Wie positioniert sich sich das große Geld in US-Staatsanleihen vor der Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed am Mittwoch? Dass die maßgeblichen und liquiden Anleihe-ETFs – der TLT für langlaufende US-Staatsanleihen, der HYG für High-Yield-Bonds und der LQD für Unternehmensanleihen – in den Daten für ungewöhnliche Volumina am Optionsmarkt dominieren, ist ein zunehmend etabliertes Muster.
US-Staatsanleihen unter Druck: Smart Money verteidigt die 80-USD-Marke im TLT
Aber bei aktuell steigendem MOVE– und VIX-Index, haussierenden Ölpreisen und dem kommenden Zinsentscheid durch die FED am 16. September lohnt ein erneuter Blick auf die Positionierung des Smart Moneys am Optionsmarkt für langlaufende US-Staatsanleihen (TLT). Optionen auf einen ETF sind niemals eine isolierte Wette am Optionsmarkt, sie sind direkt mit den real enthaltenen Werten verschweißt (Creation/Redemption-Prozess).
Rückblick auf Analyse
Die Analyse Ende August im Vorfeld des Notenbanker-Treffens in Jackson Hole zeichnete ein defensives Bild für die US-Staatsanleihen. Während der TLT damals noch im Bereich um 83,10 USD notierte und der MOVE-Index bei moderaten 70 Punkten verharrte, wiesen die Daten bereits auf eine asymmetrische Risikoverteilung am Optionsmarkt hin: Die institutionellen Akteure riegelten die Oberseite durch covered-Call-Verkäufe konsequent ab und bauten ihre primäre Verteidigungslinie durch das Verkaufen von Puts auf das Niveau von 80 USD im September-Verfall aus.
Anstelle einer geldpolitischen Entspannung setzte sich der Zinsdruck am langen Ende unvermindert fort. Der TLT gab sukzessive nach und fiel in das prognostizierte Gravitationszentrum des 80-USD Put-Strikes zurück. Mit einem aktuellen Kursniveau um 80,93 USD steht das Papier nun unmittelbar vor dem Härtetest jenes Fundaments, das das Smart Money Ende August als strategischen Auffangbereich definiert hatte.
Überblick US-Renditen: immer schneller, immer höher
Ein Überblick der wichtigsten US-Staatsanleihen-Renditen über die wichtigsten Durationen zeigt aktuell, dass das Niveau von Oktober 2023 erreicht und teilweise leicht überschritten wurde. Zur Erinnerung: im Oktober 2023 lastete das Narrativ vom „Higher for longer“ auf dem Markt und drückte den S&P500 um über 10 Prozent nach unten. Erst Mitte Dezember kam es durch den „Powell-Pivot“ zur Entspannung: Der Fed-Chef trat vor die Presse und deutete lediglich verbal an, dass der Zinsgipfel erreicht sei und man für das kommende Jahr über Zinssenkungen nachdenken könnte. Dieses Meisterstück der verbalen Marktsteuerung durch die Notenbank reichte aus, die Renditen am Anleihemarkt zu drücken und eine fulminante Rally im S&P500 auszulösen, die bis heute anhält.
Besonders auffällig ist aber, dass die Rendite der 3-Monats-Treasury-Bills über 18 Monate lang über der stark beachteten fünf Prozent Hürde lag, und der S&P500 in diesem Zeitraum trotzdem um knapp 40 Prozent gestiegen ist. Aktuell ist die 3-Monats-Rendite aber noch über 100 Basispunkte von diesem Niveau entfernt. Viel wichtiger in der Analyse aber ist der Rendite-Spread der 10-jährigen minus der 2-jährigen US-Staatsanleihe, den sogenannten „2s10s“:
US-Staatsanleihen: Die extreme Inversion und das Re-Steepening der „2s10s“
Das tiefe Tal in den Jahren 2023 und 2024 (mit einem Minus von über 1,00 Prozent) markiert die aggressivste Inversion der Zinskurve seit den frühen 1980er Jahren. Der Markt signalisierte hier unmissverständlich: Die restriktive Geldpolitik der Fed (sichtbar am extrem hohen 2-Jahres-Zins) wird die Wirtschaft langfristig abwürgen.
Der steile Anstieg über die Nulllinie in den positiven Bereich (Ent-Invertierung) ist historisch betrachtet die eigentliche Gefahrenzone. In der Vergangenheit (2001, 2007, 2019) war exakt dieses Anziehen der Zinskurve der Vorbote für signifikante Verwerfungen am Aktienmarkt. Die Kurve zog meist deshalb an, weil die Notenbank gezwungen war, das kurze Ende in einer aufziehenden Krise – wie etwa während der Dotcom-Blase, der Finanzkrise oder dem Corona-Crash – panikartig durch aggressive Zinssenkungen nach unten zu reißen. Bislang blieb eine derartige, panikartige Intervention der Fed jedoch aus.
Der wichtigste Teil des Charts ist das äußerste rechte Ende. Nach dem starken Anstieg sieht man aktuell einen kleinen Haken nach unten. Der Spread fällt wieder leicht ab und notiert aktuell bei knapp 38 Basispunkten.
Dieser kleine Abwärtsknick ist ein sogenannter „Bear Flattener“. Das bedeutet: Die Rendite der 2-jährigen US-Staatsanleihe, welche extrem sensibel auf die Leitzinserwartungen reagiert, steigt im Moment wieder schneller als die 10-jährige Rendite. Der Markt revidiert seine Hoffnungen auf einen schnellen geldpolitischen Befreiungsschlag und preist ein hartnäckigeres Zinsniveau am kurzen Ende ein. Die aktuellen Optionsdaten im TLT für den anstehenden großen Monatsverfall im September bestätigen dieses Bild:
Ausgangslage: Optionsmarkt US-Staatsanleihen (TLT)
Der erste Blick auf die Datensätze offenbart einen klassischen Bluff: Obwohl die Fed-Entscheidung am 16. September (Mittwoch) fällt, ist das Orderbuch für diesen spezifischen Tagesverfall fast völlig verwaist. Das Smart Money ignoriert diesen Verfall komplett. Für den Mittwoch liegen insgesamt nur 36.293 Calls und 23.489 Puts im Buch. Dem gegenüber steht am Freitag ein gigantisches Open Interest von über 1,03 Millionen Calls und über 608.000 Puts.
Der Optionsmarkt preist für den großen Freitag-Verfall einen Expected Move von lediglich 1,10 US-Dollar ein. Das bedeutet: Ausgehend vom aktuellen Kursniveau (ca. 80,78 USD) rechnet der Markt bis nach der Fed-Sitzung mit einem maximalen Ausschlag von rund 1,36 Prozent.
Der Widerstand bei 82 USD im TLT
Bei 82 USD liegt das aktuell größte offene Interesse (Open Interest) auf der Put-Seite mit 111.843 Kontrakten. Exakt auf demselben Niveau türmt sich inzwischen auch die massivste Call-Wall der gesamten Optionskette mit 97.581 Kontrakten auf (der 83er-Strike folgt dicht dahinter mit rund 85.800 Kontrakten).
Zur Größeneinordnung: Diese fast 210.000 Kontrakte bei exakt 82 USD bündeln an einem einzigen Strike ein Nominalvolumen von deutlich über 1,7 Milliarden US-Dollar. Durch diese extreme Konzentration ist die 82-USD-Marke zum unangefochtenen Max-Pain-Punkt mutiert. Im makroökonomischen Kontext des gesamten US-Anleihemarktes ist das Optionsvolumen zwar ein Bruchteil, für die Mikrostruktur des ETFs erzeugt diese enorme Kapital-Konzentration an einer einzigen Preismarke jedoch ein massives Gravitationszentrum (Pin-Risk), das die Stillhalter durch permanentes Absicherungsgeschäft (Delta-Hedging) verteidigen müssen. Das gesamte Nominalvolumen, das allein für diesen großen Freitag-Verfall im TLT-Optionsbuch liegt, beläuft sich auf gigantische 13,5 Milliarden US-Dollar – nur für einen einzelnen ETF.
Das Fundament der Unterseite: 80 bis 81 USD
Die massiven Put-Cluster bei 81 USD und 80 USD wirken als harte Unterstützung. Eine Times & Sales-Analyse beider Strikes zeigt: Auch wenn beim 81-USD-Strike noch vermehrt aggressive Käufer auftreten, zeigt sich spätestens beim 80-USD-Strike die Verkäuferseite dominierend. Die institutionellen Stillhalter stehen hier als Limit-Käufer bereit und ziehen das Betonfundament zunehmend nach oben (in Richtung 81 USD), um den Kurs gar nicht erst an die Klippe geraten zu lassen. Für sie errechnet sich aus den aktuellen Optionsdaten bei 80 USD im TLT ein theoretischer Einstandspreis von knapp unter 79,70 USD.
Risiko: Die 80-USD-Marke als Make-or-Break-Linie
Da sich der Optionsmarkt aktuell in einem negativen Gamma-Terrain befindet, agieren die Market Maker prozyklisch, d.h. sie handeln mit dem Trend. Sollte der TLT die 80-USD-Marke nachhaltig reißen und die Stillhalter in den Gamma-Squeeze zwingen, wird es kritisch. Die 79 USD-Marke würde unmittelbar ihren Sog ausüben. Umgerechnet auf die Renditen würde das bedeuten, dass die 10-jährige US-Staatsanleihe über der extrem toxischen, psychologischen Grenze von 5 Prozent steht. Ab exakt dieser Marke könnten die vollautomatisierten Algos an der Wall Street beginnen, großflächig Aktien (insbesondere Tech-Werte) leerzuverkaufen.
Sollte das Delta-Hedging der Market Maker den Kurs in Richtung 79 USD drücken, gibt es im Orderbuch des TLT keinen nennenswerten Widerstand mehr. Die Volatilitätsprämie explodiert bei tieferen Strikes. Die Risikoprämie (Equity Risk Premium) für den gesamten Aktienmarkt wird auf diesem Zinsniveau nahezu pulverisiert, die 10-jährige stünde bei ca. 5,09 und die 30-jährige bei 5,49 Prozent.
Wenn die 78 USD im TLT steht, sind die Oktober-Hochs von 2023 am langen Zinsende nicht nur wieder erreicht, sondern überschritten. Das gleicht einem Zinsumfeld, bei dem jede Fremdkapitalfinanzierung für US-Konzerne zum bilanziellen Albtraum wird. Ein Aktienmarkt auf Allzeithochs lässt sich mit einer 30-jährigen Rendite von fast 5,6 % kaum noch rechtfertigen.
Fazit: Die Verteidigung der Last Line of Defense im TLT
Diese makroökonomische Fallhöhe liefert die rationale Erklärung für die extreme Konzentration im Optionsbuch des TLT. Die dichte Positionierung der Stillhalter im Bereich von 80 bis 81 USD ist keine statistische Anomalie, sondern die nüchterne Antwort des institutionellen Kapitals auf ein asymmetrisches Zinsrisiko. Während der breite Aktienmarkt scheinbar unbeirrt auf ein sanftes geldpolitisches Manöver der Notenbank hofft, dokumentieren die Optionsmarkt-Daten der US-Staatsanleihen eine weitaus defensivere Realität. Es geht beim großen Monatsverfall am 18. September folglich weniger um die Spekulation auf eine Zinswende, sondern vielmehr um die harte Verteidigung jener kritischen Renditeschwellen, deren Überschreiten das aktuelle Bewertungsniveau der Aktienmärkte mathematisch unhaltbar machen würde.
Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Optionsdaten wurden u. a. mit Unterstützung von KI-Tools (Gemini) ausgewertet. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen am Optionsmarkt sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 14. September).
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Im Augenblick sind die Renditen mit ihren 4,5 Prozent im Schnitt noch nicht hoch genug.. um die Märkte zum Switchen zu animieren….hätten wir wenigstens wieder die Verzinsungen wie zur Jahrtausendwende..6,5 Prozent..sähe es anders aus…
Bitte beachten Sie das alleine der S& P 500 in den letzten 30 Jahren um über 900 Prozent gestiegen ist..von unter 750 in 96 auf über 7500 aktuell…trotz all der Krisen oder gerade deshalb…( Notenbanken- Geldpolitik- Liquidität- )
Das es in diesem Tempo nicht weitergehen kann..liegt auf der Hand…es sei denn die Notenbanken drehen restlos durch..und stellen die Aktienmärkte über alles…( Inflation )…