Der globale Handelskrieg von Trump nimmt immer klarere Konturen an. Er folgt dabei einem Muster, das vor allem einem Ziel dient: maximale Kontrolle über internationale Wirtschaftsströme – selbst auf Kosten der eigenen Verbündeten.
USA gegen die Welt: Der Handelskrieg von Trump
So auch jüngst wieder: Die EU bot den USA einen „Zero-for-Zero“-Deal an – gegenseitiger Verzicht auf Zölle für Industrieprodukte. Trump wies das als „very very bad“ zurück und verwies darauf, dass Europa kaum US-Autos kauft, „wie Japan“. Wer diese Reaktion nicht versteht, kennt Peter Navarro nicht.
Peter Navarro: Harvard-Abschluss, Abschottung im Kopf
Navarro war einer der wenigen Ökonomen, die Trump in seiner ersten Amtszeit wirklich beeinflussten – und das bis heute tun. Navarro hat einen Harvard-Abschluss, gilt aber unter Fachkollegen als ideologischer Außenseiter. Sein Weltbild ist simpel: Internationaler Handel ist kein Gewinn für beide Seiten, sondern ein Nullsummenspiel. Wenn ein Land exportiert, verliert das andere.
Klassische Ökonomie sieht das anders: Länder spezialisieren sich auf das, was sie gut können, und handeln miteinander – beide Seiten gewinnen. Das zeigt sich besonders im globalen Tech-Sektor: Ein Smartphone besteht aus Ideen aus Kalifornien, einem Chip, der in den USA entworfen wurde, mit Maschinen aus den Niederlanden in Taiwan produziert wird und in China mit allen anderen Komponenten montiert wird – und steht am Ende in New Yorker Geschäften. Jedes Land steuert sein spezifisches Element bei, und am Ende steht ein gutes Produkt zu einem bestmöglichen Preis.
Für Navarro ist das kein effizientes System, sondern Abhängigkeit. Und jede Abhängigkeit ist aus seiner Sicht eine Bedrohung. Deshalb will er die Lieferketten zurückholen – koste es, was es wolle. Seine Lösung: Zölle. Nicht als Druckmittel, sondern als Brechstange. Sein Ziel ist es, Produktion zurück in die USA zu zwingen. Und weil das mit Argumenten schwer zu rechtfertigen ist, hat sich Navarro sogar ein eigenes Alter Ego erfunden: „Ron Vara“ – ein fiktiver Wirtschaftsexperte, der ihn in seinen eigenen Büchern zitiert. Kein Scherz.
Die Fabrik-Jobs kommen nicht zurück
Das zentrale Problem: Die Jobs, die Navarro zurückholen will, gibt es so nicht mehr. Das zeigt nicht nur der technische Fortschritt, sondern auch die Realität der Industriearbeit heute. In einem Interview wurde Howard Lutnick, Handelsminister unter Trump, direkt damit konfrontiert:
LUTNICK: Die Armee von Millionen und Abermillionen von Menschen, die kleine Schrauben in iPhones drehen – das wird nach Amerika zurückkommen.
REPORTER: Wenn Ihre große Vision darin besteht, Ohio in eine Niedriglohn-iPhone-Schraubenfabrik zu verwandeln, dann wird es Zeit, Ihre Wirtschaftsideen zu aktualisieren.
Die Ironie liegt auch darin, dass Lutnick als CEO von Cantor Fitzgerald unter anderem Unternehmensanleihen in China an mittelständische Unternehmen vergeben hat, die „kleine Schrauben“ in Geräte verbaut haben, die in die USA verkauft wurden.
Der Schlagabtausch bringt es auf den Punkt: Navarro verkauft Nostalgie als Strategie. Doch die Welt hat sich verändert. Selbst wenn man Produktion zurückholt, wird sie automatisiert. Die Roboter machen den Job, nicht die Menschen. Lutnick hat dies selbst in einem Interview bestätigt. Selbst wenn also die Fabriken wieder in die USA zurückkommen: Amerikanische Arbeiter werden nicht beschäftigt – und können sich die Produkte aus den Fabriken nicht leisten.
Ein Blick auf die Zahlen entlarvt Navarros Grundannahme endgültig. Der Anteil von Industriearbeit in den USA sinkt nicht erst seit China der WTO beigetreten ist. Schon seit Mitte der 1950ern zeigt die Kurve steil nach unten. China, dessen Öffnungspolitik 1978 begann, und NAFTA markieren keine Brüche, sondern Beschleunigungen eines Trends, der längst im Gang war – getrieben von Automatisierung, Effizienz und Strukturwandel.
Deshalb ist auch das EU-Angebot zum Scheitern verurteilt. Es zielt auf ökonomische Rationalität – Trump und Navarro aber folgen einer politischen Logik. Sie sehen Handel nicht als Mittel zum Wohlstand, sondern als Kampf ums Überleben. Und in diesem Kampf ist jedes Entgegenkommen Schwäche.
Das Angebot der EU ist in den Augen von Trump ein Zeichen von Schwäche. Er akzeptiert aber keine schwachen Verhandlungsgegner. Um in den Augen von Trump akzeptiert zu werden, muss dieser eine starke Position einnehmen.
Handelskrieg und „Death by China“ prägt Trumps Agenda
Peter Navarro sieht in China den Ursprung fast aller wirtschaftlichen Probleme der USA. Seine Bücher – darunter Death by China – warnen vor einem „bösartigen Wirtschaftskrieg“, den China gegen den Westen führe. Für ihn ist China nicht nur ein ökonomischer Rivale, sondern eine existentielle Bedrohung.
Diese Fixierung hat politische Folgen: Jede Zusammenarbeit mit China wird als Verrat an den USA gewertet. Unternehmen, die in China produzieren, gelten als unsolidarisch. Auch deshalb sind für Navarro nicht nur Handelsdefizite ein Problem, sondern jede Form von Kooperation. Das erklärt seine kompromisslose Haltung gegenüber multilateralen Deals – und seine Unterstützung für den Handelskrieg.
De-Globalisierung als politisches Ziel
So erklärt sich, warum Trump selbst scheinbar gute Deals ablehnt: Weil er sie nicht will. Was Navarro vorschwebt, ist nicht bessere Globalisierung – sondern De-Globalisierung. Möglichst wenig Handel, möglichst viel Kontrolle, möglichst viel Produktion im Inland – und sei es durch Roboter, auf Kosten von Effizienz, Partnerschaften und Konsumenten.
Für Europa und für alle anderen Länder heißt das: Solange Navarro und seine Ideen in Trumps Umfeld dominieren, ist jedes Entgegenkommen vergeblich. Auch Chinas Entscheidung, US-Zölle zu spiegeln, folgt dieser Logik: Nicht als Versuch des Ausgleichs – sondern als Zeichen, dass man sich auf einen Systemkonflikt einstellt. Denn diese Politik basiert nicht auf ökonomischer Vernunft, sondern auf tiefem Misstrauen – und dem Glauben, dass nur der gewinnt, der dem anderen nichts gönnt. Es herrscht Handelskrieg..
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Ich erkenne mich in dieser Meinung wieder. Abhängigkeit ist etwas das mir nicht schmeckt. Auch wenn man es nie 100 % loskriegt. Es ist leider doch kompliziert aber ich denke diese Schritte sind notwendig. Es ging lange in die eine, zu lange und jetzt kommt es schnell, vielleicht zu schnell zum Wechsel. Nein Argument wäre: Ich habe die letzten Jahrzehnte nicht regiert und vieles gar nicht gemacht wenn ich es hätte. Gerade wer mit mit über Eu, Euro, Asyl Frauenpolitik etc. spricht, kennt da meine Antworten. Und gerade Europa wenn man schon davon spricht: Ob ich bei Gazprom hänge oder am Ami Gas oder an Saudi Arabien oder Katar ist egal. Es ist eben KEINE Unabhängigkeit und genau das Problem.
@Mani
komisch, dass sind dann immer ganau die, die dann gegen die Energiewende sind, obwohl genau das die Abhängigkeit veringert.Und offenbar hast du den Artikel nicht richtig gelesen: „Selbst wenn man Produktion zurückholt, wird sie automatisiert. Die Roboter machen den Job, nicht die Menschen. Lutnick hat dies selbst in einem Interview bestätigt. Selbst wenn also die Fabriken wieder in die USA zurückkommen: Amerikanische Arbeiter werden nicht beschäftigt – und können sich die Produkte aus den Fabriken nicht leisten.“
Aber was hat Frauenpolitik, Asyl oder Euro damit zu tun, dass Lieferketten verlagert werden?
Die Energiewende reduziert hier nichts weil wir Erdöl und Gas mit anderen Metallen zum Teil ersetzen. Europa wird immer zu großen Teilen abhängig bleiben und dann noch mehr weil wir zum öl und gas eben noch andete Metalle von anderswo brauchen. Das sind keine Themen.
Die Themen Asyl etc. habe ich in anderem Zusammenhang genannt und zwar: ich kann mich in dieser Meinung wieder erkennen.Trump ändert jetzt vieles in einem Schritt. Das wirkt für viele wie der helle Wahnsinn.
Genau das höre auch ich immer wenn ich sage, dass selbiges auch von Asyl über Frauen, Gender bis Euro etc. gemacht werden muss. Die Begründung für die Geschwindigkeit ist, dass dieser Weg von Anfang an verkehrt war. Man hätte mit dem nicht beginnen dürfen, dann müsste ich jetzt nicht so agieren.
@Mani
es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Menschen trauen etwas zu kommentieren wovon sie offensichtlich nicht den Hauch einer Ahnung haben. Was glaubst du ist intelligenter: einmal eine geringe Menge von Mineralien zu importieren und daraus für 10 bis 20 Jahre Strom zu produzieren oder Jahr für Jahr wesentlich mehr Öl zu kaufen? es wäre schön, wenn Du dich einfach mal informieren würdest
Theorie und Praxis. Die Politik in der Eu ist zum Teil zu abhängig als dass sie solche Entscheidungen wirklich durchziehen könnte. Da brauche ich mich nicht informieren. Es ist jeden Tag offensichtlich. Da kommen dann die Themen von Asyl bis Gender und Klima auch Pandemie Pfizer auf den Tisch.
Ausserdem würde die Eu Verträge ausverhandeln so wie bei Gazprom und dann wenn gegen die utopischen Moralvorstellungen der Eu verstoßen wird, laufen sie wie jetzt wie von Sinnen wo anders hin und zahlen das doppelte beim nächsten, dem die ganze Moral komplett egal ist und nimmt humane Sondervermögen auf. Es ist eine Show um zu verstecken, dass es auch nur ums Geld verdienen geht. EGAL WIE.
Also hören Sie auf klug zu spielen. Europa bräuchte die Rohstoffe auf EIGENEM GEBIET und da sind sie nicht und daher ist ALLES ANDERE EGAL.
Dass so einfache Dinge für angebliche Genies so schwer sind….
@Mani
„Ich brauch mich nicht zu informieren“. Wie entlarvend ein solcher Satz ist.
Ja. Klug spielen. Wären die Rohstoffe auf Eu Boden würde die Eu es sich selber verbieten sie zu nutzen wegen Umwelt und Klima. Informiere dich in Brüssel. Warum ist Europa das Unterhaltunsprogramm und Sozialamt für die ganze Welt? Wegen mir oder weil ich mich nicht bei Eu geprüften Seiten informiere? Gaaanz sicher.
@ Mani
Vollkommen souverän ist nur ein Land, dass autark ist und sich selbst militärisch verteidigen kann. Alle anderen sind in der Sprache unseres Foristen Helmut tatsächlich „Vasallen“. Nur mit unterschiedlich guten Stellungen bei Hofe sozusagen. Ein Land, dass diese Autarkie besitzt, gibt sie nach geschichtlicher Erfahrung nicht kampflos preis. In der heutigen Welt sehe ich Russland, China und die USA als autark an. Die Autarkie der USA beruht aber darauf, dass es freien Welthandel gibt und die USA den Weltpolizisten gibt (und in der Rolle haben sie sich natürlich die Hände schmutzig gemacht). Das gegenwärtige Problem besteht schlicht darin, dass China die USA herausfordert. Das wird von beiden Lagern in den USA so gesehen und die Frage ist nur, wie man darauf reagiert. Es spricht aber einiges dafür, dass besonders die Anführer der Demokraten ab Clinton korrupt oder dumm waren.
Richtig. Genauvdiese 3 Staaten Meine Rede seit Ewigkeiten und alle anderen Vasallen.
oder die usa haben sich entschieden auch militärisch gegen china vorzugehen. man kann keine seeblockade um china errichten ohne alle handelswege zu kappen und russland auf die eigene seite zu ziehen. so kann sich der westen schonmal darauf einstellen was in der zukunft geschehen könnte.
Seit 2020 ist der Westen tief gespalten. Die politischen Maßnahmen rund um Corona waren ein Weckruf. Unser Freiheitsbegriff ermöglicht den Streit und es ist insgesamt ein Vorteil, weil nur so die besten Lösungen gefunden werden können.
Um diese Freiheit zu erhalten, ist eine starke und autarke Realwirtschaft als Fundament für ein starkes Militär notwendig. Linke und Progressive haben dies bis vor kurzem in den Bereich der Fabeln verwiesen. Ihr Credo war, dass man Geld einfach drucken kann, oder bei den Reichen kassieren, und das man die Kriegsgefahr erst durch die Rüstung selbst in die Welt setzt.
Das hat sich zumindest im zweiten Punkt geändert. Jetzt müssen sie noch lernen, dass Erfolg in Wirtschaft und Militär vor allem auf rechten Werten beruhen.
Zum Außenhandel: natürlich ist das ein Vorteil. Aber es ist kein Vorteil, sich von einer kommunistischen Diktatur sein Wissen klauen zu lassen und die Arbeitsplätze des Mittelstandes dorthin zu verlagern. Es war vielmehr der Verrat der westlichen Eliten an ihren Völkern.
Es ist überfällig, dass zu ändern. Und wenn dabei ein paar Hedgefonds über die Klinge springen, dann waren die sehr schlecht geführt.
Im übrigen wundere ich mich über die Krokodilstränen – waren diese Leute in den Augen der Linken nicht bis vor Kurzem die bösen Heuschrecken?
@Doi Ennoson: Es geht nicht um die Produktion des Smartphones, das gerne für immer und alles herhalten muss, wenn in China ein Sack Reis umfällt. Es geht grundsätzlich darum, die USA wieder in einen industriellen Zustand zu versetzen, der geeignet ist, ein Großteil der Güter die eine wesentliche Ausgabe (Kosten) im Leben der Bevölkerung oder die Bedarfe ihrer der Industrie darstellen, auch wieder selbst herzustellen: Nahrung, Autos, Häuser, Maschinen, Schiffe, Traktoren und Ausrüstungen und Energie. Das war für Deutschland lange Konsens und ist es in Teilen
immer noch. Es ist Konsens auch in vielen anderen entwickelten Ländern, die zumeist durch Subventionen und Beschränkungen dafür sorgen dass dies in den Grenzen des Sinnvollen auch so bleibt. Warum das für die USA nicht gelten soll und kann, müssten sie mal erklären. Ob Art und Weise der hektischen Umsetzung über Zölle die beste Strategie ist, steht dabei auf einem anderen Blatt.
@Casablanca
Navarros Idee, konsequent zu Ende gedacht, impliziert, dass in den USA nichts produziert werden kann, wenn nicht alle Ausgangsstoffe dafür ebenfalls in den USA hergestellt oder gefördert werden. Es geht ihm nicht darum, eine bestimmte industrielle Struktur zu erhalten oder aufzubauen, sondern um eine vollständige Autonomie, die nicht realisierbar ist. Es lohnt sich, Navarros Werke zunächst einmal zu lesen. Kritikwürdig ist nicht die grundsätzliche Überlegung, sondern die Radikalität, mit der Navarro denkt. Vielleicht habe ich dies nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht.
Hinzu kommt, dass die Trump-Administration kein Programm zur Förderung der Reindustrialisierung vorgelegt hat. Stattdessen hat Trump die finanziellen Mittel aus dem Inflation Reduction Act gestrichen.