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Anleihen

USA will Rücksicht nehmen – was ist da denn los?

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Von Markus Fugmann

Die USA und Rücksicht (auf die “Rest”-Welt) – das ist ein Zusammenhang, den man nicht unbedingt auf Anhieb herstellt. Nun aber hat der Vize-Chef der Fed, Stanley Fischer, angeündigt, dass die Fed Rücksicht nehmen wird auf die Welt, wenn es seine Geldpolitik ändert. Was ist da bloß passiert? Zuvor lautetet das Motto immer: der Dollar ist unsere Währung und euer Problem, nun auf einmal Rücksichtnahme? Eine Art einfühlende Hegemonie?

Von Bedeutung in diesem Zusammenhang ist, dass Fischer eigentlich Israeli ist, gleichzeitig aber die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt. Als jüdischer Amerikaner ließ er sich in Israel einbürgern, um dort den Posten als Chef der israelischen Notenbank (2005 bis 2013) antreten zu können. Zuvor war Fischer Vize-Chef der Citigroup, Chefvolswirt der Weltbank (1988 bis 1990) und die offizielle Nummer 2 beim IWF (1994 bis 2001). Schon deshalb hat er einen anderen Blick auf die Welt, denkt in anderen Horizonten. Bezeichnenderweise hat Fischer folgende Äusserungen gestern nicht in den USA, sondern bei einer Rede an der Uni von Tel Aviv getätigt:

“If foreign growth is weaker than anticipated, the consequences for the U.S. economy could lead the Fed to remove accommodation more slowly than otherwise. (..) The state of the U.S. economy is significantly affected by the state of the world economy”.

Das sind ganz neue Töne. Zuvor wähnte sich die USA auf einem Extra-Planeten, die für die heimische Wirtschaft angemessene Geldpolitik erfolgte völlig anabhängig von den Konsequenzen in anderen Ländern. Das interessierte einfach nicht. Nun aber hat die Fed, zumindest ihr Vize Fischer, realisiert, dass etwa der starke Dollar sehr wohl Auswirkungen auf die Konjunktur in den USA hat. Und wenn es andernorts zu Turbulenzen komme, so Fischer, strahle das auch auf die US-Wirtschaft aus und könnte dann die Ziele der Fed unterminieren.

Diese Art einfühlende Hegemonie bei der Geldpolitik ist wohl eine verspätete Reaktion auf das “taper tantrum” vom Mai 2013: damals hatte Ben Bernanke die Reduktion der Anleihekäufe durch die Fed angekündigt, woraufhin insbesondere in den Schwellenländern Währungen abwerteten und Aktienmärkte unter Druck gerieten.

Das soll diesmal also anders ablaufen, die USA wollen mit ihrer Geldpolitik aus Eigeninteresse Rücksicht nehmen. Dazu Fischer weiter:

“The actual raising of policy rates could trigger further bouts of volatility, but my best estimate is that the normalization of our policy should prove manageable (..). We have done everything we can, within the limits of forecast uncertainty, to prepare market participants for what lies ahead.”

Soll doch noch einer sagen, dass die Amerikaner nicht das Beste für die Welt wollten..

3 Kommentare

3 Comments

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    Hinterfrager

    27. Mai 2015 12:29 at 12:29

    Tja, wer weiß, was Stanley Fischer zu dieser bahnbrechenden Erkenntnis gebracht hat. Oder ist es womöglich (wieder einmal) dem Einfluss der aktuellen Witterung vor Ort zuzurechnen…;-) ?

    http://www.wetteronline.de/wetter/tel-aviv

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    khaproperty

    27. Mai 2015 12:44 at 12:44

    Die Reaktionen auf die Fed-Äußerungen im Mai 2013 – taper will come – waren zunächst die Umkehr wesentlicher Teile des US-$-carrytrades.

    Dieser bestand vor allem darin, billige US-Kredite mit fast kostenlosem Eigengeld zu koppeln (bis zu und über 10/1) und in Überrenditen zu investieren. Diese fanden sich nach 2008 vor allem in BRICS und Assets auf US-Märkten. Dort als stiegen die Bewertungen – an Aktien- und Anleihemärkten in USA bis heute. Ab 5/13 leiteten taperfears die Rückabwicklung der Investitionen in BRICS ein.

    Infolge dessen – also bestenfalls indirekt wegen der Bernanke-Äußerungen – fielen die BRICS in sich zusammen. Dieser Prozeß ist noch nicht am Ende. Es lassen sich also weitere eher rezessive Erscheinungen erwarten.

    Fisher laviert – auch wegen seiner eher globalen Sicht – zwischen den Untiefen, denen seine Kollegen einschließlich der Vorsitzenden Yellen immer wieder die Orientierungsbojen nehmen.
    Rücksicht auf EU etc ist allein wegen der laienhaften Übungen Draghi´s nötiger als zuvor angenommen, zumal die EZB-Politik offenbar weitgehend unerwünschte Wirkungen zeigt.

    Die Wahl der Fed beschränkt sich auf riskantes Zuwarten oder den Beleg eigener Handlungsfähigkeit.
    Zahlen für´s Eine oder Andere lassen sich immer finden.

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    joah

    27. Mai 2015 15:01 at 15:01

    man kann es auch noch kürzer übersetzen: den Amerikanern rinnt der Angstschweiß schon in Stömen von der Stirn, denn sie tun niemals etwas aus Gutmenschentum. Wie auch schon angedeutet gewesen: purer Eigennutz. Ende

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Anleihen

Deutschland verdient an seinen Staatsschulden – aber es gibt einen Haken

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Deutschland Flagge - mehr Staatsschulden bedeuten mehr Gewinn

Die Situation ist für die meisten Sparer unbegreiflich. Während der Kleinanleger mit Zinsen an der Nulllinie abgespeist wird, verdient der Staat mit der Erhöhung der Staatsschulden sogar noch daran. Zunehmend mehr, denn nicht nur die Neuemission von Papieren zu Minuszinsen bringt Ertrag, auch die Verlängerung alter Langläufer mit ehemals ansehnlichen Kupons spielt ordentlich Geld in die Staatskasse (hier mal ein konkretes Beispiel). Das Ganze hat nur einen Haken, die aktuelle Einnahmequelle könnte sich zur künftigen Belastung entwickeln.

Der aktuelle Geldsegen dank neuer Staatsschulden

Die Bundesrepublik Deutschland wird als Hort der Sicherheit gesehen. Alle Staatsschulden von kurz bis sehr lang (30 Jahre) sind mit einer Negativrendite versehen. Damit entsteht aus der jetzigen Konjunkturkrise eine paradoxe Situation. Desto höher die Schuldenaufnahme ausfällt, desto größere Profite resultieren aus der Coronakrise. Ein Analysehaus (Barkow Consulting) hat es berechnet: In diesem Rekordverschuldungsjahr macht der Bund einen Sondergewinn von 11,6 Milliarden Euro. Selbst der Haushaltsplan inklusive Nachtrag von Finanzminister Olaf Scholz sieht hierfür „nur“ die Sondereinnahme von sechs Milliarden Euro vor. Dabei kommt nicht nur der deutsche (Geld)Sparer ins Grübeln, der Leittragende der finanziellen Repression ins Grübeln, auch manch gebeutelter EU-Staat. Und wenn das erst „Sir Donald“ zu Ohren kommt, dass man mit dem Aufnehmer neuer Staatsschulden so richtig Geld verdienen kann! Aber Schuldenmachen bleibt nie folgenlos.

Das System der Kameralistik

Möglich wird dieser Geldregen auch durch das System der Buchhaltung im Staatshaushalt, Kameralistik genannt. Durch den Vertrauensvorschuss der Märkte kann der deutsche Staat Anleihen zu Minuszinsen emittieren. Da der Copo nicht negativ sein kann – sonst müsste der deutsche Staat von unzähligen Käufern jedes Jahr Zinsen einkassieren – begibt er den Kupon zu 0 Prozent. Die jährlichen Zinserträge schlägt er auf den Ausgabekurs drauf, so dass er bei einer 10-jährigen Staatsanleihe und einem Zinssatz von minus 0,5 Prozent 105 Prozent (so werden Anleihen bepreist) verlangt. Zum Ablauf der 10-Jahresfrist zahlt der Staat 100 Prozent zurück und jetzt kommt der Clou – den Aufpreis verbucht er aktuell als Gewinn.

Der zweite „Finanztrick“ ist die Aufstockung noch sehr lange laufender Anleihen. Da vor gut 10 Jahren noch deutliche höhere Kupons gezahlt wurden (> 4 Prozent), wird ein unglaublich hoher Kurs festgelegt, der doppelt so hoch sein kann, wie der Auszahlungsbetrag, der immer zu hundert notiert. Damit macht der Bund schlagartig einen sehr hohen Gewinn, mit dem gewaltigen Nachteil, dass er aber bis zur Endfälligkeit hohe, marktunübliche Zinsen zahlen muss.

Der Gewinn, Agio genannt, wird heute konsumiert, die Zinszahlungen auf diese Staatsschulden wird in die Zukunft verlegt. Das kameralistische Buchungssystem erlaubt dieses Vorgehen der vorweggenommenen Einnahmen. Wie das Einplanen von Mauteinnahmen in der Zukunft, auch wenn diese dummerweise nicht gesetzeskonform ist. Natürlich gibt es politische Kritik zu dieser Art Haushaltsführung, die zwar einen Handlungsspielraum für die Gegenwart eröffnet, in der Zukunft aber zu Belastungen führen kann. Zum Beispiel bei einem Anstieg der Zinsen, von dem derzeit sehr wenige ausgehen. Das Finanzministerium sieht sich für einen solchen Fall gewappnet. Steigende Zinsen sind in der Regel mit steigender Inflation verbunden. Wer würde aber dann wiederum nicht davon profitieren?

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Allgemein

Schon gemerkt? Karlsruhe-Urteil zur EZB vom Bundestag bereits abgefrühstückt

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Bundestag beschließt Ordnungsmäßigkeit der Anleihekäufe der EZB

Haben Sie es schon mitbekommen? Denn in den großen Medien war es kein Thema für die Schlagzeilen. Gestern hat sich der Bundestag doch glatt insgesamt 40 Minuten Zeit genommen für Reden und Abstimmung. Es ging um die Frage, ob die Anleihekäufe der EZB denn überhaupt verhältnismäßig sind. Diese Frage musste ja behandelt werden, nachdem das Bundesverfassungsgericht vom 5. Mai festgestellt hatte, dass das Kaufprogramm PSPP teilweise verfassungswidrig sei, und dass Bundesregierung und Bundestag hier eine Prüfung hätten vornehmen müssen. Tja, und nachdem die EZB inzwischen Informationen übermittelt hat, haben die Fraktionen von CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne gestern beschlossen (hier die Übersichtsseite des Bundestags), dass die Verhältnismäßigkeit der EZB-Anleihekäufe gewahrt ist. Man ist zufrieden mit den Erklärungen der EZB. Gemeint ist damit, dass die Vorteile der Anleihekäufe die Nachteile (zum Beispiel ausbleibende Zinsen für Sparer) überwiegen, und dass die ganze Sache unterm Strich doch eine sinnvolle und gute Sache ist (in einfachen Worten ausgedrückt).

Im folgenden Video können sie die gestrigen 40 Minuten (bloß das Thema schnell abhandeln) mit den Reden der einzelnen Fraktionen und der Abstimmung am Ende anschauen. Ohhhh Wunder, ohhhh Wunder, möchten wir da sagen. Es war doch klar, dass die GroKo eine Erklärung der Europäischen Zentralbank entgegennehmen und dann auch durchwinken würde. Aber auch Gründe und FDP machen mit. Man tut alles um die Aktivitäten der EZB zu stützen. Letztlich weiß es jeder, aber niemand darf es aussprechen. Die EZB fungiert als Wirtschaftsregierung der EU und rettet mit gedrucktem Geld zum Beispiel Länder wie Italien. Das gehört aber definitiv nicht zu ihren Aufgaben. Deswegen muss offiziell alles irgendwie in Zusammenhang gebracht werden mit ihrem offiziellen Auftrag, nämlich der Preisstabilität.

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Aktien

Wirecard: So groß sieht der Anleihemarkt die Insolvenzgefahr

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Beispiel für Börsencharts - Kursabstürze bei Wirecard-Aktien und Anleihen

Tja, was soll man zu Wirecard noch groß sagen? Die 1,9 Milliarden Euro auf philippinischen Bankkonten sind nicht vorhanden, oder sie waren auch vielleicht nie da! Der CEO Braun ist zurückgetreten, und offenbar scheint nun auch gegen den Wirtschaftsprüfer “EY” eine Klagewelle zuzurollen. Auch ist derzeit möglich, dass ein Konsortialkredit diverser Banken an Wirecard auf der Kippe steht. Finden Sie zum Gesamtdesaster rund um Wirecard hier den gestrigen Kommentar von Markus Fugmann.

Steht die Insolvenz von Wirecard bevor? Gibt es in den Büchern des Unternehmens noch viel mehr Probleme? Müssen vorherigen Jahresabschlüsse korrigiert werden? Die Unsicherheit ist quasi zu greifen. Als Außenstehender steht man fassungslos vor diesem totalen Debakel. Und nicht nur die Aktionäre haben seit letztem Mittwoch einen Großteil ihrer Geldanlage verloren. Gut, natürlich besteht immer noch die Möglichkeit, dass sich die Aktie erholt, aber bitte schön? Wird sie wieder auf über 100 Euro steigen können? Wie groß die Gefahr einer Insolvenz von Wirecard ist, kann man immer sehr gut am Anleihemarkt ablesen. Und dort sieht das Debakel kaum besser aus als am Aktienmarkt.

Kurse von Wirecard-Anleihen stark gefallen

Nehmen wir eine Anleihe von Wirecard, die noch vier Jahre Restlaufzeit hat (hier Detaildaten). Sie notiert heute früh bei 25,11 Prozent des Nominalwerts von 100 Prozent (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten). Letzte Woche lag das Kursniveau noch bei 80 Prozent, im April noch bei 90 Prozent. Wenn man bis zur Fälligkeit der Anleihe wartet und wenn das Unternehmen dann noch solvent ist, würde man 100 Prozent Rückzahlung erhalten. Dass die Anleihe jetzt am Markt für 25,11 Prozent zu haben ist, bedeutet: Die Besitzer der Anleihen haben die letzten Tage in Panik verkauft, weil sie Angst hatten alles zu verlieren. Dann lieber einen Großteil des Rückzahlungsanspruchs abschreiben, und jetzt sofort einen kleinen Rest-Erlös einstreichen? So extrem sieht der Anleihemarkt also die Insolvenzgefahr für Wirecard!

Und wer kauft so etwas? Wenn jemand sagen wir für 40 Prozent, 30 Prozent oder jetzt 25,11 Prozent Anleihen von Wirecard verkauft, muss es ja auf der Gegenseite auch immer einen Käufer geben. Diese Spekulanten hoffen entweder in nächsten Wochen und Monaten auf Kursgewinne, oder sogar auf ein Überleben von Wirecard und die volle Rückzahlung des Nennwerts der Anleihen von 100 Prozent im Jahr 2024. Alles eine Frage der Sichtweise. Wie viel Risiko geht man ein? Und wenn man Recht hat mit seiner Spekulation, winkt ein fetter Gewinn!

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