Folgen Sie uns
jetzt kostenfrei anmelden f√ľr das DAX-Signal

Allgemein

Venezuela ist pleite – und nun?

Venezuela ist pleite. Eine Zinszahlung in H√∂he von 200 Millionen US-Dollar konnte das Land nicht leisten. Eine nach dem Zahlungsstichtag folgende 30-t√§gige Verzugsfrist endete nun ebenfalls. Somit ist man per Definition…

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Venezuela ist pleite. Eine Zinszahlung in H√∂he von 200 Millionen US-Dollar konnte das Land nicht leisten. Eine nach dem Zahlungsstichtag folgende 30-t√§gige Verzugsfrist endete nun ebenfalls. Somit ist man per Definition pleite, weil man Schulden nicht bedienen kann – auch wenn in einigen Medien davon die Rede ist, dass Venezuela nur beinahe oder fast pleite ist – es ist jetzt schon eine richtige Pleite. So stufte S&P Venezuela auch auf den Quasi-Pleitestatus „SD“ herab.

Die Agentur Fitch erkl√§rte gestern eine Default (Zahlungsausfall) bei der staatlichen √Ėlgesellschaft PDVSA, die quasi Teil des Staatsapparats ist. Jahrelang hatte Venezuela seinen Schuldendienst immer peinlichst genau beglichen. Damit ist jetzt aber Schluss. Anscheinend ist nun wirklich die Puste ausgegangen! Insgesamt soll das Land mit 150 Milliarden Dollar in der Kreide stehen. Man kann noch so viele Bolivars von der Notenbank drucken lassen – wer im Ausland w√ľrde seine Dollars, Euros oder Franken schon in eine W√§hrung umtauschen, wo das dahinter stehende Land eine nicht mehr messbare Inflationsrate aufweist?

Also kommt man nicht an Devisen. Game Over. Jetzt geht es nur noch darum, ob das Land die totale Pleite von sich aus erkl√§rt – oder ob die Gl√§ubiger erst mal sch√∂n ihren Mund halten mit ihren offenen Forderungen, in der Hoffnung auf eine Umschuldung oder √Ąhnliches. Diese Hoffnung hatten wohl zahlreiche der 100 Gl√§ubiger, die gestern in Caracas erschienen.

Laut Finanzkreisen soll das Treffen eine Farce gewesen sein. Nur eine halbe Stunde soll es gedauert haben, ohne jegliche konkreten Angebote oder Aussagen der venezuelanischen Vertreter f√ľr eine Umschuldung von einem Teil der Schulden, n√§mlich um die 60 Milliarden Dollar. Nichts. Ein Mitglied der Regierung erkl√§rte aber, dass die Zahlungsschwierigkeiten des Landes auf die US-Sanktionen zur√ľckzuf√ľhren seien. Und Pr√§sident Maduro hatte unl√§ngst eh schon angek√ľndigt, Schulden „nicht wie vereinbart“ zur√ľckzahlen zu wollen.

Die Devisenreserven sind mit ca 10 Milliarden US-Dollar fast bei 0 angekommen. Es ist schon bizarr, dass gerade dieses Land mehr √Ėlreserven hat als Saudi-Arabien. Wie kann es sein, dass in so einem Land die Supermarktregale leer sind? Auch das am schlechtesten wirtschaftende Regime sollte es doch hinbekommen mit so viel √Ėl das Land zu ern√§hren, oder? Anscheinend ist das keine Selbstverst√§ndlichkeit. Die Misswirtschaft hat das Land jahrelang dort hingebracht, wo man heute ist. Aber als S√ľndenbock m√ľssen die USA herhalten.

Mit Russland hat man sich √ľbrigens darauf geeinigt, dass Venezuela umschuldet und zehn Jahre Zeit bekommt 3 Milliarden Dollar abzubezahlen. Den gr√∂√üten Teil davon muss das Land erst am Ende der Laufzeit begleichen. Das Abkommen hierzu soll morgen unterzeichnet werden. Ein Wink an andere Gl√§ubiger? Schaut her, lasst euch besser auch auf so einen Deal ein, bevor eure Forderungen ganz wertlos werden? Wie immer bei solchen Staatspleiten gibt es keinen Musterablauf.

Es wird spannend. Wer hat die besseren Nerven? In der Regel haben zahlreiche Profi-Gl√§ubiger verdammt gute Nerven, und viel Zeit. Venezuela hat gar keine Zeit. Aber nochmal: Wieso bekommt man es dort nicht hin aus dem √Ėlreichtum etwas zu machen? Die Saudis haben es ja auch hinbekommen. Was nun? Infos haben die Gl√§ubiger aktuell ja keine bekommen, wie Venezuela sich den weiteren Ablauf vorstellt. M√∂glich sind wie gesagt √§hnlich wie bei Russland Vorschl√§ge an Gl√§ubiger, Zahlungsziele zu verl√§ngern, Zinszahlungen zu stunden etc.


Präsident Nicolás Maduro. Foto: Tasnim News Agency / Wikipedia (CC BY 4.0)

12 Kommentare

12 Comments

  1. Rainer Köhler

    14. November 2017 17:50 at 17:50

    Was genau k√∂nnen die Profi-Gl√§ubiger ausrichten? Ich denke eher, dass die sich gewaltig verzockt haben. Venezuela wird allem voran aus ideologischen Gr√ľnden versuchen US-Gl√§ubiger zu prellen. Weiterhin stand China bisher immer hinter Venezuela, was mglw. der Grund ist, warum sich das politische System h√§lt. Staatspleiten m√ľssen nicht immer wie in Argentinien ablaufen.

    • Schr√∂der

      15. November 2017 09:00 at 09:00

      Was genau können die Profi-Gläubiger ausrichten?
      Das studieren Sie mal am Beispiel Argentinien! Ein Profi-Gläubiger wie Paul Singer, der Argentinien in die Ecke getrieben hat, verzockt sich auch nicht! Er verfolgt seine Interessen, sicher nicht immer erfolgreich, aber oft.
      Ich bin auch Gl√§ubiger Venezuelas! Ich kann nur sagen, die am 2.11 f√§llige Tilgung f√ľr die PDVSA-Anleihe wurde geleistet. Das Geld ist auf meinem Konto, wenn auch mit 14 Tagen Versp√§tung. Was jetzt noch aussteht, sind vergleichsweise geringe Zinsen f√ľr einige Anleihen.

  2. Columbo

    14. November 2017 18:12 at 18:12

    Meine geheimen Quellen sagen, da√ü Janet YellenūüėćNotenbankchefin von Venezuela wird.ūüėä

    • Michael

      14. November 2017 19:48 at 19:48

      Mit @Gerd als engstem Berater… ūüėČ

  3. frank

    14. November 2017 19:00 at 19:00

    super, vielen Dank f√ľr den Beitrag. Sehr spannend gerade was dort statt findet. Ich darf folgendes erg√§nzen:

    Venezuela hat sehr viele USD-Bonds, fast alle Schulden laufen in USD. Die kann man kaufen, sogar als Kleinanleger. Es gibt direkte Staatsanleihen und Anleihen vom √Ėlkonzern PDVSA, also Unternehmensanleihen mit Staatsanleihencharakter, da PDVSA ein reiner Staatskonzern ist. Goldman Sachs hat u.a. PDVSA Anleihen gekauft, damals zu einem Kurs von 30. In den letzten Tagen geht die Post ab bei den Kursen. Letzten Freitag, st√ľrzten die Anleihen auf nur mehr 20, dann gab es eine kurze Erholung auf 30 und heute wieder ein Absturz. Jetzt kann man f√ľr 20 bis 25 kaufen.

    Ich bin der Meinung, dass das Risiko bei solchen Kursen √ľberschaubar ist. Selbst bei einer Pleite, wird es irgendwann Restquoten f√ľr die Gl√§ubiger geben. Auch Argentinien Bonds hatten noch einen gewissen Wert. Zumal Venezuela die gr√∂√üten √Ėlreserven der Welt hat und somit locker in der Lage w√§re seine Schulden zu bezahlen. Einfach unglaublich, wie der Sozialismus ein eigentlich sehr reiches Land dahinrafft. Das sollten sich alle linken Utopisten genau anschauen, die immer noch glauben dass Sozialismus und Kommunismus funktionieren k√∂nnten, aber das nur nebenbei…

    Anbei ein paar Anleihen, kann man bei jedem Anleihen-Finder leicht finden:
    USP97475AP55
    USP97475AN08
    USP7807HAV70
    USP7807HAT25
    USP7807HAP03
    USP7807HAR68
    USP7807HAQ85
    USP7807HAM71
    XS0217249126

    • Gerd

      14. November 2017 19:31 at 19:31

      Jetzt k√∂nnte ich ja klugschei√üerisch empfehlen, die sollen doch einfach ein paar F√§sser √Ėl mehr raushauen – dr√ľckt zwar vor√ľbergehend auf den Preis, aber egal – und mit den Zusatzerl√∂sen ihre eigenen Anleihen zum Kurs von
      um die 30% zur√ľckkaufen.
      Auf die Art und Weise winden sie sich aus dem Prozess des Insolventseins heraus, werden von den Ratingagenturen wieder hochgestuft und können alsdann neue Anleihen rausgeben zu 100%.

    • jora

      14. November 2017 19:42 at 19:42

      Der Fehler im System ist nicht der Sozialismus oder der Kommunismus!
      Sondern der von S√ľnde (Egoismus, Gier, Neid, Streitlust usw. ) durchtr√§nkte Mensch.

    • Lausi

      14. November 2017 19:43 at 19:43

      Das hat doch nichts mit Sozialismus oder Kommunismus zu tun, eher mit Korruption und fehlender Demokratie! Der Kapitalismus ist f√ľr mich nun auch nicht das Gelbe vom Ei, insbesondere in seiner heutigen Auspr√§gung. Fr√ľher oder sp√§ter wird auch dieser gegen die Wand fahren, und dann ist es Zeit f√ľr neue Utopien ūüôā

  4. frank

    14. November 2017 19:10 at 19:10

    Neben der sehr spannenden Zeit f√ľr Investoren, hat Venezuela nat√ľrlich auch eine weltpolitische Dimension und f√ľr die Bev√∂lkerung geht es ums nackte √úberleben. Das ist einfach nur traurig. Es mag sein, dass Venezuela aktuell den USA den schwarzen Peter zuschiebt, aber so ganz unrecht haben sie damit auch nicht. Die Rolle die die USA in S√ľdamerika und insbesondere in Venezuela spielt, sollte nicht untersch√§tzt werden. Seit jeher mischt die USA kr√§ftig in S√ľdamerika mit und hat schon zahlreiche Regierungen weggeputscht die nicht ins Weltbild passten und schlimmste Diktaturen unterst√ľtzt. Massaker und dutzende Morde an politischen Gegnern an politischen Gegnern, all das spielt hier mit eine Rolle. Auch Russland und China spielen hier mit und unterst√ľtzen das ehemalige sozialistische Brudervolk.

  5. frank

    14. November 2017 19:18 at 19:18

    fmw, wie schätzt ihr das Risiko bei den Bonds ein?

  6. Steve

    14. November 2017 23:08 at 23:08

    Der Punkt „amerikanische Sanktion“ kommt zu kurz . schon denkbar das auch der reichste √∂lstaat durch gezielte Aktionen in Schwierigkeiten zu geraten

  7. Billy

    2. Dezember 2017 11:36 at 11:36

    default status. Finger weg !
    Totalverlustrisiko.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

„√Ąhnlich wie 1937“

Veröffentlicht

am

Sind wir kurz vor einer Weltwirtschaftskrise? Einer der wichtigsten Hedgefondsmanager ist Ray Dalio. Sein Fonds Bridgewater verwaltet 150 Milliarden Dollar, und man h√∂rt ihm zu. So sagt er aktuell, dass man derzeit in einer Phase sei, die dem Jahr 1937 sehr √§hnlich sei. Die Zinsen seien niedrig, die Bewertungen hoch – und die Notenbanken w√ľrden aktuell ihre Geldpolitik zu √§ndern (Zinsen rauf und Gelddrucken zur√ľckfahren).

Daher sehe er Parallelen zu den Zeiten der Gro√üen Rezession gegen Ende der 30er-Jahre, so sagte er es zu „Business Insider“. In zwei Jahren beginne die Zeit, √ľber die er sich jetzt Sorgen mache. Die Fed werde dann erneut die Geldmenge erh√∂hen und mehr Geld drucken um das Defizit der USA zu finanzieren. Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen werde sehr gering sein. Der US-Dollar werde ziemlich schwach sein und gut 30% abwerten.

Also gibt Dalio den USA noch gut zwei Jahr Zeit. Die neue Krise werde noch schwerwiegender sein als die Finanzkrise im Jahr 2008. Es werde eher eine Dollar-Krise als eine Schulden-Krise sein, so Dalio. Und es werde eine Politik- und Sozial-Krise geben, die zu gr√∂√üeren innenpolitischen Verwerfungen in den USA f√ľhren werde als im Jahr 2008.

Dazu unser kleiner Kommentar: Naja… eher eine Dollar-Krise als Schulden-Krise? Die Amerikaner sind jetzt h√∂her verschuldet als im Jahr 2008. Von daher werden auch die Schulden ein massives Problem werden! Aber so viel zu unserer Meinung. Die Finanzkrise des Jahres 2008 habe laut Dalio bereits die Weltwirtschaftskrise zwischen den Jahren 1929-1932 widergespiegelt. Und jetzt befinden wir uns also im Jahr 1937, und warten auf 1939?

Ray Dalio
Ray Dalio. Foto: Grameen America – https://vimeo.com/247028348 (CC BY 3.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

weiterlesen

Allgemein

T√ľrkei: Kein Bankenrettungsfonds, daf√ľr schw√§chere Wachstumsaussichten und sparsames Haushalten

Veröffentlicht

am

Ist Berat Albayrak, Pr√§sident Erdogans Schwiegersohn und j√ľngst von ihm neu eingesetzter Finanzminister, f√ľr die T√ľrkei ein kleiner Lichtblick in Sachen Vernunft und Seriosit√§t? Das k√∂nnte man doch glatt annehmen, wenn man seine heutigen Aussagen h√∂rt. Da war n√§mlich nichts zu h√∂ren vom Vertrauen auf Allah, von gro√üen Pl√§nen oder von Verschw√∂rungen des Auslands gegen die T√ľrkei.

Aber zun√§chst einmal die schlechte Nachricht. Anders als in den letzten Tagen vermutet hat Albayrak heute keine staatlich inszenierte Bankenrettung verk√ľndet. Konkrete Ger√ľchte lauteten so, dass der t√ľrkische Staat vorhabe √ľber ein Sondervehikel (Bad Bank?) den einheimischen Banken faule Kredite abzunehmen, um so den Finanzsektor des Landes zu stabilisieren. Dazu hie√ü es heute nur, dass die t√ľrkischen Banken nun einem Stresstest unterzogen werden sollen (‚ÄúHealth Assessment Studies‚ÄĚ), um die Qualit√§t ihrer Verm√∂genswerte (der ausgegebenen Kredite) zu „identifizieren“. Nach diesem Test k√∂nne man als Staat weitere Schritte einleiten, falls notwendig, so die Worte von Albayrak. Also kann die Bad Bank durch den t√ľrkischen Staat immer noch kommen – aber kurzfristig wohl erst mal nicht.

Offenbar will Albayrak eine Strategie der Transparenz fahren und keine hochtrabenden unrealistischen Ziele hinaus posaunen. Nach einem Wirtschaftswachstum von 7,4% in der T√ľrkei im letzten Jahr soll es laut seiner heutigen Aussage f√ľr 2018 nur ein Plus von 3,8% werden – das ist sehr wenig f√ľr die T√ľrkei. 2019 soll es bei 2,3% liegen. Dann w√§re man auf dem geringsten Wachstumswert seit 2010 angekommen. Viel n√ľtzen tut das Wachstum den meisten Menschen nicht, weil die Inflation von knapp 20% alles weg frisst, was an Einkommenszuw√§chsen dank BIP-Anstieg entsteht. Mit seiner aktuellen 3,8%-Prognose geht es drastisch nach unten nach vorigen Prognosen von 5,5% f√ľr 2018. Dass es ganz aktuell in der T√ľrkei drastische Verwerfungen gibt, zeigen auch die Autoverk√§ufe. Die Neuzulassungen im August sind um 53% geringer ausgefallen als im August 2017.

Auch hat Albayrak heute die staatliche Ausgabensituation angesprochen. Man plane keine weiteren Ausgabensch√ľbe, sondern wolle die staatlichen Ausgaben beschr√§nken. Damit will man wohl auch die √∂konomischen W√ľnsche ausl√§ndischer Beobachter befriedigen, wo man ausufernde Staatsschulden nat√ľrlich nicht gerne sieht. So will Albayrak noch nicht begonnene Leuchtturmprojekte nicht mehr realisieren. Sie galten in den letzten Jahren als gro√üe Wachstumstreiber der t√ľrkischen Binnenwirtschaft, wie der gigantische neue Gro√üflughafen in Istanbul.

Das Inflationsziel der T√ľrkei f√ľr das Gesamtjahr 2018 sei nun bei 20,8% (aktuell knapp unter 20%), und f√ľr 2019 sehe man sie bei 15,9%. Das klingt doch alles schon mal realistischer und seri√∂ser als beim gro√üen Vater Erdogan. Die T√ľrkische Lira (im Chart Euro vs Lira seit 10. September) zeigt sich seit Tagen uneinheitlich. Der kleine positive Impuls f√ľr die Lira durch die Zinsanhebung vom 13. September war bereits verpufft. Jetzt ist wichtig, dass Erdogan mal eine lange Zeit gar nichts sagt, damit Ruhe einkehren kann.

Euro vs Lira

Berat Albayrak - T√ľrkei Finanzminister
Berat Albayrak. Foto: President.az / Wikipedia (CC BY 4.0) – Ausschnitt aus Originalfoto

weiterlesen

Allgemein

Sojabohnen-Importe der EU aus den USA explodieren – genialer PR-Gag von Juncker?

Veröffentlicht

am

Ist Jean-Claude Juncker ein genialer PR-Stratege? Aber von Anfang an. Wie die EU-Kommission heute vermeldet, sind die Sojabohnen-Importe der EU aus den USA regelrecht explodiert. Diese Meldung d√ľrfte Donald Trump br√ľhwarm gegen√ľber seiner l√§ndlichen W√§hler-Klientel promoten. Sie verliert dank des Handelskriegs gro√üvolumig Absatzm√§rkte in China, und ist somit heilfroh, dass ihr Pr√§sident als Ausgleich die EU als zunehmenden Absatzmarkt herbeigezaubert hat.

So hatten es Jean-Claude Juncker und Donald Trump am 25. Juli diesen Jahres medienwirksam gro√ü angek√ľndigt. Die EU werde die Sojabohnen-Importe aus den USA massiv ausweiten, um den USA in Sachen Ungleichgewicht im Au√üenhandel entgegenzukommen. F√ľr Trump war das gegen√ľber den US-Landwirten wie ein Sechser im Lotto. Und jetzt kann er in der Tat liefern. Vergleicht man die Sojabohnen-Importe der EU von Juli-September 2018 mit Juli-September 2017, dann haben sie um 133% zugenommen. Ein Wahnsinn, was der Donald da f√ľr seine W√§hler erreicht hat, nicht wahr?

Falsch! Diese Info ist n√§mlich nur eine optische T√§uschung. Auch wenn die Zahlen selbst stimmen m√∂gen – der Anstieg der Importe begann ja schon lange vor dem Treffen zwischen Juncker und Trump. Juncker wird sich die Importzahlen der EU aus den USA vor dem Treffen angesehen haben. Dort wird er die eh schon vorhandene gigantische Steigerung gesehen haben. So konnte er Trump enorme Zuw√§chse versprechen, die aber schon l√§ngst von der Privatwirtschaft in Europa selbst herbeigef√ľhrt worden waren!

Der Vergleichswert der heutigen Jubelmeldung der Kommission liegt im Jahr 2017, also lange vor dem Juncker-Trump-Treffen. Es ist also statistisch v√∂llig sinnfrei, wenn man diese aktuelle tolle Steigerung als Erfolg des Treffens der beiden verkauften will. Aber die Meldung der Kommission macht doch stark den Eindruck, als wolle man Trump damit schmeicheln nach dem Motto „schau her Donald, wir haben Wort gehalten“.

Und in der Tat, die Meldung k√∂nnte die gew√ľnschte Wirkung erzielen. Trump k√∂nnte in seiner einfachen Art die +133% als gro√üe Zahl in die Kameras verk√ľnden, und als seinen Erfolg verkaufen – obwohl die Steigerung bereits vor dem Treffen der beiden erzielt wurde. Sollte Juncker im vollen Wissen dieser schon vorhandenen enormen Steigerung das Versprechen an Trump gemacht haben am 25. Juli, dann w√§re er aus jetziger Sicht ein verdammt guter PR-Mann!

√úbrigens: Der US-Anteil an Sojabohnen-Importen in den EU ist gegen√ľber 2017 von 25% auf 52% gestiegen. Den Preis bezahlen vor allem zwei Exporteure, n√§mlich Brasilien und Paraguay. Sie haben massiv Marktanteile in der EU verloren. Aber keine Angst – jetzt kommt der Lacher an der Geschichte. Die Chinesen springen als Ersatz-K√§ufer in S√ľdamerika ein – denn die Regierung in Peking hat ja US-Sojabohnen mit Strafz√∂llen unrentabel gemacht, womit die s√ľdamerikanischen Sojabohnen erst interessant wurden f√ľr die Chinesen. So haben sich lediglich die globalen Liefer-Str√∂me verschoben. Hier mehr Detailinfos von der EU-Kommission im Wortlaut:

Landwirtschaftskommissar Phil Hogan erkl√§rte dazu: ‚ÄěIch begr√ľ√üe die j√ľngsten Handelszahlen, die zeigen, dass den Versprechen der Pr√§sidenten Juncker und Trump, den Handel zu intensivieren, Taten folgen, insbesondere in Bezug auf Sojabohnen. Dieses Ergebnis wurde m√∂glich durch unsere langj√§hrigen Handelsbeziehungen und zeigt, dass durch eine diese Beziehungen ausbauende Zusammenarbeit sehr viel erreicht werden kann.‚Äú

Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Einfuhren von Sojabohnen aus den USA in die EU in den vergangenen Wochen kontinuierlich zugenommen haben:

Im Vergleich zu den ersten 12 Wochen des Wirtschaftsjahres 2017 (Juli bis Mitte September) stiegen die EU-Einfuhren von Sojabohnen aus den Vereinigten Staaten um 133 % auf 1 473 749 Tonnen.Zum Zeitpunkt der ersten Meldung am 1. August 2018, die sich auf die ersten f√ľnf Wochen des laufenden Wirtschaftsjahres erstreckte, beliefen sich die Einfuhren auf 360 000 Tonnen, was einer Steigerung gegen√ľber dem Vorjahr um 280 % entspricht.

Der Anteil der USA an den Gesamteinfuhren von Sojabohnen in die EU betr√§gt heute 52 %, gegen√ľber 25 % im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Damit liegen die USA an erster Stelle vor Brasilien (40 %), dem zweiten Hauptlieferanten der EU, Kanada (2,3 %), Paraguay (2,3 %) und Uruguay (1,7 %).
Hintergrund

Die EU f√ľhrt derzeit j√§hrlich rund 14 Millionen Tonnen Sojabohnen als Proteinquelle f√ľr Tiere (H√ľhner, Schweine und Rinder) sowie f√ľr die Sojamilcherzeugung ein. Sojabohnen aus den USA sind dank ihrer konkurrenzf√§higen Preise f√ľr europ√§ische Importeure und Verwender sehr attraktiv f√ľr den Einsatz als Tierfutter.

Die Daten des heute ver√∂ffentlichten Berichts zu Sojabohnen stammen von der Beobachtungsstelle f√ľr Ackerkulturen, die die Europ√§ische Kommission im Juli 2017 ins Leben gerufen hat, um im Interesse der Transparenz Marktdaten und kurzfristige Analysen zu verbreiten.

Sojabohnen-Importe der EU

Die folgende Grafik zeigt, dass der Anstieg der US-Ausfuhren von Sojabohnen Richtung EU stetig gesteigert wurde von 2017 bis 2018, und nicht sprunghaft ab dem 25. Juli 2018.

Sojabohnen

weiterlesen
AXITRADER

Anmeldestatus

Online-Marketing

Online-Marketing hier bei uns! Ihr Unternehmen / Pressefach auf finanzmartwelt.de = Effektives Online-Marketing
Höchst personalisierbare Strategien
Faire Preise
Pressefächer und Meldungen
Content relevante Artikel und mehr
Jetzt informieren

Meist gelesen 30 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu erm√∂glichen. Wenn du diese Website ohne √Ąnderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erkl√§rst du sich damit einverstanden.

Schließen