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USA: Reindustrialisierung? Jobwunder? Die große Lüge entlarvt!

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am

Von Claudio Kummerfeld

Reihenweise werden derzeit neue Fabriken gebaut, Amerika schafft wieder Industriearbeitsplätze. Das Wort „Reindustrialisierung“ der USA macht die Runde. Wohin man guckt, geht es aufwärts? Nein. Wenn selbst die geschönten Zahlen der US-Bürokratie das Gegenteil beweisen, handelt es sich hierbei um eine große Lüge…

Reindustrialisierung Boeing neue Fabrik in den Südstaaten
Foto: Jeff McNeill /Altair78 / Wikipedia (CC BY-SA 2.0)

Boeing hat 2011 eine Produktionslinie im strukturschwachen South Carolina für den Dreamliner eröffnet. Die Hauptfabrik für z.B. die 747-8 steht weiterhin in Seattle. Bei der neuen Produktion in South Carolina handelt es sich nicht um eine zusätzliche Fabrik, sondern um die Verlagerung von Arbeitsplätzen weg aus dem Nordwesten der USA in den Süden, um die Gewerkschaften in Norden unter Druck zu setzen mit den Südstaaten-Arbeitern, die schlechter bezahlt und idR nicht gewerkschaftlich organisiert sind.

Statistik-Märchen

Das US „Bureau of Labor Statistics“ (BLS), eine Art Mischung aus Arbeitsagentur und Statistikbehörde, veröffentlicht umfassendes Datenmaterial über historische, aktuelle und für die Zukunft prognostizierte Daten zum US-Arbeitsmarkt. Die US-Bürokratie tut alles um ihre Zahlen zu frisieren, so dass man derzeit eine quasi-Vollbeschäftigung mit nur 5,3% Arbeitslosen in den USA präsentieren kann. Wir haben uns gesagt: Wenn bei den massiven Verzerrungen und Manipulationen am Ende immer noch Zahlen rauskommen, die dem Märchen der Reindustrialisierung in den USA entgegenstehen, dann kann man sie ernst nehmen!

Reindustrialisierung in den USA

Überall hört man es derzeit, gestern auch wieder auf Spiegel Online. Dank der günstigen Energiepreise in den USA (stimmt ja auch) würden so viele neue Industriebetriebe entstehen, dass eine richtige Reindustrialisierung in den USA stattfindet, also die Wiederkehr großflächiger Industrieproduktion, so wie es in den 50ern, 60ern und 70ern noch war. Es gibt z.B. neue Autofabriken in den Südstaaten – diese wurden aber vorher in den Nordstaaten dicht gemacht, weil die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter dort zu hohe Gehälter und Sozialleistungen durchgesetzt hatten. Die neuen Arbeiter im Süden haben all das nicht. Auch gibt es eine von der Obama-Regierung subventionierte grüne Industrie, ähnlich wie bei uns vor Jahren die aufgepäppelte Solar- und Windindustrie. Aber per Saldo verschwindet deutlich mehr Industrie, als neue dazukommt.

Rückblick und Ausblick zerstört die Illusion

Ein genauer Blick auf diese Statistik zerstört die Illusion von der Reindustrialisierung der USA. Das „BLS“ zeigt hier (oberer roter Kasten) eine Rückschau auf die Veränderung bei den Industriearbeitsplätzen in den USA von 2002-2012. In diesem Zeitraum gingen 3,3 Millionen Industriearbeitsplätze verloren (21,5%). Gerade seit dem Beginn des Fracking-Booms (Öl und Gas) seit 2010 hätte eigentlich eine spürbare Wende eintreten müssen.

Von 15,2 in 2002 ist man bis 2012 auf 11,3 Millionen Arbeitsplätze in der Industrie geschrumpft. Für den Zeitraum von 2012 bis 2022 prognostiziert das BLS einen weiteren jährlichen Rückgang von 0,5% – insg. wären es bis 2022 noch mal 550.000 Industriearbeitsplätze weniger – also nichts mit großer Reindustrialisierung!

Reindustrialisierung USA
Grafik: US Bureau of Labor Statistics

Wo werden neue Jobs geschaffen?

Dies kann man weiter unten in der Statistik sehen (großer roter Kasten). Mehrere Servicebereiche schaffen neu Jobs in den USA und können von der Anzahl der Arbeitsplätze her (!) den Rückgang in der Industrie auffangen – diese „tollen neuen Jobs“ sind schlechter bezahlt, versteht sich. Kräftig zulegen sollen die Dienstleistungsbereiche Bildung und Gesundheit.

Kenner der US-Wirtschaft spotten schon seit Jahren mit den Worten „Manufacturing´s Loss is Bartender´s Gain“, was sinngemäß bedeutet „was die Industrieproduktion an Arbeitsplätzen verliert, wird bei den Barkeepern neu geschaffen“. Damit beschreibt man den finanziellen Abstieg vieler ehemaligen Industriearbeiter, die zwar neue Jobs in der Dienstleistung finden, aber eben deutlich schlechter bezahlt. Und in der Tat entstehen viele dieser neuen Jobs z.B. im Bereich „Freizeit & Bewirtung“, bis 2022 sollen 1,3 Millionen neue Arbeitsplätze hinzukommen.

Dazu die Anmerkung: An der Arbeit als Barkeeper oder Kellner ist natürlich nichts auszusetzen. Nur kann eine Volkswirtschaft von 320 Mio Menschen wie die USA oder wie Deutschland mit 80 Mio Menschen sich selbst tragen, wenn die Masse der Menschen in relativ schlecht bezahlten Dienstleistungsjobs arbeiten? Wohin das führt, sieht man in strukturschwachen Ländern (Mittelmeerregion), wo keine Industriebasis vorhanden ist, die als gesundes Fundament für die Volkswirtschaft dienen kann.



Bereits im Mai hatten wir uns mit der historischen Betrachtung der Entwicklung der Industrieproduktion in den USA beschäftigt. Den Artikel finden Sie hier.

13 Kommentare

13 Comments

  1. Chris

    27. August 2015 15:39 at 15:39

    Herr Kummerfeld.Sie sind ein arroganter, ekelhafter,betriebsratsverseuchter Nihilist der alternativlosen,momentanen Topkonjunktur!Es brummt überall,ich habe schon massiven Tinnitus&sie ergehen sich in Untergangsphantasien!Haben Sie bis hier durchgehalten,freuen Sie sich.Ab jetzt kommen Sie um einiges besser weg!Ich bin(Privatier wg.Erbschaft)war früher knapp 40Jahre im kontinuierlichen Früh(Spät/Nachtdienst bei einem Energieversorger tätig&äusserst aktiver,von der Geschäftsleitung sehr gehasster Betriebsrat.Noch heute,bis zu meinem Lebensende,zahle ich meinen Beitrag!Ich bin ein Mensch,welcher nie im Leben ein Parteibuch besessen hat&wird.IM Erika&ihre neoliberalen Nigger(äh Nicker bzw.Farbige)a la Pofalla oder Kauder tun einem intelligenten Menschen,zu dem ich mich selbstherrlich erkläre, einfach nur weh!Die,früher natürliche Vertretung der Arbeitnehmer,hat sich leider unter Schröder&Siechmar zum blinddarmartigen Wurmfortsatz der Rautenpartei entwickelt!Ich hoffe für meine 2 Kinder,dass Leute wie Sie Kommentare dieser Art schreiben um sie vom Mehltau der „Alternativlosen“alternativlos unabhängig zu machen!

  2. tm

    27. August 2015 16:50 at 16:50

    Wieso verwenden Sie Schätzungen von Dezember 2013, wenn doch aktuelle Zahlen vorliegen? Seit dem Tief im Februar 2010 sind bis Juli 2015 897 Tsd. Jobs direkt im verarbeitenden Gewerbe entstanden, im gesamten produzierenden Gewerbe 1,942 Mio. zusätzliche Jobs. Die Daten finden sich auf der gleichen Homepage, die Sie oben zitieren.

    • Chris

      27. August 2015 17:25 at 17:25

      Sie reden von Jobs.Genau das meinte ich.Jobs,nicht menschenwürdig bezahlte Arbeitsplätze!Zu meinen Zeiten gab es das Wort Aufstocker noch nicht.Sei es wie es ist,oder wie Typen wie Sie es interpretieren.Ich bin unangreifbar,weil raus aus dem menschenverachttenden System,welches Sie ,warum auch immer verteidigen!

  3. admin

    27. August 2015 17:24 at 17:24

    Hallo tm. Diese Rückschau des BLS galt für 10 Jahre, und die Vorschau auch für 10 Jahre. Es handelt sich hierbei also um langfristige Betrachtungsweisen. Sie haben recht, dass neue Jobs geschaffen wurden. Bedenken Sie aber bitte auch, dass diese seit gut 6 Monaten in großem Tempo gerade in der Fracking-Industrie und bei großen Ölkonzernen wieder abgebaut werden.

  4. tm

    27. August 2015 17:56 at 17:56

    @Chris Ich spreche von Jobs, weil das der übliche Sprachgebrauch ist.

    @admin Die Schätzungen des BLS von 2013 beruhen auf Daten bis 2012 und schreiben mehr oder weniger einen Trend fort und zwar üblicherweise unter den Gegebenheiten zum Zeitpunkt der Prognoseerstellung. Das macht das CBO etwa bei den Budgetschätzungen auch so. Wir sehen doch aber nun, dass diese Schätzungen viel zu pessimistisch waren.

    Ganz direkt in der Öl- und Gasförderung sind ohnehin nur relativ wenige Menschen beschäftigt, im Juli waren es 193,8 Tsd, und damit 7,7 Tsd weniger als im Oktober 2014, aber deutlich mehr als in der Rezession. Mag sein, dass sich das nun wieder ändert, wobei der niedrige Ölpreis auch für die USA in Summe positiv sein dürfte.

    Also klar ist es illusorisch zu glauben, eine Re-Industrialisierung (die statfindet), würde wieder zu einer Vielzahl an Industriejobs führen, wie es sie in den 1960er bis 90er Jahren gab (der große Abbau fand ab dem jahr 2000 statt). Dennoch steigt die Industrieproduktion in den USA kräftig an und es entstehen dort auch wieder neue Jobs. Beides sind Dinge von denen Europa weit entfernt ist…

    • admin

      27. August 2015 18:32 at 18:32

      Hallo Chris,

      im Großen und Ganzen stimmen wir überein 🙂
      Ja, es gibt neu geschaffene Industrieproduktion in den USA, was besser läuft als in Gesamt-Europa. Aber das mit den Öl-Jobs ist so eine Sache. 7.000 weniger als im Oktober 2014. Ich könnte Dir diverse Firmen aus der Ölindustrie auflisten, die pro Unternehmen mehr als 7.000 Mitarbeiter entlassen dieses Jahr. Vielleicht werden sie statistisch in anderen Branchen erfasst, aber gut. Wir sollten uns nicht zu sehr im Klein Klein „aufreiben“ 🙂

      Fakt ist in der Tag: In Europa siehts per Saldo noch schlechter aus. Niemand in der europäischen Politik scheint sich ernsthaft mit der Neuansiedlung großer Produktionen zu beschäftigen.

  5. Siggi50

    27. August 2015 18:15 at 18:15

    Nicht aufregen, tm ist überzeugter transatlantiker und wird in anderen chats auch nur noch belächelt.

    • tm

      27. August 2015 19:09 at 19:09

      Es regt sich – außer Ihnen – doch niemand auf, oder? Im Gegenteil, der Admin stimmt mit mir doch weitestgehend überein.

      Und an welche „Chats“ denken Sie da, wo ich Ihrer Meinung nach belächelt werde? Ich bin gespannt. Sind Sie eigentlich der Siggi aus dem NVA-Forum?

  6. tm

    27. August 2015 18:29 at 18:29

    @Siggi50
    Weder das eine noch das andere (wobnei ich gar nicht chatte). ich nehme an, Sie meinen Foren und da stoße ich in der Regel nur bei den üblichen VT-Foren auf den erwarteten Widerspruch, bei seriösen Diskussionen überzeuge ich mit Argumenten. Sie haben hier ja nun auch nur einen persönlichen Seitenhieb zu bieten und keinerlei Argument….bezeichnend. Oder was genau haben Sie nun auf meine sachlichen Aussagen zu erwidern?

  7. tm

    27. August 2015 18:38 at 18:38

    @Admin

    Ich nehme an, ich war zuletzt gemeint.

    Also exakt, selbst in Deutschland stagniert die Industrieproduktion seit mehreren Jahren, von Italien oder Frankreich brauchen wir erst gar nicht sprechen. Von den vielgerühmten BRICS weist ohnehin nur China überhaupt eine nennenswerte Industrieproduktion auf (ok, die nicht nur nennenswert, sondern gewaltig). Wir erleben offenbar weltweit den Rückgang der Industriebeschäftigung, mindestens als Anteil an allen Beschäftigten, oftmals auch in absoluten Zahlen.

    P.S.: Die Liste mit Unternehmen aus der Ölindustrie, die alleine jetzt mehr als 7.000 entlassen würde ich gerne sehen. Die meisten Fracking-Unternehmen haben ja nichtmal so viele Mitarbeiter.

  8. admin

    27. August 2015 20:16 at 20:16

    Schlumberger, Halliburton, Chevron etc.

  9. Cource

    27. August 2015 20:36 at 20:36

    Ein echter Kapitalist würde auch auf Halde produzieren lassen nur um seine vorteilsposition zu halten

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Hans-Werner Sinn mit großem Vortrag – Erläuterung von TARGET

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Hans-Werner Sinn ist als ifo-Chef a.D. immer noch für das ifo-Institut aktiv und hält Vorträge, so auch aktuell über das Thema TARGET. Es ist eines seiner Lieblingsthemen der letzten Jahre. Oft wurde es schon durchgekaut. Für Ökonomen wie ihn sind die Ungleichgewichte im TARGET-System eine riesige tickende Zeitbombe. Für andere Experten sind die Risiken ein reines Hirngespinst, weil sie ja erst real würden, wenn das Euro-System kollabiert. Und das werde ja nicht passieren.

Aber was genau ist das TARGET-System, wie funktioniert es, und sind die Risiken wirklich so weit entfernt davon in der Realität zu Verlusten für Deutschland zu werden, wo man inzwischen gigantische Forderungen angehäuft hat in diesem System? All das erklärt Hans-Werner Sinn im folgenden ausführlichen Vortrag. Sinn versteht es komplexe Sachverhalte in relativ einfache Worte zu fassen. Also, wer die Zeit hat, kann sich den Vortrag gerne antun!

Hans-Werner Sinn erklärt TARGET
Hans-Werner Sinn. Foto: Hanswernersinn.de

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„Frankreich befeuert Elend in Afrika“ – hat Italiens Di Maio recht?

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Italiens Vize-Premier Di Maio sorgt aktuell für einen diplomatischen Eklat zwischen Frankreich und Italien. So hat er gesagt, dass Frankreich kräftig mit verantwortlich ist für das Elend in Afrika. Denn Frankreich würde für 14 Länder in Afrika Geld drucken. Damit würde Frankreich die wirtschaftliche Entwicklung in diesen Ländern behindern, und sei letztlich auch mit verantwortlich für das Flüchtlingsdrama auf dem Mittelmeer (um es mal verkürzt zusammenzufassen).

Frankreich mit verantwortlich für Elend in Afrika?

Nur was meint Di Maio damit eigentlich? Es ist kein großes Geheimnis, dass zahlreiche Länder vor allem in Afrika oft nicht das technische Know How besitzen um relativ fälschungssichere Banknoten zu drucken. Auch fehlt wohl das Vertrauen der dortigen Bürger und Institutionen in ein Geld, das von einem möglicherweise korrupten Regime im eigenen Keller beim Präsidenten gedruckt wird (polemisch und vereinfacht ausgedrückt).

Hinter der Kritik von Di Maio steckt aber mehr. Seit Ende des zweiten Weltkriegs hat Frankreich angefangen für zahlreiche seiner ehemaligen Kolonien eine eigene Währung zu drucken, den sogenannten „CFA Franc“. Der ist in diesen 14 Ländern immer noch Zahlungsmittel. Ursprünglich war er an den französischen Franc gekoppelt. Aufgrund der wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen Frankreich und diesen afrikanischen Staaten wurde der CFA-Franc abgewertet. Das war natürlich gut für die Exporte dieser Länder.

An Euro gebunden bleiben oder abwerten?

Seit der Euro-Einführung ist der CFA-Franc an den Euro gekoppelt, und wurde seither aber nicht abgewertet. Das bedeutet: Diese Länder wie zum Beispiel die Elfenbeinküste, Mali, Niger, Togo und Senegal können ihre Exportwirtschaft nicht wettbewerbsfähig machen, in dem sie ihre Währung abwerten. Sie haben also rein technisch gesehen das selbe Problem wie Griechenland und Italien, wo die Volkswirtschaften durch eine schwächere Währung ihre Erzeugnisse im Ausland billiger anbieten könnten. Aber die starre teure Währung verhindert dies. Frankreich garantiert nach wie vor den festen Wechselkurs.

Und so geschieht es auch in diesen afrikanischen Ländern wie in Griechenland oder Italien (aus währungstechnischer Sicht gesehen). Von daher ist die Kritik von Di Maio nicht ganz falsch. Man kann aber auch sagen: Diese Länder können ja die Währungsbindung zum Euro einfach verlassen. Das läge schließlich in ihrer eigenen Zuständigkeit. Nur wissen viele dieser Regierungen wohl, dass die Menschen von da an nur noch schwarz bezahlen in US-Dollar oder Euro, weil das Vertrauen in eine frei fallende Währung fehlenwürde. Aber immerhin, den Schritt raus aus dieser Währungsbindung könnten diese Länder eigenständig gehen. Also kann man letztlich sagen: Zu einem gewissen Teil hat Di Maio recht mit seiner Kritik an Frankreich, aber eben nicht zu 100%.

Frankreich mit verantwortlich für das Elend in Afrika?
Befeuert Frankreich das Elend in Afrika? Hier die Karte von Ländern mit CFA-Franc in Afrika. Grafik: User:Glentamara CC BY-SA 3.0

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Brexit – ein Alptraum für Nordeuropa

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Jetzt haben wir die Bescherung. Erwartungsgemäß haben die Parlamentarier des tief gespaltenen Großbritanniens den von Theresa May ausgehandelten Deal mit der Europäischen Union (EU) mit großer Mehrheit abgeschmettert. Auch May’s sogenannter Plan B, wenn man diesen überhaupt als Plan bezeichnen kann, wird krachend scheitern. Wie von uns erwartet steigt damit die Wahrscheinlichkeit für einen harten und schmutzigen Brexit mit drastischen Konsequenzen für Großbritannien, die EU, aber auch für Deutschland.

Matthias Weik und Marc Friedrich über den Brexit
Matthias Weik und Marc Friedrich

Folgen eines harten Brexits für die Wirtschaft Großbritanniens?

GB ist nicht mehr Mitglied des Europäischen Binnenmarkts und das Ende des freien Warenverkehrs zwischen der GB und dem europäischen Festland ist besiegelt. Viele tausend Regelungen für Handel und Verkehr zwischen GB und der EU sind ungültig und werden durch die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) abgelöst.

Die Wirtschaft des Landes wird erstmal in eine Rezession rutschen

Insbesondere eine der britischen Schlüsselindustrien, die Finanzindustrie wird sich warm anziehen müssen. Arbeitsplätze im Finanzzentrum London werden verloren gehen. Britische Banken benötigen zukünftig für ihre Dienstleistungen, wie beispielsweise Einlagen- und Kreditgeschäft, rechtlich selbstständige Einheiten in einem EU-Staat. Ob und wenn ja wie leicht jedoch Banker aus London die notwendige Arbeitserlaubnis innerhalb der EU-Länder erhalten ist noch vollkommen offen.

Der IWF geht von Wachstumsverlusten für die britische Wirtschaft im Falle auf vier Prozentpunkte in fünf Jahren aus. Kurzfristig wird der Außenhandel in die Bredouille kommen. Das Pfund wird abermals deutlich abwerten und die Inflation steigen. Die Renditen britischer Staatsanleihen werden ebenfalls steigen, mit Konsequenzen für den Staatshaushalt. Die Aktienmärkte werden deutlich nach unten korrigieren. Inwieweit das auf die Märkte innerhalb der EU überschwappt, ist nicht klar zu prognostizieren. Wir gehen jedoch von erheblichen Folgen aus. Von einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf der Insel ist auszugehen. Diese wird weitreichende Folgen auf den Immobilienmarkt, insbesondere im unteren und mittleren Preissegment, haben. Langfristig erwarten wir jedoch auf Grund der starken Abwertung der Währung und neu geschlossener Handelsdeals mit verschiedenen Ländern eine Erholung der Konjunktur. Ferner gehen wir im Falle eines harten Brexits davon aus, dass wir bald die größte Steueroase mitten in Europa haben werden – Großbritannien.

Welche menschliche Tragödie an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland auf uns zukommen wird möchten wir uns überhaupt nicht ausdenken.

Zumeist wird in den Medien nur über die gravierenden Folgen für Großbritannien – zweitgrößte Volkswirtschaft Europas – gesprochen, aber nicht über die Auswirkungen für Europa und insbesondere für Deutschland.

Chaotische Zustände in der Luftfahrt

Im Bereich der Luftfahrt werden chaotische Zustände herrschen, denn zahllose Verkehrsrechte und Betriebsgenehmigungen werden ungültig. Inwieweit die EU Flüge mit Sonderregeln aufrechterhalten kann, ist nicht klar. Der Airline-Verband IATA fordert bereits eine wechselseitige Anerkennung von Lizenzen, Sicherheits- und Industriestandards. Ansonsten müssen alle Gepäckstücke von Passagieren, die über Großbritannien nach Europa reisen, abermals durch die Sicherheitskontrolle.

Der Brexit wird für die deutsche Wirtschaft teuer

Mit einem bilateralen Außenhandelsvolumen von rund 122 Mrd. Euro pro Jahr (Exporte plus Importe) rangieren die Briten auf Platz fünf der wichtigsten Partnerländer. Der Handelsüberschuss Deutschland gegenüber GB betrug 2017 knapp 47 Milliarden Euro.

Allein in Deutschland hängen 750.000 Arbeitsplätze vom Handel mit Großbritannien (GB), einem der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, ab. GB ist ein extrem wichtiger Exportmarkt für Autos aus Deutschland. Ferner produzieren deutsche Automobilhersteller, wie beispielsweise BMW (Mini und Rolls-Royce) in GB. Großbritannien ist ebenfalls ein wichtiger Exportmarkt und Produktionsstandort für die Chemie- und Pharmaindustrie. Knapp 17.000 Mitarbeiter deutscher Firmen stellen in GB laut dem Branchenverband der Chemischen Industrie VCI Vorprodukte her. Diese werden überwiegend in Deutschland weiterverarbeitet. Die Branche geht von Problemen bei Zulieferungen aus GB auf Grund fehlender relevanter Zulassungen aus.

Niemand kann heute die enorm hohen volkswirtschaftlichen Kosten und Schäden auf Grund der immensen Komplexität bei einem Brexit ohne Vertrag seriös berechnen. Im Falle eines schmutzigen Brexits werden insbesondere die intensiven Lieferketten zwischen Industrieunternehmen in Deutschland und GB unterbrochen. Endlose Lastwagenkolonnen an den Grenzen zu GB werden zum Alltag gehören. Produktionsausfälle auf Grund nicht rechtzeitig gelieferter Teile werden die Folge sein. Von der Problematik von aufkommenden Zöllen und den damit verbundenen Kosten ganz zu schweigen. Laut Berechnungen des Industrie- und Handelskammertags (DIHK) müssten deutsche Unternehmen jährlich allein drei Milliarden Euro für den Zoll zahlen. Hinzu kommen knapp 200 Millionen Euro für Zollformalitäten. Folglich wird es in Zukunft bestimmt nicht billiger.

EU – wer bezahlt für Großbritannien?

Großbritannien ist nach Deutschland der größte Nettozahler in der EU. 16,5 Milliarden Euro fehlen im EU-Haushalt allein von April 2019 bis Ende 2020 bei einem britischen EU-Austritt ohne Abkommen.
Die Gelder, welche durch den Brexit entfallen, müssen auf die übrigen Mitgliedsstaaten verteilt werden. Demgemäß werden Mehrbelastungen auf den größten Nettozahler Deutschland zukommen. Die Rede ist von bis zu 4,2 Milliarden Euro zusätzlich bis Ende kommenden Jahres

Sperrminoritätsregel – der Super-Gau für Deutschland

Wesentlich teurer zu stehen kommen wird uns die „Sperrminoritätsregel“ im Ministerrat. Mit dem Verlassen Großbritanniens ist das Gleichgewicht innerhalb der EU unwiederbringlich gestört und die Südeuropäer haben ab dann die Mehrheit im Europäischen Rat und können folglich die Nordeuropäer überstimmen. Ein jeder kann sich ausmalen was da auf uns zukommen wird und wer die Rechnung begleichen darf. Wir gehen von erheblichen Mehrkosten für Deutschland in Zukunft aus.

Die Welt wird auch nach dem Brexit nicht untergehen und Deutschland und die restlichen EU-Länder werden auch in Zukunft mit den Briten Geschäfte treiben. Fakt ist: weder Deutschlands wichtigster Handelspartner USA noch unser drittwichtigster Handelspartner China sowie die meisten Länder der Erde sind nicht Mitglied der EU und dennoch treiben wir als Exportweltmeister offensichtlich äußerst fleißig und erfolgreich Handel mit ihnen.

Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben gemeinsam die vier Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“, „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ und „Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“. Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de, bei Facebook unter www.facebook.com/friedrichundweik/, www.instagram.com/friedrich_weik/, bei YouTube und bei Twitter www.twitter.com/FRIEDRICH_WEIK.

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