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US-Wirtschaft: Der große Feind namens Inflation

Der US-Notenbank sind jegliche Argumente für eine Beibehaltung ihrer lockeren Geldpolitik verlustig gegangen

US-Wirtschaft - der Feind Inflation

Die Veröffentlichung des Wachstums der US-Wirtschaft für das dritte Quartal 2021 mit 2,1 Prozent ist zwar schon die zweite Schätzung, mit einer kleinen Korrektur gegenüber der Erwartung, sie zeigt aber dennoch eines deutlich: Der überproportional starke Aufschwung nach der schnellsten und tiefsten Rezession im Frühjahr 2020 ist zu Ende, die Wachstumsraten dürfen sich wieder den langjährigen Durchschnittswerten annähern.

US-Wirtschaft: Zurück zur Normalität beim Wachstum

Nach 6,4 Prozent im ersten Quartal, 6,7 Prozent im zweiten, jetzt 2,1 Prozent und alles auf Jahresbasis, daraus wird deutlich, dass die Nachholeffekte des Coronajahrs wohl erledigt sind, die Helikopterschecks weitgehend aufgebraucht und man zu den üblichen BIP-Veränderungen zurückkehrt.

In der großen (Inflationsbereinigten) Übersicht seit dem Zweiten Weltkrieg zeigt sich ein tendenziell nachlassendes Wachstum der US-Wirtschaft, welches in den letzten Jahren auch nur durch überproportional hohe Schuldenaufnahme generiert werden konnte.

Das durchschnittliche Wachstum seither betrug 3,19 Prozent, der Schnitt der letzten Dekade 2,36 Prozent.

Jetzt schlägt auch schon seit ein paar Monaten die große Teuerungsrate zwischen 5 und 6,2 Prozent zu, wenn da die Löhne nicht nachziehen, wird das verfügbare Einkommen als Basis für die 70 Prozent-Konsumökonomie rasch nachlassen.

Die Normalisierung des Wachstums

US-Wirtschaft - das Wachstum

Die Amerikaner führen über alles Statistiken. Hier eine logarithmische Regressionsdarstellung des langfristigen US-Wachstums seit 1947. Die Schere öffnet sich weiter, der Konsum lässt sich nicht jahrzehntelang beliebig steigern.

US-Wirtschaft reales Wachstum

Die Fieberkurve des US-Wachstums seit dem Zweiten Weltkrieg mit den mittlerweile 12 aufgetretenen Rezessionen.

US-Wachstum Trend

Aus den letzten Daten zur US-Wirtschaft ergeben sich derzeit einige Divergenzen: Die Konsumausgaben sind noch hoch, das Verbrauchervertrauen (Uni Michigan 67,4 Punkte, auf 10-Jahrestief) aber bereits sehr niedrig und auch vonseiten der Einkaufsmanagerindizes ist noch solides Wachstum zu erwarten – 56,5 Punkte im November, aber bereits Etagen entfernt vom Junihoch mit 68,7 Punkten.

Dazu noch die gestrigen Konjunkturdaten über die Ausgaben der Konsumenten mit plus 1,3 Prozent, ein Rückgang bei den Aufträgen für langlebige Wirtschaftsgüter um 0,5 Prozent, gleichzeitig fielen die Erstanträge auf Arbeitslosigkeit in den USA auf den tiefsten Stand seit über 50 Jahren.

Der US-Notenbank sind jegliche Argumente für eine Beibehaltung ihrer lockeren Geldpolitik verlustig gegangen.

Fazit

Eigentlich sieht die US-Wirtschaft doch recht stabil aus, wenn da nicht der unerwartet und mit großer Heftigkeit erwachte Feind für eine Volkswirtschaft, eine trabende Inflation, wäre. Wie diese bekämpfen und gleichzeitig dafür sorgen, dass die persönlichen Einkommen der Verbraucher weiter ansteigen, wo doch sehr viel durch die Inanspruchnahme von Verbraucher- und Hauskrediten ermöglicht wird?

15,24 Billionen Dollar betrugen die privaten Schulden der Amerikaner zum Ende des dritten Quartals (nach Angaben der New Yorker Fed) – und damit wird die große Zwickmühle für die US-Notenbank deutlich. Nahezu alle Kreditkarten orientieren sich an der Benchmark der zehnjährigen US-Staatsanleihe: wie da die Geldpolitik mit den Anleihekäufen rasch normalisieren, ohne dass es zu einem Zinsanstieg kommt? Jedes Zehntel tut diversen Schuldnern weh, besonders den hochverschuldeten US-Verbrauchern mit ihrer Milliarde Kreditkarten.

Wie zerschlägt Jerome Powell diesen gordischen Knoten?



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