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USA: Ohne weiteren Stimulus Ende der Konsum-Orgie ?

USA - Ende der Konsum-Orgie

Neben der großen Zeitenwende in der Geldpolitik der US-Notenbank – Stichwort: Monetärer Klimawandel – gibt es in den USA ein Dauerthema für Regierung und Notenbank: Wie hält man den Konsumenten bei Laune, der für 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Vereinigten Staaten steht?

Den Konsum in den USA aufrechtzuerhalten ist stets Top Priority für die Entscheidungsträger, erkennbar an der schnellen Reaktion der Politik zu Beginn der Pandemie im März 2020. Ein Konjunkturpaket jagte das Nächste, ein Helikopterscheck folgte auf den anderen, koste es, was es wolle. Die Folgen sind unübersehbar, die wundersamen Drogen werden abgesetzt und jetzt gibt es Zeichen dafür, dass sich die Konjunktur abkühlt. Eine Zwickmühle zeichnet sich ab, insbesondere für die Fed, die die Zinsen inflationsbedingt anheben muss und damit auch die Finanzierungsbedingungen für die vielen Privatkredite. „Wer zu spät kommt, den bestraft die Konjunktur“, die Märkte fürchten einen Policy Error, also den Fall, dass die Notenbank in eine sich abschwächende Konjunktur zu aggressiv bremst.

USA: Stimulusschecks, Einzelhandelsumsätze und persönliche Einkommen

In dieser Grafik, die Wall Street-Reporter Markus Koch am gestrigen Handelstag präsentiert hat, sieht man die große Wirkung der Stimulusschecks während der Corona-Krise. Bei jeder Ausstellung bei an die Berechtigten schossen die Einzelhandelsumsätze in die Höhe. Auch wurde Vieles gespart auf für die USA sensationelle 19 Prozent. Diese Stimuli sind aufgebraucht, die Sparrate ist bereits in den einstelligen Bereich abgesackt. Jetzt hat sich eine große Schere geöffnet.

USA Sparvolumen

Bereits seit einigen Wochen machen sich Zeichen der Abschwächung beim Konsumenten bemerkbar. Die Daten beim Verbrauchervertrauen in den USA, speziell bei der Erhebung der Uni Michigan, sind bereits in Rezessionstiefen gefallen, die US-Einzelhandelsumsätze zuletzt nur noch mit 0,3 Prozent gestiegen. JP Morgan berichtete von schlechten Umsätzen nach Thanksgiving, viele Käufe wurden vorgezogen, die hohen Preise dämpfen die Konsumlaune.

Hinzu kommen Abstufungen des Wachstums für die US-Konjunktur durch Goldman Sachs auf zwei bis drei Prozent in den nächsten Quartalen, jetzt zog auch noch Moody‘s nach. Omikron verhagelt die Stimmung, in vielen Ländern werden schon partielle Lockdowns verhängt. Jetzt wird die US-Notenbank die aktive Absenkung der Kapitalmarktzinsen auslaufen lassen, neue Stimulusschecks stehen nicht zur Debatte.

Die Einzelhandelsumsätze, Treiber für die US-Konjunktur

Warum hatten die USA das Corona-Jahr trotz der gigantischen Beeinträchtigungen der Wirtschaft durch die Vollbremsung in vielen Volkswirtschaften der Welt mit einer Rezession von „nur“ 3,5 Prozent überstanden? Wie erwähnt, es waren die Billionen Dollar, die staatlicherseits den Konsumenten über ein teilweise fürstliches Arbeitslosengeld zuteil wurden und die erwähnten Schecks, die in Konsum und damit den Einzelhandelsumsätzen umgesetzt wurden. Sehr schön erkennbar, in den von Advisor Perspectives dargestellten vier Faktoren für die US-Wirtschaft seit dem Tiefpunkt der Corona-Krise.

USA vier Indikatoren

Die „Real Sales“ waren der große Treiber, das „Real Income“ blieb deutlich zurück. Jetzt sind die Preise für nahezu alle Ausgaben des täglichen Lebens gestiegen, das Lohnniveau in den USA kann bisher mit der Teuerung nicht mithalten.

Fazit

Aus den gezeigten Übersichten geht zweifelsohne hervor, wie komplex die Lage in den USA für das neue Jahr geworden ist. Die hohen Inflationsraten können von der Federal Reserve nicht ignoriert werden, auch nicht von der Politik. Hierüber wird heute in einem Artikel über die hohen Spritpreise in den USA sinniert, ein für Jedermann ersichtliches Inflationsbarometer, welches für US-Präsident Biden zur Unzeit kommt. Es sieht derzeit nicht gut aus für die Aussichten bei den Midterm Elections.

Andererseits darf man den Konsum mit einer restriktiven Geldpolitik nicht abwürgen – vom 50 Billionen Dollar schweren Aktienmarkt erst gar nicht zu reden.

2022 wird ein Jahr der Normalisierung hieß es noch vor wenigen Wochen: Normalisierung der Geldpolitik, Normalisierung der Inflation, Normalisierung der Wachstumsraten, Normalisierung der Verhältnisse an der Börse im Verhältnis Growth zu Value – spätestens hier wird man vermuten können, dass 2022 kein normales Wirtschafts- und Börsenjahr bevorsteht.



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