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Europa

USA, EU, China, 10 Jahre nach der Finanzkrise – wird Europa zum kranken Mann der Weltwirtschaft? Ein paar Fakten

Der US-Präsident dürfte versuchen, die derzeitige Schwäche Europas auszunutzen bei künftigen Zollverhandlungen..

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Wenn man sich die Bedenken über die Aussichten der Weltwirtschaft genauer betrachtet, so fällt eines auf. Neben der großen Angst vor einem chinesischen Wachstumseinbruch ist es vor allem das anämische Wachstum auf dem alten Kontinent, welches Sorgen bereitet.

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Ein paar ökonomische Fakten

BIP-Wachstum 2008 – 2018:

USA +22% auf 20,4 Bio.$

China + ca. 100% auf 13,5 Bio.$

EU + 17% auf 15,9 Bio. Euro

Die Staatsverschuldung lag 2018 in der EU bei 16,5 Bio.$, in China bei 7 Billionen $ und in den USA bereits bei 21,7 Billionen $, wobei es dem Schuldenmeister USA mit dem Dollar als Weltleitwährung und der Notenbank im Rücken am leichtesten fallen dürfte an frisches Geld zu kommen. Interessant auch der Vergleich der Zahl der Konsumenten: USA 327 Millionen, EU 504 Millionen und China 1,4 Milliarden.

Der große Vorteil für die USA ist die „offizielle“ Arbeitslosenentwicklung. Seit 10 Jahren hat sich die Zahl der Beschäftigten um 11% erhöht, die Quote ist auf 3,8% gefallen und liegt niedriger als in China (4%) und deutlich niedriger als in der EU (6,9%). Soweit die Zahlen.

 

Einige Kernprobleme der EU-Zone

Ein Riesenproblem ist und bleibt die Inhomogenität der Eurozone.

Die griechische Wirtschaftsleistung liegt immer noch mehr als 20% unter dem Niveau von 2008 und auch das italienische Bruttoinlandsprodukt hat das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht.

Die Meinung des ehemaligen Chefvolkswirts des IWF, Thomas Mayer: „Die Südländer werden es einfach nicht schaffen, mit einer nicht von ihnen kontrollierten Währung zu leben. Die Stabilitätskultur des Nordens passe nicht zum Süden. Italien habe sich über Jahrzehnte daran gewöhnt, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit durch eine Abwertung seiner Lira auszugleichen“. Italien steckt bereits wieder in der Rezession. Es ist bereits die dritte seit Ausbruch der Finanzkrise.

Die OECD erwartet 2019 eine Schrumpfung des italienischen BIP um 0,2 Prozent. Ohne die Hilfe von Notenbankchef Draghi hätte Italien schon längere Zeit ein echtes Insolvenzproblem.

Aber selbst Deutschland hat als Europas Wachstumslokomotive mittlerweile ein Problem und das nicht nur durch die disruptive Entwicklung im Automobilbereich. Das Wachstum für ganz Europa für 2019 wurde von der EU-Kommission vor Kurzem auf optimistische 1,3% gesenkt.

Das vielleicht größte Problem könnte aber die Schwäche Europas im Technologiesektor sein. Ablesbar an der Größe und Anzahl amerikanischer und chinesischer Tech-Riesen. Einzig SAP spielt mit 138 Milliarden Euro eine bedeutende Rolle. Europas teuerste Firmen (Royal Dutch Shell, BP, Total, Unilever oder L’Oréal) sind ein Zeichen für alte Industrien.

Mit welcher Power die USA und China die so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) fördern, sieht man auch an der Zahl der Universitätsabsolventen: China 4,7 Millionen, USA 570000 und Deutschland 180000. Noch deutlicher ist die Forcierung dieser Länder bei den Patentanmeldungen. Laut Information des Handelsblatts hat China seine Patentanmeldungen seit 2009 fast verfünffacht, auf zuletzt 1,38 Millionen im Jahr 2017. Die USA kamen im selben Jahr auf 0,6 Mio., Europa nur auf bescheidene 0,17 Millionen.

 

Die Wirkung der gemeinsamen Währung

Bei der Einführung des Euro hatte man an eine Angleichung des Wohlstandes in der Eurozone geglaubt. Seit der Finanzkrise driftet Europa aber eher auseinander, Nord gegen Süd und jüngst sogar Ost gegen West und viele gegen Brüssel. Während die Nordländer gewisse Erfolge in puncto Wachstum, Haushaltsüberschüsse und Arbeitslosigkeit verbuchen können, hat der Süden kaum fiskalischen und steuerlichen Spielraum für den Fall einer kommenden Krise. Hinzu kommt, dass die Europäische Zentralbank nach sieben Jahren Finanz- und Euro-Krise nicht mehr viele Pfeile im Köcher hat.

Während die US-Notenbank Fed den Leitzins inzwischen wieder auf 2,5 Prozent angehoben hat, verharrt er in der Euro-Zone seit Jahren bei null und die EZB agiert am Rande ihrer Legitimität.

Die Bilanzsumme der Notenbank ist inzwischen auf 4,5 Billionen Euro angestiegen, fast 40 Prozent des BIP der Euro-Zone. In den USA beträgt die Bilanzsumme der Fed nur gut 20 Prozent der Wirtschaftsleistung.

EZB-Chef Mario Draghi sorgte stets für die Finanzierbarkeit der Schuldenlast vieler Staaten durch die permanente Begrenzung der Zinskosten. Damit hielt er die Union zusammen („Whatever it takes!“) und sorgte für einen Rest von Zusammenhaltsgefühl. Bei einer Rezession in Europa dürfte dies zu einer Mammutaufgabe ausarten.

Dies sind nur ein paar Beispiele, die Europas Problembereiche andeuten. Der alte Kontinent hat eigentlich keine Zeit sich mit dem Dauerthema Brexit zu beschäftigen. Der steigende Protektionismus bräuchte eine einheitliche europäische Wirtschaftspolitik, eine einheitliche wirtschaftliche Sprache, was derzeit nicht vorstellbar ist.

 

Mein Fazit

Diese ökonomischen Probleme Europas lassen sich nicht von heute auf morgen lösen und sind natürlich auch den Wirtschaftsberatern um Präsident Trump, allem voran Zoll-Oberguru Robert Lighthyzer, bekannt. Deshalb dürfte der Präsident versuchen, die derzeitige Schwäche Europas auszunutzen bei künftigen Zollverhandlungen, um einen Deal hinzubekommen. Damit er etwas vor seinen Wählern als Erfolg verkaufen kann, im Hinblick auf seine Strategie „America first“. Auch wenn es sich im Endeeffekt nicht um ein vorteilhaftes Geschäft handelt.

 

Von User:Highpriority – Own map, based on the Image:Europe_countries_map.png by User:San Jose, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=706435

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Verbraucherpreise Eurozone dritten Monat in Deflation, BIP besser als erwartet

Claudio Kummerfeld

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Soeben wurden als Vorabschätzung die Verbraucherpreise für die Eurozone für den Monat Oktober veröffentlicht. Im Jahresvergleich sinken sie um 0,3 Prozent nach -0,3 Prozent und -0,2 Prozent in den beiden vorigen Monaten. Also sehen wir den dritten Monat in Folge Deflation! Das Minus der Energiepreise wird wieder größer mit -8,4 Prozent im Jahresvergleich. Die Verbraucherpreise für Lebensmittel können von +1,8 Prozent auf +2,0 Prozent sogar zulegen, aber die Energie zieht den Schnitt weiter runter. Der Schnitt wird auch durch die deutsche Mehrwertsteuersenkung (wirksam seit Juli) negativ beeinflusst.

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Aktuell: BIP Deutschland besser – Lagarde hatte es „geleaked“

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Das BIP in Deutschland (1.Veröffentlichung 3.Quartal) ist zum Vorquartal mit +8,2% besser ausgefallen wie erwartet (Prognose war +7,3%).

Zum Vorjahresquartal (preis- und kalenderbereinigt) sank das deutsche BIP um –4,2% (Prognose war -5,2%).

Damit wie in Frankreich die Erwartungen übertroffen – Christine Lagarde hatte das gestern auf der EZB-PK bereits „geleaked“..

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Einzelhandelsumsätze in der Krise: Viele Gewinner, ein Verlierer

Claudio Kummerfeld

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Die Einzelhandelsumsätze haben in der Coronakrise nicht gelitten. Sie ziehen sogar deutlich an. Wenn man nachdenkt, kommt man schnell drauf. Die Menschen gehen deutlich seltener ins Restaurant, in Bars, auf Events etc. Folglich wird deutlich mehr zuhause gekocht. Folglich werden mehr Lebensmittel eingekauft als im Vorjahr. Diesen Effekt sieht man in den heute veröffentlichten Daten des Statistischen Bundesamts.

Im September lagen die gesamten Einzelhandelsumsätze gegenüber dem Vorjahresmonat 6,5 Prozent höher. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland, war der Umsatz im September 2020 kalender- und saisonbereinigt real 2,8 Prozent höher. Der Einzelhandel mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren setzte real 6,8 Prozent und nominal 9,6 Prozent mehr um als im September 2019. Dabei lag der Umsatz bei den Supermärkten, SB-Warenhäusern und Verbrauchermärkten real 7,0 Prozent über dem des Vorjahresmonats. Der Facheinzelhandel mit Lebensmitteln (wie zum Beispiel der Facheinzelhandel mit Obst und Gemüse, Fleisch, Backwaren oder Getränken) setzte im entsprechenden Vergleich real 4,9 Prozent mehr um.

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Auch die Einzelhandelsumsätze außerhalb der Lebensmittel profitiert. Aber mit einer Ausnahme. Möbel und sonstige Einrichtungsgegenstände laufen gut mit +11 Prozent, der gesamte Online-Versandhandel läuft blendend mit +21 Prozent. Aber der Bereich Bekleidung und Schuhe verliert 7,3 Prozent an Umsatz. Waren- und Kaufhäuser verlieren 9,9 Prozent an Umsatz. Die Kombination dieser beiden Zahlen zeigt ganz klar, dass Karstadt und Co die Verlierer der Krise sind. Wenn Klamotten, dann werden sie in dieser Krise eher online gekauft.

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