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USA: Die Ängste der Amerikaner vor dem Coronatest

Viele Menschen in den USa haben Angst vor einem Coronatest: Das amerikanische „Hire-and-Fire“-System schlägt in manchen Bundesstaaten unerbittlich zu

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Die Pandemie um Covid-19 hat viele Schwächen des Gesundheitssystems in den USA offengelegt, wie auch die Nachteile eines schwachen Sozialstaates während einer Krise. Trotz bester medizinischer Versorgung (für die zahlungskräftige Klientel) sowie führender Forschungseinrichtungen liegen die USA mit ihren Infektionszahlen sowie Infektionsopfern ganz vorne in den Statistiken der John-Hopkins-Universität. Etwa 20 Prozent der registrierten Fälle in beiden Kategorien bei einem Anteil der Weltbevölkerung von gut vier Prozent. Und es spricht Vieles dafür, dass die wahre Zahl noch deutlich höher liegt.

USA – Coronatests und dann?

Quarantäne wegen Covid-19, ein Schreckgespenst für viele Amerikaner.

Für uns Deutsche ist dies bestimmt auch keine angenehme Zeit, für manchen Bürger in den USA jedoch eine existenzielle Angelegenheit. Dies führt derzeit zu sehr makaberen Verhaltensweisen der Menschen.

Zum Beispiel bei der Kommunikation zwischen Eltern, dass sie ihre Kinder nicht wegen verräterischer Erkältungszeichen für die Schule krankschreiben sollen, sondern andere banale Erkrankungen als Begründung aufführen sollen. Denn bereits bei wenigen Kindern mit Covid-19 wird die ganze Schule geschlossen und für die berufstätigen Eltern beginnt ein weiteres Problem. Das amerikanische „Hire-and-Fire“-System schlägt in manchen Bundesstaaten unerbittlich zu, bereits zwei Wochen Quarantäne führen zur Entlassung mancher Arbeitnehmer. Arbeitslosenunterstützung ist rar und selbst in der unfreiwilligen häuslichen Isolation wird in manchen Branchen die Lohnzahlung eingestellt. Die Folge: Aus Angst vor einem positiven Coronatest wird der Test umgangen, im Frühjahr gab es zu wenig Testmöglichkeiten, jetzt werden sie aus den besagten Gründen umgangen.

Selbst an Universitäten wird aus ähnlichen Gründen das Testsystem boykottiert – was das für Folgen für eine Eindämmung der Infektionskrankheit haben muss, dürfte auch immunologischen Laien klar sein. Hinzu kommt der nachhaltige Schaden, den der US-Präsident bei seinen Anhängern hinterlassen hat: Das Maske-Tragen wurde von ihm lange Zeit verhöhnt, die Krankheit bagatellisiert. Alles sicherlich Gründe, warum die USA offiziell bereits über 11,5 Millionen Corona-Fälle registrieren und leider auch über 250.000 Corona-Opfer. Dies in der „Greatest Nation on Earth“. Aber das dürfte nur die Spitze des Eisbergs in Sachen Covid-19 sein.

Wie viele Corona-Infektionen hat(tte) man wirklich?

Aufgrund der eben dargelegten Nachrichten aus den USA muss davon ausgegangen werden, dass aktuell Tausende von Coronainfizierten durch das Melderaster fallen und dass viele jüngere Personen die Krankheit unregistriert mit wenig Symptomen auskurieren. Aber natürlich eine Zeitlang als mögliche Spreader fungieren. Die aktuellen Zahlen sind absolut rekordverdächtig: In der Spitze über 184.000 Registrierte pro Tag, in nur sechs Tagen eine Million neu infizierte Menschen.

Aber wie viele Ungemeldete waren es im letzten Winterausklang, als es überhaupt keine Testkapazitäten gab? Hatte man nicht im Frühjahr im Nachgang von Antikörpertests aus New York berichtet, dass in manchen Regionen des Staates New York 25 Prozent und mehr der Getesteten Antikörper auf Covid-19 aufwiesen? Als täglich Millionen mit der Metro in New York ohne Masken und ohne Kenntnis einer Gefahr zur Arbeit fuhren, Viele davon als Pflegepersonal in Krankenhäuser und in Altenheimen beschäftigt? Sprach nicht selbst der Leiter der Seuchenbehörde in den USA (Centers for Disease Control and Prevention -CDC) Robert Redfield, davon, dass die Infektionsraten in manchen Bundesstaaten mit einem zweistelligen Faktor angegeben werden müssten?

Gibt nicht die Zahl der Corona-Toten einen Hinweis auf die Zahl der möglichen Infektionszahlen in den USA? Zwischen 0,2 und 0,5 Prozent soll die Mortalitätsrate bei Covid-19 betragen, laut mehreren wissenschaftlichen Studien. Das ergäbe bei 252.000 Todesopfern (an oder infolge Corona) eine Spanne von 50 bis 125 Millionen Amerikaner? Klingt unglaublich aber bereits die untere Zahl wäre bereits ein großer Schritt in Richtung Herdenimmunisierung, auch ohne Impfstoff.

Fazit

Die Pandemie um Covid-19, egal wie harmlos oder lebensbedrohlich man sie einstufen mag, zeigt wie krank einige soziale Strukturen in den USA sind. Ob ein fehlender Versicherungsschutz in einem Gesundheitssystem, welches auf Gewinnmaximierung getrimmt ist oder die Abfederung einer unverschuldeten Phase der Erwerbstätigkeit – der neue Präsident wird es registriert haben. Ob er es in seiner Amtszeit mit den Mehrheitsverhältnissen im Kongress ändern kann, steht auf einem anderen Blatt. Er hat als Vize das Blockadesystem schon hautnah miterleben können.

Einen Vorteil könnte man aus der aktuellen Situation dennoch ableiten, auch wenn es in Teilbereichen eine grausame Erkenntnis ist. Die Durchseuchungsrate in den USA dürfte in der Hightech-Nation schon sehr viel weiter fortgeschritten sein, als zum Beispiel in Deutschland. Wir werden in den nächsten Stunden die offizielle Ein-Prozentgrenze bei den Infektionen erreichen (USA 3,5 Prozent) bei einer vermutlich erheblich niedrigeren Dunkelziffer als in Übersee. Das Virus ist in den USA damit prozentual erheblich schon weiter „ausgeschaltet“ als hierzulande, allerdings durch einen sehr hohen Preis, den man dafür entrichten musste.

Viele Menschen in den USA haben Angst vor einem Coronatest

 

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    franco33

    19. November 2020 01:19 at 01:19

    Schlussfolgerung für die Zukunft also:Wir gehen vom homo sapiens zum homo higienicus.
    Es gab gerade einen neuen Virusausbruch in Bolivien,allerdings mit einer hohen
    Ansteckungs/Todesrate.Im Frühjahr kommenden Jahres soll ja Covid 21 kommen,wesentlich
    gefährlicher.Impfen soll man sich ja unbedingt,aber bitte dann auch 3-4 mal im Jahr,denn
    wenn ein Virus nicht mehr mutieren kann,stirbt er.
    Also,keinerlei soziale Kontakte mehr (der Mensch ist ein soziales Wesen),bitte nur noch
    Home-Office und natürlich auch nicht mehr aus dem eigenen Bundesland reisen bitte !
    Wenn das die Zukunft / das Handeln von Virenbekämpfung sein soll,wird dies mit Sicherheit
    unsere Menschheit drastisch reduzieren.Die Meisten werden allerdings aus Existenznot und
    Angstpsychosen sterben.Aus Existenznot allerdings noch mehr die Menschen in der Dritten Welt.Unser Sozial/Krankensystem wird dann allerdings nicht mehr so sein wie heute.
    Mein Vorschlag: Lebe das hier und jetzt – lebe dein eigenes Leben,bitte mit Empathie !

  2. Avatar

    Stratege

    19. November 2020 09:34 at 09:34

    Sehr guter Artikel, könnte den Optimisten, die Corona börsenmässig schon abgehakt haben ,zu denken geben.Die Amis haben das teuerste Gesundheitssystem aber die Verteilung stimmt nicht. Viel Geld wird auch für Schönheits- OP ausgegeben bei den Privilegierten während Viele keine Minimalversorgung haben.
    Da gibt es Parallelen zu der Vermögensverteilung die ja gerade in die total falsche Richtung läuft.
    Wann wird die intelligente Börse, die doch immer die Zukunft vorausnimmt , die Folgen dieser Entwicklung wahrnehmen? Wenn es wirklich die Chinesen wären , die das Virus bewusst eingesetzt hätten ( Trump These ) dann hätten sie ihre Gegner wirklich an der verletzlichen Stelle getroffen.
    PS. Ich glaube auf FMW hat es vor einiger Zeit einen guten Bericht über die hohen,steigenden Krankenkassenkosten der USA gegeben. ( Zipfel oder Müller oder irgendein Knüller)

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Negativzinsen und Druckerpresse: Auswirkungen auf Menschen und Schrottunternehmen

Claudio Kummerfeld

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Negativzinsen helfen Schrottfirmen und schaden den Sparern

Die Druckerpressen von EZB, Federal Reserve und Co laufen auf Hochtouren. Und dank dem neuem US-Präsidenten Joe Biden (Vereidigung am 20. Januar) dürfte das Tempo an neu geschaffenem Geld und neuer Staatsverschuldung nochmal Fahrt aufnehmen. Auch die Eurozone steht dem mit der EZB in Nichts nach. Die Null- und Negativzinsen bleiben weiter dort wo sie sind, und das auf lange Zeit. Das haben die Notenbanker auf beiden Seiten des Atlantiks klar gemacht. Was passiert, wenn Negativzinsen und Druckerpresse auf Menschen und Schrottunternehmen treffen? Hier kurz und knapp zwei Beispiele.

Die Schrottunternehmen werden auch gerne als Zombieunternehmen bezeichnet. Dies sind Unternehmen, die zum Beispiel noch nicht mal genug Geld verdienen um ihre Zinslast auf Kredite bedienen zu können. Oder sie überleben nur noch dank Staatshilfen, aber nicht aus strukturell echten Einnahmen. Wer Schrott ist, muss am Kapitalmarkt für Schulden eine höhere Risikoprämie zahlen. Denn der potenzielle Käufer von Schrottanleihen will sich das höhere Risiko einer Nicht-Zurückzahlung der Anleihe natürlich honorieren lassen. Von daher notieren die Renditen von Junk Bonds (Anleihen begeben von Unternehmen mit zweifelhafter Bonität) immer deutlich höher als die von gut angesehenen Unternehmen.

Derzeit aber, wo die Notenbanken alles mit frisch gedrucktem Geld überschwemmen und wo die Negativzinsen alles runterdrücken, da profitieren auch die Zombieunternehmen von immer weiter fallenden Renditen für ihre Schulden. Wie der folgende zehn Jahre zurückreichende Chart zeigt, ist die durchschnittliche Rendite für Junk Bonds in den USA auf ein neues Rekordtief von 4,45 Prozent gesunken, mehr als zwei Prozentpunkte unter dem Zehnjahresdurchschnitt. Die Zombies freuen sich also über immer geringere Kosten für ihre Schulden.

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Der Spar-Michel zahlt die Zeche

Man erinnere sich noch zurück, als hier und da die aller erste Sparkasse oder Volksbank Negativzinsen für Kontoguthaben einführte. Was gab das für einen Aufschrei. Heute ist das Alltag. Und die Lawine rollt immer weiter. Die ganz frische Veröffentlichung des Portals Biallo zeigt, dass auch die Direktbanken immer stärker auf den Zug aufspringen. 240 Banken insgesamt kassieren mittlerweile Negativzinsen im Privatkundenbereich, bei Firmenkunden sind es 317 Geldhäuser. Beim sogenannten Verwahrentgelt gelten in der Regel bestimmte Freibeträge, die von 5.000 Euro bis zu Millionenbeträgen reichen. Elf Geldhäuser langen bereits ab dem ersten Euro zu. Die DKB folgt aktuell der ING und führt ab sofort einen Negativzins in Höhe von minus 0,5 Prozent ein – für Einlagen ab 100.000 Euro auf dem Tagesgeld- und Girokonto. Wie bei der ING sollen Bestandskunden erst mal nicht betroffen sein.

Damit dürfte die Negativzins-Welle, die derzeit auf Sparer zurollt, noch mal deutlich an Fahrt gewinnen. Denn laut jüngsten Recherchen von Biallo haben auch große Regionalbanken in Hamburg, München und Köln zuletzt einen Strafzins für private Einlagen eingeführt. Erst gar keine Negativzinsen, jetzt gibt es immer mehr, aber mit Freibeträgen. Da das Umfeld aus Null- und Negativzinsen noch jahrelang anhalten wird, und da die Banken margentechnisch unter immer größerem Druck stehen, darf man annehmen, dass diese Freibeträge in Zukunft stetig verringert werden, und dass auch immer öfter von Bestandskunden Negativzinsen kassiert werden, und nicht nur von Neukunden.

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US-Arbeitsmarktdaten im Detail: Extrem schwach! Der Amazon-Effekt in brutaler Klarheit

Claudio Kummerfeld

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USA Flagge und Adler

Die US-Arbeitsmarktdaten wurden um 14:30 Uhr veröffentlicht mit einem Zuwachs von 245.000 Stellen für November, was deutlich schlechter war als erwartet (Prognose 470.000). Bezüglich der Gesamtzahl von 245.000 neuen Stellen gab es einen Abbau von 99.000 Stellen beim Staat. Somit gibt es im November 344.000 neu geschaffene Stellen im Privatsektor. Im Verarbeitenden Gewerbe gab es insgesamt einen Zuwachs von nur 55.000 Stellen. Im Untersektor Bergbau lag die Veränderung bei +1.000. Auf dem Bau waren es +27.000 Stellen, und in der Industrie +27.000. Die folgende Grafik zeigt die gesamten Daten für das Verarbeitende Gewerbe im November.

Zum Vergrößern bitte die Grafiken anklicken.

Grafik zeigt US-Arbeitsmarktdaten für November im Detail

Verbleibt bei den neu geschaffenen Stellen im November noch ein Plus von 289.000 Stellen im US-Dienstleistungssektor. Ein sehr schwacher Wert nach +783.000 im Oktober. Der Einzelhandel baute 34.700 Stellen ab. Das ist dramatisch, wo der Sektor doch als einer der Jobmaschinen gilt. Elektronikgeschäfte bauten netto 11.300 Stellen ab, Sport- und Buchgeschäfte 12.100 Stellen, und Kaufhäuser sowie große Supercenter (Walmart etc) verloren netto 20.800 Stellen. Gleichzeitig explodieren die Neueinstellungen bei Amazon und Co (also vor allem Amazon). Alleine im November wurden netto 81.900 neue Kurierfahrer eingestellt, und 36.800 Mitarbeiter in Warenlagern.

Grafik zeigt Details zu Job-Änderungen im US-Einzelhandel

Der Sektor „Professional and Business Services“ konnte 60.000 Stellen hinzugewinnen (sehr schwach), wobei hier alleine fast 70.000 neue Jobs bei Zeitarbeit und Hilfsarbeit entstanden. Andere Teilsegmente in dem Bereich bauten also eher Stellen ab. Der Bereich „Pflege und Bildung“ ist mit nur +54.000 Stellen auch sehr schwach dabei. Wobei der Bereich Bildung 5.700 Stellen abgebaut hat. Die Pflege schuf 59.600 neue Stellen. Der mit Abstand größte Einzelposten, wenn es um das schnelle Schaffen neuer Jobs in den USA geht, ist in der Regel der Bereich „Freizeit und Bewirtung“, also Restaurants, Freizeitparks etc.  Hier ist die Schaffung neuer Stellen im November extrem schwach ausgefallen mit gerade mal +31.000. Innerhalb dieses Segments wurden bei Restaurants und Bars sogar 17.400 Stellen abgebaut. Die zweite Corona-Welle lässt grüßen.

Grafik zeigt Details zu verschiedenen US-Jobdaten

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Coronavirus: Herdenimmunität, ein Geduldsweg, vor allem in Deutschland

Wolfgang Müller

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Die Impfung gegen das Coronavirus nimmt immer mehr Gestalt an, nicht nur in China, in Russland, in der Türkei, ab Montag in Großbritannien, aber bald auch in Deutschland. Endlich die Plage loswerden, immun werden, so die berechtigte Hoffnung Vieler. Eines aber spricht gegen eine rasche Herdenimmunität, auch in Deutschland – die Bereitschaft zur Impfung.

Coronavirus: Aktuelle und künftig Immunisierte

Betrachtet man sich die aktuellen Infektionszahlen, so erkennt man große Unterschiede bei den offiziell registrierten Infizierten mit dem Coronavirus. In den USA ist bereits jeder 23. Bewohner positiv auf Covid-19 getestet worden, in Frankreich jeder 29., in Spanien jeder 27., in Belgien und Tschechien jeder 20. – und in Deutschland? Jeder 76. Einwohner, bei einer Dunkelziffer von vielleicht Faktor drei bis vier, nach Einschätzungen von Virologen. Bleiben also noch über 78 Millionen, die es geschafft haben, sich vor dem Coronavirus zu schützen. Aber was ist mit den USA, wo selbst der Leiter der nationalen Seuchenschutzbehörde von einer Dunkelziffer mit unglaublichem Faktor 10 sprach? Wenn dies zuträfe, hätten schon unglaublich viele Amerikaner die Sache bereits überstanden. Worüber das deutsche Gesundheitswesen eigentlich sehr stolz sein kann, bringt aus jetziger Sicht einen zusätzlichen Nachteil bei der Herdenimmunität.

Die derzeitige Abneigung der Bundesbürger gegen die Impfung

Auch wenn es bereits einen gewaltigen Aufbau für die über 400 Impfzentren in Deutschland gibt, von denen kürzlich die Rede war und die ab 15. Dezember funktionsfähig sein sollen, wird das Thema Massenimpfung eine große Aufgabe werden. Es leben bereits über 83 Millionen Menschen in diesem Lande und bis die so oft zitierte 60 Prozent-Rate erreicht ist, könnte es doch eine Zeit dauern. Zumal mit der Entwicklung der Impfstoffe die Zahl der Impfwilligen sogar abgenommen hat. Eine repräsentative Umfrage hat ergeben, dass derzeit nur 53 Prozent der Bundesbürger zu einer Impfung gegen das Coronavirus bereit sind.

Man bräuchte aber selbst bei einem 100-prozentigen Schutz 60 Prozent der Bevölkerung, die bei der Impfung mitmachen. Bei der bisher verkündeten Wirksamkeit von 95 Prozent sogar noch einige Prozent mehr.

Sicherlich gibt es viele Skeptiker, die sich berechtigt Sorgen um die Nebenwirkungen machen, die man derzeit bei der geringen Probandenzahl gewiss noch nicht ausschließen kann. Die Anzahl sollte aber abnehmen, wenn die Impfungen gut funktionieren. Ein paar Sonderfälle aber, in den Medien verbreitet, schon könnte die Bereitschaft abnehmen. Aber es gibt auch die radikalen Impfgegner, auch Gentechnikgegner, die bis zu einer Herdenimmunität immer noch eine Gefahr darstellen, als mögliche Spreader des Coronavirus.

Die Impfung ist ein gewaltiger Schritt – aber kein Wundermittel, welches in kurzer Zeit die Normalität versprechen kann. Man weiß heute noch nicht, wie lange ein Schutz wirksam sein wird und ob man als Geimpfter nicht doch noch als Virenspreader in Frage kommt. Es wird bei aller Freude über die Impfung noch einiges an Geduld brauchen, denn es werden bestimmt in kurzer Zeit Meldungen entstehen, die contra Impfung verwendet werden können. Zum Beispiel von Menschen, die plötzlich nach der Impfung schwer erkranken, weil sie vor der Impfung noch keine Symptome verspürt haben. Das allgemeine Gesundheitsrisiko bleibt, ebenso das „Fake News-Risiko“ in den sozialen Medien.

Die kommende natürliche Spaltung der Gesellschaft

Es ist sicherlich nicht an der Zeit, um sich allzu viel Gedanken über ein mögliches Zukunftsproblem im Zusammenhang mit der Bewältigung der Corona-Krise zu machen. Aber die Fragestellungen könnten schneller kommen, als man jetzt glaubt. Was passiert mit den Millionen, die es bald geben wird, die geimpft sind und immunisiert: sollen diese weiter Maske tragen und die vielen Sonderregeln beachten? Wird anfangs sicherlich aus Solidarität funktionieren, aber es werden ja täglich mehr. Gar nicht zu reden von den vielen Branchen, die von dem Zusammentreffen vieler Menschen profitieren, wie Tourismus, Kultur, Festveranstalter, diese werden sicherlich die Rückkehr zur Normalität fordern. Es werden sich Gruppen bilden, aber was passiert mit den Verweigerern einer Impfung?

Viele Fragen, nicht nur für den Ethikrat.

Fazit

Die letzten Monate haben gezeigt, wie lange es dauern würde, bis eine natürliche Herdenimmunisierung dem Coronavirus den Garaus machen könnte. Vor allem in Deutschland. Selbst bei 10.000 kontrollierten Fällen pro Tag (3,6 Mio/Jahr) wären es viele Jahre, bis man eine Herdenimmunität erreicht hätte. Ein Kollaps nicht nur für die Wirtschaft und viele Branchen, sondern auch eine unerträgliche Lage für die Menschen und dem Leben in ständiger Angst.

Es geht nicht um die Jugend – in Deutschland gibt es bereits über 21 Millionen Rentner und viele Risikogruppen unterhalb dieser Altersgruppe. Klar gibt es die berechtigten Bedenken über Nebenwirkungen, aber bei einer Impfquote von gut 50 Prozent würde man in Deutschland noch sehr lange mit SARS-CoV-2 leben müssen. Ohne wirksamen Impfstoff gegen das Coronavirus hätte aber gerade Deutschland ein längeres Problem. Es sollte sich eigentlich jeder über den medizinischen Fortschritt freuen, auf die Wirksamkeit der Impfung hoffen und sich auf eine baldige Rückkehr zu sozialen Gewohnheiten des Miteinanders innerlich einstellen. Es dürfte allerdings noch ein gerüttelt Maß an Geduld erfordern.

Über das Coronavirus und Herdenimmunität

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