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USA: Die Aufhebung des Öl-Exportverbots als Todes-Boomerang für die US-Ölindustrie

Von Claudio Kummerfeld

Die US-Öllobby tut derzeit alles dafür das in den USA bestehende Öl-Exporverbot aufheben zu lassen. Die Chancen dafür stehen recht gut. Firmen wie Continental Resources und Conoco Phillips sind die Antreiber dieses Verfahrens, das derzeit im US-Kongress verhandelt wird. Die US-Ölindustrie will endlich ihren Produktionsüberschuss auf dem Weltmarkt loswerden. Doch da gibt es verschiedene Interessen, Sichtweisen und Endresultate, die ganz anders ausfallen könnten als gedacht.

USA Kongressgebäude in Washington
Im US-Kongress wird derzeit um die Aufhebung des Öl-Exportverbots gerungen.
Foto: Kevin McCoy / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Demokraten und Republikaner

Die Demokraten im US-Kongress sind tendenziell eher gegen die Aufhebung des Exportverbots. Durch die geringere Ölmenge, die im Inland verbleiben würde, wären steigende Ölpreise die Folge, so deren Theorie. Diese Befürchtung ist auch durchaus nachvollziehbar. Die Republikaner als traditionelle Wirtschaftslobby werden von Ölkonzernen derzeit massiv angetrieben das Exportverbot endlich aufzuheben – sie möchten bis Weihnachten Präsident Obama das verabschiedete Gesetz vorlegen. Sie möchten ihren heimischen Konzernen helfen endlich uneingeschränkt Zugang zum Weltmarkt zu bekommen. Auch die steigenden Preise im Inland wären für die Konzerne hilfreich. Aber das ist gegenüber den Wählern (die an der Zapfsäule zahlen müssen) schlecht zu verkaufen.

Der global wichtige Ölpreis „Brent“ notiert seit geraumer Zeit ca. 5 Dollar über dem US-Ölpreis „WTI“. Dies ist begründet in dem Überangebot auf dem US-Markt, das durch das Exportverbot für in den USA gefördertes Öl besteht. Diese Produktionsmenge überschwemmt den US-Markt und drückt dort den Preis. Von der bisherigen Theorie her würde der US-Preis durch Exporte der US-Überschüsse steigen und sich dem Brent-Preis annähern.

Regierungsstudie im Sinne der Republikaner

Eine gestern von der US-Regierungsbehörde „Energy Information Administration“ (EIA) veröffentlichte Studie hilft der Argumentation der Republikaner. Dort wird dem Argument der Demokraten (steigende Benzinpreise für die Verbraucher in den USA) widersprochen. Durch die Möglichkeit weltweit zu exportieren, würden die US-Produzenten erst mal einen Teil ihrer Produktion ins Ausland verkaufen. Durch diese Exportchance würden sie ihre Produktionsmenge aber insgesamt deutlich ausweiten, so dass sie einerseits exportieren können, und dass andererseits die vorhandene Menge im Inland trotzdem auf hohem Niveau bleibt, und per Saldo die Ölpreise in den USA sogar fallen könnten. Eine Studie, die beide Seiten glücklich macht, Republikaner (Konzerne) und Demokraten (Verbraucher), phantastisch. Das EIA-Szenario ist in der Realität durchaus denkbar, denn die US-Produzenten verhalten sich jetzt schon irrational. Sie produzieren trotz monatelangem Abfall im Ölpreis weiterhin auf Rekordniveau, was den Ölpreis-Abwärtstrend der letzten Monate noch befeuert hat.

Langfristige Folgen für alle

Der EIA-Report spricht von der Möglichkeit, dass der Weltmarkt seine Produktion dann drosseln könnte, wenn die USA ihre erhöhen. Wir meinen das ist eine reichlich naive Annahme der EIA. Zitat:

„When U.S. crude oil export restrictions are removed, resulting in higher levels of U.S. crude oil production and a narrower Brent-WTI price spread, this report assumes a response from overseas producers that is limited to the effect of lower Brent crude prices resulting from the greater availability of U.S. crude on world markets. If foreign production were to decrease in response to an increase in competing U.S. crude oil supply, there would likely be a somewhat greater positive effect on domestic production, but a smaller reduction in domestic product prices, from lifting U.S. crude oil export restrictions.“

Produktionsmenge USA Öl Ölpreis
Die Öl-Produktionsmenge in den USA ist in den letzten Jahren bereits enorm gestiegen und drückt die Preise.

Sollte nach dem Aufheben des Exportverbots die gesamte Produktionsmenge in den USA wirklich steigen (wie gesagt, durchaus möglich), würden die Benzinpreise in den USA tatsächlich nicht weiter steigen. Die langfristigen Folgen für alle, egal ob Amerikaner oder den Rest der Welt, wäre ein noch größeres globales Überangebot an Öl als jetzt schon. Das würde bedeuten, dass der tiefe Ölpreis (35, 40, 45 Dollar?) zementiert werden würde. Die US-Produzenten würden noch mehr als jetzt schon über dauerhaft tiefe Ölpreise jammern, dabei aber nicht merken (wie schon jetzt), dass sie mit ihrer ständigen Produktionsausweitung die Hauptschuldigen hierfür sind.



Hier geht´s zur kompletten EIA-Studie.



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