Folgen Sie uns

Indizes

USA – der gigantische Konsum

Die USA, 4,3%, der Weltbevölkerung, konsumiert 17 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts und damit mehr als das Jahres-BIP Chinas..

Avatar

Veröffentlicht

am

In den USA droht eine Rezession – kürzlich war auch der Einkaufsmanagerindex Verarbeitendes Gewerbe in den USA mit 49,1 Punkten in den Schrumpfungsbereich gerutscht. Dennoch stehen die US-Indizes nicht allzu weit entfernt von ihren Allzeithochs. Wieso ist das so?

Es gibt kaum eine Wirtschaftssendung in den USA, in der nicht auf die 70-Prozent-Konsumökonomie hingewiesen wird – wohl nicht ganz zu unrecht. Hierzu noch einmal kompakt die Fakten, die in nächster Zeit von entscheidender Bedeutung sein könnten!

 

Der gigantische Konsumhunger der Amerikaner

Es ist fast schon furchteinflößend, wenn man sich die Wirtschaftszahlen im Bereich des Konsums betrachtet, wie sie sich in den letzten Jahren/Jahrzehnten in den USA entwickelt haben. Ein Volk von derzeit 330 Millionen Menschen, also gerade mal gut 4,3 Prozent der Weltbevölkerung, erreicht in seinem Konsum jährlich eine Summe von über 14 Billionen Dollar (BIP 2018: 20,5 Bio,$). Dies entspricht 17 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts und liegt damit höher als das Jahres-BIP Chinas, immerhin der mit Abstand zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt.

Betrachtet man dazu im Vergleich die Industrieproduktion der USA, so macht diese nicht einmal 19 Prozent des US-BIPs aus. Auch die gesamten Exporte der USA (und dabei sind natürlich auch die großen Ausfuhren nach Kanada und Mexiko enthalten) betrugen 2018 nur 1,66 Billionen Dollar.

Aus diesen Zahlen wird deutlich: Die Amerikaner konsumieren in einem unglaublichem Ausmaß, kaufen Güter billig aus aller Welt ein (vorwiegend aus China) – und der US Präsident beschwert sich darüber, dass die anderen Nationen die USA schamlos ausnutzen würden.

Was ökonomisch sehr viele Arbeitsplätze auf der Welt schafft, ist ökologisch aus globaler Sicht natürlich eine ziemliche Schreckensvision. Man stelle sich nur vor, dass ein größerer Teil der 7,6 Milliarden Erdenbürger auch derartige Konsumgewohnheiten anstreben würde – nur am Rande bemerkt..

 

USA – die Bedrohung des Konsums durch den Handelsstreit

Zwar geht es im Handelskonflikt mit China „nur“ und eine Summe von 540 Milliarden Dollar und einer Bezollung, die derzeit gesamt um die 20 Prozent beträgt, im Vergleich zum US-BIP von 20,5 Billionen Dollar erscheint dies als nicht allzu dramatisch. Das Problem ist aber, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht aus ihren Einnahmen oder Ersparnissen konsumiert, sondern dies unter Zuhilfenahme von Kreditkarten tut (mit aberwitzigen Zinsen von derzeit 17%) und sich von Monatsscheck zu Monatsscheck hangelt. Diese Menschen können keine allzu großen Preissteigerungen der Alltagsgüter aus China tolerieren, ohne ihren Konsum einschränken zu müssen. Das würde in Kombination mit einer rückläufigen Industrieproduktion unweigerlich zu rezessiven Tendenzen in der Gesamtwirtschaft führen.

Worauf man demnächst achten sollte bei den Zahlen aus den USA

Aus der Betrachtung der Dimension der Verbraucherausgaben, auch für die Weltwirtschaft, wird ziemlich schnell ersichtlich, welche Daten man in nächster Zeit besonders beachten sollte:

US- Verbrauchervertrauen, US-Konsumausgaben und US-Arbeitslosenzahlen

Während das Verbrauchervertrauen in der für den Monat August veröffentlichten Statistik der Uni Michigan einen deutlichen Rückgang des Vertrauens um 8,6 Punkte und damit so viel wie seit sieben Jahren nicht mehr verzeichnen musste, zeigen sich die Verbraucherausgaben noch überaus robust. Ein Anstieg im 2. Quartal 2019 um 4,3 Prozent und auch im Juli wurde nochmal um 0.6 Prozent zum Vormonat zugelegt. Aber diese Zahlen stammen noch aus der Zeit vor den neuen Zollanhebungen.

Hinzu kommt noch der Faktor Beschäftigung: Die US-Arbeitslosigkeit befindet sich nach allgemeiner Lesart auf einem 50-Jahrestief, auch die Löhne sind um 3 Prozent, also deutlich über der Inflationsrate gestiegen. Ergo bezieht der Konsum aus der noch guten Beschäftigung (wenn man es so bezeichnen will, ein Leben mit mehreren Jobs) seine große Unterstützung.

Am heutigen Freitag kommen die neuen Arbeitslosenzahlen, die aus zweierlei Sicht bedeutsam sein werden: Zum einen geben Sie eventuell Hinweise auf die Höhe der möglichen Zinssenkungen der Fed am 18. September, einer eingepreisten Stütze für den Aktienmarkt, und zum anderen zeigen sie, ob es in der US-Konjunktur nicht schon Bremsspuren gibt, durch Entlassungen aus dem Industriesektor.

 

Fazit

Verbrauchervertrauen, Verbraucherausgaben und Arbeitsmarkt, alles in allem dürften das die großen Hinweisgeber auf die große Konsumorgie der Amerikaner sein, die doch so elementar von billigen Preisen und niedrigen Zinsen abhängt.

 

Die Wirtschaft der USA basiert auf einem gigantischen Konsum

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    tm

    6. September 2019 09:36 at 09:36

    Wobei natürlich auch Deutschland einen deutlich höheren Antiel am Welt-Konsum hat als an der Weltbevölkerung.
    Und der Anteil der Industrieproduktion am BIP (die ohnehin nicht direkt in die Berechnung einfliesst) ist hierzulande höher, allerdings ist hier eher Deutschland die Ausnahme.

    „wenn man es so bezeichnen will, ein Leben mit mehreren Jobs“

    Der Anteil der Beschäftigten mit mehr als einem Job liegt bei 5,2% aller Beschäftigten und damit heute deutlich niedriger als früher – wenn auch nun unter Trump ansteigend. In Deutschland haben 3,4 Mio. Menschen und damit 8% der Beschäftigten mehr als einen Job…

    Aber unabhängig davon gehe ich auch davon aus, dass (auch) den USA eine Rezession droht.

  2. Avatar

    Baissist

    6. September 2019 21:28 at 21:28

    Auffallend die Zinsstruktur der Amis. Während die Hypozinsen von knapp 5% im Vergleich zu Bonds noch irgendwie nachvollziehbar sind, sind die Hochrisiko High Yields Renditen nur leicht höher als Häuserkredite.Die stark wachsenden Schrottanleihen sind irgendwie viel zu teuer .Bei den Konsumkrediten
    ist mit 17 % immerhin eine Portion Risiko kalkuliert.Anfangs Jahr als diese Schrottis am Kollabieren waren hat Powell auch auf dieses Risiko hingewiesen.Ich glaube auch, dass die dovische Zinswende viel mit diesen Zombifirma-Anleihen zu tun hat.Seither haben sie sich wieder prächtig erholt.Ich denke auch, dass in der Tiefzinsphase sehr viele neue Autos auf Kredit gekauft wurden, der Wagenpark relativ neu ist, u.auch von dieser Sparte keine Konjunkturimpulse kommen.
    Fazit: Konsumkredite sind teuer weil ausfallgefährdet,
    -Der Automarkt ist gesättigt.
    -Schrottanleihen sind zu teuer u.die tickende Zeituhr wird blockiert.
    All diese Faktoren werden sich bei Abschwächung der Konjunktur noch verstärken.
    Powell hat eben heute gesagt, dass Zinssenkungen fast keine Wirkung mehr hätten.odr würden Konsumkredite von 16,5% statt 17% etwas bewirken.
    Jeder Löli weiss das, bin Gespanntheit wie lange der Aktienmarkt die Situation negieren kann.

  3. Avatar

    Baissist

    6. September 2019 21:34 at 21:34

    Korrigenda:ich bin gespannt STATT Gespanntheit.Baissist

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Aktienmärkte: Tech-Aktien wieder schwach – Zufall? Marktgeflüster (Video)

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Auch heute sind es wieder die relativ schwachen Tech-Aktien, die die amerikanischen Aktienmärkte belasten. Ist das Zufall? Oder vielmehr eine Folge der Ent-Hebelung, die nun am großen Verfallstag seine Fortsetzung findet? Die große Frage ist und bleibt: wieviel der Ent-Hebelung hat bereits stattgefunden? Die Optionen auf US-Aktien verfallen heute um 22Uhr – die Folgewirkungen des Verfalls könnten dann aber vor allem Anfang nächster Woche auf die Aktienmärkte wirken. So oder so: value-Aktien laufen gegenüber growth-Aktien so gut wie seit dem Jahr 2001 nicht mehr – die Rotation raus aus den Tech-Werten geht also weiter. Derzeit viel stärker – auch das wohl kein Zufall – ist im Vergleich zum Nasdaq der Dax..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

weiterlesen

Gold/Silber

Rüdiger Born: Positionieren kurz vor dem Wochenende? Und wohin mit Gold?

Rüdiger Born

Veröffentlicht

am

Soll man so kurz vor dem Wochenende noch neue Positionen aufbauen? Dazu will ich mich im folgenden Video äußern in Sachen Indizes, Gold und Silber. Wollen Sie meine täglichen Analysen im „Trade des Tages“ erhalten? Dieses Angebot ist für Sie völlig kostenfrei! Melden Sie sich dafür einfach hier an.

„Kaffeesatzleserei“, „Hokuspokus“, „alles Zufall“… viele Akteure an den Finanzmärkten haben eine völlig falsche Vorstellung von der Charttechnik und verzweifeln, sollte es gute technische Argumente für beide Richtungen geben. Das Problem: es wird nicht unterschieden zwischen Analysten, die eine Meinung vertreten und Händlern, die den Markt handeln. Wie ein Händler zu sinnvollen Entscheidungen kommt, zeigt der folgende Beitrag am Beispiel des Gold-Charts.

weiterlesen

Gold/Silber

Gold, Silber, Aktienmarkt, Dollar: Was die Aussagen der Fed bedeuten

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Am gestrigen Donnerstag gab es einige eher unerwartete Bewegungen auf dem Aktienmarkt, da die Federal Reserve versprach, die niedrigen Zinssätze in den kommenden Jahren beizubehalten: Infolgedessen stürzten sowohl Gold als auch Silber ab, während der Dollar stieg aufgrund des optimistischen Ausblicks der Fed auf eine weitere wirtschaftliche Erholung.

Insbesondere Gold kam unter Druck, die Preise fielen um etwa 1% – und das obwohl die US-Notenbank praktisch eine Nullzins-Garantie bis ins Jahr 2023 gegeben hatte. Einer der Gründe für den Fall des gelben Edelmetalls scheint die nach wie vor hohe Long-Positionierung in Gold zu sein, wie die COT-Daten zeigen.

Aber auch die Aktienmärkte gaben nach, der Dow Jones verlor mehr als 250 Punkte nach, andere Indizes wie der S&P 500, vor allem aber der Nasdaq 100 waren in ähnlicher Weise betroffen.

David Jones, chief market strategist bei capital.com, analysiert die Ausgangslage für den US-Dollar (anhand des Dollar-Index), für den Goldpreis, für Silber – aber auch für die US-Aktienmärkte. Er geht davon aus, dass die übergeordneten Trends in diesen Märkten weiter intakt sind – und definiert in diesem Video Einstiegsmarken für Käufe:

 

Gold kam nach der Sitzung der Fed unter Druck

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen