Folgen Sie uns

Indizes

USA – Wirtschaft kurz vor Infektion?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Sind die USA und die US-Wirtschaft wirklich immun gegenüber der Konjunktur-Schwäche Europas und Chinas?

Der Handelsstreit und der Abschwung der Weltwirtschaft nach einem langen Zyklus bringen weltweit die Wachstumsraten nach unten, in einigen Ländern sogar schon in den rezessiven Bereich. Weltwirtschaftsorganisationen wie OECD, IWF oder Weltbank taxieren das globale Wachstum für das nächste Jahr nur noch auf 2,5 Prozent, ein sehr niedriger Wert bei einer wachsenden Weltbevölkerung.

 

Das aktuelle Bruttoinlandsprodukt der USA

Gestern wurde das BIP für die USA für das zweite Quartal 2019 mit 2,0 Prozent Wachstum veröffentlicht – keine Veränderung zur letzten Ausgabe, aber doch ein Zeichen großer Widerstandsfähigkeit gegen die Einflüsse der Weltwirtschaft. Die führende Wirtschaftsnation mit ihrem Bruttoinlandsprodukt von 20,5 Billionen Dollar wackelt immer noch nicht, trotz der Zölle, Gegenzölle und Handelshemmnisse mit China.

Wieso sind die Bremsspuren in der Konjunktur immer noch nicht stärker zu spüren? Die Antwort lautet seit Langem: 83% – 70% – 16% – 1%. Diese Prozentzahlen stehen für Dienstleistung, Konsum, Produktion und Landwirtschaft. Das umschreibt den Anteil der Bereiche am gesamten US-Bruttoinlandsprodukt. Man könnte fast von einer Immunität der US-Wirtschaft vor Einbrüchen im Welthandel sprechen. Aber es gibt Anzeichen, dass sich die Schwäche im Produktionssektor auch auf den Dienstleistungs- und Konsumsektor ausbreiten könnte.

Starke Konsumzahlen – stark rückläufiges Vertrauen

Aus den oben genannten Prozentzahlen wird deutlich, dass es die US-Wirtschaft erst richtig treffen wird, wenn der Verbraucher anfängt seine „Konsumorgie“ einzuschränken. Noch sind die Konsumausgaben äußerst opulent, wie die Q2-Konsumwachstumsraten von 4,6 Prozent beweisen. Auch in den beiden Folgemonaten zeigten die Daten noch ein deutliches Wachstum.

Aber es zeichnet sich eine andere Entwicklung ab: Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan und des Conference Board ist in der letzten Befragung um über neun Punkte eingebrochen, so stark wie seit 2012 nicht mehr.

Nachdem einige Indikationen der Banken schon mit einem Rezessionsrisiko von fast 40 Prozent für 2020 rechnen, gibt es aus dem Umfeld des Verbrauchervertrauens eine Grafik, die dieses Risiko noch deutlich untermauert. Es ist eine Darstellung des Conference Board, in dem die Differenz zwischen dem Erwartungsindex und dem Index der aktuellen Lage dargestellt wird (Difference between expectations index and present situation index). Diese zeigt bereits einen Stand an, wie es ihn bei den letzten Schrumpfungen der US-Wirtschaft gegeben hat:

 

 

Worauf in Sachen USA zu achten ist

Deshalb sind für mich bei der Beurteilung einer möglichen Rezession in den USA Konsumausgaben und Arbeitslosigkeit die bedeutendsten Einflussgrößen (außerhalb der Geldpolitik). Bei einer sich verstärkenden Beeinträchtigung des Konsumenten durch den Handelsstreit wird es kritisch für die Ökonomie.

Damit geht es um die Frage, wann das allgemeine Wirtschaftsgeschen auf Dienstleistung und Konsum durchschlägt. Das weiß natürlich auch die US-Administration, hier insbesondere Ex-Goldman Sachs-Direktor Steven Mnuchin. Deshalb gibt es auch die beständigen Forderungen an die Federal Reserve für Zinssenkungen und das Anleihekaufprogramm QE4, um auch die langfristigen Zinsen tief zu halten. An diese sind Verbraucher- und Immobilienkredite gekoppelt, die für den hoch verschuldeten US-Konsumenten sehr wichtig sind. Hierfür ist der Treasury Bond mit 10-Jahreslaufzeit die maßgebliche Größe.

Sind nicht die Lebenszeichen der US-Hausverkäufe auf die stark gefallenen langfristigen Hypothekenzinsen von über 5 Prozent (2018) auf kürzlich 3,5 Prozent darauf zurückzuführen?

 

Fazit und Schlussfolgerung

Das Wechselspiel zwischen Rezessionssorgen und Zinshoffnungen geht weiter – mit allen wirtschafts- und geopolitischen Kriegsschauplätzen. Daher sind meines Erachtens die kommenden Daten zu Konsum und Arbeitslosenrate von nicht unerheblicher Bedeutung.

Bei den großen Arbeitsmarktdaten in einer Woche könnte Fed-Chef Jerome Powell eine Begründung für sein weiteres zinspolitisches Vorgehen bekommen. Er möchte datenabhängig agieren (data driven) – und wie oft hat er auf seiner letzten Sitzung den Gesetzesauftrag der Fedeal Reserve wiederholt: „Price Stability and Labour Market!“. Aber natürlich geht es ihm auch um die Stützung der Konjunktur und damit das Wohlergehen des Konsumenten.

Für das letzte große Strohfeuer!

 

Ist die Wirtschaft der USA wirklich immun gegenüber der Schwäche in Europa und China?

Hier klicken und kommentieren

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Finanznews

Aktien: Generation Z und die Spekulation! Marktgeflüster (Video)

Die Generation Z (ab 1995 Geborene) macht wieder Schlagzeilen und pusht auch heute wieder bestimme Aktien nach oben. Das böse Ende aber wird kommen..

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Generation Z (ab 1995 Geborene) macht auch heute wieder Schlagzeilen und pusht wieder Aktien wie Gamestop oder Beyond Meat nach oben. Diese Generation Z wird nicht nur den Klimawandel ausbaden müssen, sondern ahnt auch, dass sie seit langer Zeit die erste Generation sein wird, für die der Kuchen nicht größer, sondern vermutlich kleiner sein wird. Und diese Generation Z wähnt sich nun durch die Fed und andere Notenbanken in einem Casino, in dem man ohne Risiko zocken könne – weil Aktien angeblich immer steigen. Aber an der Börse hat die Mehrheit schon immer verloren, und das wird diesmal nicht anders sein..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Robuste Ergebnisse auf breiter Front

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die gemeldeten und heute Abend anstehenden Quartalszahlen sind heute ein wichtiges Thema.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Aktien

Wall Street: Kommen jetzt Regulierungen durch die Biden-Regierung?

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Was passiert mit den Monopolen der großen Tech-Firmen?

Wolfgang Müller

Veröffentlicht

am

Wird es für die Wall Street unter Biden sehr viel schwieriger als unter Trump? Bereits seit Monaten wird darüber spekuliert, wie eine demokratische Regierung den großen Techfirmen mit ihren monopolartigen Stellungen zu Leibe rücken wird. Schon die Bildung der Regierung wird Hinweise darauf geben, viele designierte Minister haben bereits in der Regierung unter Barack Obama politische Posten bekleidet.

Die Wall Street und der Abbau der Regulierungen

Die Ära Trump war für die Wall Street geprägt von Deregulierungen, insbesondere im Finanzsektor, was natürlich den oberen Einkommensklassen zugute kam – trotz seiner Beteuerungen dem Establishment auf den Leib rücken zu wollen. Joe Biden hat bereits im Wahlkampf davon gesprochen, gegen die wachsende Ungleichheit im Lande vorgehen zu wollen, was zwangsläufig auf einen Machtkampf mit der Wall Street hinauslaufen würde. Jetzt hat er aber mit der neuen Finanzministerin Janet Yellen, der einstigen Notenbankchefin, eine Entscheidung gefällt, die eher Kontinuität als Radikalität in Finanzfragen erwarten lässt. Sie unterstützt natürlich das Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen Dollar, zu dem die Ministerin vor dem Senat betonte, dass diese Verschuldung mehr nutze, als dass sie schade. Ihre Zielstellung seien mehr und besser bezahlte Jobs und höherer Wohlstand für mehr Amerikaner.

Die letzten Personalentscheidungen deuten aber daraufhin, dass man die Wall Street doch in Teilbereichen stärker regulieren wolle.

Chef der Börsenaufsichtsbehörde SEC soll Gary Gensler werden, ein Mann, der schon von 2009 bis 2014, also unter der Präsidentschaft von Barrack Obama, die Aufsicht über die Derivate CFTC innehatte. Er hatte damals die Untersuchungen bei den Manipulationen des Zinssatzes Libor geleitet und die Finanzreform umgesetzt. Er gilt als harter Hund in der Szene, aber wie könnte es auch anders sein – er hatte zuvor schon 20 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet.

Die Aufgaben der SEC dürften gewaltig sein, im Stadium der derzeitigen Spekulationsauswüchse. Zum Beispiel bei den Special Purpose Acquisition Companies, kurz SPAC genannt. Firmen, die zunächst Kapital über einen Börsengang einsammeln, um das Geld in die Übernahme eines noch nicht feststehenden Unternehmens zu investieren. Ein kaum regulierter Bereich, bei dem es wieder auf Kosten der Kleinanleger gehen könnte. Bereits in den ersten drei Wochen wurden im Bereich der SPACS schon wieder 56 solcher Mantelfirmen an die Börse gebracht und 16 Milliarden Dollar an Geldern eingesammelt. Nach 300 Firmen im Jahr 2020.

Was Gensler auch besonders auszeichnet, sind seine Kenntnisse im Bereich der Kryptowährungen – einem Thema, über welches er auch an seiner Universität gelehrt hat. Er hat sich zur Szene schon sehr kritisch geäußert und wird sich ganz besonders mit Fintech-Unternehmen und Kryptowährungen befassen.

Unterstützt wird Gensler von Rohit Chopra, der Chef der Verbraucherschutzbehörde für Finanzprodukte (CFPB) werden soll, die nach der Finanzkrise gegründet wurde.

Der Mann hatte sich bereits in in seiner Zeit bei einer anderen Behörde gegen die Macht der großen Tech-Konzerne ausgesprochen. Er stimmte für die Klage der Behörde gegen Facebooks ungesetzliche Monopolisierung, der sich auch eine Gruppe von Generalstaatsanwälten angeschlossen. Unter Trump war der Einfluss der Verbraucherschutzbehörde deutlich zurückgefahren worden.

Chef der Bankenaufsicht (OCC) soll Michael Barr werden, ein Mann der auch schon im Finanzministerium zu Obamas Zeiten gearbeitet hatte und nun auf 1200 Banken ein Auge werfen soll.

Die Personalauswahl Bidens zeigt in jedem Fall, dass dem Schutz der Verbraucher zulasten der großen Firmen mehr Bedeutung zukommen wird – und das könnte ein Problem für die Wall Street werden.

Fazit

Wieder einmal stellt sich bei einer neuen Regierung die Frage, wie viel von den Programmpunkten aus dem Wahlkampf im politischen Kampf und vor allem gegen das mächtige Kapital der Wall Street in den USA umgesetzt werden kann. Wer glaubt, dass es jetzt zu einer größeren Umverteilung von Wall Street zu Main Street kommen würde, dürfte ein bisschen blauäugig sein. Bidens Mannschaft besteht aus vielen älteren Semestern, die schon unter Barrack Obama im Einsatz waren.

Außerdem spielen die Wall Street und die Kapitalmärkte in den USA eine viel dominantere Rolle als in allen anderen Industriestaaten der Welt. Es dürfte kaum Gouverneure, Senatoren und Politiker in führenden Positionen geben, die nicht auf einem großen Aktienpaket sitzen. Den Ast ansägen, auf dem man selbst sitzt? Das beste Beispiel ist doch die ehrwürdige Sprecherin der Demokraten, die bereits 80-jährige Nancy Pelosi. Wenn die Grande Dame der US-Demokraten sogar eine halbe Million Dollar für Optionen auf die Tesla-Aktie gesetzt hat, erst vor Kurzem und bereits in der Gewissheit in Regierungsverantwortung zu stehen, was werden wohl die anderen Abgeordneten in ihrem Vermögensdepots haben? Bestimmt kein gefülltes Girokonto, wie unser Finanzminister.

Ergo: Regulierungen an der Wall Street werden kommen, aber wohl immer noch mit Schonung des Aktien-Wunderlandes USA.

Wird die Biden-Regierung die Wall Street bald stärker regulieren?

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage