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USA: Die Ängste der Amerikaner vor dem Coronatest

Viele Menschen in den USa haben Angst vor einem Coronatest: Das amerikanische „Hire-and-Fire“-System schlägt in manchen Bundesstaaten unerbittlich zu

Die Pandemie um Covid-19 hat viele Schwächen des Gesundheitssystems in den USA offengelegt, wie auch die Nachteile eines schwachen Sozialstaates während einer Krise. Trotz bester medizinischer Versorgung (für die zahlungskräftige Klientel) sowie führender Forschungseinrichtungen liegen die USA mit ihren Infektionszahlen sowie Infektionsopfern ganz vorne in den Statistiken der John-Hopkins-Universität. Etwa 20 Prozent der registrierten Fälle in beiden Kategorien bei einem Anteil der Weltbevölkerung von gut vier Prozent. Und es spricht Vieles dafür, dass die wahre Zahl noch deutlich höher liegt.

USA – Coronatests und dann?

Quarantäne wegen Covid-19, ein Schreckgespenst für viele Amerikaner.

Für uns Deutsche ist dies bestimmt auch keine angenehme Zeit, für manchen Bürger in den USA jedoch eine existenzielle Angelegenheit. Dies führt derzeit zu sehr makaberen Verhaltensweisen der Menschen.

Zum Beispiel bei der Kommunikation zwischen Eltern, dass sie ihre Kinder nicht wegen verräterischer Erkältungszeichen für die Schule krankschreiben sollen, sondern andere banale Erkrankungen als Begründung aufführen sollen. Denn bereits bei wenigen Kindern mit Covid-19 wird die ganze Schule geschlossen und für die berufstätigen Eltern beginnt ein weiteres Problem. Das amerikanische „Hire-and-Fire“-System schlägt in manchen Bundesstaaten unerbittlich zu, bereits zwei Wochen Quarantäne führen zur Entlassung mancher Arbeitnehmer. Arbeitslosenunterstützung ist rar und selbst in der unfreiwilligen häuslichen Isolation wird in manchen Branchen die Lohnzahlung eingestellt. Die Folge: Aus Angst vor einem positiven Coronatest wird der Test umgangen, im Frühjahr gab es zu wenig Testmöglichkeiten, jetzt werden sie aus den besagten Gründen umgangen.

Selbst an Universitäten wird aus ähnlichen Gründen das Testsystem boykottiert – was das für Folgen für eine Eindämmung der Infektionskrankheit haben muss, dürfte auch immunologischen Laien klar sein. Hinzu kommt der nachhaltige Schaden, den der US-Präsident bei seinen Anhängern hinterlassen hat: Das Maske-Tragen wurde von ihm lange Zeit verhöhnt, die Krankheit bagatellisiert. Alles sicherlich Gründe, warum die USA offiziell bereits über 11,5 Millionen Corona-Fälle registrieren und leider auch über 250.000 Corona-Opfer. Dies in der „Greatest Nation on Earth“. Aber das dürfte nur die Spitze des Eisbergs in Sachen Covid-19 sein.

Wie viele Corona-Infektionen hat(tte) man wirklich?

Aufgrund der eben dargelegten Nachrichten aus den USA muss davon ausgegangen werden, dass aktuell Tausende von Coronainfizierten durch das Melderaster fallen und dass viele jüngere Personen die Krankheit unregistriert mit wenig Symptomen auskurieren. Aber natürlich eine Zeitlang als mögliche Spreader fungieren. Die aktuellen Zahlen sind absolut rekordverdächtig: In der Spitze über 184.000 Registrierte pro Tag, in nur sechs Tagen eine Million neu infizierte Menschen.

Aber wie viele Ungemeldete waren es im letzten Winterausklang, als es überhaupt keine Testkapazitäten gab? Hatte man nicht im Frühjahr im Nachgang von Antikörpertests aus New York berichtet, dass in manchen Regionen des Staates New York 25 Prozent und mehr der Getesteten Antikörper auf Covid-19 aufwiesen? Als täglich Millionen mit der Metro in New York ohne Masken und ohne Kenntnis einer Gefahr zur Arbeit fuhren, Viele davon als Pflegepersonal in Krankenhäuser und in Altenheimen beschäftigt? Sprach nicht selbst der Leiter der Seuchenbehörde in den USA (Centers for Disease Control and Prevention -CDC) Robert Redfield, davon, dass die Infektionsraten in manchen Bundesstaaten mit einem zweistelligen Faktor angegeben werden müssten?

Gibt nicht die Zahl der Corona-Toten einen Hinweis auf die Zahl der möglichen Infektionszahlen in den USA? Zwischen 0,2 und 0,5 Prozent soll die Mortalitätsrate bei Covid-19 betragen, laut mehreren wissenschaftlichen Studien. Das ergäbe bei 252.000 Todesopfern (an oder infolge Corona) eine Spanne von 50 bis 125 Millionen Amerikaner? Klingt unglaublich aber bereits die untere Zahl wäre bereits ein großer Schritt in Richtung Herdenimmunisierung, auch ohne Impfstoff.

Fazit

Die Pandemie um Covid-19, egal wie harmlos oder lebensbedrohlich man sie einstufen mag, zeigt wie krank einige soziale Strukturen in den USA sind. Ob ein fehlender Versicherungsschutz in einem Gesundheitssystem, welches auf Gewinnmaximierung getrimmt ist oder die Abfederung einer unverschuldeten Phase der Erwerbstätigkeit – der neue Präsident wird es registriert haben. Ob er es in seiner Amtszeit mit den Mehrheitsverhältnissen im Kongress ändern kann, steht auf einem anderen Blatt. Er hat als Vize das Blockadesystem schon hautnah miterleben können.

Einen Vorteil könnte man aus der aktuellen Situation dennoch ableiten, auch wenn es in Teilbereichen eine grausame Erkenntnis ist. Die Durchseuchungsrate in den USA dürfte in der Hightech-Nation schon sehr viel weiter fortgeschritten sein, als zum Beispiel in Deutschland. Wir werden in den nächsten Stunden die offizielle Ein-Prozentgrenze bei den Infektionen erreichen (USA 3,5 Prozent) bei einer vermutlich erheblich niedrigeren Dunkelziffer als in Übersee. Das Virus ist in den USA damit prozentual erheblich schon weiter „ausgeschaltet“ als hierzulande, allerdings durch einen sehr hohen Preis, den man dafür entrichten musste.

Viele Menschen in den USA haben Angst vor einem Coronatest

 



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2 Kommentare

  1. Schlussfolgerung für die Zukunft also:Wir gehen vom homo sapiens zum homo higienicus.
    Es gab gerade einen neuen Virusausbruch in Bolivien,allerdings mit einer hohen
    Ansteckungs/Todesrate.Im Frühjahr kommenden Jahres soll ja Covid 21 kommen,wesentlich
    gefährlicher.Impfen soll man sich ja unbedingt,aber bitte dann auch 3-4 mal im Jahr,denn
    wenn ein Virus nicht mehr mutieren kann,stirbt er.
    Also,keinerlei soziale Kontakte mehr (der Mensch ist ein soziales Wesen),bitte nur noch
    Home-Office und natürlich auch nicht mehr aus dem eigenen Bundesland reisen bitte !
    Wenn das die Zukunft / das Handeln von Virenbekämpfung sein soll,wird dies mit Sicherheit
    unsere Menschheit drastisch reduzieren.Die Meisten werden allerdings aus Existenznot und
    Angstpsychosen sterben.Aus Existenznot allerdings noch mehr die Menschen in der Dritten Welt.Unser Sozial/Krankensystem wird dann allerdings nicht mehr so sein wie heute.
    Mein Vorschlag: Lebe das hier und jetzt – lebe dein eigenes Leben,bitte mit Empathie !

  2. Sehr guter Artikel, könnte den Optimisten, die Corona börsenmässig schon abgehakt haben ,zu denken geben.Die Amis haben das teuerste Gesundheitssystem aber die Verteilung stimmt nicht. Viel Geld wird auch für Schönheits- OP ausgegeben bei den Privilegierten während Viele keine Minimalversorgung haben.
    Da gibt es Parallelen zu der Vermögensverteilung die ja gerade in die total falsche Richtung läuft.
    Wann wird die intelligente Börse, die doch immer die Zukunft vorausnimmt , die Folgen dieser Entwicklung wahrnehmen? Wenn es wirklich die Chinesen wären , die das Virus bewusst eingesetzt hätten ( Trump These ) dann hätten sie ihre Gegner wirklich an der verletzlichen Stelle getroffen.
    PS. Ich glaube auf FMW hat es vor einiger Zeit einen guten Bericht über die hohen,steigenden Krankenkassenkosten der USA gegeben. ( Zipfel oder Müller oder irgendein Knüller)

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