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USA: Der stetige Einfluss der Wall Street auf die Politik

Bisher ist es noch keiner Regierung in den USA gelungen, gegen die Interessen der Wall Street zu agieren. Das wird sich unter Biden nicht ändern!

Wolfgang Müller

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Bald ist Machtübergabe in den USA – und die Investoren versuchen die Ankündigungen der neuen Regierung in diverse Aktiengattungen einzupreisen. Aber ist der Einfluss der Regierenden wirklich so entscheidend für die Entwicklung der Finanzmärkte oder gibt es weitere, entscheidendere Einflussgrößen?

Bereits in einem früheren Artikel habe ich darauf hingewiesen, dass es für die Aktienmärkte gar nicht so bedeutsam ist, wer in den USA die Macht ausübt, ob Demokraten oder Republikaner. Das weitaus bedeutsamere für die Börsen ist der Einfluss des großen Geldes, welches durch die Wall Street verkörpert wird. Und natürlich, ob sich die USA in einem Kriegszustand befunden hatten (Nixon, Bush sen. und jun.).

Wer hat für die Steuerreform gesorgt, die für so viele Geschenke an die Unternehmen geführt hat? Die großen Unternehmen betreiben ein Sponsoring für die Wahlkämpfe wie es in unseren Breiten nicht möglich wäre. In den letzten Monaten stellt sich „Big Money“ auf neue Machtkonstellationen ein, die CEOs einiger Großfirmen senden eindeutige Signale an die Politik.

USA: Die Abwendung von Trump und den Republikanern

Nach und nach hat US-Präsident Trump die Unterstützung des Großkapitals verloren. Und die Ereignisse am und im Kapitol am letzten Mittwoch haben das Fass sogar zum Überlaufen gebracht. Selbst der einflussreiche Industrieverband (National Association of Manufacturers) hatte sich entsetzt zu den Vorfällen in der Hauptstadt geäußert und Vizepräsident Mike Pence aufgefordert, den 25. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten in Gang zu setzen, mit dem Ziel die Präsidentschaft von Donald Trump abrupt zu beenden.

Viele CEOs meldeten sich zu Wort, um gegen die Angriffe gegen die Demokratie zu protestieren. Ob Apple Chef Tim Cook, oder die Chefs der US-Banken, die so sehr von der republikanischen Steuerreform profitiert haben. Es wurde gefährlich für die republikanische Partei, sollten sie sich weiter nicht ausdrücklich von Donald Trump distanzieren. Es war aber schon eine Entwicklung der letzten Wochen, wie sich das Großkapital auf die neue Regierungssituation einstellt, selbst der Trump-treue Fernsehsender Fox News Chanel hatte sich von ihm abgewandt.

Wie der amerikanische Manager-Professor Jeffrey Sonnenfeld mitteilte, gebe es keinen einzigen CEO eines US-Großunternehmens, der noch Trump unterstütze. Selbst einer seiner großen Unterstützer, der Chef der größten Private-Equity-Firma Blackstone, Steve Schwarzman, hatte sich von ihm distanziert.

Für die republikanische Partei wird dies gefährlich, wenn sich die großen Geldgeber für die Wahlkämpfe, insbesondere auf der Ebene der Bundesstaaten, verabschieden. Bisher flossen reichlich Gelder von Großkonzernen an die Republikaner, wie in Texas an die großen Trumpanhänger, wie Senator Ted Cruz, wo sich selbst die Firma von Warren Buffett und der Rüstungskonzern Lockheed Martin engagiert hatten.

Die Performance der Aktienmärkte unter demokratischen und republikanischen Präsidenten

Der S&P 500 und die Machthaber der USA

Was wurde in vielen Amtsperioden seit dem Zweiten Weltkrieg in den USA nicht alles für Regierungsprogramme in die Welt gesetzt – und dennoch hatte sich der Aktienmarkt nicht so sehr davon beeinflussen lassen. Die großen Ausreißer nach unten gab es bei den Präsidenten Richard Nixon und George W. Bush. Hier sieht man, was die Wall Street als große Gefahr für die Märkte sieht: bewaffnete Konflikte  wie der Vietnamkrieg oder der 11. September („America under Attack“).

Fazit

Auch dieses Mal wird es vermutlich der Fall sein: Egal wie ambitioniert die Absichten der Demokraten unter Präsident Joe Biden sein werden, das System der Ungleichheit in den USA zu verändern, durch eine Verteilung von oben nach unten, wird extrem schwer zu bewerkstelligen sein. Höhere Besteuerung, Chancengleichheit, bezahlbare Bildungs- und Gesundheitssysteme – ist das so realiserbar?. Der Elan für die ersten 100 Tage in der neuen Regierung ist gleichwohl spürbar.

Aber was wurde in der Politik bisher immer aus den großen Wahlversprechen, wenn es um die praktische Umsetzung ging? Wenn die Lobbyisten die Regierungsstellen heimsuchen, die Firmen mit den großen Schecks für die Wahlkampfunterstützung wedeln? Wenn Großfirmem mit dem Abbau von Arbeitsplätzen drohen oder auch mit deren Verlagerung ins Ausland, dann werden Regierungen schwach – auch in Deutschland.

Haben wir es nicht vor 12 Jahren schon unter dem großen Hoffnungsträger Barrack Obama erlebt, der mit seinem „Yes we can!“ die Massen elektrisierte, aber schlussendlich nicht gegen die Strömungen des Großkapitals ankam? Und wer war acht Jahre lang sein Stellvertreter?

Bleibt zu hoffen, dass in der Politik der USA mit dem neuen Präsidenten wieder etwas mehr Verlässlichkeit und Vertragstreue einkehrt. Der Einfluss der Wall Street wird aber bleiben. Erste Einflussnahmen sind bereits erkennbar und in nicht einmal 22 Monaten (beziehungsweise schon deutlich früher) geht es bereits wieder um Wahlkampfunterstützung für die Midterm Elections und die Machtverteilung im US-Kongress. Bisher ist es noch keiner Regierung gelungen, gegen die Interessen der Wall Street zu agieren.

 

Die Wall Street und die Politik der USA

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Peter

    12. Januar 2021 08:04 at 08:04

    Die Biden Regierung wird sich auf China konzentrieren. Es würde mich nicht wundern, wenn es zu einem militärischen Schlagabtausch käme. Zumindest die sozialen Probleme in den USA scheinen einen solchen Schritt nahe zulegen. Sollte ein Schlagabtausch mit China als zu riskant eingeschätzt werden, ist Russland auch ein Kandidat.

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Markus Krall über das große Debakel als Resultat der Gelddruck-Orgie

Claudio Kummerfeld

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Dunkle Wolken über Frankfurt

Markus Krall erlebt man in letzter Zeit leider öfters vor allem bei Twitter mit zweifelhaften Äußerungen zu Corona-Themen. Aber dennoch wollen wir seine hochinteressanten Aussagen zur Geldpolitik und Wirtschaftsordnung präsentieren. Denn seine inhaltlichen Aussagen zu diesen Themen sind bestechend. Sicherlich kann man bei einigen seiner Aussagen anderer Meinung sein, dennoch erweitern seine Thesen den Horizont und regen zum Nachdenken an.

Der folgende gestern veröffentlichten Vortrag stammt zwar schon vom 24. Oktober 2020, dennoch ist er auch heute noch aktuell. Die wirtschaftlichen und geldpolitischen Folgen der Coronakrise werden besprochen. Dabei zeichnet Markus Krall ein düsteres Bild über eine bevorstehende massive Inflation und das Ende des Euro. Richtig los geht es ab Minute 12:40 im Video. Banken und Zombieunternehmen sind Klassiker-Themen in seinen Vorträgen, die auch dieses Mal zur Sprache kommen. Auf jeden Fall ist dies mal wieder ein spannender Vortrag von Markus Krall.

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Dirk Müller über das Börsenjahr 2021: „Mit Gas und Bremse durch den Markt“

Claudio Kummerfeld

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Bulle und Bär - Dirk Müller will mit Gas und Bremse durchs Jahr kommen

Dirk Müller hat in einem aktuellen Interview über das Börsenjahr 2021 gesprochen, aber auch über die Corona-Restriktionen und den Bitcoin. Beim Thema Corona ist er der Meinung, dass die Beschränkungen nach einer flächendeckenden Impfung und rückläufigen Infektionszahlen nicht verschwinden würden. In welcher Form genau es weitergehe, könne er auch nicht sagen, aber gewisse Arten von Einschränkungen im Alltag würden dauerhaft bestehen bleiben. Dirk Müller erwähnt in dem Zusammenhang die auch bei der Grippe ständigen Mutationen und jährlich neuen Impfungen, um sich dagegen zu schützen. Corona käme dauerhaft als neues Risiko hinzu.

Dirk Müller über das die Aktienmärkte in 2021

Immer weiter steigende Börsenkurse sind laut Dirk Müller auch im Börsenjahr 2021 möglich, auch dank der Notenbanken. Aber, so seine Worte, alle Welt glaube es gehe an der Börse jetzt nur noch nach oben. Man frage sich nur noch, wie kräftig die Kursgewinne im Jahr 2021 ausfallen werden. Aber ein großer Börsencrash sei jederzeit möglich. Was dafür exakt der Auslöser sei, könne man vorher nie sagen. Ein Problem für die Aktienmärkte sei aktuell das Ansteigen der Anleiherenditen in den USA (aktuell 1,09 Prozent). Diese würden laut Dirk Müller unabhängig von der Politik der Notenbanken anziehen, weil die Inflationserwartungen in den USA zunehmen. Es stehe für 2021 eine Sektorenrotation bevor. Das Anlegergeld verlasse die Tech-Aktien. US-Banken würden interessanter werden, aber auch Branchen wie der Flüssiggas-Sektor. Er gehe mit Gas und Bremse durch das kommende Börsenjahr. Man solle für weiter steigende Kurse offen sein, aber mit Absicherung.

Bitcoin

Und was ist mit dem Bitcoin? Wochenlang war der Kurs ja kräftig gestiegen, dann wieder deutlich gefallen (hier unsere aktuellste Berichterstattung). Dirk Müller bleibt bei seiner bisherigen Meinung. Der Bitcoin sei eine eindeutige Zockerei, dahinter stehe kein echter Wert. Er könnte kräftig verlieren, aber auch unendlich weiter steigen.

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EZB: Auf der Spur der wahren Gründe für das große Gelddrucken

Claudio Kummerfeld

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Die EZB-Zentrale in Frankfurt

Wir alle hören es seit Jahren und nehmen es zur Kenntnis. Offiziell betreibt die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik (Zinsen und Anleihekäufe), um die Inflation von der Null-Linie in Richtung 2 Prozent zu bekommen. Und Bürger und vor allem Unternehmen sollen durch die Banken in der derzeitigen Krise günstige Finanzierungsbedingungen erhalten. Daher flutet man alles und jeden mit Notenbank-Euros, und die Banken können dem braven Mittelständler noch günstigere Kredite anbieten? So kommt die Wirtschaft in Schwung, und letztlich auch die Inflation? So geht natürlich die offizielle Story. Und tatsächlich?

Viele Beobachter der EZB-Politik behaupten oder meinen erkannt zu haben, dass es Frau Lagarde und vorher Mario Draghi in Wirklichkeit darum ging, mit günstigen Finanzierungskonditionen und mit massiven Anleihekäufen die Südländer in der Eurozone am Leben zu erhalten. So wolle man die Eurozone als Konstrukt zusammenhalten. Auch wir bei FMW haben uns in den letzten Jahren diverse Mal zu diesem Thema geäußert. Nach der gestrigen PK von Christine Lagarde ist uns der Kommentar von Dr. Jörg Krämer aufgefallen, dem Chefvolkswirt der Commerzbank. Man kann ihn also ruhig als seriöse Quelle bezeichnen.

EZB hält Bedingungen für Südländer günstig

Er hat seinen Kommentar betitelt mit der Headline „Was Günstige Finanzierungsbedingungen wirklich bedeuten“. Er zielt auch auf die oberflächlichen Gründe der EZB ab, nämlich Kreditkunden in der Wirtschaft zu günstigen Konditionen zu verhelfen. Es sei interessant zu beobachten, wie stark Christine Lagarde das Konzept der „günstigen Finanzierungsbedingungen“ betont habe. Sie folge dabei einem „holistischen Ansatz“ und habe verschiedene Zinsen im Blick – etwa die für Kredite an Unternehmen oder private Haushalte. Tatsächlich aber (so Jörg Krämer) dürfte es der EZB aber vor allem darum gehen, die Renditeaufschläge der Anleihen der besonders hoch verschuldeten Staaten zu begrenzen. So lasse sich beobachten, dass die EZB im Rahmen ihres PEPP-Programms immer dann mehr Staatsanleihen kaufe, wenn die Risikoaufschläge steigen (siehe Grafik). Zitat Jörg Krämer:

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe ein EZB-Vertreter gesagt, dass die EZB sogar bestimmte Höchstwerte für die Risikoaufschläge einzelner Staatsanleihen bestimmt habe. Offenbar sieht es die EZB als ihre Aufgabe an, die Währungsunion zusammenzuhalten, solange die hoch verschuldeten Staaten nicht ihre Hausarbeiten machen und damit latent die Existenz der Währungsunion gefährden.

Endet diese Politik der EZB, wenn das Corona-Aufkaufprogramm PEPP Anfang 2022 endet? Nein, Jörg Krämer glaubt, dass das Aufkaufen auch danach weitergeht, optisch eben nur über ein andere Vehikel. Die EZB werde dann das „normale“ Kaufprogramm namens APP aufstocken, und zwar von 20 auf 30 bis 40 Milliarden Euro pro Monat. Begründen dürfte sie dies unter anderem mit einer merklich unter zwei Prozent liegenden Inflation. Und ja, so möchten wir von FMW anmerken: So läuft es schon seit Jahren. Die Inflation, die ist einfach zu niedrig, deswegen muss man Billionen an Euros drucken und immer weitere Teile der Anleihemärkte aufkaufen. In Wirklichkeit will man, so nehmen wir es auch an, nur weiterhin gewährleisten, dass Italien, Griechenland, Spanien und Co sich so günstig wie nur irgend möglich immer weiter verschulden können.

EZB kauft mehr Anleihen um Spreads zu senken

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