Devisen

Verbannung Russlands aus SWIFT vorerst vom Tisch

Von Markus Fugmann

Die Option, Russlands Zugang zum Interbanken-Zahlungssystem SWIFT zu kappen, scheint voerst vom Tisch zu sein. Der Grund: die Folgewirkungen wären zu groß.

Über die in Belgien ansässige SWIFT wickeln ca. 10.000 Institutionen ihre Geldtransfers ab – und die größten Umsätze mit russischen Banken erfolgen durch amerikanische und deutsche Banken. Eine Abtrennung Russlands vom SWIFT-System würde jegliche Geschäfte zwischen dem Russland und anderen Ländern erheblich erschweren – betroffen wäre dadurch insbesondere die Zahlungen für Öl und Gas aus Russland. Russlands Premierminister Medwedew hatte im Januar davor gewarnt, Russlands Zugang zu SWIFT zu kappen – die Antwort Russlands wäre dann „ohne Grenzen“.

Das SWIFT-System wurde 1973 gegründet und war zunächst eine reichlich undurchsichtige Plattform für die Kommunikation zwischen Banken, die zuvor noch über Telex-Apparate gelaufen war. Derzeit sind 200 Nationen an das System angeschlossen, über die täglich 24 Mitteilungen verschickt werden. Vorwiegend werden Währungs-Transaktionen getätigt, aber auch Derivate werden über SWIFT abgewickelt.

2012 waren iranische Banken (inklusive der iranischen Zentralbank) vom SWIFT-System abgekoppelt worden – mit schwerwiegenden Folgen für den Iran. Russlands Wirtschaft ist jedoch ungleich größer (ca. Faktor 5), sodass die internationalen Auswirkungen einer Abkoppelung Russlands kaum kalkulierbar sind – jenseits der Frage, wie Russland darauf reagieren würde. Das amerikanische Finanzministerium hatte in dieser Woche darauf hingewiesen, dass die 2012 erfolgte Kappung des Iran vom SWIFT-System ein „ungewöhnlicher und einzigartiger“ Schritt gewesen sei. Subtext: man plant nicht ein ähnliches Vorgehen gegen Russland, zumal der Waffenstillstand in der Ostukraine mehr oder weniger zu halten scheint.

Dass Pläne zur Abkoppelung Russlands erst einmal auf Eis gelegt wurden, hat auch Sicherheitsgründe: amerikanische IT-Experten haben der Regierung in Washington signalisiert, dass Russland eine „Cyber-Großmacht“ sei – man fürchtet offenkundig großflächige Hacker-Attacken, auch und vor allem gegen SWIFT. Würde SWIFT durch Hacker zumindest kurzfristig zum Kollaps gebracht, wären die Folgen für die Weltwirtschaft unabsehbar: der gesamte globale Interbankenmarkt käme zum Erliegen. Und so wird heute auf dem EU-Gipfel über die Ukraine und über das Verhältnis der Eurozone zu Russland diskutiert werden – aber eine Abkoppelung der Russen von SWIFT ist dabei keine Option mehr.



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