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US-Staatsschulden überschreiten die Marke von 30 Billionen US-Dollar

US-Kongress in Washington DC

Die US-Staatsschulden haben laut aktuellster Daten-Veröffentlichung des US-Finanzministeriums jetzt die 30 Billionen Dollar-Grenze überschritten. Dies entspricht einer Staatsverschuldung von 125 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der USA. Genauer gesagt sind es jetzt 30,01 Billionen Dollar – noch zu Anfang des Jahres waren es 29,56 Billionen Dollar. Man hat also in den letzten 30 Tagen 440 Milliarden Dollar neue Schulden oben drauf gepackt!

Dramatisch steigende US-Staatsschulden durch die Coronakrise

Nur seit Januar 2020 (also kurz vor Start der Coronakrise) sind die US-Staatsschulden um 6,8 Billionen Dollar angestiegen. Das ist verständlich. Einerseits schrumpften die Steuereinnahmen – andererseits pumpte die US-Regierung gigantische Rettungssummen Richtung Unternehmen und Bürger. Die Experten der Commerzbank verweisen aktuell darauf, dass weniger als die Hälfte dieses Betrags vom Anleihemarkt getragen werden musste. Die Schulden des Staates bei den eigenen Sozialversicherungen stiegen um 514 Milliarden Dollar auf 6,5 Billionen Dollar (offiziell bezeichnet als Intragovernmental Holdings). Die Versicherungen machten über Jahre Überschüsse, die sie dann dem Staat ausgeliehen haben. Ohne diese interne Verschuldung beträgt die Staatsschuld rund 23,5 Billionen Dollar. Auch die US-Notenbank Federal Reserve hat natürlich durch Gelddrucken und umfangreiche Anleihekäufe die deutlich steigenden US-Staatsschulden möglich gemacht. Seit Anfang 2020 kaufte sie US-Staatsanleihen für netto 3,3 Billionen Dollar.

Immer höhere Staatsverschuldung noch tragfähig, wo die Fed ihre Geldpolitik wieder strafft?

Sind die immer weiter ausufernden US-Staatsschulden noch tragfähig? Denn die Federal Reserve beginnt gerade mit der Straffung ihrer Geldpolitik. Der gigantische Ankauf von Staatsanleihen von dieser Seite endet also. Langfristig hängt die Tragbarkeit der US-Staatsschulden laut den Experten der Commerzbank davon ab, ob die Schulden schneller oder langsamer wachsen als das Bruttoinlandsprodukt der USA. Letzteres sei die Steuergrundlage der US-Bundesregierung (und der Nenner der Staatsschuldenquote). Das Wachstum des nominalen BIP dürfte sich laut den Experten der Commerzbank langfristig auf allenfalls 4 Prozent einpendeln, sofern die Fed ihr Inflationsziel von 2 Prozent erreicht und es zu keinem unerwarteten Produktivitätsschub kommt.

Die gängigen Projektionen für das längerfristige Realwachstum liegen auf Basis plausibler Annahmen für Produktivitätsgewinne und von Projektionen des demographischen Wachstums bei 1,5 bis 2 Prozent. Das Wachstum der Staatsschulden müsste also auf unter 4 Prozent pro Jahr begrenzt werden – in den fünf Jahren vor der Coronakrise stiegen dies Staatsschulden um durchschnittlich 4,7 Prozent. Die auf Basis der geltenden Gesetzeslage zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben der US-Bundesregierung ließen dies nicht erwarten. Schmerzhafte Anpassungen seien nötig.

Die folgende Grafik zeigt seit Jahr 2005 den Verlauf der Staatsverschuldung der USA in Relation zum US-Bruttoinlandsprodukt. Damals noch bei 60 Prozent, stieg die Belastung selbst in den zehn Boom-Jahren zwischen Finanzkrise und Coronakrise immer weiter an. Durch Corona stieg die Quote dann auf bis zu 135 Prozent, und jetzt sehen wir eine Relation zwischen US-Staatsschulden und Wirtschaftsleistung von 125 Prozent. Denn auch wenn die Schulden weiter explodieren – nach Corona ist die Wirtschaft ja wieder kräftig angesprungen, wodurch die Quote etwas zurückkommen konnte.

Grafik zeigt US-Staatsschulden in Relation zur Wirtschaftsleistung seit 2005 Grafik: St. Louis Fed

Charlie Bilello, CEO von Compound Capital Advisors, meldet sich heute auch zu Wort zum Überschreiten dieser großen runden Summe bei den US-Staatsschulden. Er erwähnt, dass sie in den letzten 15 Jahren im Schnitt um jährlich 8,6 Prozent gewachsen sind, während die Wirtschaftsleistung im Schnitt nur um 3,6 Prozent wuchs. Das ist eindeutig keine gesunde Relation (nett ausgedrückt).



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2 Kommentare

  1. „Langfristig hängt die Tragbarkeit der US-Staatsschulden laut den Experten der Commerzbank davon ab, ob die Schulden schneller oder langsamer wachsen als das Bruttoinlandsprodukt der USA. “

    Das ist schlicht Stuss. Langfristig hängt die Tragfähigkeit der US Schulden ausschließlich davon ab ob die USA weiterhin eine Imperialrendite einfahren können, sprich ob die Welt weiterhin bereit ist deren Produktionsdefizit durch Schenkungen zu „finanzieren“.
    Was übrigens direkt am Status des Dollar als Leitwährung hängt. Oder wie hat mal vor Jahrzehnten ein US Außenminister in einem Anfall von Ehrlichkeit gesagt: „Unsere Währung, euer Problem.“

    1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

      Das hat er damals aber im gegenteiligen Zusammenhang gemeint.

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