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USA versus EU: Die Notenbankpolitik im Bann von Covid-19

Die USA stehen derzeit besser da als die EU - das gilt in Sachen Impfstoff und für die Wirtschaft! Das ist ein Problem für die Notenbanken

Die USA stehen derzeit offenkundig besser da als die EU – das gilt in Sachen Impfstoff und für die Wirtschaft gleichermaßen!

Derzeit ist es das dominierende Thema in der Geldpolitik der Notenbanken weltweit: Bei der Bekämpfung der Pandemie um Covid-19 sieht man Licht am Ende des Tunnels, die Wirtschaftsaussichten haben sich dramatisch gegenüber 2020 verbessert, gleichzeitig steigen die Inflationserwartungen in lange Zeit nicht mehr gesehene Höhen, die Kapitalmarktzinsen klettern parallel dazu. Dennoch führt dies bei den beiden führenden westlichen Notenbanken – Federal Reserve und Europäischer Zentralbank – zu einer (noch) unterschiedlichen Zinspolitik.

USA und EU: Die derzeitige wirtschaftliche Ausgangslage

Während der große Aufsteiger in Fernost, China, das Coronajahr 2020 mit einem Wirtschaftsplus abschließen konnte, haben die beiden größten Wirtschaftsblöcke USA und die Europäische Union wirtschaftlich ganz „schön Federn“ gelassen. Die USA mit ihren 332 Millionen Einwohnern erlebten ein Rezessionsjahr mit minus 3,3 Prozent, in der EU mit ihrer Bevölkerung von über 450 Millionen Bürgern in 27 Staaten ging es nach der letzten Schätzung im vergangenen Jahr um 7,4 Prozent nach unten. Für das kommende Jahr erwartet man für Europa ein Wachstum von 4,1 Prozent, aufgrund der schleppenden Impfungen wurde der Anstieg für Deutschland jüngst von 3,7 auf 3,1 Prozent reduziert, für die USA geht selbst die US-Notenbank von gigantischen 6,5 Prozent Wachstum aus. Gemeinsam ist beiden Regionen der gewaltige Schuldenzuwachs bei den Staatsschulden in den USA von 22 auf 28 Billionen Dollar und einer Quote von über 131 zum Bruttoinlandsprodukt, in Europa auf knapp 94 Prozent, mit der unglaublichen Spanne von Estland (19,4 Prozent) bis Griechenland (207 Prozent). (Quelle statista)

Maastricht-Kriterien von 1992, das war einmal. Von den Stabilitätskriterien mit drei Prozent Neuverschuldung und 60 Prozent Gesamtschulden ist man meilenweit entfernt, selbst Deutschland mit seiner scheinbar niedrigen Staatsschuldenquote von 73 Prozent.

Für die unterschiedlichen Wachstumsaussichten für 2021 gibt es eine große Ursache.

Der unterschiedliche Fortschritt bei den Impfungen

Während es in der größten Volkswirtschaft der EU, Deutschland, zum Wochenende erst 8,7 Prozent der Bevölkerung waren, die gegen Covid-19 erstgeimpft waren (ähnliche Niveaus für Frankreich, Italien und Spanien) waren es in den USA schon 24 Prozent der Bevölkerung. Zusammen mit der hohen Infektionsrate von 9,2 Prozent in der Bevölkerung (30,5 Millionen, bei einer nicht zu unterschätzenden Dunkelziffer) dürfte für den Fall, dass keine Mutationen auftreten, gegen die die gerade verwendeten Impfstoffe nicht wirksam wären, schon in zwei Monaten von einer beginnenden Herdenimmunität in den USA ausgegangen werden. Für Impfstoff ist ausreichend gesorgt, „America First“ hat in diesem Fall für das amerikanische Volk einmal gewirkt, anders als in der EU, in der man auf verschiedenste Belange, insbesondere die aus gesamtwirtschaftlicher Sicht lächerlichen Beschaffungskosten Rücksicht genommen hat.

Insgesamt wurden in den USA schon 120 Millionen Impfdosen verabreicht, man impft „was das Zeug hält“, selbst an Orten, die für uns derzeit nicht vorstellbar sind.

Kurzum: Die USA sind in Sachen Reopening der Wirtschaft weit voraus, während hierzulande in Welle drei über Notbremsen in den April hinein diskutiert wird – nicht nur das, sie stehen unmittelbar bevor.

Die unterschiedliche Interpretation der Notenbanken

Natürlich wird Europas Wirtschaft 2021 wachsen und ebenso ist es sehr gewiss, dass die Inflation in Good Old Europe in diesem Jahr in die Höhe gehen wird. Energie- und Transportkosten, höhere Rohstoffpreise, Preissteigerungen nach Beendigung von Lockdown-Maßnahmen sind auch hier zu erwarten. Die Teuerungsrate ist für die EU-Zone schon auf 0,9 Prozent gestiegen, in Deutschland bereits auf 1,3 Prozent.

Aber wo stehen die Renditen der 10-jährige Staatsanleihen in Europa aktuell?

Deutschland minus 0,288 Prozent
Frankreich minus 0,041 Prozent
Spanien plus 0,345 Prozent
Italien plus 0,661 Prozent
Griechenland plus 0,908 Prozent
Im Vergleich dazu die 10-jährige US-Treasury mit 1,73 Prozent zu Wochenschluss.

Interessant in diesem Zusammenhang ist stets der Blick auf die Bilanzen der Notenbanken, in denen viele der Staatsanleihen schlummern.

Bei der Federal Reserve liegt die Bilanzsumme der Fed bei 7,69 Billionen Dollar, entsprechend 36 Prozent der Wirtschaftsleistung und etwa einem Fünftel aller ausstehenden US-Staatsanleihen.

Bei der Europäische Zentralbank ist man auch schon bei 7,1 Billionen Euro angekommen, was immerhin 71,5 Prozent der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone ausmacht. Die Notenbank des alten Kontinents versucht schon seit Jahren die Eurozone zusammen zu halten, in dem sie die Schuldentragfähigkeit verschiedener Staaten möglich macht. Das aktuelle Anleihekaufprogramm PEPP hat eine Gesamtsumme von 1,85 Billionen Euro, von dem immer noch eine Billion Euro zur Verfügung steht.

Trotz der gestiegenen Inflationserwartungen herrscht in Washington und Frankfurt Einigkeit bei der Beurteilung des Fortgangs der allgemeinen Preissteigerungen.

Die Notenbankchefs der USA und der EU sehen den Inflationsanstieg als vorübergehend an. Allerdings hat Madame Lagarde bei der letzten Notenbanksitzung mit aller Deutlichkeit verkündet, alles zu tun, um einen Anstieg der Zinsen am langen Ende zu verhindern. Bis über das Jahr 2021 hinaus. Mit großer Wirkung an den Anleihemärkten, Jerome Powell hat sich zu einer Yield Curve Control noch mit keiner Silbe geäußert, auch nicht bei einer Rendite der 10-Jährigen von 1,75 Prozent.

Fazit

Es ist kaum vorstellbar, dass sich die zwei mit Abstand größten Notenbanken in der westlichen Welt eine unterschiedliche Notenbankpolitik leisten können. Zu extrem wirken sich dovishe oder hawkishe Einschätzungen auf den Außenwert der jeweiligen Währung, und damit auf Export – aber auch auf die Finanzierungsbedingungen für die Unternehmen aus.

Die Chefs beider Notenbanken halten den Inflationsanstieg in 2021 für vorübergehend. Die Märkte beurteilen dies etwas anders, aber in jedem Fall glauben Sie nicht, dass sich ein hohes Wachstum mit derart niedrigen Kapitalmarktzinsen verträgt.

Werden sich da die Notenbanken der beiden Wirtschaftsregionen USA und EU, die über 35 Prozent des Weltsozialprodukts repräsentieren, nicht einander annähern müssen? Entweder weil die Inflation steigt, das Wachstum, oder nur eines von beiden? Eine zu große Differenz zwischen den beiden Wirtschaftsblöcken muss in der jetzigen Phase zu Unsicherheiten, sprich Umschichtungen an den Kapitalmärkten führen.

Man stelle sich vor, die 10-jährigen US-Treasuries stünden bei zwei Prozent, die 10-jährige Bund bei minus 0,2 Prozent und die Inflationsrate bei jeweils zwei Prozent.

Die USA und die EU: große Unterschiede in Wirtschaft und Impfstoff-Versorgung



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