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USA: 4 Billionen Dollar in 6 Jahren – Gebete für Quantitative Easing 4

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von Claudio Kummerfeld

Trotz 0% Zinspolitik verfinstert sich der Konjunkturhimmel über den USA immer mehr. Nach 4 Billionen Dollar in 6 Jahren durch „QE“ ist seit November 2014 Schluss. Der Drogenentzug für die USA fängt langsam an zu wirken. Viele Marktteilnehmer beten für Quantitative Easing 4.

Federal Reserve USA Notenbank
Würde das QE4 in den USA durchführen: Die US-Notenbank „Federal Reserve in Washington D.C.
Foto: AgnosticPreachersKid / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Konjunktur

Die Konjunktur in den USA rutscht im Rekordtempo Richtung Nullwachstum. Vielerorts kursiert schon das Horrorwort „Deflation“. Ein gutes Beispiel hierfür sind die am letzten Donnerstag veröffentlichten Daten des Erzeugerpreisindex, der die Preise in den produzierenden Industrie wiederspiegelt. Sämtliche US-Experten hatten mit einem kleinen Anstieg gerechnet – tatsächlich kamen -0,4% heraus. Die Industrieproduktion ist (letzten Freitag veröffentlicht) den fünften Monat in Folge rückläufig. Einer der Hauptgründe hierfür ist der Rückgang des Ölpreises und damit die Stilllegung vieler Ölförderstätten. Das Wachstum bei den Einzelhandelsumsätzen (extrem wichtig in den USA) kommt inzwischen zum Erliegen. So könnte man es endlos fortsetzen mit den ökonomischen Kennzahlen in den USA – nur die Arbeitslosenzahlen zeichnen ein rosiges Bild – diese kann man aber in den USA, wie wir schon an anderer Stelle beschrieben haben, nicht wirklich als ernsthaften Gradmesser für die Konjunktur heranziehen.

4 Billionen Dollar in 6 Jahren

Die USA „veranstalteten“ über ihre Notenbank „Federal Reserve“ (Fed) schon drei Mal das sogenannte „Quantitative Easing“, also das virtuelle Drucken von Geld und danach den Kauf von US-Staatsanleihen sowie von hypothekenbesicherten Anleihen privater Institutionen. Man begann Ende 2008 – insg. wurden mehr als 4 Billionen (nicht Milliarden) US-Dollar in den „Markt“ gepumpt. Das letzte QE beendete die Fed im Oktober 2014. Wie die Fed damals verkündete, endete man die Überflutung des Marktes mit der Begründung Konjunktur und Arbeitsmarkt zeigten eine Belebung – die hat wohl nur ein halbes Jahr gehalten. Kaum fehlt dem Markt seine Droge (Extra-Liquidität der Fed), trüben sich alle Konjunkturkennzahlen wieder ein. Das ist das Problem mit der Droge. Wenn man sie absetzt, kann es sein, dass sich der Konsument schon an sie gewöhnt hat (Sucht).

QE in USA nur teilweise erfolgreich

Es ist unmöglich zu ermitteln, wie effektiv die 3 QE´s der Fed waren, aber es ist kaum anzunehmen, dass Banken und Schattenbanken in den USA die Extra-Liquidität, die sie durch die Fed erhielten, 1:1 als Kredite an die US-Wirtschaft weitergereicht haben, so wie sie es eigentlich tun sollten. Dazu waren die Wachstumszahlen in den letzten Jahren einfach zu schwach. Bei mehr als 4 Billionen US-Dollar zusätzlichem Geld hätte die Konjunktur in den USA explodieren müssen. Wahrscheinlich ist, dass (so wird es wohl auch in der Eurozone mit dem aktuellen QE laufen) ein Großteil der QE-Gelder im Kapitalmarkt zirkuliert sind und die Aktien- und Immobilienpreise angetrieben haben. Man spricht hier auch vom Verpuffungseffekt.

USA Aktienmarkt
Wo das QE-Geld der Fed geblieben ist? Der US-Aktienmarkt ist jedenfalls seit Beginn des 1. QE Ende 2008 um gut 80% gestiegen.

Die Party in den USA soll gefälligst weitergehen

Informierte Kreise aus dem US-Bankensektor bestätigen uns übereinstimmend, dass man als Hoffnung für die „Rettung“ der US-Konjunktur ganz klar an das Auflegen eines 4. „Quantitative Easing“ denkt. Die Zitate lauteten u.a. „wir beten bereits für das QE 4“ und „wir hoffen, dass die Fed langsam mal anfängt über QE4 nachzudenken“. Wo noch vor einigen Wochen offen von Mitgliedern der US-Notenbank „Federal Reserve“ eine Zinserhöhung für den Herbst 2015 ins Spiel gebracht wurde, hat sich das Blatt regelrecht gedreht. Eine Zinserhöhung scheint bei den aktuellen Daten kaum noch wahrscheinlich. So richtig gemerkt zu haben scheint die Fed die neue Konjunktursituation aber noch nicht – man darf gespannt sein auf die nächsten Statements der Fed-Mitglieder.

Es ist wie bei Drogensüchtigen. Ist man einmal richtig abhängig und macht dann einen Entzug, ist man rückfallgefährdet und denkt nur an einen neuen Schuss. Die US-Marktteilnehmer waren schon drei Mal „voll drauf“ (QE 1, 2 und 3), waren dann drei Mal auf Entzug, und wollen jetzt wieder einen richtigen 4. Schuss haben. Die ersten drei Geldschwemmen der Fed haben (teilweise) für den erhofften Konjunkturschub gesorgt, der bis vor Kurzem der US-Wirtschaft eine Belebung bescherte. Der jetzige Einbruch zeigt (ist klar, im Nachhinein sind wir alle schlauer), dass die Konjunktur schnell das nächste QE (den nächsten Schuss) braucht, um sich wieder gut zu fühlen. Ähnlich könnte es auch beim aktuellen QE der EZB in Europa laufen.

Man überschwemme den Markt, und die Party in den USA geht weiter. Das Problem dabei: alle gewöhnen sich irgendwann daran und können nicht mehr ohne leben. Aber wie bei den Drogen ist auch diese Party irgendwann zu Ende.


Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    GN

    20. Mai 2015 12:14 at 12:14

    Hallo Herr Kummerfeld,

    sind Sie sicher, daß es nur 4 Billionen waren. Ich habe eine Quelle, die von 11 Billionen globalen QEs innerhalb der letzten 7 Jahre spricht. Den Löwenanteil davon dürfte aber die FED zu verantworten haben….

    http://investmentwatchblog.com/since-07-11-trillion-of-global-qe-57-trillion-of-more-debt-europe-2-more-recessions-japan-3-more-recessions-us-2-negative-gdp-qtrs-the-collapsing-of-many-em-economies/

    Viele Grüße

    GN

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Coronakrise vorbei? So stark verlieren die „kleinen“ Leute in den USA

Claudio Kummerfeld

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Verrammelte Einzelhandelsgeschäfte

Ist die Coronakrise überstanden? Die ersten Corona-Impfungen könnten schon in den nächsten Tagen erfolgen. Und außerdem, der Dow Jones steht bei 30.000 Punkten, während er vor Ausbruch der Coronakrise noch bei 29.300 Punkten im Januar lag. Auch der S&P 500 Index und vor allem der Nasdaq notieren deutlich höher als im Januar. Klarer kann die Börse doch nicht signalisieren, dass die Krise überwunden ist. Richtig? Nun ja. Schauen wir uns mal folgende Charts an. Sie sind Teil einer Datenbank, welche unter anderem von der Harvard University betrieben wird.

Geringverdiener in den USA verlieren in der Coronakrise brutal, Besserverdiener legen sogar zu

Anhand unzähliger Daten werden möglichst aktuell ökonomische Verläufe in den USA angezeigt, aus denen man den Verlauf der wirtschaftlichen Erholung aus der Coronakrise in diesem Jahr erkennen kann. Da wäre zum einen folgende Grafik interessant, wenn es um die Beschäftigung geht. Sie zeigt die Beschäftigungsquoten in den USA von Januar bis Ende September. Für die Besserverdiener mit mehr als 60.000 Dollar Jahresgehalt ist die Beschäftigungsquote seitdem sogar um 0,2 Prozent gestiegen. Man darf vermuten: Jede Menge neue Jobs für Webseitenprogrammierer, Cloud-Experten uvm. Alles was eben in der Coronakrise vermehrt gefragt ist. Die Beschäftigung in der Mittelschicht (27.000-60.000 Dollar) hat um 4,7 Prozent abgenommen.

Und jetzt kommt´s. Die Geringverdiener mit weniger als 27.000 Dollar Jahresgehalt hat eine um 19,2 Prozent sinkende Beschäftigungsquote in den USA. Es ist klar. Gerade im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gab es für eine große Masse gering- oder gar nicht qualifizierter Menschen (bisher) massenweise Jobs in der Gastronomie oder im Entertainment-Bereich (Restaurants, Bars, Freizeitparks etc). Und gerade diese Bereiche leiden under Lockdowns in der Coronakrise (siehe jüngst Walt Disney mit zehntausenden Entlassungen in Freizeitparks). Die kleinen Leute verlieren in der Coronakrise massiv, die gut Qualifizierten sind unterm Strich die Gewinner. Die drei Linien zeigen die Verläufe der jeweiligen Beschäftigungsquoten seit Januar.

Chart zeigt Beschäftigungsquoten in den USA

Fast 30 Prozent der kleinen Geschäfte seit Januar geschlossen

Die folgende Grafik zeigt zum aktuellsten Stichtag 16. November mit Verlauf über das Jahr hinweg, wie viele kleine Unternehmen im Vergleich zu Januar noch geöffnet sind. Landesweit sind es in den USA derzeit 28,9 Prozent weniger, und die Tendenz ist negativ. Im derzeit zweiten Lockdown gibt es dank der Streitigkeiten zwischen Republikanern und Demokraten in den letzten Monaten keine neuen Hilfspakete. Kann Joe Biden ab dem 20. Januar als neuer US-Präsident einiges bewegen mit neuen Billionen-Hilfsprogrammen? Kann die ehemalige Fed-Chefin Janet Yellen als neue Finanzministerin womöglich bei den Republikanern im US-Kongress etwas herausschlagen für neue Hilfsprogramme? Die sogenannte Unterschicht und kleine Geschäftsinhaber drohen völlig abzustürzen und auch nach der Coronakrise zu den großen Verlierern zu gehören. Langfristig dürfte die Massenarmut in den USA wohl massiv zunehmen.

Chart zeigt Verlauf der geöffneten kleinen Geschäfte in den USA

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Arbeitsmarkt im Corona-Märchenland – weniger Arbeitslose!

Claudio Kummerfeld

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Eingang zu einer Außenstelle der Bundesagentur für Arbeit

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin im Märchenland-Zustand, aber nur auf den ersten Blick. Man kann in der schlimmsten Rezession der letzten Jahrzehnte eine weiterhin sehr geringe Arbeitslosigkeit präsentieren, weil es hierzulande anders als in vielen anderen Ländern das Instrument der Kurzarbeit gibt. Zählt man diesen Ersatz für die Arbeitslosigkeit nicht zur offiziellen Arbeitslosenquote hinzu, dann kommt der deutsche Arbeitsmarkt derzeit ganz wunderbar durch die Coronakrise und den zweiten Lockdown.

Im November ist die offizielle Arbeitslosigkeit gemäß heute veröffentlichten Daten sogar rückläufig. Im Monatsvergleich sinkt sie von 2,76 auf 2,70 Millionen arbeitslose Personen. Die offizielle Arbeitslosenquote sinkt von 6,0 Prozent auf 5,9 Prozent. Gegenüber November 2019 steigt die Arbeitslosigkeit um 519.134 Personen an (Quote damals 4,8 Prozent). Die tatsächliche Arbeitslosigkeit (ohne Kurzarbeit) namens „Unterbeschäftigung“ sinkt von 3,56 auf 3,52 Millionen, oder von 7,6 Prozent auf 7,5 Prozent.

Kurzarbeit steigt

Tja, die zweite Corona-Welle und der „sanfte Lockdown“ beschert dem Arbeitsmarkt auf den ersten Blick keine Verschlechterung, dafür aber der Kurzarbeit. Letztlich in der Realität arbeitslos, werden viele Beschäftigte in Gastronomie und Hotellerie „geparkt“ als Kurzarbeiter. Laut heutiger Aussage der Bundesagentur für Arbeit wurde im Zeitraum vom 1. bis einschließlich 25. November für 537.000 Personen konjunkturelle Kurzarbeit angezeigt. Der deutliche Anstieg im Vergleich zum Vormonat erklärt sich laut der Bundesagentur mit dem seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown.

Endgültige Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme der Kurzarbeit stehen bis September zur Verfügung. So wurde nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit im September für 2,22 Millionen Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt. Die Inanspruchnahme des Kurzarbeitergelds hat nach dem bisherigen Höchststand im April mit knapp 6 Millionen sukzessive abgenommen. Das ifo-Institut hatte gestern zum Thema Kurzarbeit im November berichtet. Demnach steige die Kurzarbeit spürbar an. Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit ist demnach im November erstmals seit Monaten wieder angestiegen, und zwar von 24,8 Prozent im Oktober auf 28,0 Prozent im November. Die Bundesagentur für Arbeit sagt zu den Zahlen heute im Wortlaut:

Der Arbeitsmarkt hat auf die Einschränkungen im November reagiert – glücklicherweise aber im Moment nicht mit einer Zunahme von Entlassungen. Allerdings sind die Betriebe wieder zurückhaltender bei der Personalsuche und haben im November wieder für deutlich mehr Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt.

Grafik zeigt aktuelle Details aus November zum deutschen Arbeitsmarkt

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