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Ab wann die USA erst wirklich pleite gehen können

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Schuldenobergrenzen, totale Verschuldung von jetzt mehr als 22 Billionen US-Dollar, Chaos im Kongress, ein chronisches Staatsdefizit, immer weiter steigende Außenhandelsdefizite. Eigentlich müsste man denken, dass die USA unmittelbar vor der Staatspleite stehen. Das hätte man aber auch sagen können vor 5, 10 oder 15 Jahren (hier ein Beispiel, wie schnell die Staatsschulden der USA wachsen).

USA Staatsschulden seit 1980
Staatsschulden der USA seit 1980. Grafik: finanzmarktwelt.de / Daten: US Treasury

Nicht, wann, sondern wie können die USA pleite gehen?

Ab wann die USA pleite gehen, ist der falsche Frage-Ansatz! Denn das „debt game“ kann letztlich unendlich fortgesetzt werden. Das US-Finanzministerium macht einfach immer weiter neue Schulden. Und da der globale Kapitalmarkt voll auf US-Dollar eingestellt ist, und da weite Teile des Planeten den US-Dollar als werthaltig ansehen, werden sich auch immer Abnehmer für die Schuldpapiere der USA finden lassen.

Aber halt. Was, wenn Chinesen, Japaner und Araber eines Tages verkünden, dass sie keine neuen US-Schuldtitel mehr kaufen werden? Was dann? Dann, so eine weit verbreitete Meinung, sind die USA am Ende und können den Laden dicht machen. Weit gefehlt. Man schaue sich mal folgende Grafik des US-Finanzministeriums an. Von den 22 Billionen Dollar Staatsschulden werden 16,2 Billionen Dollar (also gut 3/4) vom freien Kapitalmarkt gehalten, also von Fonds, Privatpersonen, Banken etc. Und das aus dem In- und Ausland!

USA Staatsschulden nach zwei Kategorien

Und 1/4, nämlich 5,8 Billionen Dollar sind „Intragovernmental debt“. Dies sind US-Staatsschulden, die von regierungseigenen Institutionen gehalten werden. Gemeint sind damit Rentenanspar-Pläne für US-Staatsbedienstete. Diese Rentenkassen legen also die Altersvorsorge-Gelder der Staatsbediensteten auch stark in Staatsschulden der USA an, womit 1/4 der Staatsschulden quasi von den Staatsdienern und den ehemaligen Staatsdienern der USA gehalten werden.

Fallen sagen wir mal Araber und Chinesen als Käufer aus, könnten (nach einem freundlichen Hinweis durch das US Treasury?) die Rentenkassen der Staatsdiener ihre Investments in US-Staatsanleihen einfach erhöhen. Aber auch hier könnte man sagen: Die Finanzreserven dieser Rentenkassen sind nicht unendlich. Was, wenn auch sie kein Geld mehr haben um US-Staatsschulden zu kaufen?

Der letzte Rettungsanker

Da wäre letztlich noch die Notenbank Federal Reserve mit ihren regionalen Notenbanken (das Federal Reserve-System). Die Fed besitzt nach aktuellem Stand 2,7 Billionen Dollar der US-Staatsschulden. Dieser Betrag ist Teil der 16,2 Billionen Dollar, die von der Öffentlichkeit gehalten werden. Denn offiziell ist die Fed ja unabhängig und nicht Teil der Regierung der USA.

Die Fed ist wie die EZB in der Eurozone für den Euro die alleinige Hüterin des US-Dollar. Sie kann unbegrenzt und nach Lust und Laune so viele US-Dollars drucken wie sie will. Will wirklich kein (dummer) Ausländer mehr neue US-Staatsschulden kaufen, dann kann die Fed einfach elektronisch richtig viel Geld drucken und als Käufer einspringen. Die Grafik zeigt, dass dies zur Rettung der Konjunktur in den letzten Jahre ja bereits gemacht wurde.

Im Jahr 2000 hielt die Fed weniger als 500 Milliarden Dollar in US-Staatsanleihen, heute ist das Volumen fünf Mal so groß – auch wenn es gerade behutsam reduziert wird. Aber wie, wie verdammt noch mal können die USA dann überhaupt noch pleite gehen, wenn die Fed doch letztlich einfach drucken kann? Drucken, drucken, drucken, und dem US Treasury die Papiere abkaufen. Problem gelöst? Nein.


Grafik: St. Louis Fed

Ab wann die USA wirklich pleite gehen könnten

Ein Problem gäbe es da nämlich noch. Wie schon beschrieben, haben die USA neben dem Haushaltsdefizit auch ein massives Außenhandelsdefizit. Die Amerikaner (Staat, Bürger) konsumieren drauf los, was das Zeug hält. Die Produktion zum Beispiel der allermeisten Konsumgüter wäre in den USA zu teuer, denn die Amerikaner wollen möglichst viel und günstig konsumieren! Auch fehlen bei vielen Spezialprodukten Fertigungskenntnisse bei US-Herstellern, weshalb zahlreiche Produkte im Ausland eingekauft werden müssen.

Das einzige Problem der USA als Volkswirtschaft gesehen besteht darin, dass der Rest der Welt eines Tages den US-Dollar nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptieren könnte. Wenn die Verkäufer darauf bestehen, von der US-Regierung oder von Walmart für ihre Produkte in Euro, Yuan oder Singapur Dollar bezahlt zu werden, dann müssten die Amerikaner ihre Dollars erstmal auf dem internationalen Devisenmarkt in diese Währungen tauschen.

Und wenn am freien Devisenmarkt auch niemand mehr Vertrauen in den US-Dollar hat, und seine „harten Devisen“ nicht in den US-Dollar tauschen will? Was dann? Dann, erst dann gucken die USA in die Röhre. Dann können sie so viele Dollars drucken wie sie wollen, bekommen aber auf dem Weltmarkt dafür keine Waren mehr eingekauft. Aber mal ehrlich. Für alle Träumer, die sich den Untergang der USA schon herbeisehnen… dieser Tag, wo die Verkäufer von Waren den US-Dollar nicht mehr akzeptieren, ist noch fern! Also können die USA „erst einmal“ fleißig weiter ihr debt game spielen.

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Zimmermann

    29. März 2019 12:20 at 12:20

    Das passt genau, was ich mir auch schon gedacht habe. Darum werde ich brav die nächsten Jahren „Long“ für die USA eingestellt sein. Mit natürlich immer wieder eingestreuten Korrekturen, die es gilt dann zu kaufen. Da kann nichts schief gehen. Problematisch wird es erst dann, wenn sich das auch der letzte Perma-Bär denkt und es auch keine Crash-Propheten mehr gibt. Bis dahin aber kann man mit US Aktien gut Geld verdienen.

  2. Avatar

    sabine

    29. März 2019 12:25 at 12:25

    By the way, ab Obama ging es erst steiler nach oben! (2009 bis 2017)

    • Avatar

      tm

      29. März 2019 17:42 at 17:42

      Sie wissen aber schon, dass Obama Präsident wurde, als sich die US-Wirtschaft im freien Fall befand? Am Ende seiner Präsidentschaft hat die US-Bundesregierung in etwa halb so viele Schulden gemacht wie Trump jetzt.

  3. Avatar

    Übelkeit

    29. März 2019 12:45 at 12:45

    Daher sind die USA auch auf ihren Petro Dollar so angewiesen. Sollte der Putsch in Venezuela scheitern wird halt einmarschiert. Für die USA geht es um sehr viel.

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    Nonkonformist sagt

    29. März 2019 13:26 at 13:26

    Ein Statt kann niemals pleite gehen sondern nur sein Bewohner in Wohnhaft genannt oder bezeichnet als Bürger und der bürgt immer.
    Fakt ist die VSA ist seit 1765 kein Staat mehr ebenso wie die Bananenrepublik der BRVD alles nach Handelsrecht – Firma nach UCC – Verträge gehandelt wird. Da die USA 22 Billionen im Land und noch zusätzlich weltweit ca. nochmals 110 Billionen Auslandsschulden hat.
    Der Grund das die Krake und Erpresser USA nicht untergehen wird ist und sind seine Söldnertruppe ca. 4,2 Millionen die Weltweit über 1000 Stationen in 154 Ländern stationiert sind.
    Außerdem ist Israel. England , Australien , Kanada , USA die 5 Ersten NATO – Kriegstreiber
    Wer nicht nach deren Pfeife tanzt wird von oben beglückt, alles Gute kommt von oben na dann weiter so !!!!!!!!!!!

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    Beobachter

    29. März 2019 13:35 at 13:35

    Ganz einfach, sie können soviel Schulden machen wie sie wollen, sie können auch alle 6Jahre pleite gehen, sie müssen einfach vieil höhere Zinsen bezahlen.ARGENTINIEN u.s.w. macht das doch seit Jahrzehnten.
    Zudem hatte die USA in den letzten Jahren einen Riesenvorteil, sie verschuldeten sich in der eigenen Währung ( als Weltwährung ) u. haben mit der Abwertung gegen andere Währungen zum grossen Teil die Schulden vermindert.Mit einem gleichen oder stärkeren Dollar könnte dieser Vorteil entfallen.Es gibt keine Wunder , Schulden müssen irgendwann von irgendwem bezahlt werden.

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      Zimmermann

      29. März 2019 15:14 at 15:14

      Ja, das ist dann der dumme deutsche Michl der zahlt. Wo es nach oben ging nicht dabei gewesen, aber dann wenn Zahltag müssen sie einspringen.

      • Avatar

        Michael

        29. März 2019 15:35 at 15:35

        Wirklich, muss der dumme deutsche Michl jetzt auch schon für die Schulden der Amis aufkommen?

        • Avatar

          Zimmermann

          29. März 2019 18:14 at 18:14

          Ja, der Michl ist so blöd. Die übernehmen die auch noch. Die deutschen Überflieger, die in der Mehrzahl von kluger Geldanlage soviel Ahnung haben, wie vom Fliegen, haben in der Supprime Krise den US-Hypothekenkreditschrott noch gekauft, wo die Amis das nicht mehr mit der Kneifzange angefasst haben.

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            Michael

            31. März 2019 21:57 at 21:57

            @Zimmermann, da wir ja hier von den Staatsschulden der USA reden, müssen Sie uns schon genauer erklären, wie die nun mit der Immobilienlrise von 2007 zusammenhängen.

            Der Michl ist einfach zu blöd, den Zusammenhang zu verstehen.

            Oder könnte auch sein, dass Sie einfach nicht der große Überflieger sind, und einfach mal das Großmaul aufreißen, bevor Sie das Kleinhirn einschalten? Nur mal als Hypothese…

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    tm

    29. März 2019 17:45 at 17:45

    🙂 Erfrischend der Text – wäre sicher lustig gewesen hier im Forum, wenn ich etwas derartiges geschrieben hätte…

    BTW 1: Australien, Neuseeland oder Kanada haben höhere Leistungsbilanzdefizite und ich habe bisher noch nie davon gelesen, dass irgendwer deswegen bald Kanada-Dollar oder NZ-Dollar nicht mehr annehmen wird.

    BTW 2: Habt ihr eigentlich über Trumps neuesten Rekord berichtet? Noch nie hat die US-Bundesregierung in einem Februar so viele neue Schulden gemacht wie im Febraur 2019. Glückwunsch Donny.

  7. Avatar

    Angsthase

    29. März 2019 19:01 at 19:01

    Och der Turmbau zu Babel ist ganz schnell zu kippen… einfach eine systemrelevante Bank vollgestopft mit Derivate und ordentlich CDS und schon wird die grüne Kretze schimmlig.
    dazu muß die USA doch nicht pleite gehn… langt doch wenn man ein paar Mikadostäbchen zieht.

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Coronavirus: Stehen wir an der Schwelle zur Pandemie?

Die zuletzt pandemische Ausbreitung des Coronavirus macht nun auch die Gesundheitsbehörden immer nervöser

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Das Coronavirus verbreitet sich in immer mehr Ländern – stehen wir nun an der Schwelle zur Ausbreitung einer Pandemie? Laut der Definition, was eine Pandemie kennzeichnet, ist das wohl bereits der Fall:

„Unter Pandemie versteht man eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung einer Krankheit beim Menschen, im engeren Sinn die Ausbreitung einer Infektionskrankheit. Im Unterschied zur Epidemie ist eine Pandemie somit örtlich nicht beschränkt.“

Vor allem Südkorea gerät nun immer stärker in den Fokus: das Land berichtet 142 neue Infizierte an einem einzigen Tag – das ist ein Anstieg von 70% zum Vortag (und zwei Tote). In Italien sind es 15 neue Infizierte bei einem Toten – zehn Städte in der norditalienischen Lomardei sind unter Quarantäne. China selbst meldete offiziell 397 neue Infizierte (damit in China insgesamt 76288) bei 109 neuen Toten (insgesamt 2345).

Chinas hat nun bereits fünfmal die Kriterien verändert, nach denen neu Infizierte erfasst werden – das sagt alles über die Verläßlichkeit der Zahlen von durch das Coronavirus Infizierten im Reich der Mitte (siehe hierzu: „Chinas Lügen mit Zahlen“). Die Stadt Peking hat unterdessen ihre Maßnahmen weiter verstärkt – pro Wohnung werden drei „Pässe“ vergeben“, die es erlauben, den Wohungskomplex zwischenzeitlich zu verlassen – leben aber in einer Wohung vier Personen, kann eine Person nicht mehr hinaus (siehe hierzu den Bericht der CNBC-Korrespondentin Eunice Yoon aus Peking).

Coronavirus: Die Behörden werden immer nervöser

Die zuletzt pandemische Ausbreitung des Coronavirus macht nun auch die Gesundheitsbehörden immer nervöser. Bei der gestrigen Pressekonferenz der WHO sagte der Generaldirektor der Behörde Dr. Tetros, dass die Zeit davonlaufe, um eine weltweite Pandemie zu stoppen („The window of opportunity is narrowing“). Die US-Behörde für Seuchenbkämpfung CDC hält eine weitere Ausbreitung in den USA inzwischen für wahrscheinlich, wie es auf der Homepage der Behörde heißt:

„More cases are likely to be identified in the coming days, including more cases in the United States. It’s also likely that person-to-person spread will continue to occur, including in the United States.“

In Deutschland hat das „Bundesministerium für gesundheitliche Aufklärung“ (BZgA) bundesweit eine Zeitungsanzeige lanciert, wie man sich selbst und andere vor der Infektionskrankheit schützen könne.

Inzwischen wird immer wahrscheinlicher, dass das Coronavirus nicht nur sich viele Tage an Gegenständen halten kann (Bargeld, technische Geräte etc.) – sondern auch bereits genesene Patienten sich erneut infizieren können (so aktuell ein Fall in der chinesischen Provinz Sichuan).

Folgendes Video von „China in Focus“ faßt die Lage kompakt zusammen – und macht dabei auch auf die sich widersprechenden Aussagen von Behörden aufmerksam:

Das Coronavirus verbreitet sich in immer mehr Ländern

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Coronavirus und die Folgen für die Wirtschaft – Interview mit Markus Fugmann

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Welche Folgen hat das Coronavirus und der de facto-Stillstand der chinesischen Wirtschaft? Vor allem die Wall Street handelte nach dem Motto: das sei vergleichbar wie 2003 mit dem SARS-Virus – und wenn nicht, werde es die Fed schon richten. Aber die US-Indizes beginnen nun zu reagieren – zumal nach den extrem schwachen US-Einkaufsmangerindex heute.

Im Interview mit cryptowelt.ch geht es um das Coronavirus, um Inflation – und um Bitcoin:

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Rundfunkbeitrag 18,36 Euro! Sie wollten deutlich mehr haben! Jammern und Gier!

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Der Rundfunkbeitrag zwingt die Bürger zum Bezahlen von ARD und ZDF

Der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) darf man als braver Beitragszahler sogar noch dankbar sein? Denn ARD und ZDF forderten ab der nächstes Jahr beginnenden Beitragsperiode 19,24 Euro Rundfunkbeitrag pro Monat (statt bisher 17,50 Euro). So sagt die KEF ganz aktuell, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio einen „ungedeckten Finanzbedarf“ von insgesamt 3.035,4 Millionen Euro angemeldet hatten. Dies würde einem Rundfunkbeitrag von monatlich 19,24 Euro entsprechen. Die KEF selbst aber stellt aktuell in ihrem 22. Bericht für den Zeitraum 2021 bis 2024 einen ungedeckten Finanzbedarf der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten von 1.525,4 Millionen Euro fest. Sie empfiehlt daher ab Januar 2021 eine Anhebung beim Rundfunkbeitrag von jetzt 17,50 Euro um 86 Cent auf 18,36 Euro. Also darf man davon ausgehen, dass die Bundesländer (sie legen gemeinsam den Rundfunkbeitrag fest) diesem Vorschlag wie üblich folgen werden, und dass er dann wohl am 12. März auf 18,36 Euro angehoben wird. (für den Journalistenverband ist das übrigens viel zu wenig)

Gier und Jammern

Vor allem die ARD wird immer gieriger. Seit Jahren bettelt man nicht, man fordert! Und man jammert, dass man schon an allen Ecken und Enden spare, dass man jeden Groschen umgedreht habe – aber es gehe einfach nicht mehr. Erhalte man nicht deutlich mehr Geld, müsse man eben am Programm kürzen. So kann man zahlreiche Aussagen von Verantwortlichen der ARD der letzten Monate und Jahre zusammenfassen. Man braucht gar nichts ins Detail gehen. Denn wir meinen: Mit mehr als 8 Milliarden Euro pro Jahr sollte es doch „gerade noch“ möglich sein, ein halbwegs informatives Programm auf die Beine zu stellen, damit der Bürger Informationen erhält, um sich eine eigene politische Meinung bilden zu können? Denn das ist doch nach der Nazi-Diktatur die Kernaufgabe der Öffentlich Rechtlichen?

Tagesschau erwähnt seit 12 Jahren nicht erhöhten Rundfunkbeitrag

Interessant ist auch: Die vom Rundfunkbeitrag finanzierte ARD „Tagesschau“, sozusagen das Flaggschiff der bundesdeutschen Nachrichtenlandschaft, gab gestern in der 20 Uhr-Sendung eine kurze Info zur Empfehlung der KEF ab. Und man erwähnte (noch ganz nebenbei), dass der Rundfunkbeitrag nun bereits seit 12 Jahren nicht mehr erhöht worden sei. Hört man als braver deutscher Michel diese Info, dann sagt er/sie sich sicherlich: Mensch, seit 12 Jahren keine Erhöhung? Aber 12 Jahre lang hat die Inflation gewirkt, da haben die Öffentlich Rechtlichen ganz sicher endlich mal wieder einen höheren Rundfunkbeitrag verdient. Dazu zwei Anmerkungen.

Erstens gab es 2013 eine Umstellung beim Rundfunkbeitrag, wonach alle Haushalte zahlen müssen. Das erhöhte bei nicht steigendem Beitrag aber die Gesamtsumme der Einnahmen, weil mehr Beitragszahler dazu kamen. Schnell entstand eine Reserve in Milliardenhöhe, die eigentlich nicht angerührt werden sollte. Aber inzwischen haben ARD und ZDF diese Reserve voll verkonsumiert!

Und zweitens: Das Gejammer über einen 12 Jahre nicht mehr erhöhten Rundfunkbeitrag ist wirklich eine Heuchler-Nummer! Denn man muss sich schon das Gesamtbild anschauen. Laut einer Berechnung von warenvergleich.de aus dem Jahr 2018 waren die Gesamteinnahmen durch den Rundfunkbeitrag seit 1995 nämlich 1,96 mal stärker gestiegen als die Inflation. Während die Verbraucherpreise nur um 35,78% zugenommen haben, wuchsen die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag im selben Zeitraum um 70,21%! Während die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der sonstigen Verbraucherpreise in diesem Zeitraum bei 1,4% lag, stiegen die Einnahmen aus den Rundfunkbeiträgen um durchschnittlich 2,45% – sie wachsen jährlich also fast doppelt so stark! Wären die Einnahmen durch den Rundfunkbeitrag lediglich im Rahmen der allgemeinen Teuerung der Verbraucherpreise gestiegen, dürften sie nur bei ca. 6,38 Mrd. liegen. Die tatsächlichen Einnahmen liegen bei 8,0 Mrd. – also 1,62 Mrd. über diesem Wert, so warenvergleich.de

Konkrete KEF-Aussagen zum Rundfunkbeitrag

Die KEF hat aktuell auch konkrete Zahlen genannt, in denen sie die Forderungen von ARD und ZDF für einen noch viel höheren Rundfunkbeitrag deutlich gekürzt hat. Hier im Wortlaut:

Die Kommission hat die Bedarfsanmeldungen der Rundfunkanstalten im Rahmen ihres Verfahrens nach den Grundsätzen von Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit geprüft. Sie kommt zu einer Verringerung des Finanzbedarfs um 1.510,0 Mio. €. Davon entfallen 719,6 Mio. € auf Aufwandsreduzierungen, 583,3 Mio. € auf Ertragszuschätzungen und 207,1 Mio. € auf Korrekturen bei den anrechenbaren Eigenmitteln.

In einer Gesamtschau erkennt die Kommission für 2021 bis 2024 Gesamtaufwendungen von 38.668,6 Mio. € an und stellt Gesamterträge von 35.650,8 Mio. € fest. Bei der ARD betragen die Gesamtaufwendungen 27.595,4 Mio. €, beim ZDF 10.017,2 Mio. € und beim Deutschlandradio 1.056,0 Mio. €. Die Gesamterträge belaufen sich bei der ARD auf 25.435,0 Mio. €, beim ZDF auf 9.260,1 Mio. € und beim Deutschlandradio auf 955,7 Mio. €.

Die anerkannten Gesamtaufwendungen für 2021 bis 2024 liegen um rund 1,8 Mrd. € über dem jetzt angemeldeten Betrag für 2017 bis 2020. Sie stehen den Anstalten zusätzlich zur Verfügung, um ihren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen. Das ist ein Anstieg von 4,8 % bzw. 1,2 % p.a.

Die Kommission stellt nach Abzug der verfügbaren Mittel von 1.492,4 Mio. € für 2021 bis 2024 einen ungedeckten Finanzbedarf von insgesamt 1.525,4 Mio. € fest. Bei der ARD beträgt der Fehlbetrag 858,0 Mio. €, beim ZDF 600,8 Mio. € und beim Deutschlandradio 66,5 Mio. €.

Von der daraus resultierenden Beitragserhöhung um 86 Cent entfallen 47 Cent auf die ARD, 33 Cent auf das ZDF und 4 Cent auf das Deutschlandradio. 2 Cent der Erhöhung entfallen auf den Anteil der Landesmedienanstalten. Die Finanzbedarfsfeststellung macht eine neue prozentuale Aufteilung der Anteile von ARD, ZDF und Deutschlandradio am Rundfunkbeitragsaufkom­men erforderlich.

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