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US-Wirtschaft: Das Risiko der Präsidentschaftswahl

Hannes Zipfel

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am

Im Allgemeinen gelten Wahljahre als gute Börsenjahre, was empirisch auch belegt ist. In Amerika gilt der Slogan „Your Wallet Your Vote“. Der jeweilige Amtsinhaber ist stets bemüht, seine Wiederwahl durch eine prosperierende US-Wirtschaft und volle Portemonnaies der Wählerschaft abzusichern. Doch jede Regel kennt ihre Ausnahme und so könnte es aufgrund von Sondereffekten bis zum Wahltermin am 3. November 2020 statt zu einer wirtschaftlichen Belebung in den USA zu einer Rezession kommen.

US-Wirtschaft schon auf dem Weg nach unten

Die Konjunkturforscher des Economic Cycle Research Institute (ECRI) messen anhand verschiedener Wirtschaftsindikatoren, wo im Zyklus sich die US-Wirtschaft gerade befindet und noch viel wichtiger: wohin sie tendiert. In der folgenden Grafik sind die letzten verfügbaren Daten vom 6. September abgebildet. Interessant ist, dass sich der Index mit aktuell -2,62% bereits auf den Niveaus früherer Rezessionsbeginne befindet:

US-Wirtschaft Grafik ECRI

Zwar ist dies noch keine Garantie für eine tatsächliche Rezession, wie die Datenpunkte auf ähnlichen Niveaus aus den Jahren 2010, 2011 und 2012 zeigen, aber die globale Gesamtgemengelage ist heute schwächer als damals und die Ausgangslage in den USA ist ebenfalls völlig anders, wie die Konjunkturindikatoren für die 35 OECD-Staaten zeigen (Quelle OECD):

US-Wirtschaft OECD

Neben der schuldenbedingten Wachstumsschwäche Chinas, der Schwellenländer-Dollarschulden-Krise sowie der ganz normalen zyklischen Abschwächung ist die Welt auch mit einem sehr teuren Handelskrieg und den anhaltenden Dauersorgen durch den Brexit belastet.
Bis in das Jahr 2018 hinein konnte sich die US-Wirtschaft vom globalen Schwächetrend abkoppeln, aber immun war sie dagegen eben nur temporär.

Nach der Party kommt der Kater

Großspender von Donald Trumps Wahlkampagne und aktivistische Großinvestoren wie Carl Icahn hatten eine umfangreiche Steuerreform gefordert, die v. a. der Wallstreet zu Gute kommen sollte. Donald Trump löste sein Versprechen ein und so profitierten vor allem Aktieninvestoren in Form von gigantischen Rückkaufprogrammen und Sonderdividenden von den Fiskalgeschenken. Das Geld dafür war zuvor von den US-Gesellschaften u. a. dank Trumps Reform steueroptimiert aus dem Ausland in die USA repatriiert worden.
Viele Arbeitnehmer freuten sich ebenfalls zunächst über niedrigere Einkommenssteuern und stützten über den Konsum die US-Wirtschaft. Aber Anfang 2019 mussten sie realisieren, dass die Steuersenkungen für den Durchschnittsamerikaner durch radikale Streichungen bei den Abschreibungsmöglichkeiten gegenfinanziert wurden. Die üblichen Income-Tax-Refunds blieben für die Mittelschicht zu Beginn dieses Jahres aus, stattdessen flatterten plötzlich Steuernachforderungen in die Briefkästen. Dabei hatten sich die Konsumenten auf Donald Trumps Mantra der „größten Steuersenkung der Geschichte“ verlassen und das Plus beim verfügbaren Einkommen direkt in monatliche Kreditraten für Autos, Häuser und sonstigen Konsum investiert und so die vermeintliche Steuerersparnis gleich für mehrere Jahre im Voraus ausgegeben.

Doch manchmal lohnt sich das Lesen des Kleingedruckten und da steht in dem 479 Seiten langen Gesetz drin, dass die privaten Haushalte ab 2018 praktisch alle Steuern, die sie auf Ebene der Bundesstaaten, der Städte sowie Gemeinden entrichten, nicht mehr in der Steuererklärung ansetzen und von ihrem Einkommen abziehen dürfen. Darüber hinaus wurde die Anzahl der Steuerklassen von sieben auf vier gekürzt, womit viele Amerikaner automatisch in eine höhere Steuerklasse rutschten. Der unglaubliche Effekt für die amerikanische Mittelschicht ist der, dass für sie die Steuerbelastung sogar angestiegen ist.

Diese Regelungen im Steuergesetz waren notwendig geworden, weil die Trump-Administration Kompromisse machen musste, da sogar den Mitgliedern der Grand Old Party (GOP) schwante, dass der US-Staatshaushalt im Zuge der Reform ganz schön Federn lassen wird – wie wir heute wissen auch völlig zu Recht.

Um das Ausufern des Defizits zu beschränken, kam die US-Steuersause primär den Reichen und Unternehmen zu Gute. Für Letztere sank die Unternehmenssteuer mit Beginn dieses Jahres (2019) von 35 auf 20 Prozent. Ein Boom bei Investitionen (Capex) oder gar die Verlagerung von Arbeitsplätzen in die USA sind jedoch ausgeblieben. Der Grund dafür ist, dass die USA trotz Steuersenkung im internationalen Vergleich immer noch viel zu teuer sind und Unternehmen daher nach wie vor lieber in Mexiko, Vietnam oder Bangladesch investieren und weiterhin nahezu unvermindert in China produzieren (siehe Apple).

Für Joe Sixpack bleibt die Erkenntnis, dass sich für seinen Lebensstandard durch die Steuerreform kein „Great Again“ ergeben hat. Einkommen von unter 10.000 bis 40.000 Dollar zahlen in den Jahren bis 2023 unter dem Strich im Schnitt mehr Steuern. Was für den Durchschnittsamerikaner bleibt, ist das gleiche wie für den U.S. Staatshaushalt: noch mehr Schulden.

Das Loch im Haushalt und die Taktik der Demokraten

Die Steuerreform von Trump wird Berechnungen des Congressional Budget Office (CBO) zufolge bis 2026 ein Loch von 1,4 Billionen Dollar im Staatshaushalt verursachen. Die von der Trump-Administration kalkulierte Gegenfinanzierung durch mehr Wachstum in der US-Wirtschaft hat bisher nicht stattgefunden. Und so ist es sehr unwahrscheinlich, dass die Demokraten ausgerechnet im Wahlkampf Donald Trump erneut eine schuldenfinanzierte Steuersause genehmigen, jetzt, wo sie seit den Zwischenwahlen im November 2018 das Repräsentantenhaus kontrollieren und jedes Gesetz blockieren können. Seitdem drängt sich das Wortspiel von Donald Trump als „Lame Duck“ förmlich auf.

Versuche von Seiten Trumps, die US-Wirtschaft erneut mit Fiskalstimuli zu pushen, gab es über den Sommer genug: Er wollte zum einen die Steuern nochmals senken und zum anderen ein gigantisches Infrastrukturprogramm in Höhe von 2 Billionen US-Dollar in Gang setzen. Beides kann er per Präsidialdekret nicht initiieren und die Demokraten haben bereits mehrfach abgelehnt oder Bedingungen gestellt, die bei ihren Wählern zwar gut ankommen, die Trump seinen Wahlkampfsponsoren aber nicht zumuten kann.

Fazit

Woher der Optimismus für das Wahljahr 2020 stammt, ist in Anbetracht der aktuellen Faktenlage schleierhaft. Die Chinesen spielen auf Zeit und wollen Trump mutmaßlich aus dem Amt haben, die Demokraten wollen das Gleiche und die US-Wirtschaft schwächt sich nebst Unternehmensgewinnen von Quartal zu Quartal weiter ab. Vielleicht hätte Trump nicht wieder alles kaputtmachen sollen, was er durch sein Steuerpaket an ökonomischem Stimulus, zumindest bei Reichen und Kapitalgesellschaften, ausgelöst hatte. Eine Rezession in den USA im Wahljahr 2020 ist damit nach wie vor ein sehr wahrscheinliches Szenario. Bleibt als letzte Hoffnung für die Märkte wieder einmal die Fed – und beten.

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    Lars

    11. September 2019 20:15 at 20:15

    „Vielleicht hätte Trump nicht wieder alles kaputtmachen sollen, was er durch sein Steuerpaket an ökonomischem Stimulus, zumindest bei Reichen und Kapitalgesellschaften, ausgelöst hatte“.

    Vielleicht hätte Trump nicht wieder alles kaputtmachen sollen, was sein Vorgänger mühevoll und zunehmend erfolgreich aufgebaut hatte, nachdem dieser den Scherbenhaufen des letzten republikanischen Abentheuerlichen Simplicissimus großteils beseitigt hatte.

  2. Avatar

    Beobachter

    11. September 2019 20:33 at 20:33

    Diesmal müsste es wirklich andrst sein.Frühere Präsidenten haben in den ersten 2Jahren unpopuläre Entscheide getroffen, die Börsen belastet ,haben mit Zinssenkungen oder Steuererleichterungen im 3. u.4 Jahr die Wiederwahl mit guten Börsen gesichert.
    Der GröPaz hat ab dem ersten Tag sein Pulver verschossen ( Wahlversprechen eingelöst) u.wie wir wissen die Börsenkurse ca.40% hochgetrieben.Zudem kommen noch andere negative Faktoren im Gegensatz zu früheren Wahlen.
    Bitte googeln: Warum die Wallstreet die Präsidentenwahl fürchten muss.

  3. Avatar

    joralari

    11. September 2019 21:26 at 21:26

    Wunderbar! Immer her mit den negativen Aussichten.
    Die Börse (z.B. Algos) wird jede Zurückhaltung der Anleger mit steigenden Kursen belohnen und jede short squeeze dankend annehmen.

    Heute ist alles anders wie früher. Stimmt!
    Es hat sich der Grund für steigende Kurse vor den Wahlen geändert.

  4. Avatar

    Prognosti

    11. September 2019 21:32 at 21:32

    Timing ist eben das Wichtigste an der Börse.
    Trump hat mit seinen Massnahmen die schon sehr hohen Börsenkurse in einem schon künstlich verlängerten Zyklus noch höher getrieben u.dies alles genau 2Jahre zu früh.Alle seine Vorgänger haben zuerst Luft abgelassen u.im richtigen Moment den Druck erhöht.
    Das würde gem. meiner Meinung auch passieren wenn die Dems.gewinnen u.die Börse immer noch hoch steht in einem Jahr.
    ALSO TODSICHERE PROGNOSE, SPÄTESTENS NACH DEN WAHLEN BÖRSEN ABWÄRTS-RALLY

  5. Avatar

    tm

    12. September 2019 09:27 at 09:27

    „Doch manchmal lohnt sich das Lesen des Kleingedruckten….“

    jo, wurde allerdigns alles vorher thematisiert – die Trump-Fans wollten es nur nicht wahrhaben.

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US-Häusermarkt kurz vor Katastrophe – einen Hoffnungsschimmer gibt es

Claudio Kummerfeld

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Typische Bauweise am US-Häusermarkt

Am US-Häusermarkt könnte in den nächsten Wochen und Monaten eine Katastrophe eintreten. Millionen Amerikanern droht Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung. Denn zum einen endet im März eine Frist von maximal 12 Monaten, die es Hausbesitzern erlaubte ihre Hypothekenzahlungen auszusetzen, wenn sie durch die Corona-Pandemie in Not geraten. Kreditnehmer, die sich zu Beginn des Programms angemeldet hatten, könnten ab März 2021 von einer Zwangsvollstreckung bedroht sein.

Noch wichtiger für den US-Häusermarkt ist: Die landesweit gültige vorübergehende Aussetzung der Zwangsräumungen (mit dem Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen) endet am 31. Dezember. Der Zeitpunkt ist fast schon dramatisch, da gut 12 Millionen Amerikaner zu diesem Zeitpunkt Ansprüche auf Arbeitslosenunterstützung verlieren dürften.

Der US-Kongress könnte eigentlich für eine Verlängerung von Nothilfen sorgen. Aber zum Jahreswechsel befindet sich Washington DC mitten in einer toten Phase, wo Joe Biden zwar schon gewählt, aber eben noch nicht im Amt ist. Alles hängt in der Schwebe. Erst vor Kurzem wurden vom staatlichen „US Census Bureau“ Umfragedaten veröffentlicht aus dem Befragungszeitraum 28. Oktober bis 9. November, welche die Dramatik am US-Häusermarkt aufzeigen.

Etwa 5,8 Millionen Personen gaben demnach an, dass ihnen in den nächsten zwei Monaten mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Zwangsräumung oder Zwangsvollstreckung droht. Das macht ein Drittel der 17,8 Millionen Erwachsenen in Haushalten aus, die mit Miet- oder Hypothekenzahlungen in den USA im Rückstand sind.

Gut die Hälfe der Haushalte in Staaten wie Nevada oder Florida, welche derzeit mit ihren Zahlungen im Rückstand sind, sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für ihre Zwangsräumung im Januar. Florida ist am Schlimmsten betroffen mit 51,2 Prozent (bei der vorigen Umfrage nur 32 Prozent). Das bedeutet de facto, das gut 3,5 Prozent aller Haushalte in Florida glauben, dass sie in den nächsten zwei Monaten von einer Zwangsräumung betroffen sein könnten.

Hoffnung für US-Häusermarkt dank Joe Biden?

Joe Biden wird am 20. Januar als US-Präsident seine Arbeit aufnehmen. Vorher kann er nichts machen. Er kann eine Last-Minute-Rettung für den US-Häusermarkt sein – kann, aber nicht muss. Die Demokraten möchten die US-Bevölkerung richtig kräftig unterstützen mit neuen Staatshilfen. Aber die Republikaner, die in den letzten Monaten ebenfalls schon gigantischen Rettungssummen zustimmten, zeigten sich zuletzt eher ablehnend. Und jetzt wo ihr Kandidat Donald Trump die Präsidentschaftswahl verloren hat, können sie sich im Kongress in die Blockierer-Haltung begeben. Aber kann Joe Biden mit einer auch von den Republikanern akzeptierten neuen Finanzministerin Janet Yellen (ehemalige Notenbankchefin) doch noch neue Rettungs-Billionen aus dem Kongress rausklopfen?

Kann Joe Biden auf den allerletzten Drücker Ende Januar Millionen Amerikaner und den US-Häusermarkt vor einem Kollaps retten? Oder kommt alles ganz anders, und dank im Dezember beginnenden Impfungen erholt sich die Konjunktur in den USA derart schnell, dass viele Amerikaner neue Jobs erhalten? Die Banken verzichten auf Zwangsräumungen, und die überschuldeten Hausbesitzer, die auf dem letzten Loch pfeifen, dürfen in ihren Häusern bleiben? Das wäre auch möglich. Aber es wird eine verdammt enge Kiste!

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Free Lunch-Sozialismus in der Coronakrise auf dem Vormarsch

Claudio Kummerfeld

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Im Sozialismus der Moderne soll das Geld vom Himmel regnen

In den USA gibt es das Sprichwort, dass es keinen Free Lunch gibt. Sinngemäß übersetzt: Für alles muss irgendwie letztlich doch von irgendwem bezahlt werden. Wer ideologisch voll auf Sozialismus getrimmt ist, sieht das aber wohl grundsätzlich anders. Ökonomisch glauben zum Beispiel die Verfechter der Modern Money Theorie (MMT – hier dazu ein interessanter Text), dass man einfach als Staat unbegrenzt Geld druckt beziehungsweise immer weiter Schulden aufnimmt, und damit alle Probleme lösen kann. Da könnte man glatt auf die Idee kommen, dass die derzeitigen Staatenlenker und Notenbanker in Europa auch MMT-Verfechter sind?

Sozialismus: MMT und das Wunder-Märchenland

Wer eh schon an MMT als Wundermittel zur Lösung aller Probleme denkt, und dem Sozialismus zugeneigt ist, der kann auf folgende Idee kommen. Hey, die Europäische Zentralbank (EZB) kauft doch seit Jahren mit Billionen selbst gedruckter Euros die Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten auf. Und die Mitgliedsstaaten als Eigentümer der EZB könnten doch dafür sorgen, dass die EZB einfach als Gläubiger auf die Rückzahlung der Schulden verzichtet. Man druck Geld, kauft die eigenen Schulden, und erlässt sich dann selbst die Schulden. Ein in sich geschlossener Kreislauf von Geld, das vom Himmel regnet und alle Probleme löst.

Was für ein Märchen-Wunderland. Aber halt. Wenn die EZB die Schulden der Länder erlässt, hat sie selbst ja Verluste in ihren Büchern. Und die Verluste würden buchhalterisch auf die Mitgliedsstaaten umgelegt, womit sie nach gerade erst erlassenen Schulden wieder neue Schulden hätten. Tja, eben doch kein Free Lunch? Außerdem können die Staaten der EZB dank ihrer Unabhängigkeit keine Anweisungen erteilen. Aber halt, war da nicht gerade erst was in Sachen EZB und Schuldenerlass?

EZB soll auf Rückzahlungen von Anleihen verzichten

Erst letzte Woche berichteten wir über die Forderung der in der italienischen Regierung sitzenden Fünf-Sterne-Bewegung Richtung EZB. Sie solle doch bitte gegenüber Italien auf die Rückzahlung der gehaltenen Anleihen verzichten, die im Zuge der Coronakrise aufgenommen wurden. Mal ehrlich: Selbst wenn die EZB das machen würde, müsste man das für alle Euro-Länder tun, und gleich danach wäre der Ruf laut nach Erlass aller gehaltenen Forderungen in den Büchern der EZB. Heute nun fordert Riccardo Fraccaro, ein Staatssekretär und enger Berater des italienischen Minsterpräsidenten Conte laut Berichten das selbe.

Auch er ist von der Fünf-Sterne-Bewegung. Die EZB könne so viel Geld drucken wie sie wolle. Die Geldpolitik müsse die expansive Fiskalpolitik der Mitgliedstaaten in jeder möglichen Weise unterstützen, zum Beispiel per Schuldenerlass, oder über eine ewige Laufzeitverlängerung. Tja, Sozialismus pur, möchte man sagen. Erst Schulden machen, dann nicht zurückzahlen wollen. Woher das Geld kommt, dass es keinen Free Lunch gibt? Dass irgendwann bei maßlosem Gelddrucken Inflation und Hyperinflation anstehen, und dass man Schulden auch zurückzahlen muss – egal.

Der „plan“-mäßige Weg in den Sozialismus

Bernd Riexinger als Parteichef der Linken verkündet eine klare, ganz offene Forderung, die letztlich nichts anders ist als der direkte Weg in den Sozialismus. Das Wort Enteignung klingt natürlich verführerisch für alle Menschen, die kein Wohneigentum besitzen, sondern mieten. Wer würde sich nicht gerne vom „Joch“ des bösen Vermieters lösen, an den man jeden Monat einen beträchtlichen Teil seines Einkommens abführen muss? Dass der Vermieter für die Erstellung der Immobilie vielleicht einen Kredit aufgenommen hat, und dass laufende Kreditraten, Instandhaltungen, städtische Leitungsverlegungen an der Straße uvm sehr viel Geld kosten, das erwähnt Bernd Riexinger nicht.

Denn diese Kosten trägt der Vermieter, welche letztlich durch die monatlichen Mietzahlungen finanziert werden. Im Sozialismus sagt man sich wohl: Der böse Vermieter kassiert pro Monat 800 Euro Miete, und hat also auch 800 Euro Gewinn für sich selbst. Dass nach Kreditkosten, Instandhaltung, Müllabfuhr, Gärtner, Hausmeister uvm bei vielen Vermietern kaum oder nur wenig übrig bleibt, passt da natürlich nicht ins Bild. Dass Ersteller von Immobilien teuer erkaufte Grundstücke über höhere Wohnungsmieten refinanzieren müssen – egal. Für Bernd Riexinger ist es ganz einfach. Alles verstaatlichen, so scheint die Devise zu sein.

Am besten alle Wohnungen und auch alle Grundstücke in Staatseigentum überführen, dann hat man alle Probleme Wohnungsmarkt gelöst? Die tatsächliche und nachhaltige Lösung des Problems wäre es, dass Staat und vor allem private Vermieter die Zahl neuer Wohnungen so derart stark erhöhen, dass mehr Angebot als Nachfrage vorhanden ist. Dann fallen die Wohnungsmieten von ganz alleine – Angebot und Nachfrage! Berlin (man lebt eh auf Kosten der anderen Bundesländer über den Länderfinanzausgleich) müsste deutlich mehr Bauland zur Verfügung stellen, und das möglichst günstig, mit möglichst wenig Bürokratie. Aber nein, man bestraft lieber die bestehenden Vermieter.

Vermieter enteignen, weil sie nicht so agieren wie gewünscht

Diese Woche trat beim Berliner Mietendeckel die zweite Stufe in Kraft. Daraufhin kündigten große Vermieter in Berlin an neue Investitionen auf dem Berliner Wohnungsmarkt stoppen zu wollen. Die Lösung im Sozialismus lautet bei so etwas: Funktioniert unsere Maßnahme nicht wie gewünscht, setzen wir eben eine noch größere Maßnahme oben drauf. So fordert Bernd Riexinger daher eindeutig die Enteignung der Vermieter. Natürlich ist das verfassungsrechtlich ein noch weiterer Weg als der Mietendeckel.

Aber hey, der wurde ja auch bereits umgesetzt in Berlin. Der Staat soll es halt selbst richten. Selbst bei einer Enteignung (spielen wir das Szenario mal durch) müsste die Stadt Berlin die Wohnungseigentümer entschädigen. Dadurch würde die Verschuldung der Stadt Berlin deutlich ansteigen. Aber halt… wenn wir eh schon beim Thema EZB sind… die EZB könnte doch diese neuen Berliner Anleihen einfach aufkaufen, und auf ihre Rückzahlung verzichten? Wäre doch echt super? Ein Free Lunch im Märchenland des Sozialismus.

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Dass sich die Wohnungskrise in Berlin durch den Mietendeckel eher noch verschärft hat, das darf man als Verfechter des Sozialismus natürlich sofort den bösen Vermietern anlasten? Denn die wollen bei sinkenden Mieteinnahmen und staatlichem Eingriff in die Vertragsfreiheit keine neuen Wohnungen mehr in Berlin bauen? Welch ein Wunder, wer hätte damit rechnen können? Das ist ja gleich noch ein Argument für die Verstaatlichung der gesamten Wohnungsindustrie. Lassen wir einfach alles den Staat machen. Wohnungen bauen und vermieten, und das schön günstig. Aber warum macht die Stadt Berlin das nicht schon längst in großem Stil?

Niemand hindern sie daran. Man sieht, sie kann es nicht. Dabei regieren die Linken in Berlin doch, und sind nicht in einer Opposition, wo sie hilflose Zuschauer sind. Nein, man drangsaliert lieber die private Wohnungswirtschaft. Dabei könnte man parallel zu den Privaten durch ein massives Überangebot an neuen staatlich gebauten Wohnungen dafür sorgen, dass auch bei den privaten Vermietern durch freie Marktmechanismen die Mietforderungen sinken. Denn wie gesagt, wenn mehr Wohnungen als Wohnungsssuchende vorhanden sind, werden die Vermieter zwangsläufig ihre Mietforderungen senken.

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Konsumklima stürzt ab, Aussichten am Arbeitsmarkt besser – wie kann das sein?

Claudio Kummerfeld

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Menschen in Schlange mit Einkaufswagen

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat heute ihre Meldung für das Konsumklima in Deutschland (Verbraucherstimmung) veröffentlicht. Dem normalen Menschenverstand folgend sinkt das GfK-Konsumklima. Für Dezember zeigt man einen Wert von -6,7 Punkten, und damit 3,5 Punkte weniger als im November. Es ist logisch, dass die Stimmung der Konsumenten sinkt, wenn der zweite Lockdown voll in Gange ist – sei es auch nur ein sanfter Lockdown mit geschlossener Gastronomie. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November laut GfK spürbar gedämpft. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung müssen – wie schon im Vormonat – Einbußen hinnehmen. Hier ein Auszug aus der Meldung der GfK:

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ erklärt Rolf Bürkl, GfK Konsumexperte. „Damit haben sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung erneut gestiegene Sparneigung hat ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.“

Stimmung am Arbeitsmarkt verbessert sich

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute sein aktuellstes Barometer für den deutschen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Demnach verbessert sich die Stimmungslage sogar. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer (besteht aus zwei Komponenten, aktueller Beschäftigung und Entwicklung der Arbeitslosigkeit) ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator im leicht positiven Bereich. Warum? Nun, dazu gibt die IAB eine klare Aussage. Die Beschäftigung werde im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die (staatlichen) Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff mache die Unternehmen zuversichtlicher.

Das verstärke noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft würden große Herausforderungen darstellen. Und relativ günstige Aussichten zeigt das IAB-Arbeitsmarktbarometer für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit: Die entsprechende Komponente hielt sich auf dem Vormonatsstand von 102,1 Punkten. Zu beachten sei, dass der Befragungszeitraum schon in der ersten Novemberhälfte endete, als eine Verlängerung des Lockdowns noch nicht absehbar war.

Also: Die staatlichen Arbeitsmarkt-Forscher sehen die Stimmung deswegen verbessert, weil auf der einen Seite die Befragung schon endete, bevor eine Lockdown-Verlängerung absehbar war – und weil auf der anderen Seite die Wirtschaft vom Staat mit Rettungsgeldern geflutet wird, sodass Entlassungen nicht notwendig sind.

Arbeitsmarkt-Barometer der IAB steigt

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