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Konjunkturdaten

US-Wirtschaft – die Bedeutung des „Black Friday“

Letztendlich wird auch die diesjährige Weihnachts-Shopping-Saison den amerikanischen Konsumenten noch tiefer in die roten Zahlen treiben

Hannes Zipfel

Veröffentlicht

am

Um das Erntedankfest herum beginnt für die US-Wirtschaft die verheißungsvolle Weihnachtseinkaufssaison. Für dieses Jahr werden neue Umsatzrekorde erwartet. Doch der schöne Schein kann auch trügen.

Der „Black Friday“ hat nichts mit schwarzen Zahlen in der US-Wirtschaft zu tun

Der Tag nach Thanksgiving, dem wohl wichtigsten amerikanischen Feiertag (auch für die US-Wirtschaft), ist als „Black Friday“ bekannt. Dies war früher inoffiziell der Beginn der Weihnachtseinkaufssaison und wurde zunächst als „Day after Thanksgiving Sale“ bezeichnet. Fast alle Geschäfte bieten an diesem Tag hohe Rabatte an, um die Kundschaft in die Geschäfte zu locken. Bis vor wenigen Jahren standen die Leute stundenlang Schlange vor den Geschäften, um das Schnäppchen des Jahres zu machen. Doch der Umsatz verlagert sich zunehmend ins Internet und in das zeitliche Umfeld.

Irrtümlich wird der Black Friday mit dem Tag assoziiert, ab dem die US-Einzelhändler die Gewinnschwelle erreichen. Tatsächlich ist die wahre Geschichte des „Black Friday“ etwas dunkler: Der Begriff „Black Friday“ wurde erstmals am 24. September 1869 verwendet, als zwei Investoren, Jay Gould und Jim Fisk, den Goldpreis in die Höhe trieben und damit indirekt einen Crash auslösten. Der Aktienmarkt fiel an diesem Freitag um 20 Prozent und der Außenhandel fror kurzfristig ein. Die Preise für Mais und Getreide gaben um 50 Prozent nach.

In den 1950er Jahren benutzte die Polizei von Philadelphia den Begriff „Black Friday“ für den Tag zwischen Thanksgiving und dem Army-Navy-Game, einem College-Football-Rivalitätsspiel zwischen den Army Black Knights der United States Military Academy in West Point, New York, und den Navy Midshipmen der United States Naval Academy in Annapolis, Maryland. An jenem Freitag kamen riesige Mengen von einkaufswütigen Touristen nach Philadelphia. Die Polizei hatte alle Hände voll zu tun, die Menschenmassen und den Verkehr an diesem Tag in den Griff zu bekommen. Händler in Philadelphia versuchten, den Namen in „Big Friday“ zu ändern, aber diese alternative Bezeichnung hat sich nie durchgesetzt.

In den späten 1980er Jahren hatte sich „Black Friday“ landesweit mit der positiveren Hintergrundgeschichte von den schwarzen Zahlen bei den Einzelhändlern etabliert.

Black Friday“ versus „Cyber Monday“

In den letzten Jahren, v. a. ab dem Jahr 2013, hat sich der Trend verstärkt, dass „Black Friday“-Rabattaktionen immer mehr in die Woche um Thanksgiving herum ausgeweitet und ins Internet verlagert werden.

Auch viele stationäre Einzelhändler beginnen ihren „Black Friday“-Verkauf nun bereits direkt an Thanksgiving und viele sogar am Mittwoch oder sogar schon am Montag davor. Infolgedessen ist der „Black Friday“ bezogen auf den Umsatz nicht mehr der größte Verkaufstag im Umfeld von Thanksgiving. Größter Verkaufstag ist jetzt Thanksgiving selbst. Damit mutiert einer der bedeutendsten Familienfeste in den USA zum Einkaufs-Happening.

Der „Black Friday“ hat in den letzten Jahren an Bedeutung für die US-Wirtschaft auch deshalb verloren, da immer mehr Amerikaner ihre Weihnachtseinkäufe bei Online-Händlern tätigen, die in der Woche rund um Thanksgiving und am Feiertag selbst hohe Rabatte anbieten. Die Saison als Ganzes ist für amerikanische Einzelhändler und damit für die gesamte US-Wirtschaft von sehr hoher Bedeutung: Der Umsatz in den letzten Monaten des Jahres kann bis zu 40 Prozent des gesamten Jahresumsatzes der Einzelhändler ausmachen.

Doch selbst wenn der E-Commerce von Jahr zu Jahr zunimmt, geben die Käufer nach wie vor den größten Teil ihres Geldes lieber in stationären Geschäften aus. Die National Retail Foundation (NRF) prognostiziert, dass die gesamten Weihnachtseinkäufe in den USA in diesem Jahr 730 Milliarden US-Dollar erreichen könnten, wobei mehr als drei Viertel dieser Einkäufe in stationären Geschäften getätigt werden sollen.

Die Verkäufe im Internet stiegen am „Black Friday“ dieses Jahres um mehr als 19,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 7,4 Mrd. US-Dollar an. Dies war der bisher größte Umsatzanstieg an diesem Tag, bezogen auf die Online-Transaktionen bei 80 der 100 größten US-Einzelhändler.

Für Thanksgiving lag der Anstieg der Online-Umsätze um 14,5 Prozent höher als im vergangenen Jahr und stieg auf 4,2 Mrd. US-Dollar.

Insgesamt erwartet der US-Einzelhandel in diesem Jahr einen neuen Rekordwert für den am Montag nach Thanksgiving stattfindenden „Cyber-Monday“ in Höhe von ca. 9,4 Mrd. US-Dollar, was einem Anstieg von 18,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

In diesem Jahr ist die Shoppingsaison vor Weihnachten in den USA sechs Tage kürzer als im Jahr 2018. Dies bedeutet, dass die Kunden weniger Zeit für die Schnäppchenjagt haben und die Händler noch aggressiver um die Kunden buhlen.

Fazit

Obwohl mehr als 50 Prozent der Amerikaner ihre Schulden vom letzten Weihnachts-Shopping-Rausch noch nicht abbezahlt haben, werden für dieses Jahr neue Umsatzrekorde erwartet. Ob sich die Rabattschlacht für den Einzelhandel tatsächlich auszahlt, hängt dabei nicht primär von den Umsatzrekorden ab, sondern von den erzielten Handelsmargen. Je aggressiver die Händler in Sachen Rabatte vorgehen, umso weniger bleibt beim Gewinn übrig.

Man sollte sich also nicht allzu sehr von den gefeierten Umsatzrekorden blenden lassen und abwarten, welche Gewinne die Einzelhändler fürs vierte Quartal 2019 im Vergleich zum Vorjahr ausweisen werden. Zumal die Verbraucher sich im Vorfeld der Sonderrabattaktionen immer mehr zurückhalten, ein Effekt, der bereits vor zwei Jahren auch schon in Europa messbar war, da auch bei uns die Rabattschlacht á la „Black Friday“ immer mehr in Mode kommt.

Die Tatsache, dass sich die Weihnachtseinkäufe zunehmend in virtuelle Geschäfte verlagern, ist für den Arbeitsmarkt kein sonderlich gutes Zeichen. Der Online-Handel benötigt deutlich weniger Personal und bezahlt dieses auch schlechter, da ein Lagerarbeiter weniger Lohn bezieht als ein Verkäufer im Geschäft, der oft noch zusätzlich Provisionen und Umsatzprämien erhält.

Letztendlich wird auch die diesjährige Weihnachts-Shopping-Saison den amerikanischen Konsumenten noch tiefer in die roten Zahlen treiben. Mal sehen, wie dann die Einzelhandelsumsätze in den kommenden Monaten aussehen, wenn der vorgezogene Konsum auf Pump, gelockt durch besonders hohe Rabatte, wegfällt und sich die US-Wirtschaft weiter abkühlt.

Für die US-Wirtschaft ist der Konsum wie an Black Friday von zentraler Bedeutung

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    Janzid Fosil

    3. Dezember 2019 10:53 at 10:53

    Vom Friday for Future schnell zum Black-Friday und zum Schluss noch zum Cyber-Monday.
    Läuft 😂😂😂

    • Avatar

      Yazid Fosil

      3. Dezember 2019 12:51 at 12:51

      @Witzbold, wenn Sie schon meinen Namen klauen, dann bitte auch korrekt schreiben!

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Aktuell: Öl-Lagerbestände -1,0 Mio Barrels (jetzt 488,1 Mio)

Claudio Kummerfeld

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Die Benzinbestände wurden im Vergleich zur Vorwoche mit +1,9 Millionen Barrels veröffentlicht. Die Erwartungen gegenüber der Vorwoche bei -1,8.

Die Dienstag Abend um 22:35 Uhr veröffentlichten API-Lagerbestände wurden mit +0,6 Mio Barrels beim Rohöl gemeldet (-1,9 erwartet).

Der Ölpreis (WTI) reagiert in den ersten Augenblicken nach Verkündung mit -2 Cents auf 40,97 Dollar.


source: tradingeconomics.com

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Der Boom am US-Immobilienmarkt hatte sich gestern auch im Allzeithoch des NAHB Index gezeigt – die amerikanischen Immobilien-Käufer sind derzeit euphorisch wie noch nie..

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Aktuell: Verbrauchervertrauen Uni Michigan – Sieg von Biden erwartet

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Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan (1.Veröffentlichung für Oktober) ist mit 81,2 etwas besser ausgefallen als erwartet (Prognose 80,5; Vormonat war 80,4).

Die Einschätzung der aktuellen Lage dagegen schwächer als erwartet, sie liegt bei 84,9  (Vormonat war 87,9)

Die Konsumentenerwartung liegt bei 78,8  (Vormonat war 73,3)

 

Dazu schreibt Richard Curtin, der die Umfrage verantwortet:

„Slowing employment growth, the resurgence in covid-19 infections, and the absence of additional federal relief payments prompted consumers to become more concerned about the current economic conditions. Those concerns were largely offset by continued small gains in economic prospects for the year ahead. The Current Conditions Index recorded its second small reversal, the first being in June, but even at its best, it has never come close to its December peak, being still down by 26.5%. The Expectations Index, despite the recent gain, is still down by 14.4% from its February peak. How much has the presidential electioneering influenced this twist in consumer sentiment? Consumers were not asked whom they will or had voted for or their preference, but who they expected to win the election to determine the election’s potential influence on economic expectations. Among all consumers, Biden’s advantage in early October grew to 7 from 1 percentage point in the July to September surveys (see the chart). While self-identified Democrats and Republicans heavily favored the candidate from their own party, that proportion grew by 8 points among Democrats and shrunk by 5 percentage points among Republicans. Most elections are decided by those who are non-aligned with either party; the views of Independents remained unchanged and nearly equal, giving Trump a slight advantage of 2 or 3 points. When the difference in the Expectations Index was calculated by party identification, Trump still held an advantage over Biden with some interesting twists: Trump’s advantage on the Expectations Index greatly narrowed among Republicans (from 31.1 in July to September to 13.9 in October) and only a slight narrowing among Democrats (from 4.0 to 1.6), but it widened among Independents (from 20.9 to 24.4).“

 

 

 

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