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US-Wirtschaft: S&P 500 vermittelt falsches Bild

Betrachtet man die Entwicklung des US-Leitindex S&P 500 in diesem Jahr sowie die Arbeitslosenzahlen, die sich auf einem 50-Jahrestief befinden, so könnte man ein richtig rosiges Bild der US-Wirtschaft malen. Dass dies aber nicht ganz so der Fall ist, erkennen Volkswirte bei der Betrachtung der Gewinnentwicklung aller 27 Millionen US-Firmen.

US-Wirtschaft und die NIPA-Statistik

NIPA, eine Abkürzung für National Income and Product Accounts, berechnet die Gewinne aller 27 Millionen US-Firmen, vom Kleinunternehmer bis hin zu den großen Firmen aus dem FAANG-Sektor. Dabei ist Volkswirten wie Robin Anderson vom US-Vermögensverwalter Principal Global Investors, aber auch Johannes Müller von der Fondsgesellschaft DWS, aufgefallen:

Die US-Unternehmen sind in schlechterer Verfassung, als es die Gewinne der größten börsennotierten Unternehmen vermuten lassen.

Die Gewinne aller Firmen zusammen sind nach der NIPA-Statistik seit dem Jahr 2015 insgesamt kaum noch gestiegen – anders als die der Konzerne aus dem S&P 500. Daraus ergibt sich die Situation, dass seit dem Jahr 2016 der Gewinnanteil der S&P-500 Unternehmen von 50 auf rund 70 Prozent aller ausgewiesenen US-Gewinne in die Höhe angestiegen ist.

Für den Ökonomen der DWS ist dies ein bedenkliches Zeichen, denn dergleichen war öfters vor Rezessionen zu registrieren. Als Grund für den Gewinnanstieg führt er unter anderem das US-Rechnungslegungswesen US-GAAP an, nach dem die Großen bilanzieren und welches Ihnen mehr Flexibilität erlaubt, sprich: Man kann Ergebnisse ein bisschen schöner aussehen lassen. Anders nicht börsennotierte Firmen, die ihre Gewinne, für die sie inländisch besteuert werden, tendenziell niedriger ansetzen.

Der US-Arbeitsmarkt

Auch wenn die Gewinne der großen Unternehmen im S&P 500 einen so großen Anteil an der US-Wirtschaft ausmachen, so ist dieser im Hinblick auf den Arbeitsmarkt wesentlich kleiner. Denn man schätzt, dass die Großunternehmen nur 15 bis 20 Prozent der Arbeitnehmer im Lande ausmachen. Dies bedeutet, dass sich eine Schwäche der US-Konjunktur wesentlich stärker auf die künftige Zahl der Beschäftigten auswirken würde, als es die S&P 500-Zahlen vermuten lassen. Der Großteil der US-Konsumenten arbeitet eben in den kleineren Unternehmen. Deren Entlassungen würden sich damit auf den Stützpfeiler der 70 Prozent-US-Konsumökonomie auswirken. Bisher haben die niedrigeren Gewinne der Unternehmen, die zu Restrukturierungen, Kosteneinsparungen und Entlassungen führen können, noch keine Spuren am großen Arbeitsmarkt hinterlassen – noch nicht.

Fazit

Es gibt schon ein paar Warnzeichen, dass der Wachstumszyklus der US-Wirtschaft, wie eigentlich nach einem Jahrzehnt üblich, in eine Abschwung – und auch Bereinigungsphase übergeht. Der Konjunkturzyklus ist bereits jetzt der längste in der neueren Wirtschaftsgeschichte.

Die Trumpsche Unternehmenssteuerreform und die gewaltigen Notenbankmaßnahmen haben für eine Verlängerung des Aufschwungs gesorgt und für das Überleben von Zombiefirmen (siehe auch das BBB-Risiko), die den US-Gesamtindex NIPA nach unten ziehen. Was natürlich nicht außer Acht gelassen werden darf, ist das Zerrbild durch das große Aktienrückkaufprogramm, insbesondere der S&P 500-Unternehmen, die die Aktienbewertungen gepusht haben.

Hier muss man immer wieder die Firma Apple nennen, die bereits seit einigen Jahren keine Gewinnsteigerungen im Konzern erzielt, aber infolge der über 100 Milliarden Dollar an „Buybacks“ eine Verdoppelung des Aktienkurses erreichen konnte. Welcher Großinvestor hat das gewusst oder beim gemeinsamen Dinner erfahren?

Kurzum: Aus den neuen Daten kann man wieder einmal den Schluss ziehen, was der US-Wirtschaft höchstwahrscheinlich den Stecker ziehen wird: Ein Anstieg der Kapitalmarktzinsen, damit ein Straucheln der Zombiefirmen, verbunden mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und in der Folge das zwingende Nachlassen der Konsumneigung, der großen Stütze der US-Wirtschaft. Nicht zu vergessen der mindestens parallel laufende Vermögensverlust durch sinkende Aktienkurse, die Wirtschaftseinbrüche stets vorhersagen, denn Walmart und Co sind natürlich im S&P 500 notiert.

Deshalb auch die prophylaktischen Zinssenkungen der US-Notenbank 2019, dessen mehrere Hundert zuarbeitende Ökonomen Jerome Powell diese allgemeine Statistik bestimmt haben zukommen lassen..

Die US-Wirtschaft ist weniger robust als die Aktienmärkte dies wirklich zeigen



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7 Kommentare

  1. Wieder guter Bericht, mir scheint W.M. war auch schon positiver gestimmt, aber diese Analyse müsste jedem zu denken geben, der denken kann.Es ist auch in andern Ländern so ,dass ca.90% der Arbeitsplätze nicht von den grossen Firmen gestellt werden , sondern von den KMU. Wenn der GröPaz nun einigen Grossen in Sachen Zölle eine Sonderbehandlung gewährt , benachteiligt er ca. 90% der Wirtschaft u.fällt SEINER WÄHLERSCHAFT wieder in den Rücken. Wenn eine Firma wie Apple seine Funktion in der Aktienkurspflege sieht u. keine neuen Produkte hervorbringt, ist das Ende nicht mehr weit.
    Wenn die Grossen dann am Ende sind werden die 90 % Kleinen die negativen Folgen als Zulieferer doppelt zu spüren bekommen.

  2. Pingback: US economy: S&P 500 gives the wrong picture | En24 News

  3. Hallo, s.g. Hr. Müller!
    In ihrem „Kurzum-Fazit“ beschreiben sie eine eigentlich logische Konsequenz, wie sie von Dr. Krall in seiner Analyse für Europa diagnostiziert wurde. Es wäre schon der Treppenwitz schlechthin wenn der Auslöser für eine Krise nicht von Europa sondern von den USA ausgehen würde. Ich sehe heute schon die Schlagzeilen vor mir, dass den EU-Politikern wieder eine Ausrede für ihr Versagen geliefert wird.
    Fast schon könnte man meinen, dass die Zentralbanken beider Blöcke ihr Gelddruckprogramm nur solange aufrecht erhalten wollen bis der Andere die Krise auslöst um danach den „Sündenbock“ seinen Wählern präsentieren zu können.
    Eigentlich ein Wahnsinn der Extraklasse, sollte es tatsächlich darauf hinauslaufen.

    1. @Kritisch on fire. Hallo. Da ist was dran. Wir haben nicht nur einen Handelskrieg, sondern auch noch einen Währungs- und Zinskrieg. Dabei sind die Amerikaner Meister in der Verbriefung von schlechten Anleihen (Schulden) und deren Weiterverkauf. Derzeit ist man auch schon wieder dabei schlechte Kredite (im Autosektor) zu bündeln.
      Gruß

  4. „Welcher Großinvestor hat das gewusst oder beim gemeinsamen Dinner erfahren?“ Der war gut! :-)

    Die NIPA-Statistik kannte ich noch nicht. Ein genialer Indikator! Vielen Dank für diese Information!

  5. @ Hesterberg, es sind die gleichen Grossinvestoren, die auch bei den UNABHÄNGIGEN RATINGAGENTUREN gross investiert sind u.beim Dinner oder beim Golfspielen mitbekommen welche Firmen abgeratet werden. Vielleicht können diese Grossinvestoren auch ein gutes Wort für die ARMEN BBBFirmen einlegen.
    Ich meine wenn man gross genug ist u.diese Beziehungen hat, läuft doch da mindestens 50% rein rechtlich gesehen als Insider oder Vorrunner/ Parallelgeschäft ab.
    Ein Financier hat schon vor 30Jahren gesagt,dass man alle Bankräuber laufen lassen müsste, wenn man sieht wie viele Financiers am Rande der Legalität grosse Vermögen scheffeln.
    Darum ist meine Hochachtung vor diesen Milliardenschefflern auch nich sehr gross.
    Das Volk schafft u.die Manager scheffeln.

  6. Sehr guter Beitrag. Danke!
    Ich sage es immer wieder, dir Zinsen werden nie mehr steigen, da dies nicht möglich ist. Aber was wird dann dazu führen, dass das ganze endlich endet?

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