Allgemein

Islamabad wird zur Verhandlungsbühne USA-Iran-Gespräche: Pakistan im Zentrum der Diplomatie

Islamabad als Bühne für USA-Iran-Gespräche
Shehbaz Sharif und US-Präsident Donald Trump in Sharm El-Sheikh, Ägypten. Foto: Bloomberg

Pakistan rückt mit den US-Iran-Gesprächen ins Zentrum der Weltpolitik und bringt sich als Vermittler im Nahostkonflikt in Stellung. Nach einem von Islamabad vermittelten Waffenstillstand bereiten sich die USA und der Iran auf hochrangige Verhandlungen vor. US-Präsident Donald Trump entsendet dafür ein prominentes Team nach Islamabad. Die Gespräche könnten den weiteren Verlauf der angespannten Beziehungen im Nahen Osten maßgeblich beeinflussen.


Werbung

Pakistan im Zentrum der US-Iran-Gespräche

Straßen, die mit Schiffscontainern blockiert sind, bewaffnete Soldaten auf Patrouille und Luxushotels, die ihre Gäste diskret zum Verlassen auffordern: Die pakistanische Hauptstadt Islamabad hat sich in eine Sicherheitsfestung verwandelt, während sich die Behörden auf die hochrangigen Friedensgespräche zwischen den USA und dem Iran vorbereiten.

Wie Bloomberg berichtet, sendet US-Präsident Donald Trump Vizepräsident JD Vance sowie den Sondergesandten Steve Witkoff und seinen Schwiegersohn Jared Kushner in die Stadt. Sie sollen sich am Samstag mit iranischen Vertretern treffen, nachdem Trump Anfang der Woche ein von Pakistan vermitteltes Waffenstillstandsabkommen angekündigt hatte.


Werbung



Das atomar bewaffnete islamische Land übernimmt damit eine unerwartete Rolle als Vermittler im Nahostkonflikt. Pakistan profitiert von seinen guten Beziehungen zu nahezu allen zentralen Akteuren des seit sechs Wochen andauernden Konflikts – und verschafft seiner Hauptstadt damit einen seltenen Auftritt auf der globalen Bühne.

Beziehungen zwischen USA und Pakistan im Wandel

Die Beziehungen zwischen Pakistan und den USA waren lange angespannt. Einen Tiefpunkt erreichten sie 2011, als ein US-Spezialeinsatz Al-Qaida-Chef Osama bin Laden in einem Anwesen nur rund 120 Kilometer nördlich von Islamabad tötete. In den vergangenen Jahren haben sich die Kontakte jedoch wieder verbessert – unter anderem durch Kooperationen im Bereich der Terrorismusbekämpfung sowie durch eine persönliche Annäherung zwischen Trump und Pakistans Armeechef Asim Munir.

Gleichzeitig pflegt Pakistan enge Beziehungen zu seinem Nachbarn Iran sowie zu China und mehreren Golfstaaten. Eine Ausnahme bildet Israel, das von Islamabad nicht offiziell anerkannt wird und daher nicht an den Gesprächen teilnimmt.

Die anstehenden Verhandlungen markieren den ersten Besuch eines hochrangigen US-Vertreters in Islamabad seit Jahren. Der ehemalige Außenminister Mike Pompeo war 2018 zuletzt in der Stadt, während Joe Biden sie 2011 als Vizepräsident im Kontext des Afghanistan-Kriegs besuchte.

Sicherheitsvorkehrungen und angespannte Lage

In ganz Islamabad sind die intensiven Vorbereitungen auf die Gespräche unübersehbar. Entlang der Srinagar Highway, die das Stadtzentrum durchzieht, haben Arbeiter pakistanische Flaggen mit grünem Halbmond gehisst. Viele Geschäfte bleiben geschlossen, nachdem die Stadtverwaltung kurzfristig einen zweitägigen Feiertag für Donnerstag und Freitag ausgerufen hat.

Das Serena Hotel, ein weitläufiges Luxushotel und bevorzugte Unterkunft internationaler Cricket-Teams, wurde bereits am Donnerstag abgeriegelt, um die Ankunft der Delegationen vorzubereiten. Das Hotel ist von Freitag bis Sonntag vollständig ausgebucht, andere Gäste dürfen in diesem Zeitraum nicht eintreten. Ähnliche Sicherheitsmaßnahmen gelten für das nahegelegene Marriott-Hotel am nordöstlichen Stadtrand.

Sicherheit hat für die Behörden oberste Priorität. Hochklassige Hotels im Land waren in der Vergangenheit häufig Ziel militanter Angriffe. Besonders in Erinnerung bleibt der Anschlag auf das Marriott in Islamabad im Jahr 2008, bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kamen. Diese Gewaltphase wurde erst ein Jahrzehnt später durch eine militärische Offensive beendet.

Erst im Februar wurde die Bevölkerung Islamabads durch einen Selbstmordanschlag in einer großen Moschee erschüttert, bei dem Dutzende Menschen starben und eine längere Phase relativer Ruhe abrupt endete.

Pakistan sieht sich zudem weiterhin mit innerstaatlichen Konflikten konfrontiert. Sicherheitskräfte bekämpfen Aufstände im Nordosten und Südwesten des Landes, während gleichzeitig ein Waffenstillstand nach jüngsten Spannungen mit Afghanistan gilt.

Historische Rolle als Vermittler

Pakistan hat bereits mehrfach eine Rolle als Vermittler in geopolitisch bedeutenden Momenten gespielt. Im Juli 1971 nutzte der damalige US-Präsident Richard Nixon gemeinsam mit seinem Sicherheitsberater Henry Kissinger einen Besuch in Pakistan als Deckmantel für geheime Annäherungsgespräche mit China. Kissinger täuschte dabei eine Krankheit vor, um unbemerkt nach Peking zu reisen.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde Islamabad erneut zum Zentrum internationaler Aufmerksamkeit. Zahlreiche Journalisten aus aller Welt reisten in die Stadt, um die US-Vorbereitungen für den Krieg in Afghanistan zu verfolgen. Hotels wie das Marriott und das Holiday Inn waren überfüllt, Fernsehsender richteten ihre Live-Übertragungen von den Hoteldächern aus.

Nun, da erneut ein Nachbarstaat ins Visier der US-Politik gerät, steht Islamabad abermals im Fokus der Weltöffentlichkeit.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage

Die mobile Version verlassen
Place this code at the end of your tag:
Place this code at the end of your tag:
Capital.com CFD Handels App
Kostenfrei
Jetzt handeln Jetzt handeln

76% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld.