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US-Wahl: Warum wählen viele Trump trotz wirtschaftlicher Einbußen?

Wolfgang Müller

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Warum werden viele Amerikaner bei der US-Wahl Trump wählen, obwohl sie durch ihn wirtschaftliche Nachteile erlitten haben? Zum Beispiel die amerikanischen Farmer: Der Umgang mit der US-Landwirtschaft durch die amtierende Regierung hat schon etwas von Sozialismus. Ausgerechnet initiiert von Donald Trump, der seine treuen Stammwähler mit Zuschüssen bei Laune hält, eben weil seine Handelspolitik mit China auf diesem Gebiet so elendig gescheitert ist. Die Zustimmung der US-Farmer für den amtierenden Präsidenten ist deshalb fast ungebrochen.

US-Wahl: Die US-Farmer, Opfer des Handelsstreits mit China

Der Handelskrieg mit China ist zwar etwas aus dem Fokus der Öffentlichkeit geraten, dennoch wirkt er in der US-Landwirtschaft nach.

Ab dem Frühjahr 2018 verhängte US-Präsident Zölle auf die Importe chinesischer Alltagswaren, was von China mit Gegenzöllen auf US-Agrarprodukte belegt wurde. Die Soja-Bauern aus Indiana, Iowa und Kansas litten stark unter den Maßnahmen. Die US-Handelsbehörde stellte einen Rückgang der Ausfuhren nach China, dem Hauptabnehmer von Soja, von 2017 auf 2018 um 75 Prozent fest, von 12 Milliarden auf drei Milliarden Dollar. Aber auch die Ausfuhr von Schweinefleisch ging um 30 Prozent zurück.

Die ungebrochene Zustimmung für Trump

Wenn man geglaubt hat, dass sich viele Farmer deshalb enttäuscht von der Republikanern abwenden würden, der dürfte sich getäuscht sehen. Den letzten Umfragen zufolge wollen 75 Prozent der Wähler aus diesem Bereich bei der US-Wahl weiterhin Trump ihre Stimme geben, 2016 waren es „nur“ 73 Prozent. Ein Grund dafür hat sicherlich etwas mit der angekündigten Umweltpolitik Joe Bidens zu tun, die den Farmern das Leben etwas erschweren könnte – Stichwort Entsorgung von Dünger in Flüsse. Aber der Hauptgrund ist sicherlich anderer Natur.

Das gigantische staatliche Förderprogramm

Obwohl die Landwirtschaft nur noch ein Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der USA beiträgt, liegen dem Präsidenten diese speziellen Wähler schon lange vor der US-Wahl besonders am Herzen. Ganze 23 Milliarden Dollar an Subventionen flossen 2018 und 2019 an die betroffenen Bauernhöfe, aber das ist anscheinend nur ein Teil der Wahrheit. Wenn man der Umweltorganisation „Environmental Working Group“ Glauben schenken kann, flossen davon 21 Milliarden Dollar an die Kreise, die vor vier Jahren bei der US-Wahl republikanisch gewählt hatten und nur zwei Milliarden an demokratisch dominierte Bezirke. Wie ist so etwas möglich?

Wie geht es weiter mit der Landwirtschaft?

Der groß gefeierte Handelsdeal zwischen den USA hat sich bisher zu einem Rohrkrepierer entwickelt. Von den versprochenen 37 Milliarden Dollar an chinesischen Agrarkäufen, wurde bisher vielleicht ein Viertel umgesetzt. Schlimmer noch, die Chinesen suchten sich mit Brasilien und Argentinien sogar noch andere Lieferanten. Was Donald Trump nicht zum Umdenken bewegt, im Zuge der Corona-Krise sollen die US-Landwirte bis Ende 2020 ganze 51 Milliarden Dollar an Unterstützung erhalten, fast 40 Prozent der gesamten Einnahmen. Was für ein uneigennütziges, sozialistisches Programm des Dealmakers!

Noch ein paar Sätze zur US-Wahl 2020:  Die aktuelle Präsidentschaftswahl unterscheidet sich nicht nur wegen der agierenden Persönlichkeiten von früheren Zeiten.

Ein großer Teil der Wahl 2020 hat bereits stattgefunden, schließlich sollen bereits bis zum Samstag über 85 Millionen Amerikaner ihre Stimme abgegeben haben (hier die aktuelllen Daten). Dies ist bereits weit mehr als die Hälfte der Zahl der 137 Millionen US-Wähler, die 2016 insgesamt gewählt hatten. Damals lag die Wahlbeteiligung bei nur 55,7 Prozent, aber eine Beteiligung über 60 Prozent – das ist auch schon einige Jahrzehnte her (1968 – 60,8 Prozent). Insgesamt sind bei der US-Wahl nun 240 Millionen US-Bürger wahlberechtigt, 10 Millionen mehr als vor vier Jahren. Die Frage ist nur, welche Wählergruppe diese frühe Entscheidung getroffen hat. Vor vier Jahren brachten die Ermittlungen gegen Hillary Clinton, kurz vor der Wahl, nochmals einen kleinen Umschwung.

Fazit

Diese Beispiele zeigen wieder einmal mehr wie unvorhersehbar das Verhalten von Menschen speziell vor Wahlen ist. Wird die Stimmabgabe von Emotionen wie Hoffnung, Wut, Revancheismus (Denkzettel-Theorie) oder von finanziellen Vorteilen getätigt, so ist eine Vorhersage – bis auf die zementierten Wählergruppen – nicht besonders valide. Deshalb sind die sozialen und damit selbstrefrenziellen Gebiete wie Politik, Wirtschaft und Börse ein so genanntes „Non-Validity Environment“, wie es Daniel Kahnemann nach Jahrzehnten Forschung auf diesen Feldern herausgefunden hat. Viele richtige Vorhersagen sind Zufallstreffer, wie es auch der Risikoforscher Nassim Nicholas Taleb so gerne formuliert. Wenn jemand den Ausgang der US-Wahl vor vier Jahren richtig antizipiert hat, besteht eher die Wahrscheinlichkeit, dass er sich dieses Mal irrt. Oder wie an der Börse, wo eine Handvoll Analytiker einen Crash punktgenau vorhersagen, aber nur einmal – und dann beginnt das Problem.

Seien wir also gespannt, was in der Nacht vom 3. auf den 4. November bei der US-Wahl passieren wird.

Warum wählen Farmer bei der US-Wahl erneut Trump?

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Marko

    2. November 2020 13:37 at 13:37

    Warum wählen Menschen Donald Trump “?

    Weil Donald „Lügt“, bzw ehrlich ist, und den Menschen das Gefühl gibt, „einer von ihren zu sein“.

    Und genauso kann ich Wahlen gewinnen.

    • Avatar

      sabine

      2. November 2020 14:54 at 14:54

      Er will einer von ihnen sein. Deswegen hat er auch den elitären Epstein sofort aus seinem Club geworfen, als da ein Gerücht mit Minderjährigen auftauchte. Während der sozial. Clinton öfters in seinem Lolita-Express mitflog. Wo diese Minderjährigen an Bord waren.
      Sein Problem ist, daß Gutes-Tun stolz macht, und dann ist man auch nicht besser als die anderen – oder nur wenig. Ein Ami-Problem seit dem Sezessionskrieg. (Der Südstaaten-General Lee war ganz gegen die Sklaverei, wollte ihre Abschaffung und hat dafür gebetet.)

  2. Avatar

    Marko

    2. November 2020 13:58 at 13:58

    Die Realität ist und bleibt – ein ‚Herr Donald muss weg“ – alles andere wäre für die „Leading-Nation“ „USA“ nicht mehr und weniger als eine Katastrophe.

    Weil dann – bei einer erneuerten Wahl einer Wahl eines Donald Trump die USA dann ziemlich nach Rechts abdriften dürfte. Dies, sogar in die Nazi-Fraktion, und bei denen gibt es einige im den Südstaaten.. Und ünterschätzt mir nur nicht die Südstaatler !

    Bei einer Wahl Donald Trumps, hätte Hitler gewonnen !

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      sabine

      2. November 2020 16:23 at 16:23

      Bei uns gibts auch überall Nazis. Die ganzen Corona-Leugner. Dann die Klimaerwärmungs-Leugner, die GEZ-Ablehner, die Lügenpresse-Sager, die Eltern, die ihre Kinder nicht mit der Schutzmaske haben wollen. Die Gefahr von rechts wird übermächtig. Selbst Frau Zetlow (Corona-Leugnerin) und Dieter Nuhr, ja sogar Lafontaine (Redet mit der AFD) – überall Hitler. Dabei war er Österreicher, in einer Arbeiterpartei und für Alle-Macht-dem-Staat – also kein Kapitalist.

    • Avatar

      sabine

      2. November 2020 16:59 at 16:59

      Ich versuchs nochmal:
      Bei uns gibts auch überall Nazis. Die ganzen Corona-Leugner. Dann die Klimaerwärmungs-Leugner, die GEZ-Ablehner, die Lügenpresse-Sager, die Eltern, die ihre Kinder nicht mit der Schutzmaske haben wollen. Die Gefahr von rechts wird übermächtig. Selbst Frau Zetlow (Corona-Leugnerin) und Dieter Nuhr, ja sogar Lafontaine (Redet mit der AFD) – überall Hitler. Dabei war er Österreicher, in einer Arbeiterpartei und für Alle-Macht-dem-Staat – also kein Kapitalist.

  3. Avatar

    Thomas

    2. November 2020 17:39 at 17:39

    Hallo zusammen,

    Ihr seid echt krank, so einen Quatsch hier zu posten.
    Falls das also keine Satire ist, dann :
    D T macht seine Wahl Versprechen wahr.
    D T steht für sein Land, was man von A M und Ihr Regime nicht behaupten kann
    D T ist im Gegensatz zu D S nicht an einer globalisierten Welt interessiert und wird deshalb auch so von dem D S massiv bekämpft

    • Avatar

      sabine

      2. November 2020 18:07 at 18:07

      Ich geb Ihnen recht. Aber ich glaub, bei Marko war es keine Satire. Der glaubt an die Tagesschau, an das Drosten-Team, (Der mit der ZSK-Band.), an Greta (die mit der The 1975)
      https://www.monopol-magazin.de/1975-eroeffnen-ihr-album-mit-essay-von-greta-thunberg
      usw. Kann er ja gern, aber sein Statement ist argumentativ schon arg verkürzt „Bei einer Wahl Donald Trumps, hätte Hitler gewonnen !“ So einfach ist die Welt. Trump = Hitler. (Johnson hatte doch damals auch diese Ehre.)

    • Avatar

      Michael

      2. November 2020 18:39 at 18:39

      Trump macht keine Wahlversprechen wahr, er behauptet es nur. Und alle zig-tausend Fakten, Dokumente, Videos, Tweeds, die das belegen und ihn der Lüge oder Unwahrheit überführt haben, sind Fake News.
      Trump steht nicht für sein Land, er pfeift darauf. Wofür Trump steht ist Donald Trump, wenn es hochkommt, vielleicht noch Familie Trump.

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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