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US-Verbriefungsdebakel reloaded, diesmal nur in Griechenland?

FMW-Redaktion

Die Zeichen verdichten sich, dass Griechenland einen ähnlichen Weg geht wie die USA vor 10 Jahren, um schlechte Kredite (Rückzahlungswahrscheinlichkeit gering) loszuwerden. Damals wurden Millionen von faulen Immobilienkrediten zu Paketen geschnürt und landeten letztendlich z.B. in den Bilanzen deutscher Landesbanken. Letztlich transferierte man somit seinen Schrott von den USA in die weite Welt hinaus.

Aus Griechenland hört man solche Überlegungen schon seit Längerem. Seit Tsipras´ Wiederwahl ist man zusammen mit den Kreditgebern der EU dabei zu ermitteln, wie groß der Rekapitalisierungsbedarf der griechischen Banken ist, also wie viel frisches Geld fließen muss, um sie zu sanieren. Dabei ist neben den gigantischen Mittelabflüssen seit Ende 2014 das strukturelle Problem, dass es eine riesige Masse von „Non Performing Loans“ gibt, also Kredite, bei denen das Risiko groß ist, dass sie nicht zurückgezahlt werden können, weil der Schuldner nicht mehr zahlen kann. Das Volumen ist noch nicht ermittelt worden, aber man zähle 1 und 1 zusammen: in Griechenland wird es so einige faule Kredite geben.

Die angesehene griechische Zeitung „EKathimerini“ bringt heute die Beratungsfirma Nomura ins Spiel. Sie soll, bereits tätig als Berater der Regierung in Athen um das Bankenproblem zu lösen, jetzt konkret vorgeschlagen haben eben diese Möglichkeit von Verbriefungen für faule griechische Immobilienkredite zu nutzen. Es soll dabei angeblich nicht nur um Immobilien, sondern auch um notleidende Firmenkredite gehen.

Nicht bekannt ist bisher, wer im Ausland so ein Paket kaufen will (denn wer in Griechenland soll so ein Paket kaufen?). Was am Anfang wie immer unmöglich scheint, ist gar nicht so weit hergeholt. Weltweit gibt es an den etablierten Kaitalmärkten keine Verzinsung, daher gehen Investoren schon seit Jahren in hochverzinste US-Schrottanleihen, die auch nicht besonders werthaltig sind. Da dürfte es doch verlockend sein z.B. ein Paket von griechischen Hauskrediten von insg. 100 Millionen Euro für einen Restwert von vielleicht 50 oder 30 Millionen Euro aufzukaufen? Auch jetzt kann man das Konstrukt schon zu Ende denken: welche deutschen Banken, Versicherungen und Fonds werden direkt oder als Unwissende indirekt solche Pakete erneut in ihre Bilanzen aufnehmen?

Die Verbriefung an sich und somit der Verkauf des Schrotts raus aus der Bilanz einer griechischen Bank beschert der Bank keinen Mehrwert, sondern sorgt lediglich für die Realisierung eines bis dato schlummernden offenen Verlusts. Denn wenn Immobilienkredite von insg. 100 Mio Euro bisher in einer Bankbilanz als Vermögenswert standen, und nach ausgiebiger Prüfung eines ausländischen Investors beispielsweise nur noch mit 50% Wert angesetzt werden, kauft er das Paket ja auch nur zu maximal 50 Mio Euro. Somit wird bei der Bank ein bislang im luftleeren Raum schwebender irrealer Verlust zu einem realen Verlust.



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