Folgen Sie uns

Allgemein

Venezuela: Gefahr für die „Nationale Sicherheit der USA“

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von Claudio Kummerfeld

Der Menschenfreund und Nobelpreisträger Barack Obama hat jüngst Venezuela zur Gefahr für die „Nationale Sicherheit der USA“ erklärt. Werden dort Atomraketen auf die USA gerichtet? Terrorcamps für Islamisten? Nein. Es geht um Geld und Einfluss, eigentlich wie immer…

Venezuela beim ALBA-Treffen 19.03.2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gestriges Treffen der ALBA-Staaten in Caracas – Protest gegen US-Sanktionen
Foto: www.albaciudad.org

Warum bauen die USA eigentlich diesen enormen Druck gegen Venezuela auf? Sanktionen, Venezuela als „Gefahr für die nationale Sicherheit der USA“ einstufen, innenpolitische Maßnahmen kommentieren als wäre man direkt beteiligt und und und… warum tun die USA das? Ganz einfach. Es geht wie immer ums Geld, um Einfluss, um Geostrategie.

Klagen vor „Schiedsgericht“ gegen Venezuela

Beim Weltbank-„Schiedsgericht“ ICSID sind gegen Venezuela derzeit 24 Klagen anhängig, auch von zahlreichen US-Firmen, die meinen Ansprüche gegen Venezuela stellen zu können vor diesem Privatgericht, obwohl Venezuela dort schon lange nicht mehr Mitglied ist. „Zahlreiche US-Firmen“ ist jetzt mal eine Vermutung. Ein Einblick in das „Klageregister“ des Weltbank ICSID zeigt, dass von den insg. 39 Klagen (inkl. Altfälle) erstaunlich viele Klagen von Firmen eingereicht wurden, die ihren Sitz auf Barbados oder in Panama haben. Und mir wäre nicht bekannt, dass es dort besonders viele Industriekonzerne gibt, die in Venezuela großvolumige Wirtschaftsvorhaben auf die Beine stellen könnten. Selbst der drittgrößte US-Ölkonzern ConocoPhillips hatte wohl aus optischen Gründen vor diesem „Schiedsgericht“ lieber über seine niederländische Tochter gegen Venezuela geklagt, so dass dort die Herkunft des Klägers nicht USA lautet, sondern „Dutch“.

Lex Exxon

Wie wir bereits berichteten, hatte Venezuela ein Schiedsgerichts-Urteil der Weltbank abgelehnt, wonach man 1,6 Milliarden Dollar an Exxon zahlen sollte wegen einer Verstaatlichung. Exxon hat darauf hin einfach vor einem US-Gericht geklagt und prompt Recht bekommen. Anfang März wurde Venezuela nun endgültig von einem New Yorker Bezirksgericht verurteilt die 1,6 Milliarden Dollar an Exxon zu zahlen. Fraglich, ob dies geschehen wird. 1. Es ist wohl kaum Geld vorhanden in Venezuela um solche Summen, dazu noch in US-Dollar, zu bezahlen. 2. Es wäre ein herber Gesichtsverlust für die sozialistische Regierung in Venezuela. 3. Es würde andere Unternehmen, deren Klagen noch vor dem Weltbank ICSID laufen, noch mehr ermuntern auf ihre Forderungen zu bestehen.

Die USA und Südamerika

George Bush war wenigstens ehrlich. Hingegen ist Präsident Obama für seine Heuchelei (Guantanamo schließen, Menschenrechte, Drohnenkrieg) bekannt. Aus einen kalten Krieg, der zwischen den USA und Venezuela bereits existiert, könnten die USA schnell einen richtigen Krieg machen. Gerade was Mittel- und Südamerika angeht, zeigt die Geschichte, dass die USA besonders wenig Skrupel haben mal eben kurz einzumarschieren, oder einen Präsidenten zu ersetzen, oder einen Präsidenten einfach nur für sich arbeiten zu lassen; man denke an die Beispiele Chile, Guatemala, Kuba (Versuche gescheitert), Grenada, Panama… warum sollte man in Venezuela anders handeln? „Weit hergeholt, ein Hirngespinst, unrealistisch“ mag man einen US-Krieg gegen Venezuela aus heutiger Sicht nennen. Aber so unrealistisch ist das gar nicht. Hatte man nach dem 11. September an einen zweiten Irak-Krieg geglaubt? Jeder Mensch auf diesem Planeten außer George Bush wusste, dass der Irak nichts mit Al Qaida zu tun hatte und nicht vor hatte die USA anzugreifen.

Spätestens beim Geld hört der Spaß für die USA endgültig auf. Wie anfangs schon beschrieben – diverse Unternehmen machen derzeit ihre Ansprüche gegen Venezuela geltend, weil sie der Meinung sind noch Geld bekommen zu müssen für Verstaatlichungen etc, und man klagt einfach direkt in den USA, oder vor dem Weltbank-Schiedsgericht ICSID, dass ja zufällig in Washington D.C. beheimatet ist. Man kommt aber nicht voran. Venezuela zahlt nicht. Was tun die USA in so einem Fall? Sanktionen? Existieren schon längst. Und was kommt danach?

Obama zeigt sich „besorgt“ über die Wahrung der Menschenrechte und die freie Meinungsäußerung der Opposition in Venezuela. Auch nach unabhängigen Berichten ist nicht bewiesen, dass die politische Gewalt in Venezuela mehrheitlich vom Staat ausgeht. Und was Menschenrechte angeht, sollte Obama sich doch z.B. erst mal um Saudi-Arabien kümmern, wo kürzlich bei seinem Staatsbesuch sämtliche saudische Scheichs seine Frau, die neben ihm, stand einfach ignoriert haben – weil sie nicht verschleiert war. Wenn es danach geht, müssten die USA gegen einen Großteil des Planeten irgendwelche Sanktionen verhängen. Warum verhängt man sie dann gerade gegen Venezuela?

Motive

Welche Motive haben die USA noch außer Geld? Eine naheliegende Vermutung: Immer mehr lateinamerikanische Länder schwenken um ins „Anti USA“-Lager. Das gefährdet den Einfluss der USA in der ganzen Region, und das gefährdet Absatzmärkte. Deswegen versucht man Gegenwind abzuwürgen, wo es nur geht.

Die aktuellen US-Sanktionen gegen Venezuela beinhalten Reisebeschränkungen und das Einfrieren von Geldern. Zahlreiche südamerikanische Länder unterstützen bereits seit letztem Jahr die Proteste gegen die US-Sanktionen, z.B. auch Brasilien und Argentinien – eigentlich fast ganz Südamerika; und genau das ist es, wovor die USA wirklich Angst haben, dass sich Südamerika zu einer Art Wirtschafts- oder Politik-Union zusammenschließen könnte, ähnlich der EU, und dann mit einer starken Stimme sprecht. Dann würde man wie die EU mit einer Bevölkerung größer als die der USA im Rücken, ganz anders gegenüber den USA auftreten, wenn es um Politik und Wirtschaft geht. Lieber haben die USA aber viele kleine, zerstrittene und unbedeutende Länder in Südamerika.

Die „Nationale Sicherheit der USA“

Obama bezeichnete Venezuela jüngst als „Gefahr für die nationale Sicherheit der USA“. Bei Saddam Hussein klang das auch so. Wenn dieses Zitat von einem US-Präsidenten fällt, wissen alle, was das bedeutet. Bevor man einen Krieg startet, muss man erst mal eine Gefahr konstruieren.




Quelle: Worldbank ICSID
Mit Material von www.albaciudad.org / amerika21.de

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    rote_pille

    20. März 2015 13:13 at 13:13

    die sanktionen richten sich derzeit doch nur gegen ein paar beamte. volkswirtschaftliche wirkung =0.
    die prozesse vor den schiedsgerichten kommen von chavez‘ verstaatlichungswahn. die haben alles mögliche genommen und zwar in einer zeit, als venezuela da noch mitglied WAR. das erklärt, warum das gericht dafür immer noch zuständig ist: es sind einfach alte fälle die behandelt werden.

    • Avatar

      admin

      20. März 2015 14:23 at 14:23

      Hallo „rote_pille“

      Genau diesem Thma haben wir uns in diesem Artikel gewidmet

      http://finanzmarktwelt.de/weltbank-schiedsgericht-venezuela-hatte-keine-lust-mehr-9782/

      Es gibt beim ICSID eine 6monatige „Übergangsphase“, in der man als Unternehmen noch nach dem Austritt eines Staates aus dem ICSID klagen kann. Diese Frist ist am 25.07.2012 abgelaufen. Trotzdem wurden auch danach noch Klagen eingereicht. Ich gebe Ihnen recht, dass Altfälle, die vor diesem Zeitpunkt dort eingereicht wurden, dort auch weiter „behandelt“ werden können, auch wenn ich den ISCID als Solches recht kritisch sehe, um es mal freundlich auszudrücken. Wenn man im Fall Venezuela auch nach dem Austritt unbegrenzt lange bezogen auf Altfälle neue Klagen einreichen kann, wozu dann diese 6monatige Übergangsfrist? Hochst umstritten!

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Zinskosten: So gigantisch sind die Ersparnisse für Kreditnehmer im Langzeitvergleich

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Dass Kreditnehmer in einem jahrelangen Umfeld immer weiter fallenden Zinsen die großen Gewinner sind, das ist kein Geheimnis. Aber es ist mal interessant zu sehen, wie viel Zinsen ein Häuslebauer vor 20 Jahren gezahlt hat, im Vergleich zu einem heutigen Abschluss, bei selber Kreditsumme und Tilgungshöhe. Die Interhyp AG hat aktuell einen Vergleich veröffentlicht, der die tatsächliche Dimension aufzeigt, wie viel Geld man heutzutage spart.

Hat man im Jahr 2000 abgeschlossen, entstanden bei einer Darlehenssumme für einen Immobilienkredit über 300.000 Euro und 2 Prozent Tilgung in 10 Jahren insgesamt 172.000 Euro an Zinskosten. Damals lagen die Zinsen bei 6,5 Prozent. Mit heute nur noch 0,8 Prozent hat man gerade mal noch 22.000 Euro Zinskosten! Das lohnt sich natürlich besonders für Häuslebauer, weil die Darlehenssummen hier so hoch sind, so möchten wir anmerken – aber die Sache hat einen Haken. Wo man als Kreditnehmer für Häuschen oder Eigentumswohnung extrem stark bei den Zinskosten spart, da zahlt man auf der anderen Seite drauf bei den in den letzten Jahren explodierten Immobilienpreisen.

Sicherlich sind die aktuellen Informationen der Interhyp AG auch eine schlecht versteckte Eigenwerbung, aber sei es drum. Die Experten sagen, auszugsweise im Wortlaut:

Auch wenn vielerorts die gestiegenen Immobilienpreise höhere Darlehenssummen erfordern, bleiben die Raten für viele Menschen leistbar. Der Zinsvorteil ermöglicht in vielen Fällen eine höhere Tilgung als früher. Die Expertin rät Eigenheimbesitzern, die Sparchancen für ihre Anschlussfinanzierung zu nutzen und sich schneller zu entschulden. Bauherren und Käufer sollten die Finanzierung wohlüberlegt angehen. Wichtig sei, bei der Finanzierung einen möglichen Zinsanstieg in Zukunft einzukalkulieren und mit langen Zinsbindungen und hohen Tilgungen vorzusorgen.

Hier auszugsweise weitere Aussagen von Interhyp. Zitat:

Im März 2020 sind die Zinsen auf ein neues Allzeittief von rund 0,7 Prozent im Mittel gefallen und auch jetzt liegen sie nur knapp darüber, berichtet Interhyp. Zum Teil sind sogar Bestzinsen von unter 0,5 Prozent möglich. Die Monatsrate für einen Musterkredit über 300.000 Euro (0,8 Prozent) beträgt im Herbst 2020 bei einer zweiprozentigen Anfangstilgung nur noch 700 Euro. Die Zinskosten über 10 Jahre liegen dafür heute nur bei 22.000 Euro – einem Bruchteil der Kosten bei Abschluss im Jahr 2000.

Rat der Experten: Sparchancen für schnelle Entschuldung nutzen

Um die Zinsersparnis zu verdeutlichen, hat Interhyp in der Beispielrechnung immer mit der gleichen Anfangstilgung gerechnet. Der Rat der Finanzierungsexperten ist jedoch, heute eine höhere Tilgung zu wählen. Das sei möglich mit Raten, die nicht wesentlich über denen früherer Jahre liegen. Mirjam Mohr: „Unsere Daten zeigen, dass Kreditnehmer ihre Entschuldung im Blick behalten. Die anfängliche Tilgung bei Bauherren und Käufern ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten von unter zwei im Mittel auf über drei Prozent gestiegen. Bei der Anschlussfinanzierung ist sie sogar von unter drei Prozent auf rund sechs Prozent gestiegen.“ Viel sparen im Vergleich zu früher könnten vor allem Eigenheimbesitzer mit Bedarf für eine Anschlussfinanzierung. Bauherren und Käufer sollten mit Blick auf hohe Kaufpreise und Darlehenssummen auf Sicherheit achten, zum Beispiel, indem sie günstige Zinsen mit langen Zinsbindungen festschreiben oder viel tilgen. „Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass sich das Zinsniveau über die Jahre deutlich ändern kann“, sagt Mirjam Mohr.

Grafik zeigt im Langfristvergleich sehr stark gesunkene Zinskosten

Chart zeigt langfristig extrem stark sinkende Zinsen

Grafiken und Daten: Quelle Interhyp

weiterlesen

Allgemein

Marc Friedrich mit 5 Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Marc Friedrich

Der Bestsellerautor Marc Friedrich spricht in seinem aktuellen Video „Der größte Vermögenstransfer der Geschichte“ über viele aktuelle Kapitalmarktthemen. Vor allem geht es um die große Anfeuerung von bestimmten Assetklassen, verursacht durch die immer größeren Gelddruck-Orgien der Notenbanken.

Marc Friedrich mit 5 Investment-Ideen

Im späteren Verlauf des Videos spricht Marc Friedrich seine fünf Top-Investment-Ideen für die nächste Dekade an. Auffällig dabei ist, dass die Kategorien Aktien und Immobilien nicht dazu gehören. Eben diese Assetklassen haben die letzten Jahre massiv von der Geldschwemme der Notenbanken profitiert. Marc Friedrich präferiert Gold, Silber, Bitcoin, Minenaktien und Diamanten. Gut, es sind doch Aktien vertreten, aber nicht als Gesamtkategorie, sondern nur weil es um Firmen geht, die Rohstoffe aus dem Boden holen.

Knappe Güter bevorzugen

Marc Friedrich spricht auch ganz konkret an, warum diese Ideen nach seiner Meinung die besten Investment-Ideen der nächsten Jahre sein sollen. Sie würden andere Assetklassen in der nächsten Dekade des „Vermögenstransfers“ outperformen. Sie seien (und das ist ein wichtiger Aspekt) begrenzt durch die Natur (Edelmetalle) oder durch die Mathematik (Bitcoin). Tja, und in der Tat, andere Assets wie das Fiat-Geld auf Bankkonten kann beliebig stark vermehrt werden. Je mehr Geld, desto stärker der Verwässerungseffekt, und desto stärker womöglich in Zukunft der Vertrauensverlust der Bürger in das Finanzsystem? Und alles was in seiner Menge limitiert ist, wird immer begehrter?

weiterlesen

Allgemein

Aktuell: Pelosi schürt wieder Stimulus-Optimismus, Aktienmärkte mit Erholung

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Soeben Nancy Pelosi auf ihrer Pressekonferenz: man habe Fortschritte gemacht bei den Gesprächen mit den US-Repubikanern, man sei fast am Ziel („progress has been made this week“; „we are just about there“).

Und die Aktienmärkte wieder mit einer Erholung, nachdem der Leitindex S&P 500 das Tief vom Montag unterschritten hat..

Aber Vorsicht: möglich ist, dass sich Pelosi nicht auf das gesamte Stimulus-Paket bezieht, sondern nur auf einen kleinen Teil davon:

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen