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Konjunkturdaten

USA: Sind die offiziellen Konjunkturdaten wirklich falsch?

Immer wieder gibt es Zweifel an den offiziellen Konjunkturdaten aus den USA. Regelmäßig wird dabei auf die Seite shadowstats verwiesen

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Immer wieder gibt es Zweifel an den offiziellen Konjunkturdaten aus den USA: In volkswirtschaftlichen Diskussionen werden regelmäßig mit einem Verweis auf die Seite shadowstats die offiziellen Daten zu Inflation, Arbeitslosenquote und BIP-Wachstum angezweifelt. Nach Angaben der Seite werden dort zur Berechnung dieser Größen die Berechnungsmethoden genommen, wie sie bis in den 1980er und zum Teil bis 1994 auch offiziell angewendet wurden. Kernaussage ist also letztlich, dass die (US-)Statistikbehörden über eine schrittweise Änderung der Methodik die offiziellen Kennziffern soweit manipuliert haben, dass die Werte weit besser aussehen, als sie es eigentlich sind.

USA: Stimmen die offiziellen Inflationsdaten?

Gemäß shadowstats lag die Inflationsrate in den USA zuletzt bei rund 6%, die Arbeitslosenquote bei knapp über 20% und das reale BIP ist in Q3 2019 gegenüber Q3 2018 um rund 2% gefallen. Die genauen Daten erfahren nur zahlende Kunden und die Berechnungsmethodik wird grundsätzlich nicht veröffentlich, also auch für zahlende Kunden nicht.

Direkt auf den ersten Blick fällt auf, dass sich die US-Wirtschaft bei shadowstats seit 2001 in einer Dauerrezession und sogar seit Ende der 1980er in einer Dauerflaute befindet. Die Arbeitslosigkeit steigt aber trotzdem nicht kontinuierlich an, sondern verläuft zumindest bis 2009/10 relativ parallel zur offiziellen Rate, nur höher (und steigt seitdem aber auch trotz Rezession nicht weiter) – und trotz dieser katastrophalen Konjunktur schaffen es die Unternehmen, die Verbraucherpreise Jahr für Jahr kräftig zu erhöhen. Eigentlich ein erklärungsbedürftiges Phänomen, das aber weder John Williams von shadowstats noch seine Kunden zu interessieren scheint.

Das ist allerdings nicht die einzige Merkwürdigkeit in den Daten. John Williams behauptet, die Berechnung der Inflation habe sich seit 1980 so extrem verändert, dass die Inflation um rund 4 Prozentpunkte unterschätzt wird. Bei einer kompletten Veränderung der Methodik hätte ich erwartet, dass nicht nur die Höhe der Inflation anders ist, sondern auch der Inflationsverlauf deutlich anders aussieht. Doch das ist nicht der Fall. Die shadowstats-Inflationskurve sieht aus wie die parallel nach oben verschobene offizielle Kurve.

Weiter erstaunlich ist die große Differenz, obwohl sich die Methodik gar nicht so extrem geändert hat. Es gab immer mal wieder kleinere Anpassungen, die alle dokumentiert sind – also beim Bureau of Labour Statistics, das für die Inflationsberechnung zuständig ist  (nicht bei shadowstats) – und mit der Methodik von 1980 wäre die Inflation tatsächlich 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte höher. Das ist also zum einen weit entfernt von den shadowstats-Werten und zum anderen wurden diese Veränderungen zumeist aus durchaus nachvollziehbaren Gründen durchgeführt, d.h. die neue Methodik ist die akkuratere.

Da John Williams seine Methodik nicht offenlegt, sind seine Zahlen nicht im Detail nachvollziehbar. Der kurze Text bei seinen BIP-Daten legt allerdings nahe, dass er seine Inflationsdaten nimmt, um damit die offiziellen BIP-Werte zu verändern. Tatsächlich scheint er das offizielle BIP-Wachstum um die von ihm ermittelte Inflationsdifferenz zu reduzieren. Die Inflation ist bei ihm um 4 Prozentpunkte höher als offiziell, also ist das reale BIP-Wachstum um 4 Prozentpunkte niedriger.

Das ist gleich doppelt wirr. Zum einen spielt die Verbraucherpreisinflation für die BIP-Berechnung gar keine Rolle, da das BIP nicht nur aus Verbrauchsgütern für die privaten Haushalte besteht. Da kommt der BIP-Deflator zum Tragen, der jedoch ohnehin ganz anders ermittelt wird als die Verbraucherpreisinflation. Es ist zudem fraglich, wieso bei einer höheren Preissteigerung das nominale BIP unverändert bleiben sollte. Konsequenterweise müsste dann das nominale BIP schneller steigen als offiziell unterstellt und die realen Wachstumsraten blieben mehr oder weniger unverändert.

US-Arbeitslosenquote: offiziell und bei shadowstats

Und während Trump sich selbst in Davos für eine extrem niedrige Arbeitslosenquote feiert, liegt sie gemäß shadowstat bei gut 20%, also bei Werten, wie in der Weltwirtschaftskrise 1929/33. Von den 15- bis 64-jährigen US-Amerikanern haben aber 74,4% einen Job (https://fred.stlouisfed.org/graph/fredgraph.png?g=pYYW). Da wäre also nur rein theoretisch Platz für eine derart hohe Arbeitslosenquote, wobei in dieser Altersgruppe viele Schüler und Studenten dabei sind. Im sog. Prime Alter zwischen 25 und 54 sind 89,1% der Männer (https://fred.stlouisfed.org/graph/fredgraph.png?g=mNKW) und 76,2% der Frauen (und das sehr stabil seit über einem Vierteljahrhundert) erwerbstätig (https://fred.stlouisfed.org/graph/fredgraph.png?g=pUqs).

Selbst wenn man unterstellt, das alle nicht Erwerbstätigen arbeitslos sind – es gibt also keine Hausfrauen/-männer, keine Arbeitsunfähigen, keine Studierenden über 25 etc. – läge die Arbeitslosenquote in den USA nicht so hoch wie bei shadowstat behauptet. Die Zahlen können also schlicht nicht stimmen, was seine Behauptungen, er würde mit alten Methodiken arbeiten, als Lüge entlarvt.

Es spricht also viel dafür, dass shadowstats nicht wie behauptet, eine ältere Methodik verwendet, sondern schlicht die sicherlich vorhandene Nachfrage nach schlechten Zahlen vor allem in den USA befriedigt und damit Geld verdient!

Die offiziellen Konjunkurdaten der USA und die Daten von shadowstats

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    leftutti

    28. Januar 2020 19:23 at 19:23

    Die Wahrheit liegt wohl, wie immer, in der Mitte. Hier ein zwar schon älterer Artikel, der jedoch noch immer eine gewisse Relevanz besitzen dürfte. Es sei denn, alle Statistiker haben sich an den neuen und „besseren“ Standard angepasst:
    https://www.handelsblatt.com/politik/international/geschoente-wachstumsdaten-der-statistik-schmu-der-amerikaner/3452502-all.html?ticket=ST-3178415-9Uur9dl0rFxsrS9NV74S-ap6

  2. Avatar

    Jan

    28. Januar 2020 19:43 at 19:43

    Man lernt nicht aus. Und wer bezahlt für Daten die schlechter sind als tatsächlich?
    Die Russen? Die Bären?

    • Avatar

      Lausi

      28. Januar 2020 20:18 at 20:18

      Nicht nur die russischen Bären, sondern auch die Crash-Propheten, die „Alles ist erstunken & erlogen“-Fraktion und die „Da steckt doch irgendwo der Wurm drin“-Jünger. Herr Williams wird sicherlich nicht schlecht mit seiner Webseite verdienen.

    • Avatar

      Jan

      28. Januar 2020 21:02 at 21:02

      @Jan, würde es Ihnen etwas ausmachen, Ihren Namen zu modifizieren? Seit längerer Zeit habe ich mich als Jan erstmals angemeldet und etabliert, wir sollten die Leser nicht verwirren!

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