Anleihen

USA: Anleihemärkte signalisieren Stagflation! Für Aktienmärkte wäre das mehr als ungut..

FMW-Redaktion

In den USA droht, glaubt man den Entwickluungen am gigantisch großen US-Anleihemarkt, Stagflation – sprich anziehende Inflation bei gleichzeitigem Null-Wachstum.

Die Inflationsdaten aus den USA, die Verbraucherpreise und die Erzeugerpreise, zeigen seit November des Vorjahres nach oben. Und das findet immer mehr Beachtung am US-Anleihemarkt sowie bei den Inflationserwartungen, die die Märkte einpreisen: so liegen die Erwartungen für die Inflation in den nächsten zehn Jahren in den USA inzwischen bei 1,7% – im Februar waren es noch 1,2%. Das ist in der Kürze der Zeit ein gigantischer Sprung – zuletzt wurde der Wert von 1,7% auf dem Höhepunkt des Crash in China im letzten Sommer erreicht.

Eine viel beachtete Kennzahl ist der sogenannte „inflation break even“, der die Renditedifferenz zwischen normalen US-Staatsanleihen und den inflationsgesicherten US-Anleihen, den TIPS, mißt. Während die Renditen für inflationsgesicherte Anleihen weiter fallen – was auf starke Nachfrage nach diesen Anleihen hindeutet – steigen die Renditen für „normale“ US-Staatsanleihen leicht. Immer mehr Investoren erwarten also eine steigende Inflation – und wollen sich daher mit dem Kauf inflationsgesicherter Anleihen absichern. Sie bekommen dafür auf eine Laufzeit von 10 Jahren eine Rendite von 0,27% über der derzeitigen Inflation in den USA. Darin spiegelt sich aber auch ein immenses Mißtrauen gegenüber den Wachstumsperspektiven der USA.

Faktisch ist die Entwicklung an den US-Anleihemärkten das Signal, dass die USA vor einer Stagflation stehen. Aufgrund der steigenden Inflation könnte die Fed gezwungen sein, die Zinsen anzuheben, auch wenn die Konjunktur eher mäßig läuft. Die TIPS (also die inflationsgesicherten US-Anleihen) preisen das ein – die hochrentierlichen Junk-Bonds hingegen noch nicht. Die Renditen bei den „normalen“ US-Staatsanleihen hingegen müssten eigentlich angesichts der steigenden Inflation und der steigenden Inflationserwartung stärker nach oben gehen – aber die Nachfrage aus Europa und Japan mit den dortigen Negativzinsen verhindert diese erwartbare Entwicklung: für Investoren aus Japan und Europa bieten US-Staatsanleihen fast „traumhafte“ Renditen angesichts des heimischen Negativzinsumfelds. Daher werden fleißig US-Staatsanleihen gekauft, was die Renditen deckelt.

Der Fokus richtet sich nun mehr und mehr auf die Fed-Entscheidung im April, nachdem aus der Fed zuletzt verstärkt „hawkishere“ Töne kamen (Evans, Harker, Bullard). Während die Fed Fund Futures, die spezialisiert sind auf die Wahrscheinlichkeit der nächsten Zinsanhebung, nach wie vor davon ausgehen, dass die Fed nicht wirklich ernst macht mit Zinsanhebungen, wird genau dieses Szenario am Anleihemarkt gespielt (vor allem bei den TIPS). Haben die TIPs recht, kommen schwere Zeiten auf die US-Aktienmärkte zu!



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