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US-Studentendarlehen: Gigantische Entschuldung von hunderten Milliarden Dollars durch einfachen rechtlichen Kniff?

FMW-Redaktion

Wir haben schon mehrfach darüber berichtet. Sehr viele US-Bürger, die studiert haben in der Hoffnung dadurch später die Garantie auf ein gutes Einkommen zu haben, mussten sich für den Uni-Besuch verschulden mit einem Studentendarlehen, das später während des Berufslebens zurückgezahlt werden muss. Die Summe offener Studentendarlehen in den USA wuchs zuletzt auf 1,4 Billionen Dollar laut Federal Reserve.


Ein Student in den USA zeigt öffentlich seine Schulden aus Studentendarlehen.
Foto: David Snkbone / Wikipedia (CC BY 3.0)

Davon alleine sind 1,25 Billionen Dollar staatlich vergebene Studentendarlehen. Das könnte noch entscheidend werden, dass der Staat fast alle diese Kredite ausgegeben hat. Aber dazu später mehr. Bisher ist es in den USA fast unmöglich für zahlungsunfähige Schuldner mit offenen Studentendarlehen in die Privatinsolvenz zu gehen. Wenn man in den USA also mit seinen Kreditkarten, Auto- und Hausschulden in die Insolvenz geht und später schuldenfrei herauskommt, hat man seine Schulden aus der Studienzeit immer noch an der Backe.

Der Gesetzgeber wollte es eben so. Eine ewig lange Schuldenfalle. Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen konnte ein kleiner Teil der Schuldner auch diese Schulden los werden. Aber jetzt ist Besserung in Sicht. Letzte Woche wurde ein Gesetz in den US-Kongress eingebracht (The Discharge Student Loans in Bankruptcy Act, H.R. 2366). Der Titel lässt es schon erahnen, wie der Kniff gehen könnte. Nein, der Staat bietet den Schuldnern keine direkte Entschuldung an.

Man versucht die ganze Nummer eleganter zu lösen. Man hebt die Sperre bei der Privatinsolvenz auf, so dass auch die Studentendarlehen künftig in eine Privatinsolvenz mit einbezogen werden können. Noch ist das Gesetz nicht durch. Aber wenn es durchkommt, dann ist eine Lawine möglich. Denn die Masse säumiger Zahler ist gigantisch. Wie aktuelle Studien in den USA zeigen, haben 56% der Arbeitnehmer im Alter von 22-33 Jahren ernsthafte Zweifel, ob sie die Gesamtsumme ihrer Studentendarlehen überhaupt jemals zurückzahlen können.

Uni-Absolventen des Jahres 2016 gingen ins Arbeitsleben mit im Schnitt 37.172 Dollar an Studenendarlehen, die sie nun zurückzahlen müssen. Das ist 6% mehr als noch 2015. Schuldner mit Stundentendarlehen im Alter von 20-30 müssen in den USA derzeit im Schnitt 351 Dollar im Monat abzahlen. Und nochmal die Gesamtsumme: 1,4 Billionen Dollar haben sich insgesamt angesammelt. Derzeit werden in den USA täglich (!) im Schnitt 3.000 Schuldner aus dieser Kategorie zahlungsunfähig beziehungsweise können erst einmal keine Raten zahlen.

Das zeigt: Kommt dieses Gesetz durch, könnten viele dieser Schuldner endlich ihre Gelegenheit ergreifen und nun mit allen (!) ihren Schulden in die Privatinsolvenz gehen, was ihnen ja bisher nicht möglich war. Kommt hier ein gigantisches Problem auf die Banken zu, wenn sich die Ex-Studenten reihenweise so entschulden? Nein, denn wie anfangs erwähnt stammen von den 1,4 Billionen Dollar 1,25 Billionen Dollar aus staatlichen Krediten. Außerdem haben sich private Geldverleiher in den USA bei Studentendarlehen in der Regel Bürgschaften von zum Beispiel Familienmitgliedern geben lassen.

Das bedeutet: Kommt es mit diesem Gesetz zu einer Lawine von Privatinsolvenzen, und somit zu einem gigantischen „Default“ bei Studentendarlehen, wächst der Schuldenberg der US-Steuerzahler nochmal dramatisch weiter an, da die ausgefallenen Schulden ja letztlich an ihnen hängen bleiben. Motto: Egal, ob wir nun 20 oder 21 Billionen Dollar Staatschulden haben. Was soll´s? Man könnte es auch so sehen: In diesem Fall müssten alle Steuerzahler, die nie eine Uni von innen gesehen haben, nachträglich für die Ausbildung aller US-Bürger mit bezahlen, die studiert haben. (vereinfacht dargestellt)



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6 Kommentare

  1. Die US-Studenten und ihre Schulden sind systemrelevant und müssen gerettet werden. Ob der Wichtigkeit dieser Rettung ist es doch tatsächlich völlig egal, ob die USA 20 oder 21 Billionen Dollar Staatsschulden haben.

    Selbst wenn der US-Schuldenberg auf 50 Billionen anschwillt und sich die Target2-Salden in Europa verdreifachen – wen stört es? Es wird schlussendlich einfach immer alles gerettet. Warum hat man das denn nicht schon immer so gemacht? 1929 und in den Folgejahren müssen die Politiker ja ganz schöne Idioten gewesen sein und sie würden sich alle in ihren Gräbern herumdrehen, wenn sie sehen könnten, wie einfach man schon damals die Probleme hätte lösen können.

    1. Das waren auch ganz schöne Idioten.
      Hätten sie einen Bernanke und Draghi machen lassen, wäre das damals glimpflich abgelaufen.

    2. @Walter Schmid und @gerd, warum zitieren Sie die Politiker von 1929 und nicht die der 80er, 90er und 200er Jahre? Blasen platzen immer, wenn der Druck zu hoch ist.
      Glauben Sie ernsthaft, dass man heute mit Bernake, Yellen oder Draghi den Stein der Weisen entdeckt hat?
      Ziehen Sie sich besser warm an, es werden stürmische und kalte Zeiten auf das Dauer-Sommer-Hoch folgen.
      Wer jemanden historisch betrachtet aus heutiger Sicht abschätzig als „Idioten“ bezeichnet, hat sich trotz mehrerer Generationen und viel neuen Wissens keinen Deut weiter entwickelt. Er ist und bleibt ein „Idiot“.

      1. Nun, wollen wir Lars einmalzugute halten, dass die Satire im zweiten Absatz meines Beitrages für den einen oder anderen vielleicht nicht so leicht zu erkennen war.

  2. Ich würde nicht sagen das die früher Idioten wahren, vielleicht hat es da einfach in den Plan gepasst, inklusive zweiter Weltkrieg, ist ja nicht so das da keiner dran verdient hat

    1. Tja, man darf gar nicht drüber grübeln….’was wäre wenn‘.

      Denn in der Tat wäre es ohne die Ereignisse von 1929 und fortfolgend nicht zu einer derartigen Massenarbeitslosigkeit gekommen. Hitler hätte daher wahrscheinlich nie eine Chance gehabt und der 2. Weltkrieg wäre zu der damaligen Zeit nicht ausgebrochen.

      Und weiter fabuliert: Sie und ich und alle anderen Leser und die Redaktion wären dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nicht geboren worden.

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