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Hintergrund

USA scheitert mit Aufruf, Russlands Märkte zu schwächen

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die USA scheinen mit der Absicht, die russischen Finanzmärkte zu schwächen, wenig erfolgreich zu sein. Am 18.März hatte der Pressesprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, Investoren unmissverständlich dazu aufgefordert, nicht in Russland zu investieren: „Wenn ich Sie wäre, würde ich keine russischen Aktien kaufen. Außer Sie gehen short.“ (=setzen auf fallende Kurse).

Doch mittlerweile zeichnet sich ab, dass die Investoren der Aufforderung Carneys nicht Folge leisten. Wie Bloomberg.com berichtet, sind die Wetten von US-Investoren auf fallende Kurse an Moskaus Börse inzwischen deutlich zurück gegangen – sichtbar in den Umsätzen sogenannter ETFs (Exchange Traded Funds), die in den USA gehandelt werden und Profite erzielen, wenn russische Aktien fallen. Lag der Anteil von Wetten auf fallende Kurse am Tage der Äußerung Carneys noch bei 17%, sind es derzeit nur noch 14% – am 3.März hatte der Anteil noch 21% betragen.

Hauptgrund für den Rückgang dürfte die Erholung an den russischen Aktienmärkten sein, die unmittelbar auf Putins Rede zur Annexion der Krim folgte – seitdem hat sich der russische Leitindex Micex um über 9% erholt. Auch der Rubel konnte sich seitdem deutlich erholen.

Russische Aktien sind – insbesondere im Vergleich zu US-Werten – ohnehin sehr günstig bewertet. So hatten die russischen Aktien im Leitindex Micex am 14.März ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 2,85 – das heißt, Investoren „zahlen“ für ein Investment nur den 2,85-Jahresgewinn der Unternehmen. Davon können US-Anleger nur träumen: das durchschnittliche KGV von Unternehmen des amerikanischen Leitindex S&P500 liegt derzeit bei 17. Amerikanische Unternehmen sind also gewissermaßen 6-mal teuer als russische..

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    heiko

    27. März 2014 14:36 at 14:36

    Wer heutzutage noch auf Vorschläge der amerikanischen Regierung hört kann ja auch nicht ganz bei Trost sein. Warum sollte man auf eine Regierung hören die schon seit gefühlten 100 Jahren wie ein angeschossener Pavian wild um sich schlägt und dem mittlerweile sogar schon das selbstgedruckte Geld ausgeht. So ein „hau alles kurz und klein und nimm was Du kriegen kannst Verhalten“ ist immer ein sicherer Anzeiger für einen kurz bevorstehenden Tod.
    Wenn überhaupt dann wäre ich vorsichtig mit Investitionen in den USA, denn in einen bankrotten Staat investiert man nicht – es sei denn man hat die Absicht eine sogenannte „feindliche Übernahme“ zu tätigen. Und das könnten wohl nur die Chinesen.

  2. Avatar

    today

    27. März 2014 23:23 at 23:23

    Autonome Republik Krim, Russische Föderation: Annexion und Völkerrechtsbruch oder völkerrechtliche Wiedervereinigung?

    Im Einklang mit dem geltenden Völkerrecht der Schlussakte der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa aus dem Jahre 1975,

    http://www.mid.ru/bdomp/brp 4.nsf/191dd15588b2321143256a7d002cfd40/db800fe2ae00c34844257c9d002b3cb9!OpenDocument

    wonach alle Völker immer das Recht haben, unter völliger Freiheit, wann und wie sie wünschen, ihren inneren und äußeren politischen Status ohne äußere Einmischung zu bestimmen, ist Folgendes tatsächlich geschehen:

    1. Das Volk der Autonomen Republik Krim hat durch Referendum vom 16. März 2014, unter der Aufsicht internationaler Wahlbeobachter, frei abgestimmt und sich bei einer Wahlbeteiligung von weit über 80 % mit einer Mehrheit von weit über 90 % für die Wiedervereinigung mit Russland entschieden.

    2. Die Regierung der Autonomen Republik Krim hat bei den zuständigen russischen Behörden den Antrag auf Aufnahme der Autonomen Republik Krim in die Russische Föderation gestellt.

    3. In Einklang mit dem oben genannten Völkerrecht wurde dem Antrag der Autonomen Republik Krim auf Aufnahme in die Russische Föderation stattgegeben.

    4. Nach diesem völkerrechtlichen Akt der Wiedervereinigung ist die Autonome Republik Krim wieder Teil Russlands, so wie sie dies bereits zuvor längere Zeit der Fall war, als die USA überhaupt ein Land sind.

    Insgesamt ein höchst demokratischer Vorgang.

    Jedoch gibt es in der Ukraine durchaus Indizien, die den Charakter von Annexion und Völkerrechtsbruch aufweisen könnten:

    1. Offenbar wurde völkerrechtswidrig, mittels Einmischung der Vertreter ausländischer Mächte und mit bezahlten Krawallmachern, Totschlägern und Todesschützen, durch einen lange geplanten Putsch mit ukrainischen Nazis auf dem Maidan, eine Nazi-Regierung in der Ukraine zu installiert.

    2. Völkerrechtswidrig, ohne das ukrainische Volk zu befragen und öffentlich zugegeben wurden für den Sturz der ukrainischen Demokratie 5 Milliarden Dollar ausgegeben, deklariert als Demokratisierung.

    3. Der ohnehin bereits von korrupten Oligarchen wie Tymoschenko ausgeplünderten und deshalb überschuldeten Ukraine werden weitere hoch verzinste IWF-Kredite aufgezwungen, das ist wie salziges Meerwasser trinken gegen den Durst und den Ukrainern wird dafür ihr Eigentum weggenommen (privatisiert), bis ihnen im eigenen Land nichts mehr gehört. Eine auch schon etwas länger bekannte Form der Annexion:

    „Es gibt zwei Wege, eine Nation zu annektieren. Einerseits durch das Schwert, andererseits durch Schulden.”

    John Adams (1735 – 1826), 2. Präsident der USA

    Insgesamt ein höchst diktatorischer Vorgang.

    Was also sollten jene, die das alles bestreiten damit anderes sagen, als dass sie wohl nicht einmal in der Lage sind, die Begriffe „Ukraine“ und „Nazis“ in die Google-Bildersuche zu schreiben?

    Für alle, die sich informieren möchten, was Völkerrechtsbruch und Annexion wirklich bedeuten, hier eine Auflistung ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

    http://www.miprox.de/USA_speziell/US-Interventionen.html

    US-Militär: „Wir zählen keine Leichen“. Andere schon. Durch den Folgeterrorismus des Völkerrechtsbruchs von 2003 bis jetzt 875 Todesopfer, allein im März 2014:

    https://www.iraqbodycount.org

    Man muss kein Putin-Fan sein, um fair zu bleiben.

  3. Avatar

    Jochen Frank

    28. März 2014 05:03 at 05:03

    Die grosse Angst der USA besteht darin das der Dollar und damit das verbundene Finanzsystem zusammenbricht. Man kann Klar erkennen dass Russland sich aus dem System herausklinken will als auch andere der BRICS Staaten. Wenn man Gold und Silber Beobachtet und erkennt das da stark nach unten gedrueckt wird, in der Hoffnung das diese Staaten ihr Vorhaben platzen lassen, und im gegensatz in den russischen Markt investiert wird macht es Wahrscheinlicher das wir bald ein neues Wirtschaftssystem und Geldsystem haben werden.

    Bin mal gespannt wie das Endet?

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Der Dax kann seine Erholung fortsetzen – aber es fehlt dieser Erholung schlicht an Dynamik! Die Anstiege verlaufen langsam, die Abverkäufe dagegen mit hoher Dynamik, sodass der Index – auf die letzten Handelswochen gesehen – ein Schritt nach vorne macht, um dann zwei Schritte wieder zurück zu machen. Von Entwarnung kann daher noch überhaupt keine Rede sein!

Im Chart wird deutlich, wie vergleichsweise gering die Erholung ausgefallen ist bislang:

(Chart durch anklicken vergrößern)

Das sieht nicht nach Bullen-power aus! Eher ein zaghafter Versuch, das Schlimmste abzuwenden – und das trotz der daueroptimistischen Wall Street, die gestern wieder einmal zulegen konnte, vor allem die schwergewichtigen Tech-Werte wie Apple (in Vorfreude auf die heutige Präsentation der neuen Apple-Produkte) und Amazon. Aber auch in den USA gilt: es erreichen mehr Aktien 52-Wochen-Tiefs als 52-Wochen-Hochs, der Anstieg ist von den wenigen Tech-Schwergewichten getragen, der breite Markt sieht deutlich negativer aus. Mithin sind die großen Tech-Werte die Schminke, die die Falten kaschieren – aber man sollte sich nicht von dem Makeup täuschen lassen!

Andernorts ist die Lage völlig anders: der Shanghai Composite ist heute auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, die Märke und Währungen der Schwellenländer bleiben unter Druck, auch die europäischen Indizes sind sämtlich charttechnisch angeschlagen. Es ist diese Schizophrenie, die nachdenklich stimmt: leben die Amerikaner auf einem anderen Planeten? Nun, wer Donald Trump als Präsidenten wählt, muß wohl auf einem anderen Planeten leben..

Die Fakten sind: die Fed verknappt die Liquidität, die Schwellenländer daher besonders unter Druck, und der Handelskrieg ist erst in seinem Anfangsstadium. Die Kombination aus diesen Faktoren bringt die ganze Welt uner Druck, nur eben die Amerikaner nicht. Dort hofft man auf NAFTA, glaubt, dass einem der Handelskrieg nichts anhaben könne, und die Fed werde schon brav bleiben und die Zinsen nicht deutlich anheben. Dort also die optmistischste Interpretation der Dinge, überall sonst auf der Welt sehen die Fakten anders aus! Inzwischen ist die Spanne so groß (etwa zwischen amerikanischen und chinesischen Tech-Werten), dass eine Wieder-Annäherung nur eine Frage der Zeit ist – ewig kann man nicht schizophren bleiben..

Für den Dax gilt: erst über dem Widerstand von 12100 Punkten besteht wieder – charttechnisch gesehen – Hoffnung. Besser noch, der Dax überwände den seit Ende Juli bestehenden Abwärtstrend bei 12220/12250 Punkten. Auf der Unterseite ist nun das Tief bei 11860 Punkten entscheidend: noch läßt sich dieses gestern erreichte Verlaufstief als Fehlausbruch nach unten interpretieren – aber wenn dann die 11860 auch noch fallen sollte, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass Dynamik auf der Unterseite aufkommen wird..

 


By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

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Allgemein

Tribalisierung statt Globalisierung: Eine Generation geht verloren

Die Globalisierung steht am Beginn eines großen Rückschlags – und eine ganze Generation ist gezwungen, ihre eigenen Werte zu verraten..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Ich bin 1969 geboren und entstamme damit einer Generation, die grundsätzlich optimistisch veranlagt ist. Als wir erwachsen wurden, fiel die Mauer, ging die Sojwetunion unter und verschwanden damit gefühlt alle Grenzen, die unseren Drang nach (Bewegungs-)Freiheit begrenzt hatten. Als Jugendliche fürchteten wir die Atomkraft, fürchteten, dass uns Atombomben auf den Kopf fallen – wie einst die Gallier, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fiele.

All das ist nicht passiert. Und mit dem Ende der Sojwetunion und damit dem Ende des Kalten Krieges stand uns die Welt offen, schien eine Art ewiger Frieden erreicht, gewissermaßen das Ende der Geschichte (Fukujama). Wir reisten, probierten uns und das andere Geschlecht aus, alles war möglich, die Globalisierung kam, wir nutzten als erste Generation den Computer, lernten in der Schule programmieren, nutzten das Internet – und drängten heraus in die Welt. Diese Welt, so schien es, wächst zusammen – und wir fanden das gut so, weil es das Spektrum unserer Möglichkeiten vergrößerte.

Nun aber, zu einer Zeit, in der normalerweise diese Generation an die entscheidenden Schaltstellen der Gesellschaft in Politik und Wirtschaft gelangt, haben wir das Gefühl, wir sind irgendwie von gestern. Schon die heute Mitte 30-jährigen sind von uns grundsätzlich verschieden: ja, man kann ins Ausland gehen, aber man will dann zurück kommen, heiraten und ein Haus bauen. Das war so ziemlich das Letzte, was noch unserer Generation als Ideal vorschwebte. Diese Sehnsaucht nach Heimeligkeit war uns fremd, sie ist aber wohl die logische Konsequenz für eine Generation, die das Internet mit der Muttermilch aufgesogen hat und die nun ein Bedürfnis nach kuscheliger Wärme hat – und der es reicht, sich auf Google Maps jene Orte anzuschauen, zu denen wir noch gereist sind.

Es gibt bei dieser jüngeren Generation eine Tendenz zur Abschottung – ebenso wie in den großen Strömungen des Zeitgeists, der sich derzeit Bahn bricht. Dass derzeit rechskonservative Strömungen aufkommen, ist kein Zufall. Das Rad der Geschichte dreht sich gewissermaßen zurück, es gibt einen klaren Gegentrend zur Globalisierung, den ich als „Tribalisierung“ (Rückbesinnung auf den eigenen „Stamm“) bezeichne: ob Trump in den USA, die AfD in Deutschland, die FPÖ in Österreich, Le Pen in Frankreich etc. – das Motto lautet: wir schotten uns ab!

Rechtskonservative Bewegungen hat es auch früher gegeben seit dem Ende des Kalten Krieges – aber sie waren irgendwie aus der Zeit gefallen und hatten daher keine Chance. Diesmal ist das anders. Denn eines ist klar: die massenhafte Immigration nach Europa ist kein Thema, das vorbei gehen wird. Im Gegenteil: es wird immer dringender!

Was wir mit syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen erlebt haben, ist nur der Auftakt, sie sind nur die Vorhut für weit größere Ströme nach Europa. Flüchtlingsströme aus Syrien oder dem Nahen Osten werden irgendwann abebben – der Nahe Osten ist nicht unser größtes Problem. Dagegen werden sich bald Flüchtlingsströme aus Afrika massiv intensivieren, schon aus demografischen Gründen: Afrikas Bevölkerung wird sich bis 2050, also in nur 35 Jahren, von einer Milliarde auf dann zwei Milliarde verdoppeln – nicht weil Afrikanerinnnen mehr Kinder bekämen als früher – im Gegenteil. Nur die Zahl afrikanischer Frauen im gebährfähigen Alter wird aufgrund der demografischen Struktur in den afrikanischen Ländern bald stark nach oben schießen.

Und weil es faktisch keine Perspektive dafür gibt, diese stetig steigende Bevölkerung ausreichend zu versorgen bzw. Jobs zu schaffen, wird ein nicht geringer Teil dieser Menschen nach Europa drängen als einzig logisches underreichbares Ziel. Es geht hier um viele Millionen Menschen, vor allem junge Männer, die in ihren Heimatländern faktisch keine Chance haben, Jobs zu bekommen und Familien zu gründen. Und wir werden uns nicht anders zu helfen wissen, als eine Festung Europa zu errichten, weil diese Einwanderungsströme selbst beim besten politischen Willen nicht zu handhaben sind.

Und vermutlich wird es exakt meine Generation sein, deren Vertreter dann an der Macht sind, die diesen Festungsbau anordnen und ausführen wird. Weil es nicht anders geht, ob man will oder nicht. Und genau deswegen haben die rechskonservativen Strömungen, die genau das jetzt schon fordern, Zukunft. Sie thematisieren das, was auf uns zukommen wird, wollen Homogenität, Sicherheit, etablierte, vor-globalisierte Strukturen zurück – also all das, was meine weltoffene Generation überwiegend eigentlich nicht will. Und trotzdem wird es meine Generation sein, die faktisch die Voraussetzungen dafür schaffen wird.

Darin besteht eine gewisse Tragik: man ist gezwungen, die eigenen Werte zu verraten. Und insofern geht eine Generation verloren, die mit ihrer Humanität und ihrer Offenheit aus der Zeit zu fallen beginnt. Die Zeiten, in denen die Welt noch offen stand, sind jedoch offenkundig vorbei, die Globalisierung weicht der Tribalisierung. Vielleicht wächst dann wenigstens das Verständnis dafür, dass wir in Europa alle in einem, demselben Boot sitzen – und es gar keine Alternative zu einer wie auch immer definierten europäischen Gemeinschaft gibt..

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