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Billionen-Refinanzierung steht an USA: Schuldenlawine rollt an – muss die Fed jetzt eingreifen?

USA: Schuldenlawine rollt an – muss die Fed jetzt eingreifen?
Grafik: ChatGPT

In ihrem neuen Video mit dem Titel „Der größte Währungsreset in der Geschichte der USA hat gerade begonnen“ analysieren die Experten von Bravos Research die wachsenden US-Schulden, die Rolle der US-Staatsanleihen im globalen Finanzsystem und die strategischen Optionen der Fed, um einen möglichen Kontrollverlust zu verhindern, und skizzieren dabei einen möglichen Ausweg aus der Misere.

USA: Schuldenlawine rollt an

Eine billionenschwere Schuldenlawine rollt auf die USA zu – und sie dürfte sich nur mit Unterstützung der Fed kontrollieren lassen. Was zunächst wie eine routinemäßige Refinanzierung der wachsenden Schulden erscheint, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als tektonische Verschiebung im Markt für US-Staatsanleihen. Innerhalb der kommenden zwölf Monate werden laut Bravos Research Anleihen im Volumen von rund zehn Billionen US-Dollar fällig – etwa 830 Milliarden Dollar pro Monat. Bis 2028 läuft mehr als die Hälfte der gesamten ausstehenden Schulden der USA aus, rund 17 Billionen Dollar. Die Dimension ist gewaltig: Das entspricht nahezu der Wirtschaftsleistung Chinas von 19,2 Billionen Dollar, die refinanziert werden muss. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Washington neue Schulden aufnimmt, sondern zu welchem Preis.

Normalerweise gilt die Refinanzierung als rein technischer Vorgang: Die USA nehmen neue Schulden auf, um auslaufende Verbindlichkeiten zu bedienen. Doch diesmal fehlt ein zentraler Akteur. Ausländische Zentralbanken, jahrzehntelang verlässliche Käufer von US-Staatsanleihen, treten seit einigen Jahren auf der Stelle oder bauen Bestände sogar ab. Parallel dazu kaufen private ausländische Investoren zwar weiterhin Anleihen, jedoch nicht in dem Umfang, der nötig wäre, um die stetig steigende Emission neuer Papiere vollständig aufzunehmen. Seit 2016 wächst das Angebot schneller als die ausländische Nachfrage. Das Kräfteverhältnis im wichtigsten Anleihemarkt der Welt hat sich damit strukturell verschoben.

US-Schulden erhöhen Renditedruck

Diese Angebots-Nachfrage-Schieflage bleibt nicht folgenlos. Investoren verlangen eine höhere Kompensation für das Halten langfristiger Papiere – die sogenannte Term Premium, von Bravos Research als „Sicherheitssteuer“ beschrieben. Aktuell rentieren die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen bei rund 4 Prozent, während der Leitzins der Fed in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent liegt. Die Differenz spiegelt die zusätzliche Risikoprämie wider. Historisch betrachtet war diese Prämie zwischen den 1980er-Jahren und 2016 rückläufig – eine Phase, in der ausländische Käufer stetig zukauften. Seit 2020 dreht der Trend. Die Term Premium ist von deutlich negativen Werten auf rund 0,75 Prozent gestiegen. Sollte sie sich ihrem langfristigen Durchschnitt von etwa zwei Prozent annähern, könnten die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen auf sechs Prozent klettern.

Für den US-Haushalt wäre das gravierend. Bereits heute entsprechen die Zinszahlungen für die Schulden rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts – doppelt so viel wie noch vor wenigen Jahren und mehr als das Verteidigungsbudget. Steigende Renditen würden den fiskalischen Spielraum weiter einengen. Theoretisch gäbe es zwei Gegenmaßnahmen: Ausgabenkürzungen oder eine aktive Deckelung der Renditen durch die Fed. Ersteres erscheint politisch kaum durchsetzbar, da ein Großteil der Ausgaben gesetzlich gebunden ist. Also muss die Fed erneut aushelfen.

Historische Lehre aus Großbritannien

Damit rückt die zweite Option in den Fokus. Die Fed hat bereits begonnen, wieder US-Staatsanleihen zu kaufen – offiziell zur „Reserveverwaltung“. Rund 40 Milliarden Dollar pro Monat fließen in den Markt. De facto signalisiert die Notenbank, dass sie bereit ist, fehlende Nachfrage zu ersetzen und Renditen zu stabilisieren. Ein Blick nach Großbritannien in die 1940er-Jahre zeigt die möglichen Konsequenzen: Damals hielt die Bank of England die Zinsen künstlich niedrig, um die Kriegsschulden tragfähig zu machen. Das Pfund verlor massiv an Wert, während Sachwerte und Aktien deutlich zulegten.

Bravos Research argumentiert, dass eine ähnliche Dynamik in den USA bevorstehen könnte. Der Druck auf die Schulden führt demnach nicht zwingend zu einem Markteinbruch, sondern zu einer Kapitalflucht aus der Währung in reale Vermögenswerte wie beispielsweise Gold. Der behauptete „Währungsreset“ wäre weniger ein plötzlicher Kollaps als eine schleichende Verschiebung – weg von Vertrauen in US-Staatsanleihen, hin zu alternativen Anlageklassen. Welche Anlageklassen die größten Zuflüsse erleben könnten, lassen die Analysten bewusst offen, doch die Stoßrichtung ist klar: Die eigentliche Bewegung beginnt nicht im Aktienmarkt, sondern im Fundament des globalen Finanzsystems.



Stefan Jäger
Über den RedakteurStefan Jäger
Stefan Jäger berichtet als Finanzjournalist über das aktuelle Geschehen an den Aktien- und Edelmetallmärkten. Mit fundierter Fundamentalanalyse und präziser Technischer Analyse beleuchtet er zudem Chancen und Risiken verschiedenster Assets.
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2 Kommentare

  1. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Wäre das nicht ein Thema für Herrn Fugmann, makroökonomische Zusammenhänge?

    Fakt ist die Staatsverschuldung der USA ist nicht so sehr ein Thema… wie die US- Gesamtverschuldung. Hier geht’s prinzipiell um alles.
    Und ob ein Kevin Warsh wieder Hypotheken- Schrott aufkauft…wie sein Vor- Vor- Vorgänger Bernanke sei dahingestellt.
    Im Moment werden gerade KI- Schulden verpackt,verbrieft und weiter verscherbelt.

  2. Vielleicht kann der 47. US-Präsident Donald John Trump ja OPEC+-Mitgliedsland Königreich Saudi-Arabien-Kronprinz Mohammed bin Salman al-Saud davon überzeugen, weniger US-Staatsanleihen zu verkaufen.

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