      28. Januar 2017 21:26 at 21:26

      Und wenn Deutschland keine neuen Schulden macht, dann ist das angeblich auch ganz schlecht, wegen der Infrastruktur … weil in der Eurozone natürlich definitiv niemand die Zinsen senken musste, um die Verschuldung unter Kontrolle zu halten.

  12. Avatar

    Tino

    28. Januar 2017 09:51 at 09:51

    Ist eh nur eine Frage der Zeit bevor das System einen restart braucht, im Moment will keiner der erste sein, aber Schuldenschnitt oder und Helikoptergeld und oder das aufkaufen von den Zentralbanken muss kommen oder wir haben eine Revolution von links oder rechts

  13. Avatar

    Uwe

    9. Februar 2017 15:43 at 15:43

    Nun der erste Schuldenschnitt wird wohl in Griechenland kommen (Mentalität, hohe Steuern, unwilliger öffentlicher Dienst und kein Interesse an Export) bringt diesem Land keine Erholung – Sondern bei einem GR-Paket 3 wird der IWF (größter Anteilseigner = USA) ohne Schuldenschnitt nicht mitmachen. Aber die Euro-Politker werden den € mit Zähnen und Klauen verteitigen …und die Sparguthaben aus Europas Norden wandern in das Mittelmeer-Dreieck… Es bleibt also sehr spannend.

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Allgemein

EZB ebnet argumentativen Weg für lang anhaltende Rettungsmaßnahmen

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Seit der Finanzkrise 2008 veranstaltet die EZB ein Anleihekaufprogramm nach dem nächsten. Die Zinsen sinken im großen Bild gesehen immer weiter. Egal wie gut es der Konjunktur in der Eurozone zwischen 2008 und 2020 wieder ging. Die EZB druckte immer weiter Geld, kaufte immer weiter Anleihen. Länder wie Italien wurden mit EZB-Geld und immer weiter sinkenden Zinsen am Leben erhalten. Nach der Krise war vor der Krise.

Und nun, kommt nach der Coronakrise (die Impfstoffe kommen ja bald) wieder die nächste Krise, nämlich die Rettung der überschuldeten Unternehmen? Deswegen muss die EZB (wie es auch die Fed macht) zusammen mit den Regierungen der Mitgliedsstaaten immer weiter retten, retten und retten. Denn ja, wir wissen es alle. Mit gigantischen Kreditprogrammen, Zuschüssen, Kurzarbeitergeld uvm werden in Europa die Nöte der Coronakrise gemildert, und Probleme optisch versteckt. Am besten erkennt man das beim Thema Kurzarbeitergeld. In Deutschland wurde die ausgeweitete Funktion dieses Instruments erst letzten Freitag im Bundestag bis Ende 2021 verlängert – welch ein Zufall, bis zur Bundestagswahl kann die Kurzarbeit in ihrer jetzigen Form also weiterhin als neuer Dauerzustand für eigentlich arbeitslose Arbeitnehmer genutzt werden. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

EZB kommt mit „Nicht zu früh aufhören“-Argumentation

Aber zurück zur EZB. Die einfache wie auch clevere Aussage der EZB lautet am heutigen Montag (frei und sinngemäß zusammengefasst): „Wenn wir die Hilfen zu früh einstellen, gefährden wir den Erfolg“. Tja, und wann das Ende der Hilfen angebracht ist, das ist bei der EZB bekanntermaßen eine sehr dehnbare Ansichtssache (siehe Anleihekäufe seit 2008 bis heute – hier eine wunderschöne historische Übersicht zu dem Thema). Im Rahmen ihres heute veröffentlichten Finanzstabilitätsberichts hat die EZB auch einen einzelnen Artikel veröffentlicht, bei dem es um die „Bewertung von Schwachstellen von Unternehmen“ in der Eurozone geht.

Und die Schwachstelle scheint offenbar darin zu bestehen, dass EZB und Regierungen ihre Hilfsprogramme zu früh auslaufen lassen könnten. Man sieht die Probleme wohl auch vor allem beim Zugang zu Krediten und bei steigenden Finanzierungskosten. Die Unterstützung durch die Geldpolitik der EZB habe dazu beigetragen, die tatsächlichen Insolvenzen bisher unter Kontrolle zu halten. Staatliche Kreditgarantien und Konkursmoratorien hätten eine groß angelegte Welle Unternehmenspleiten verhindert. Aber eine beträchtliche Anzahl von Unternehmen könnte gezwungen sein Konkurs anzumelden, wenn diese Maßnahmen zu früh aufgehoben werden oder die Kreditvergabebedingungen der Banken verschärft werden, so die heutige Aussage der EZB. Tatsächlich deute die historische Ko-Bewegung des Anfälligkeitsindikators mit den Unternehmensinsolvenzen und dem BIP-Wachstum darauf hin, dass sowohl die Regierungspolitik als auch die niedrigen Fremdfinanzierungskosten dazu beigetragen hätten, die Auswirkungen der Verschlechterung des Gesundheitszustands der Unternehmen auf die tatsächliche Zahl der Insolvenzen zu dämpfen – auch wenn die Auswirkungen je nach Land, Sektor und Unternehmensgröße unterschiedlich seien.

Dieser neu entwickelte Indikator mache laut EZB deutlich, dass die Anfälligkeit des Unternehmenssektors auf ein Niveau gestiegen ist, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise im Euroraum beobachtet wurde. Finanzierungsrisiken hätten sich dank verschiedener Unterstützungsmaßnahmen bisher nicht materialisiert, aber die Anfälligkeit der Unternehmen könne weiter ansteigen und ein Niveau erreichen, das während der globalen Finanzkrise beobachtet wurde. Insbesondere wenn die zweite Welle der Pandemie die wirtschaftliche Erholung zum Stillstand bringe und das Wachstum schwächer ausfällt als prognostiziert, könnte ein frühzeitiger Ausstieg aus den Stützungsmaßnahmen schließlich zu einem deutlichen Anstieg der Unternehmenskonkurse führen, mit Auswirkungen auf die Finanzstabilität auch für die Banken im Euroraum, so die EZB.

Aus Rettung wird Dauerzustand

Tja, haben sie es auch rausgelesen? Diese Aussagen (wie auch jüngst die Warnung von Christine Lagarde vor der Rezession) bieten die perfekte Vorlage, damit KfW-Kredite, Null- und Negatzvinsen, Kurzarbeitergeld, Anleihekäufe in Billionenhöhe etc immer so weitergehen, Jahr für Jahr. Nicht denkbar? Nochmal, ich möchte erinnern an die letzten zwölf Jahre seit der Finanzkrise! Natürlich sind viele Maßnahmen sicherlich gut und richtig wie die KfW-Kredite, Zuschussprogramme etc. Aber vor allem was die EZB da anrichtet mit ihren Kaufprogrammen und abgeschafften Zinsen. Diese Maßnahmen, wenn sie jahrelang immer weiter beibehalten werden, schaffen ein Gesamtumfeld, das nicht mehr ohne zinslose Kredite leben kann, und Staaten die nicht mehr ohne negative Anleiherenditen leben können. Man gewöhnt sich an diese schöne neue Welt sehr schnell – oder besser gesagt, man hat sich längst daran gewöhnt. Ein Ende dieser Geldpolitik der EZB, ist die überhaupt noch vorstellbar bei der Schuldenexplosion bei Staaten und Unternehmen? Entweder immer so weitermachen, oder man riskiert einen großen Knall.

EZB-Grafik zur Verwundbarkeit der Unternehmen
Grafik: EZB

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Anleihen

China hält immer weniger US-Staatsanleihen – warum das kein Problem ist

Claudio Kummerfeld

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US-Flagge

China hält immer weniger US-Staatsanleihen. Laut aktueller Veröffentlichung des US-Finanzministeriums hielt China im Monat September ein Volumen von 1,061 Billionen US-Dollar. Vor genau einem Jahr waren es noch 1,102 Billionen Dollar. Der aktuelle Stand ist der niedrigste Wert seit drei Jahren. Der folgende Chart  zeigt, dass die Tendenz seitdem stetig fallend ist. Will sich da jemand unabhängig vom US-Dollar machen?

Hier klicken, um den Inhalt von Twitter anzuzeigen

Man kann gleich aus zwei Gründen sagen, dass diese Entwicklung für die USA als gigantischer Neuschulden-Aufnehmer kein echtes Drama darstellt. Denn die folgende Detailgrafik mit den aktuellsten Daten zeigt, dass das Volumen von US-Staatsanleihen, das durch ausländische Eigentümer gehalten wird, binnen Jahresfrist sogar gestiegen ist von 6,92 auf 7,07 Billionen Dollar.

Und zweitens kauft die US-Notenbank Federal Reserve genau wie die EZB und zahlreiche andere Notenbanken derzeit ja in gigantischem Ausmaß die Schulden des eigenen Landes auf. Nur so können die Länder in dieser Coronakrise massiv neue Schulden machen, und das auch noch mit traumhaft günstigen Konditionen. Seit Beginn der Coronakrise im März hat die Fed für 2 Billionen Dollar US-Staatsanleihen aufgekauft. Noch Mitte Februar lag die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen bei 1,57 Prozent. Jetzt sind es 0,86 Prozent.

Grafik zeigt die größten ausländischen Eigentümer von US-Staatsanleihen

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Allgemein

Logik der Transferunion: Fünf-Sterne fordern EZB zu Schuldenerlass für Italien auf

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

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Geld aus dem nichts von der EZB?

Die mit in der italienischen Regierung sitzende Fünf-Sterne-Bewegung hat heute in einem Blog-Eintrag die Europäische Zentralbank dazu aufgefordert, dass sie Italien einfach Schulden erlassen solle. Aber halt. Wie, was, warum? Die EZB kauft seit Jahren in Billionen-Höhe Anleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf, so auch die von Italien. Offiziell nicht, aber de facto werden die Regierungen von der EZB durchgefüttert (Staatsfinanzierung), mit oft nicht mehr vorhandenen Zinsen.

Und in der Coronakrise hat die EZB nochmal kräftig nachgelegt mit neuen Aufkaufprogrammen in Höhe von 1,35 Billionen Euro. So konnten die Länder in der Eurozone sich in der Coronakrise weiter kräftig verschulden, und die EZB stand als Aufkäufer am Anleihemarkt stets parat. Nun soll die EZB laut Fünf-Sterne-Bewegung Italien doch bitte diejenigen Schulden erlassen, die mit der Schuldenaufnahme für die Bewältigung der Coronakrise zu tun haben. Laut dem Blog-Eintrag gehe es um eine Summe von 140 Milliarden Euro, die bis Jahresende noch auf 200 Milliarden Euro steigen werde.

Die Fünf-Sterne-Bewegung deutet auch an, dass man sich am liebsten die Streichung aller italienischen Schulden wünscht, die von der EZB gehalten werden. Aber doch auf jeden Fall diejenigen, die mit Corona zusammenhängen. Denn das wäre leicht machbar und fair. Tja, so ist das im sozialistischen Märchenland. Man nimmt Kredite auf, die man eh nicht zurückzahlen will. Und in diesem Fall… was soll´s, die EZB gehört ja eh den Mitgliedsstaaten, also auch Italien? Daher kann man praktisch selbst Geld drucken, es an sich selbst verleihen, und dann sich selbst (über das Vehikel der EZB) die eigenen Schulden erlassen?

So einfach geht Politik im linken Märchenland, wo Geld aus dem Nichts entsteht, wo es nicht erwirtschaftet werden muss, und wo aus so einer Vorgehensweise keinerlei Probleme entstehen. Und natürlich, da kann man sich sicher sein… selbst wenn die EZB diese Forderungen gegenüber Italien wirklich streichen würde (was nicht passieren wird), dann wäre dies nicht die letzte derartige Forderung. Dann würde es heißen: Schaut her, es geht doch. Dann kann die EZB von nun an auch als Dauer-Einrichtung neue Anleihen kaufen, und danach auf die Rückzahlung der Forderungen verzichten. Dass die EZB dann selbst Verluste in Billionenhöhe anhäufen würde, welche wiederum Italien und alle anderen Eigentümer der EZB zu bezahlen hätten… egal.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank twitterte zu dieser Forderung aus Italien vor wenigen Minuten, dass dies die politische Logik der Transferunion sei. Ja, was soll man dazu noch sagen? Erst das Geld nehmen, und dann nicht zurückzahlen wollen, weil man es sowieso nie vor hatte. Das Geld entsteht ja irgendwo im luftleeren Raum. Aus der Illusion wird eine Wirklichkeit. Wo ist also das Problem, wenn man diese Schulden einfach streicht? So einfach und angenehm ist diese linke Sichtweise auf komplexe finanzielle Zusammenhänge.

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