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US-Wirtschaft stabilisiert sich – an der Herz-Lungen-Maschine

USA-Flagge - US-Wirtschaft stabilisiert?

Für private und professionelle Anleger wird es immer schwieriger, die Vitalwerte der US-Wirtschaft richtig zu deuten. Künstliche Stimuli verdecken den natürlichen Konjunkturzyklus. Die für die Regenierung der US-Wirtschaft so wichtige kreative Zerstörung wird unterdrückt.

US-Wirtschaft muss mehr hinterfragt werden

Stellen Sie sich vor, ein Patient auf der Intensivstation ist dank Maschinenmedizin stabil. Der Oberarzt würde seinen Zustand dennoch nicht als „gesund“ bezeichnen und er würde schon gar nicht die Entlassung des Patienten in Erwägung ziehen. Als Angehöriger verlassen sie sich auf die Aussagen Ihres Arztes und folgen i. d. R. seinem Rat. Er wird Ihnen nach bestem Wissen und Gewissen ehrlich Auskunft erteilen. Es sei denn, der Mediziner möchte Sie nicht unnötig beunruhigen – aber das wäre kein gutes Zeichen.

Ähnlich verhält es sich mit den Aussagen und Analysen zur wirtschaftlichen Lage, die nicht nur in den USA historisch betrachtet sehr ungewöhnlich ist. Der Zustand des Patienten wird von denen, die ihn von offizieller Seite her untersuchen, verschwiegen, um niemanden unnötig zu verunsichern. Gleichwohl ist es wichtig, den Zustand der US-Wirtschaft im Wesentlichen zu kennen, um die private Altersvorsorge richtig aufzustellen und als Unternehmer angemessen agieren und planen zu können. Erst jetzt reift bei vielen Sparern die Erkenntnis, dass ihre auf Zinsen basierende Anlagestrategie zum Scheitern verurteilt ist. Aber noch ist es nicht zu spät, um zu verstehen, in welchem Zustand der Patient sich tatsächlich befindet und wie man darauf reagieren muss.

Die Anamnese

Um u. a. den Status der größten Weltmacht auf nahezu allen Gebieten nicht zu verlieren, wurden seit den Siebzigerjahren in jede Schwäche der US-Wirtschaft hinein massiv staatliche Defizite aufgebaut. Der Überkonsum wurde durch das Ausland mitfinanziert und führte zu enormen Handelsbilanzdefiziten. Die Privatwirtschaft hat sich in einen Kreislauf aus Schuldenaufbau und abnehmender Wachstumsdynamik begeben. Die industriellen Kapazitäten bleiben permanent unterausgelastet und es finden daher weniger Kapitalinvestitionen statt. Eine Entwicklung, die so ähnlich auch in den meisten anderen Industrienationen im Trend der letzten Jahrzehnte stattfand. Eine Ausnahme bildet hier zwar Deutschland, das gleichwohl stark vom Export in eben diese Industriestaaten abhängig ist.

Die Diagnose

Oberflächlich betrachtet hat der Präsident der US-Notenbank teilweise sogar Recht, wenn er den Zustand der US-Wirtschaft als „robust“ bezeichnet. Doch dies ist eben eine extrem selektive Wahrnehmung. Vor allem der stabile Arbeitsmarkt mit einer historisch niedrigen Arbeitslosenquote in Höhe von nur 3,6 Prozent wird als Beweis für den guten Zustand der US-Wirtschaft ins Feld geführt. Abgesehen davon, dass hauptsächlich prekäre Arbeitsverhältnisse im Niedriglohnsektor entstehen, ist allein dieser Vital-Wert nicht aussagekräftig, um den Zustand des Patienten ganzheitlich beurteilen zu können. Schaut man z. B. nach Japan, ein Land, dessen Wirtschaft schon seit Jahrzehnten nicht mehr ohne Notfallmedizin der Bank of Japan existieren kann, dann findet man dort permanente Vollbeschäftigung vor.

Dennoch würde es der Präsident der Nippon Ginkō, Haruhiko Kuroda, nicht wagen, das Abschalten der Gelddruckmaschinen oder die Normalisierung der Zinsen auch nur verbal anzukündigen, geschweige denn, diese tatsächlich zu vollziehen. Die Folgen wären ein sofortiger Staatsbankrott Japans und die tiefste Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, mit unabsehbaren Konsequenzen für das globale Bankensystem und die gesamte Weltwirtschaft.

Der Grund dafür ist wie in den USA das eigentliche Leiden des Patienten: die Überschuldung. Die Amerikaner wollen noch nicht wahrhaben, dass eine über fast fünfzig Jahre verfehlte Geld- und Fiskalpolitik auch die Vereinigten Staaten in eine Schuldenfalle geführt hat. Denn damit wäre das Eingeständnis verbunden, dass es kein Zurück mehr zur einer freien und von geldpolitischen Stimuli autarken Marktwirtschaft in diesem übergeordneten Zyklus geben kann.

Das Ausmaß der Krankheit

Das Ausmaß der Fehlentwicklungen wird deutlich, wenn man bedenkt, welche Dosis an Drogen mittlerweile aufgewendet werden muss, um den Patienten zu stabilisieren. Diese relative Stabilität, die sich zuletzt in einem annualisierten BIP-Wachstum in Höhe von 1,9 Prozent ausdrückte, war u. a. nur dank enormer künstlicher Stimuli und kreditfinanzierter Vorzieheffekte erreichbar:

1. 1 Billion US-Dollar Staatsdefizit im Fiskaljahr 2018/2019 ≙ 4,6 Prozent des BIP
2. 2,7 Billionen US-Dollar gesamtwirtschaftliche Neuverschuldung im Fiskaljahr 2018/2019 ≙ 13 Prozent des BIP
3. Realzinsen knapp unter null
4. Steuerstimuli in Höhe von 1,5 Billionen US-Dollar
5. Lockerung der Regulierung für das Bankensystem
6. Aktienmärkte auf Allzeithoch = positiver Vermögenseffekt
7. Massive Notfallinjektionen der US-Notenbank in den Geldmarkt ab Mitte September

Wie dramatisch und nicht nachhaltig die US-Wirtschaft aufgestellt, ist verdeutlich folgende Relation: Um 1 Dollar Wachstum in der US-Wirtschaft zu erzeugen, müssen mittlerweile 6,58 Dollar neue Schulden aufgenommen werden. Zu Beginn der Siebzigerjahre lag dieses Verhältnis noch bei 50 Cent Neuverschuldung für 1 Dollar Wachstum. Die Höhe der Schulden hat mit insgesamt 74 Billionen US-Dollar (US Total Debt) mittlerweile eine Dimension erreicht, die ohne die Notenpresse der US-Fed nicht mehr tragbar ist. Der Versuch, die Geräte abzuschalten endete für die USA vor Jahresfrist fast tödlich. Noch heute hat der US-Geldmarkt mit den Spätfolgen der versuchten „Normalisierung“ der Geldpolitik und der daraus resultierenden Liquiditätsverknappung zu kämpfen.

Entwöhnung unmöglich

Wenn Patienten im Notfall an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden, dann nur für einen kurzen Zeitraum, da ansonsten eine Entwöhnung kaum noch möglich ist. Der Zeitpunkt, ab dem ein autarkes Überleben noch möglich wäre, ist analog zur Abhängigkeit des modernen Kapitalismus von den Notenbankmaßnahmen lange überschritten.

Anleger sollten sich auf das Wesentliche fokussieren

Daher ist es auch wenig hilfreich, sich als Anleger von den „gemischten“ Konjunkturdaten täglich in die Irre führen zu lassen. Natürlich wird es immer wieder auch positive Wachstumszahlen geben. Genau das sollen die künstlichen Stützungsmaßnahmen ja unter anderem bewirken. Doch daraus eine „Erholung“ oder gar eine „Normalisierung“ der Wirtschaft abzuleiten, würde die falsche Grundlage für die eigene Geldanlage liefern.

Für den mittel- und langfristigen Erfolg bei der Kapitalanlage ist das Verständnis für diese alles dominierenden Tatsache entscheidend: Die Entwicklung der wichtigsten Finanzmärkte weltweit wird im übergeordneten Bild von der Geldpolitik der Zentralbanken sowie der Fragilität der Weltwirtschaft bestimmt, verursacht durch signifikante Überschuldungstendenzen in der Spätphase eines übergeordneten globalen Kreditzyklus. An dieser Tatsache würde weder ein Ende des Brexit-Dramas noch ein „Phase 1“-Handelsdeal oder neuerliche schuldenfinanzierte Steuersenkungen in den USA irgendetwas ändern.

Fazit

Für Privatanleger ergibt sich aus diesem eigentlich trivialen Zusammenhang zwischen Schuldenabhängigkeit des Wachstums und essenzieller Notfallgeldpolitik eine ebenso triviale Anlagestrategie: Kaufen Sie, was die Zentralbanken kaufen. Investieren Sie in Sachwerte ohne Gegenparteirisiko. Sichern Sie sich mittels Gold und Silber gegen eine unkontrollierbare Verschlechterung des Zustands des Patienten ab und bleiben Sie bei Ihrer Strategie.



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2 Kommentare

  1. Dem kann ich nur beipflichten. Bei Gold und Silber haben die Anleger weltweit die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. Die Kurse beider Edelmetalle werden früher oder später explodieren! Viele halten die aktuellen Preise bereits für hoch. Nein, das sind sie nicht, relativ gesehen sind sie sogar noch spottbillig. Das wird sich bald ändern. Ich bin völlig überzeugt davon, dass sich der Goldpreis bald verdoppeln und der Silberpreis verdreifachen wird.

  2. Noch eine Ergänzung zu den kommenden, durch die demographische Umkehr, zu erwartenden Verhältnissen in den USA:

    Bad news are good news:

    ….in einer zentral gesteuerten Welt ist schlecht gut! Je „schlechter“ die zugrunde liegenden Fundamentaldaten, desto „besser“ das synthetisch getriebene Wachstum! Je schlechter die organische Situation, desto mehr werden die Armen geschlagen und die Reichen reicher gemacht. Je schwächer das potenzielle Nachfragewachstum, desto stärker ist die Begründung für die Fed, die Zentralbanken und die Regierungen, das Unvermeidliche zu verzögern. Und wenn ich sage, verzögern Sie das Unvermeidliche, ich (noch die Fed oder ähnliche Akteure) wissen, ob dies ein Jahr, ein Jahrzehnt, oder ??? ist.

    https://www.zerohedge.com/markets/demographics-money-creation-why-fed-monetization-just-getting-warmed

    Ein Jahrzehnt jedoch halte ich für äußerst unwahrscheinlich, da die bereits bestehende Ungleichheit tiefe Gräben in die amerikanische Gesellschaft gerissen hat. Auch wenn sich die Verschuldung Amerikas als großes Problem darstellt, so wird diese erheblich leichter zu lösen sein, als die Probleme
    vor welchen die EU steht. Demographie-Migration-sinkender Export! Durch das Festhalten an alten Konzepten und dem traumtänzerischem verleugnen von Tatsachen ist diese Mammutaufgabe nicht lösbar und wird uns daher noch vor den Amerikanern auf die Füße fallen.

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