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Venezuela ist pleite – und nun?

Venezuela ist pleite. Eine Zinszahlung in Höhe von 200 Millionen US-Dollar konnte das Land nicht leisten. Eine nach dem Zahlungsstichtag folgende 30-tägige Verzugsfrist endete nun ebenfalls. Somit ist man per Definition…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Venezuela ist pleite. Eine Zinszahlung in Höhe von 200 Millionen US-Dollar konnte das Land nicht leisten. Eine nach dem Zahlungsstichtag folgende 30-tägige Verzugsfrist endete nun ebenfalls. Somit ist man per Definition pleite, weil man Schulden nicht bedienen kann – auch wenn in einigen Medien davon die Rede ist, dass Venezuela nur beinahe oder fast pleite ist – es ist jetzt schon eine richtige Pleite. So stufte S&P Venezuela auch auf den Quasi-Pleitestatus „SD“ herab.

Die Agentur Fitch erklärte gestern eine Default (Zahlungsausfall) bei der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA, die quasi Teil des Staatsapparats ist. Jahrelang hatte Venezuela seinen Schuldendienst immer peinlichst genau beglichen. Damit ist jetzt aber Schluss. Anscheinend ist nun wirklich die Puste ausgegangen! Insgesamt soll das Land mit 150 Milliarden Dollar in der Kreide stehen. Man kann noch so viele Bolivars von der Notenbank drucken lassen – wer im Ausland würde seine Dollars, Euros oder Franken schon in eine Währung umtauschen, wo das dahinter stehende Land eine nicht mehr messbare Inflationsrate aufweist?

Also kommt man nicht an Devisen. Game Over. Jetzt geht es nur noch darum, ob das Land die totale Pleite von sich aus erklärt – oder ob die Gläubiger erst mal schön ihren Mund halten mit ihren offenen Forderungen, in der Hoffnung auf eine Umschuldung oder Ähnliches. Diese Hoffnung hatten wohl zahlreiche der 100 Gläubiger, die gestern in Caracas erschienen.

Laut Finanzkreisen soll das Treffen eine Farce gewesen sein. Nur eine halbe Stunde soll es gedauert haben, ohne jegliche konkreten Angebote oder Aussagen der venezuelanischen Vertreter für eine Umschuldung von einem Teil der Schulden, nämlich um die 60 Milliarden Dollar. Nichts. Ein Mitglied der Regierung erklärte aber, dass die Zahlungsschwierigkeiten des Landes auf die US-Sanktionen zurückzuführen seien. Und Präsident Maduro hatte unlängst eh schon angekündigt, Schulden „nicht wie vereinbart“ zurückzahlen zu wollen.

Die Devisenreserven sind mit ca 10 Milliarden US-Dollar fast bei 0 angekommen. Es ist schon bizarr, dass gerade dieses Land mehr Ölreserven hat als Saudi-Arabien. Wie kann es sein, dass in so einem Land die Supermarktregale leer sind? Auch das am schlechtesten wirtschaftende Regime sollte es doch hinbekommen mit so viel Öl das Land zu ernähren, oder? Anscheinend ist das keine Selbstverständlichkeit. Die Misswirtschaft hat das Land jahrelang dort hingebracht, wo man heute ist. Aber als Sündenbock müssen die USA herhalten.

Mit Russland hat man sich übrigens darauf geeinigt, dass Venezuela umschuldet und zehn Jahre Zeit bekommt 3 Milliarden Dollar abzubezahlen. Den größten Teil davon muss das Land erst am Ende der Laufzeit begleichen. Das Abkommen hierzu soll morgen unterzeichnet werden. Ein Wink an andere Gläubiger? Schaut her, lasst euch besser auch auf so einen Deal ein, bevor eure Forderungen ganz wertlos werden? Wie immer bei solchen Staatspleiten gibt es keinen Musterablauf.

Es wird spannend. Wer hat die besseren Nerven? In der Regel haben zahlreiche Profi-Gläubiger verdammt gute Nerven, und viel Zeit. Venezuela hat gar keine Zeit. Aber nochmal: Wieso bekommt man es dort nicht hin aus dem Ölreichtum etwas zu machen? Die Saudis haben es ja auch hinbekommen. Was nun? Infos haben die Gläubiger aktuell ja keine bekommen, wie Venezuela sich den weiteren Ablauf vorstellt. Möglich sind wie gesagt ähnlich wie bei Russland Vorschläge an Gläubiger, Zahlungsziele zu verlängern, Zinszahlungen zu stunden etc.


Präsident Nicolás Maduro. Foto: Tasnim News Agency / Wikipedia (CC BY 4.0)

12 Kommentare

12 Comments

  1. Avatar

    Rainer Köhler

    14. November 2017 17:50 at 17:50

    Was genau können die Profi-Gläubiger ausrichten? Ich denke eher, dass die sich gewaltig verzockt haben. Venezuela wird allem voran aus ideologischen Gründen versuchen US-Gläubiger zu prellen. Weiterhin stand China bisher immer hinter Venezuela, was mglw. der Grund ist, warum sich das politische System hält. Staatspleiten müssen nicht immer wie in Argentinien ablaufen.

    • Avatar

      Schröder

      15. November 2017 09:00 at 09:00

      Was genau können die Profi-Gläubiger ausrichten?
      Das studieren Sie mal am Beispiel Argentinien! Ein Profi-Gläubiger wie Paul Singer, der Argentinien in die Ecke getrieben hat, verzockt sich auch nicht! Er verfolgt seine Interessen, sicher nicht immer erfolgreich, aber oft.
      Ich bin auch Gläubiger Venezuelas! Ich kann nur sagen, die am 2.11 fällige Tilgung für die PDVSA-Anleihe wurde geleistet. Das Geld ist auf meinem Konto, wenn auch mit 14 Tagen Verspätung. Was jetzt noch aussteht, sind vergleichsweise geringe Zinsen für einige Anleihen.

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    Columbo

    14. November 2017 18:12 at 18:12

    Meine geheimen Quellen sagen, daß Janet Yellen?Notenbankchefin von Venezuela wird.?

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      Michael

      14. November 2017 19:48 at 19:48

      Mit @Gerd als engstem Berater… ;)

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    frank

    14. November 2017 19:00 at 19:00

    super, vielen Dank für den Beitrag. Sehr spannend gerade was dort statt findet. Ich darf folgendes ergänzen:

    Venezuela hat sehr viele USD-Bonds, fast alle Schulden laufen in USD. Die kann man kaufen, sogar als Kleinanleger. Es gibt direkte Staatsanleihen und Anleihen vom Ölkonzern PDVSA, also Unternehmensanleihen mit Staatsanleihencharakter, da PDVSA ein reiner Staatskonzern ist. Goldman Sachs hat u.a. PDVSA Anleihen gekauft, damals zu einem Kurs von 30. In den letzten Tagen geht die Post ab bei den Kursen. Letzten Freitag, stürzten die Anleihen auf nur mehr 20, dann gab es eine kurze Erholung auf 30 und heute wieder ein Absturz. Jetzt kann man für 20 bis 25 kaufen.

    Ich bin der Meinung, dass das Risiko bei solchen Kursen überschaubar ist. Selbst bei einer Pleite, wird es irgendwann Restquoten für die Gläubiger geben. Auch Argentinien Bonds hatten noch einen gewissen Wert. Zumal Venezuela die größten Ölreserven der Welt hat und somit locker in der Lage wäre seine Schulden zu bezahlen. Einfach unglaublich, wie der Sozialismus ein eigentlich sehr reiches Land dahinrafft. Das sollten sich alle linken Utopisten genau anschauen, die immer noch glauben dass Sozialismus und Kommunismus funktionieren könnten, aber das nur nebenbei…

    Anbei ein paar Anleihen, kann man bei jedem Anleihen-Finder leicht finden:
    USP97475AP55
    USP97475AN08
    USP7807HAV70
    USP7807HAT25
    USP7807HAP03
    USP7807HAR68
    USP7807HAQ85
    USP7807HAM71
    XS0217249126

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      Gerd

      14. November 2017 19:31 at 19:31

      Jetzt könnte ich ja klugscheißerisch empfehlen, die sollen doch einfach ein paar Fässer Öl mehr raushauen – drückt zwar vorübergehend auf den Preis, aber egal – und mit den Zusatzerlösen ihre eigenen Anleihen zum Kurs von
      um die 30% zurückkaufen.
      Auf die Art und Weise winden sie sich aus dem Prozess des Insolventseins heraus, werden von den Ratingagenturen wieder hochgestuft und können alsdann neue Anleihen rausgeben zu 100%.

    • Avatar

      jora

      14. November 2017 19:42 at 19:42

      Der Fehler im System ist nicht der Sozialismus oder der Kommunismus!
      Sondern der von Sünde (Egoismus, Gier, Neid, Streitlust usw. ) durchtränkte Mensch.

    • Avatar

      Lausi

      14. November 2017 19:43 at 19:43

      Das hat doch nichts mit Sozialismus oder Kommunismus zu tun, eher mit Korruption und fehlender Demokratie! Der Kapitalismus ist für mich nun auch nicht das Gelbe vom Ei, insbesondere in seiner heutigen Ausprägung. Früher oder später wird auch dieser gegen die Wand fahren, und dann ist es Zeit für neue Utopien :-)

  4. Avatar

    frank

    14. November 2017 19:10 at 19:10

    Neben der sehr spannenden Zeit für Investoren, hat Venezuela natürlich auch eine weltpolitische Dimension und für die Bevölkerung geht es ums nackte Überleben. Das ist einfach nur traurig. Es mag sein, dass Venezuela aktuell den USA den schwarzen Peter zuschiebt, aber so ganz unrecht haben sie damit auch nicht. Die Rolle die die USA in Südamerika und insbesondere in Venezuela spielt, sollte nicht unterschätzt werden. Seit jeher mischt die USA kräftig in Südamerika mit und hat schon zahlreiche Regierungen weggeputscht die nicht ins Weltbild passten und schlimmste Diktaturen unterstützt. Massaker und dutzende Morde an politischen Gegnern an politischen Gegnern, all das spielt hier mit eine Rolle. Auch Russland und China spielen hier mit und unterstützen das ehemalige sozialistische Brudervolk.

  5. Avatar

    frank

    14. November 2017 19:18 at 19:18

    fmw, wie schätzt ihr das Risiko bei den Bonds ein?

  6. Avatar

    Steve

    14. November 2017 23:08 at 23:08

    Der Punkt „amerikanische Sanktion“ kommt zu kurz . schon denkbar das auch der reichste ölstaat durch gezielte Aktionen in Schwierigkeiten zu geraten

  7. Avatar

    Billy

    2. Dezember 2017 11:36 at 11:36

    default status. Finger weg !
    Totalverlustrisiko.

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Atemmasken: Deutschland produziert sie ab Mitte 2021

Wolfgang Müller

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am

Es klingt ein bisschen wie ein Scherz, dass man jetzt den ersten Förderbescheid für die Produktion von Atemmasken seitens der Regierung erteilt hat, eine Allzweckwaffe für die Eindämmung von Covid-19. Im Frühjahr hatte man schmerzlich die Abhängigkeit von China in Sachen medizinischer Schutzausrüstung erkennen müssen. Der kleine Schönheitsfehler dabei: Die Produktion von Atemmasken beginnt erst im Sommer des neuen Jahres.

Der unvorhergesehene Mangel bei Atemmasken

Es war im Frühjahr ein kleiner Schock für das Hochtechnologieland Deutschland: Wir haben hierzulande zwar einen der Weltmarktführer für Beatmungsgeräte (Drägerwerk in Lübeck – Nummer drei für Intensivstationen, Nummer eins für mobile Geräte), aber bei Atemmasken war man in großem Maße abhängig von China. Die weltweite Ausbreitung von Covid-19 sorgte rasch für Ausfuhrverbote medizinischer Schutzausrüstungen und der Bundesregierung wurde klar, dass man handeln musste. Es wurde im Frühjahr ein Förderprogramm für alle Arten von Schutzmasken aufgelegt – und jetzt wurde der erste Förderbescheid an ein deutsches Unternehmen von Wirtschaftsminister Peter Altmaier übergeben. Vorher wurden notfallmäßig Mund-Nasen-Schutzmasken produziert. Unglaublich, wer sich dabei alles an der Produktion beteiligt hat.

Die erste Firma ist Skylotec aus dem rheinland-pfälzischen Neuwied, ein Unternehmen, welches vorher hauptsächlich Absturzsicherungen für Kletterer in der Industrie und im Freizeitbereich hergestellt hat.

Der Bund gab 3,2 Millionen Euro an Fördermitteln, zur Produktion von einer halben Milliarde Masken, ab Sommer diesen Jahres. Anschließend sollen auch die effektiveren FFP2- Masken hergestellt werden, 54 Millionen Stück. Skylotec bekommt damit ein Drittel der Investitionssumme vom Staat. Insgesamt liegen dem Wirtschaftsministerium 270 Anträge für eine staatliche Unterstützung in dieser Produktion vor. Wirtschaftsminister Peter Altmaier weiß natürlich, dass es kritische Fragen geben wird, warum es so lange dauert, bis ein so einfaches Produkt in die Massenfertigung geht. Seine Antwort:

„Man kann solche Programme nicht von heute auf morgen aus dem Boden stampfen. Wir wissen nicht, wie lange es dauert, bis wir alle, die geimpft werden wollen, auch impfen können.“ Die Atemmasken würden in jedem Fall gebraucht werden. „Ob Corona oder nicht, es wird auch künftig Pandemien geben“, so der Minister.

Aber anscheinend hätte die Firma auch ohne Fördergelder mit der Investition begonnen, so der Geschäftsführer von Skylotec, Kai Rinklake.

Ob man im Spätherbst wirklich gleich noch Millionen an Atemmasken (zusätzlich) benötigen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit

Inmitten der Euphorie um die Impfstoffzulassungen, bereits mit ganz konkreten Zahlen – in Hamburg plant man anfangs mit 7000 Impfungen pro Tag, in Berlin mit 5000 -, kommt die Meldung über die ersten Subventionsbescheide der Regierung in Sachen Atemmasken. Irgendwie ein grotesker Widerspuch: Eine Impfstoffentwicklung in noch nie gesehener Geschwindigkeit und die planerische Vorbereitung eines „Hightech-Produktes“ mit Produktionsbeginn in ein paar Quartalen. Ein Gutes hat die Sache: Laut dem Countrymeter liegt die Weltbevölkerung aktuell bereits bei über 7,85 Milliarden Menschen, der Zuwachs 2020 beträgt schon fast 89 Millionen neue Erdenbürger. Da ist es nicht verkehrt, sich prophylaktisch mit Infektionsschutzgerät auszurüsten: nach dem Virus ist vor dem Virus.

Deutschland produziert Atemmasken ab Sommer 2021

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Autoindustrie: Alles Euphorie oder was? Nur Tesla boomt!

Claudio Kummerfeld

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am

Autos auf Parkplatz

Tesla boomt, aber so richtig! Aber dazu später mehr in diesem Artikel. Haben wir uns geirrt? Was ist hier los? Nein, schauen wir genauer hin. Gestern berichteten wir über die Meldung des ifo-Instituts zu den Geschäftsaussichten (!) der Autoindustrie für die nächsten Monate. Und die haben sich übelst verschlechtert dank dem zweiten Corona-Lockdown. Sie werden von ifo in einem Punkte-Index gemessen. Die Geschäftserwartungen der Autoindustrie sanken demnach dramatisch von +16,3 im Oktober auf -4 Punkte im November (hier die Details).

Verband der Autoindustrie erwähnt bei Inlandsproduktion erstes Plus in diesem Jahr

Aber die stark verfinsterten Aussichten der Autoindustrie sind ja etwas anderes als der derzeitige Zustand der Branche. Und geht man danach, dann ist die Laune gerade heute am 3. Dezember ziemlich gut. Da wäre zunächst der Automobilverband VDA mit seiner ganz frischen Meldung zu nennen. Die deutsche Autoindustrie hat im November zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Im abgelaufenen Monat liefen – unterstützt durch einen zusätzlichen Arbeitstag – 7 Prozent mehr Pkw in Deutschland vom Band (449.900 Einheiten). Damit wurde erstmals in diesem Jahr das Produktionsniveau eines Vorjahresmonats übertroffen. Zwar erwartet der VDA für das Gesamtjahr 2020 ein Volumen von rund 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das sei ein Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber für den Pkw-Inlandsmarkt erwartet man im kommenden Jahr ein Wachstum von 9 Prozent auf 3,1 Millionen Neuzulassungen. Damit sei das Vor-Krisenniveau allerdings noch in weiter Ferne.

Analysten mit aktuellem Kommentar

Die Analysten der Commerzbank sehen in ihrem aktuellen Kommentar die Lage für die Autoindustrie recht optimistisch. Die deutsche Automobilindustrie habe den Einbruch aus dem Frühjahr wettgemacht. Im November wurden in Deutschland zum ersten Mal wieder mehr Autos produziert als vor der Krise. Dies sei ein weiterer Hinweis darauf, dass zumindest die Industrie bisher durch die gestiegenen Infektionszahlen und die neuerlichen Corona-Einschränkungen nicht spürbar beeinträchtigt wurde, so der Analyst Dr. Ralph Solveen. Er erwähnt, dass auf Basis einer Saisonbereinigung fast 19 Prozent mehr Autos produziert worden seien als im Oktober. Damit seien die saisonbereinigten Produktionszahlen sogar etwas höher ausgefallen als im Durchschnitt des Jahres 2019, also vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Weiter sagt er, hier auszugsweise im Wortlaut: Zunächst einmal zeigen die heutigen Zahlen aber einmal mehr, dass die Industrie von den deutlich gestiegenen Infektionszahlen und den neuerlichen von der Politik verhängten Corona-Einschränkungen kaum beeinträchtigt wird.

Autozulassungen

Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) hat heute Mittag Daten für die Autozulassungen im November veröffentlicht. Die zeigen einen guten Ist-Zustand für die Autoindustrie. Im November wurden in Deutschland 290.150 Neuwagen zum Straßenverkehr zugelassen. Damit liegt man 3,0 Prozent unter dem Ergebnis des Vorjahresmonats. Die Anzahl privater Zulassungen nahm um +22,8 Prozent zu, ihr Anteil betrug 39,4 Prozent. Die gewerblichen Zulassungen gingen um -14,7 Prozent zurück. Die Autozulassungen bei Tesla explodieren mit +500 Prozent! Hier weitere Details des KBA, auszugsweise im Wortlaut:

Die deutschen Marken Opel (+17,1 %), Audi (+3,1 %) und Mercedes (+0,5 %) erzielten Zulassungssteigerungen. Bei den weiteren deutschen Marken zeigten sich Rückgänge, die bei Smart (-49,2 %), VW (-18,4 %) und Ford (-15,8 %) zweistellig ausfielen. Mit 17,6 Prozent erreichte VW erneut den größten Neuzulassungsanteil.

Bei den Importmarken fiel die Neuzulassungsbilanz im November überwiegend positiv aus. Zweistellige Zuwächse von mehr als 30 Prozent zeigten sich bei Tesla (+500,0 %), Fiat (+42,7 %) und Toyota (+33,1 %). Um mehr als 20 Prozent waren die Zulassungen bei Renault (+29,2 %) und Citroen (+28,6 %) gestiegen. Ein Zulassungsminus von mehr als 20 Prozent zeigte sich hingegen bei Ssangyong (-48,0 %), Jaguar (-34,8 %), Mitsubishi (-27,0 %), Alfa Romeo (-21,9 %) und Seat (-21,6 %). Den größten Neuzulassungsanteil verzeichnete hier Skoda mit 5,9 Prozent.

Neuzulassungen mit alternativen Antrieben erfuhren im November eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vergleichsmonat. Mit 28.965 Elektrofahrzeugen legte diese Antriebsart um +522,8 Prozent zu. 71.904 Hybridfahrzeuge bescherten ein Plus von +177,2 Prozent, darunter 30.621 Plug-in-Hybride, die einen Zuwachs von +383,4 Prozent erreichten. Flüssig- und Erdgasfahrzeuge erzielten zusammen ein Plus von +51,9 Prozent wobei der Anteil 0,5 Prozent betrug. Den größten Anteil bildeten dennoch mit 40,4 Prozent die Benziner, deren Neuzulassungsvolumen gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres um -32,3 Prozent zurückging, gefolgt von den Diesel-Pkw, deren Anteil nach einem Minus von -25,2 Prozent 24,3 Prozent betrug.

Die folgende Grafik zeigt vor allem ganz rechts mit den roten Balken, wie alle Hersteller bei den Neuzulassungen (teils dramatisch) verlieren im Vergleich Januar-November 2020 zu Januar-November 2019. Nur Tesla boomt mit +37,2 Prozent!

Heute Statistik zeigt im Zulassungsrückgänge für die Autoindustrie

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Finanzaufseher reaktivieren den „legalen Bilanzbetrug“ bei Banken

Claudio Kummerfeld

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Hochhäuser von Banken in Frankfurt

Vom legalen Bilanzbetrug bei den Banken sprach schon vor Monaten Markus Krall. Ja und auch Nein, kann man dazu sagen. Wenn der Staat durch neue Gesetze oder Verordnungen eine Änderung vornimmt, wird eben aus einer Straftat oder einem Vergehen eine legale Vorgehensweise – so kann man es auch sehen. Werden Kreditforderungen bei Banken uneinbringbar, und der Kreditnehmer zahlt monatlich Tilgung und Zins nicht mehr, müssen die Banken die Forderung unter normalen Umständen eigentlich abschreiben.

Damit entsteht ein Verlust, der aus dem Eigenkapital der Bank ausgeglichen werden muss. Da die Finanzaufseher von BaFin und EBA (europäische Aufsichtsbehörde) aber richtigerweise annahmen, dass die Coronakrise massenweise Kreditausfälle und somit gigantische Verluste bei den Banken bescheren könnte, entschloss man sich im April dazu, den Banken europaweit eine kleine und unauffällige, aber extrem wichtige Erleichterung zuzugestehen. Sie waren von April bis Ende September nicht verpflichtet, bei gestundeten Krediten Abschreibungen vorzunehmen beziehungsweise Rückstellungen zu bilden.

Oder um es klarer auszudrücken: Schrottkredite mussten nicht länger als Verlust verbucht werden, womit die Bankbilanzen keine milliardenschweren Verluste ausweisen mussten. Und das, obwohl die Kreditforderungen in den Büchern Schrott waren. In welchem Umfang dies der Fall ist und war, wissen wir nicht. Denn wenn die Banken in ihren Büchern wertlose Forderungen weiter als werthaltig deklarieren, wie soll ein externer Beobachter dann wissen können, wie groß der Umfang des Schrotts ist?

„Legaler Bilanzbetrug“ bei Banken wieder erlaubt

Und nun lief diese Sonderregel bis Ende September. Von da an mussten auch diese wackligen Forderungen wieder wie früher sauber verbucht werden. Aber nun läuft ja die zweite Corona-Welle durch Europa. Viele neue Insolvenzen und damit ausgefallene Kredite drohen. Und was sehen wir da? Zack, EBA und BaFin veröffentlichten gestern die „Reaktivierung der Leitlinien zu allgemeinen Zahlungsmoratorien“. Dass es im Kern darum geht, dass Banken Schrott erneut nicht mehr als Schrott deklarieren müssen und daher auch keine Verluste ausweisen müssen, das wird so nicht direkt erwähnt. Man verweist nur auf die Reaktivierung einer alten Leitlinie (aber dort kann man es bei genauem Hinschauen nachlesen).

Zitat EBA aus April:

The aim of these Guidelines is to clarify the requirements for public and private moratoria, which if fulfilled, will help avoid the classification of exposures under the definition of forbearance or as defaulted under distressed restructuring.

Zitat BaFin im März:

So ist beispielsweise ein Schuldner nicht zwingend als ausgefallen einzustufen, wenn bei einem Kredit Kapitaldienst und Zinsen in Folge des Corona-Virus gestundet werden.

Das Gute an dem Zeitpunkt könnte auch sein, dass sie über den Jahreswechsel (Stichtag 31.12.) gültig sind. Könnten Banken so die Chance haben, für das Gesamtjahr 2020 massenweise Schrottkredite als vollwertige Forderung im Jahresabschluss auszuweisen, womit gigantische Verluste vermieden werden können, obwohl sie real vorhanden sind? Denn die von nun an erfolgte Reaktivierung bedeutet, dass die Banken bis März 2021 wieder so tun können, als würden Schrottkredite vollwertige Forderungen in ihren Büchern darstellen. Ohne diese Reaktivierung müssen Banken automatisch damit beginnen Rückstellungen zu bilden für ausgefallene Kredite, bei denen die Kunden mit ihren Zahlungen mehr als 90 Tage im Verzug sind. Laut EBA können auch Kredite, die bislang nicht in den Genuss dieser „Erleichterungen“ kamen, nun auch von Zahlungsaufschüben profitieren.

Die BaFin erwähnt dazu, dass problematische Kredite auch weiterhin als solche in den Büchern ausgewiesen werden sollen. Aber hey, wenn ich Problemkredite als saubere Kredite deklarieren darf, dann nutze ich diese Gelegenheit doch? Zitat BaFin:

Die Reaktivierung werde sicherstellen, dass Darlehen, die bisher nicht in Zahlungsmoratorien einbezogen waren, nun auch einbezogen werden können. Die EBA will erreichen, dass die Institute weiter Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Problematische Engagements sollen sie aber sauber in ihren Bilanzen abbilden. Daher darf eine neue Zahlungsentlastung – einschließlich ggf. bereits schon gewährter Zahlungsentlastungen – nur innerhalb von insgesamt neun Monaten fällige Zahlungen betreffen.

Die EBA erlaubt den Banken neue Zahlungsziele ohne genaue Prüfung jeden Kredits zu akzeptieren. Die neue Regelung soll wie gesagt bis Ende März 2021 gelten. Wohl um so zu tun, als würde man die Zügel diesmal enger anziehen und die Lage genau im Griff haben, führt man zwei verschärfende Beschränkungen ein, die aber auch für bereits bestehende Moratorien schon gelten.

So sollen die Banken ihrer jeweiligen Aufsichtsbehörde (in Deutschland der BaFin) Pläne vorlegen, aus denen hervorgehen soll, wie man sicherstellen will, dass man rechtzeitig die Zahlungsunfähigkeit eines Kreditkunden in Bezug auf die dem Moratorium unterliegenden Kredite bemerkt. Klingt doch ziemlich nach Erstellung von ein paar schönen Seiten Papier, die abgeheftet werden. Wir denken uns einen Notfallplan aus, reichen den beim Amt ein, und hoffen das Beste. Die Aufsichtsbehörde hofft auch das beste, und ist froh, dass wie vorgeschrieben ein „Plan“ eingereicht wurde?

Und noch was. Wenn im Rahmen eines allgemeinen Zahlungsmoratoriums durch Banken neue Zahlungsziele vereinbart werden, dann dürfen sie nicht länger als neun Monate dauern. Damit wird die Dauer eines Moratoriums gegenüber einem Kreditnehmer ab 30. September insgesamt gekappt. Dabei sollen auch die vor dem 30. September bestehenden Moratorien mit einbezogen werden. Auch für sie gelten die neuen Regeln, selbst wenn dann die Spanne von neun Monaten überschritten werden sollte.

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