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Venezuela verpfändet angeblich Londoner Goldreserven

Von Claudio Kummerfeld

Dass Venezuela de facto bankrott ist, dürfte keine Neuigkeit sein. Das Land hat noch in geringem Umfang Goldreserven, die u.a. in London gelagert sind. Laut dem Bericht der regierungskritischen und den USA nahestehenden Zeitung „El Nacional“ hat Venezuela jetzt einen Kreditvertrag mit der Citibank in New York über 1 Milliarde US-Dollar abgeschlossen um an Devisen zu kommen. Eine offizielle Bestätigung liegt nicht vor, von daher sollte man diese Nachricht mit Vorsicht genießen, gerade bei dieser Quelle – dennoch wäre der Schritt folgerichtig, denn um wichtige Güter importieren zu können, muss Venezuela in „harten Devisen“ bezahlen. Kaum vorstellbar, dass internationale Konzerne sich in venezuelanischen Bolivars bezahlen lassen.

Die Währung gilt nicht gerade als Hort der Sicherheit. Die Zentralbank druckt Geld um damit direkt das Staatsdefizit zu finanzieren, wodurch die Inflation, die derzeit bei geschätzt 60% p.a. liegt, angeheizt wird (nicht zu vergleichen mit dem QE der EZB). Ob die Währung von jetzt auf gleich wertlos wird oder abgeschafft wird, wer weiß das schon genau. Um also wichtige Waren aus dem Ausland überhaupt erwerben zu können, braucht Venezuela Dollars oder Euros. Gold als Pfand zu geben, wäre da nur folgerichtig. Auch, dass gerade Gold als Pfand verwendet wird, das im Ausland (in dem Fall in London) lagert, ist logisch. Eine Bank wie die Citibank würde wohl kaum so ein Kreditvolumen an einen potenziell unzuverlässigen Kreditnehmer wie Venezuela herausreichen, wenn das Pfand hierfür in Venezuela selbst gelagert wird. Man wird in so einem Fall eine Verpfändungserklärung aufsetzen, die der Citibank direkten Zugriff auf die Lagerstätte in London gewährt, sollte Venezuela Kreditraten nicht zurückzahlen.

Venezuela ist de facto voll und ganz dem Ölpreis des „West Texas Intermediate“ (WTI) in den USA ausgeliefert, der für seine Ölverkäufe als Referenzkurs dient. Venezuela ist das klassische Beispiel eines rohstoffreichen Landes, dass sich auf diesem Reichtum ausgeruht hat. Jetzt, nach der Halbierung des Ölpreises, ist der gesamte Staatsapparat nicht mehr tragbar. Hinzu kommt noch, dass Venezuela aufgrund von Freundschaftsverträgen mit der halben Karibik (u.a. Kuba) Öl zum halben Weltmarktpreis an diverse Länder quasi verschenkte. Diese Lieferungen hat das Land jüngst um die Hälfte reduziert, um es zum realen Preis frei weiterverkaufen zu können. Obwohl man die Fälle nicht vergleichen kann, liegt in Venezuela wie auch in Griechenland eine strukturelle Krise der Volkswirtschaft vor, die nicht mal eben so behoben werden kann. Ein Kredit gegen Goldpfand kaschiert das Problem nur sehr kurzfristig. Geht man davon aus, dass Venezuela den Kredit nicht zurückzahlen kann: die Goldreserven sind irgendwann aufgebraucht. Dann heißt es „Game Over“.



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