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US-Wirtschaft: Das Risiko der Präsidentschaftswahl

Hannes Zipfel

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am

Im Allgemeinen gelten Wahljahre als gute Börsenjahre, was empirisch auch belegt ist. In Amerika gilt der Slogan „Your Wallet Your Vote“. Der jeweilige Amtsinhaber ist stets bemüht, seine Wiederwahl durch eine prosperierende US-Wirtschaft und volle Portemonnaies der Wählerschaft abzusichern. Doch jede Regel kennt ihre Ausnahme und so könnte es aufgrund von Sondereffekten bis zum Wahltermin am 3. November 2020 statt zu einer wirtschaftlichen Belebung in den USA zu einer Rezession kommen.

US-Wirtschaft schon auf dem Weg nach unten

Die Konjunkturforscher des Economic Cycle Research Institute (ECRI) messen anhand verschiedener Wirtschaftsindikatoren, wo im Zyklus sich die US-Wirtschaft gerade befindet und noch viel wichtiger: wohin sie tendiert. In der folgenden Grafik sind die letzten verfügbaren Daten vom 6. September abgebildet. Interessant ist, dass sich der Index mit aktuell -2,62% bereits auf den Niveaus früherer Rezessionsbeginne befindet:

US-Wirtschaft Grafik ECRI

Zwar ist dies noch keine Garantie für eine tatsächliche Rezession, wie die Datenpunkte auf ähnlichen Niveaus aus den Jahren 2010, 2011 und 2012 zeigen, aber die globale Gesamtgemengelage ist heute schwächer als damals und die Ausgangslage in den USA ist ebenfalls völlig anders, wie die Konjunkturindikatoren für die 35 OECD-Staaten zeigen (Quelle OECD):

US-Wirtschaft OECD

Neben der schuldenbedingten Wachstumsschwäche Chinas, der Schwellenländer-Dollarschulden-Krise sowie der ganz normalen zyklischen Abschwächung ist die Welt auch mit einem sehr teuren Handelskrieg und den anhaltenden Dauersorgen durch den Brexit belastet.
Bis in das Jahr 2018 hinein konnte sich die US-Wirtschaft vom globalen Schwächetrend abkoppeln, aber immun war sie dagegen eben nur temporär.

Nach der Party kommt der Kater

Großspender von Donald Trumps Wahlkampagne und aktivistische Großinvestoren wie Carl Icahn hatten eine umfangreiche Steuerreform gefordert, die v. a. der Wallstreet zu Gute kommen sollte. Donald Trump löste sein Versprechen ein und so profitierten vor allem Aktieninvestoren in Form von gigantischen Rückkaufprogrammen und Sonderdividenden von den Fiskalgeschenken. Das Geld dafür war zuvor von den US-Gesellschaften u. a. dank Trumps Reform steueroptimiert aus dem Ausland in die USA repatriiert worden.
Viele Arbeitnehmer freuten sich ebenfalls zunächst über niedrigere Einkommenssteuern und stützten über den Konsum die US-Wirtschaft. Aber Anfang 2019 mussten sie realisieren, dass die Steuersenkungen für den Durchschnittsamerikaner durch radikale Streichungen bei den Abschreibungsmöglichkeiten gegenfinanziert wurden. Die üblichen Income-Tax-Refunds blieben für die Mittelschicht zu Beginn dieses Jahres aus, stattdessen flatterten plötzlich Steuernachforderungen in die Briefkästen. Dabei hatten sich die Konsumenten auf Donald Trumps Mantra der „größten Steuersenkung der Geschichte“ verlassen und das Plus beim verfügbaren Einkommen direkt in monatliche Kreditraten für Autos, Häuser und sonstigen Konsum investiert und so die vermeintliche Steuerersparnis gleich für mehrere Jahre im Voraus ausgegeben.

Doch manchmal lohnt sich das Lesen des Kleingedruckten und da steht in dem 479 Seiten langen Gesetz drin, dass die privaten Haushalte ab 2018 praktisch alle Steuern, die sie auf Ebene der Bundesstaaten, der Städte sowie Gemeinden entrichten, nicht mehr in der Steuererklärung ansetzen und von ihrem Einkommen abziehen dürfen. Darüber hinaus wurde die Anzahl der Steuerklassen von sieben auf vier gekürzt, womit viele Amerikaner automatisch in eine höhere Steuerklasse rutschten. Der unglaubliche Effekt für die amerikanische Mittelschicht ist der, dass für sie die Steuerbelastung sogar angestiegen ist.

Diese Regelungen im Steuergesetz waren notwendig geworden, weil die Trump-Administration Kompromisse machen musste, da sogar den Mitgliedern der Grand Old Party (GOP) schwante, dass der US-Staatshaushalt im Zuge der Reform ganz schön Federn lassen wird – wie wir heute wissen auch völlig zu Recht.

Um das Ausufern des Defizits zu beschränken, kam die US-Steuersause primär den Reichen und Unternehmen zu Gute. Für Letztere sank die Unternehmenssteuer mit Beginn dieses Jahres (2019) von 35 auf 20 Prozent. Ein Boom bei Investitionen (Capex) oder gar die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die USA sind jedoch ausgeblieben. Der Grund dafür ist, dass die USA trotz Steuersenkung im internationalen Vergleich immer noch viel zu teuer sind und Unternehmen daher nach wie vor lieber in Mexiko, Vietnam oder Bangladesch investieren und weiterhin nahezu unvermindert in China produzieren (siehe Apple).

Für Joe Sixpack bleibt die Erkenntnis, dass sich für seinen Lebensstandard durch die Steuerreform kein „Great Again“ ergeben hat. Einkommen von unter 10.000 bis 40.000 Dollar zahlen in den Jahren bis 2023 unter dem Strich im Schnitt mehr Steuern. Was für den Durchschnittsamerikaner bleibt, ist das gleiche wie für den U.S. Staatshaushalt: noch mehr Schulden.

Das Loch im Haushalt und die Taktik der Demokraten

Die Steuerreform von Trump wird Berechnungen des Congressional Budget Office (CBO) zufolge bis 2026 ein Loch von 1,4 Billionen Dollar im Staatshaushalt verursachen. Die von der Trump-Administration kalkulierte Gegenfinanzierung durch mehr Wachstum in der US-Wirtschaft hat bisher nicht stattgefunden. Und so ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Demokraten ausgerechnet im Wahlkampf Donald Trump erneut eine schuldenfinanzierte Steuersause genehmigen, jetzt, wo sie seit den Zwischenwahlen im November 2018 das Repräsentantenhaus kontrollieren und jedes Gesetz blockieren können. Seitdem drängt sich das Wortspiel von Donald Trump als „Lame Duck“ förmlich auf.

Versuche von Seiten Trumps, die US-Wirtschaft erneut mit Fiskalstimuli zu pushen, gab es über den Sommer genug: Er wollte zum einen die Steuern nochmals senken und zum anderen ein gigantisches Infrastrukturprogramm in Höhe von 2 Billionen US-Dollar in Gang setzen. Beides kann er per Präsidialdekret nicht initiieren und die Demokraten haben bereits mehrfach abgelehnt oder Bedingungen gestellt, die bei ihren Wählern zwar gut ankommen, die Trump seinen Wahlkampfsponsoren aber nicht zumuten kann.

Fazit

Woher der Optimismus für das Wahljahr 2020 stammt, ist in Anbetracht der aktuellen Faktenlage schleierhaft. Die Chinesen spielen auf Zeit und wollen Trump mutmaßlich aus dem Amt haben, die Demokraten wollen das Gleiche und die US-Wirtschaft schwächt sich nebst Unternehmensgewinnen von Quartal zu Quartal weiter ab. Vielleicht hätte Trump nicht wieder alles kaputtmachen sollen, was er durch sein Steuerpaket an ökonomischem Stimulus, zumindest bei Reichen und Kapitalgesellschaften, ausgelöst hatte. Eine Rezession in den USA im Wahljahr 2020 ist damit nach wie vor ein sehr wahrscheinliches Szenario. Bleibt als letzte Hoffnung für die Märkte wieder einmal die Fed – und beten.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Lars

    11. September 2019 20:15 at 20:15

    „Vielleicht hätte Trump nicht wieder alles kaputtmachen sollen, was er durch sein Steuerpaket an ökonomischem Stimulus, zumindest bei Reichen und Kapitalgesellschaften, ausgelöst hatte“.

    Vielleicht hätte Trump nicht wieder alles kaputtmachen sollen, was sein Vorgänger mühevoll und zunehmend erfolgreich aufgebaut hatte, nachdem dieser den Scherbenhaufen des letzten republikanischen Abentheuerlichen Simplicissimus großteils beseitigt hatte.

  2. Avatar

    Beobachter

    11. September 2019 20:33 at 20:33

    Diesmal müsste es wirklich andrst sein.Frühere Präsidenten haben in den ersten 2Jahren unpopuläre Entscheide getroffen, die Börsen belastet ,haben mit Zinssenkungen oder Steuererleichterungen im 3. u.4 Jahr die Wiederwahl mit guten Börsen gesichert.
    Der GröPaz hat ab dem ersten Tag sein Pulver verschossen ( Wahlversprechen eingelöst) u.wie wir wissen die Börsenkurse ca.40% hochgetrieben.Zudem kommen noch andere negative Faktoren im Gegensatz zu früheren Wahlen.
    Bitte googeln: Warum die Wallstreet die Präsidentenwahl fürchten muss.

  3. Avatar

    joralari

    11. September 2019 21:26 at 21:26

    Wunderbar! Immer her mit den negativen Aussichten.
    Die Börse (z.B. Algos) wird jede Zurückhaltung der Anleger mit steigenden Kursen belohnen und jede short squeeze dankend annehmen.

    Heute ist alles anders wie früher. Stimmt!
    Es hat sich der Grund für steigende Kurse vor den Wahlen geändert.

  4. Avatar

    Prognosti

    11. September 2019 21:32 at 21:32

    Timing ist eben das Wichtigste an der Börse.
    Trump hat mit seinen Massnahmen die schon sehr hohen Börsenkurse in einem schon künstlich verlängerten Zyklus noch höher getrieben u.dies alles genau 2Jahre zu früh.Alle seine Vorgänger haben zuerst Luft abgelassen u.im richtigen Moment den Druck erhöht.
    Das würde gem. meiner Meinung auch passieren wenn die Dems.gewinnen u.die Börse immer noch hoch steht in einem Jahr.
    ALSO TODSICHERE PROGNOSE, SPÄTESTENS NACH DEN WAHLEN BÖRSEN ABWÄRTS-RALLY

  5. Avatar

    tm

    12. September 2019 09:27 at 09:27

    „Doch manchmal lohnt sich das Lesen des Kleingedruckten….“

    jo, wurde allerdigns alles vorher thematisiert – die Trump-Fans wollten es nur nicht wahrhaben.

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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am

Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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