Interessantes aus der Presse

Varoufakis will weiter den Ton angeben – und übersteht einen Angriff unverletzt

Von Markus Fugmann

Yanis Varoufakis ist immer für eine Schlagzeile gut – aber heute kommt es besonders dick beim griechischen Finanzminster! So war er nach eigenen Angaben gestern Abend beim Abendessen mit seiner Frau in einer Athener Taverne von Anarchisten angegriffen worden – blieb aber unverletzt, weil seine Frau sich vor ihren Mann gestellt hatte und so die Angreifer stocken ließ. Seine Frau habe eine Verletzung verhindert, „indem sie mich beschützend umarmte“. Er habe dann mit seiner Frau das Lokal verlassen und sich mit den aggressivsten Anarchisten unterhalten, bevor er dann auf seinem Motorrad (typisch, könnte man meinen) mit seiner Frau nach Hause fahren konnte.

Das ist natürlich eine schöne Story: die Ehefrau rettet ihren Mann, ein Fest für den Boulevard-Journalismus. Und dann reiten sie auf dem Motorrad nach Hause – fast zu schön um wahr zu sein..

Griechenland Finanzminister Yanis Varoufakis 2
Übersteht Angriffe und hat die Zügel selbstverständlich weiter in der Hand: Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis
Foto: Jörg Rüger / Wikipedia (CC BY 3.0)

Aber wie auch immer: in einem Interview mit der „Zeit“ hat Varoufakis nun betont, dass er nach wie vor die Zügel bei den Verhandlungen mit den Gläubigern in der Hand habe:

„Ja, ich gebe den Ton an. Ich bin weiterhin für die Verhandlungen mit der Eurogruppe verantwortlich. Dabei werde ich von verschiedenen Regierungsmitgliedern unterstützt – unter anderem von meinem guten Freund Euklides Tsakalotos. Dass manche Medien es so darstellen, als ob er mich in den Verhandlungen ablösen würde, ist nur ein weiterer Beweis für die inzwischen so niedrigen journalistischen Standards.“

Auch die Berichte nach dem Eurogruppen-Gipfel in Riga, als Medien berichtet hatten, dass Teilnehmer des Treffens Varoufakis als „Spieler“, „Amateur“ und „Zeitverschwender“ bezeichnet hatten, seien natürlich falsch:

„Es ist sehr traurig, dass manche Medien Dinge berichten, die so nie stattgefunden haben. Meine Kollegen in der Eurogruppe sind sehr anständige und zivilisierte Menschen. Sie würden mich deshalb nie so bezeichnen. Wir pflegen trotz der harten Verhandlungen einen sehr kollegialen Umgang. Wir sind Profis.“

Dass Varoufakis „Profi“ sei, wird eben hinter vorgehaltener Hand von zahlreichen EU-Offiziellen klar bestritten. Aber wie es sich für Varoufakis gehört, bleibt eine Spitze gegen die Gläubiger nicht aus:

„Unsere Reformvorschläge werden von den Institutionen nicht wirklich diskutiert. Und gleichzeitig bieten sie keine Alternativen an.“

Gleichwohl ist Varoufakis optimistisch, dass eine Einigung unmittelbar bevorsteht:

„Ich bin kein Prophet. Aber es ist in unserem Interesse, so schnell wie möglich einen Kompromiss zu erzielen. Wir sind diesem Ziel viel näher, als viele Medien glauben.“

Na dann kann ja nichts mehr schief gehen..



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