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Verbot von CFDs und Forex in Belgien? Staatliche Heuchelei?

Belgien will den Handel von CFDs und Forex für Privatkunden verbieten! Zum Schutz der Kunden? Eher nicht – es geht um handfeste finanzielle Interessen!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Von Stefan Kasper-Behrs

Wer hätte gedacht, dass es so schnell gehen kann!
Male ein Gespenst (den bösen Börsenzocker) an die Wand, dazu einen schlimmen Finanzausbeuter (den raffgierigen Broker/Banken die OTC-Geschäfte anbieten) – und schon ist die Angst der Bevölkerung so groß, dass man diese Geschäfte für den Privatkunden durch den Staat einschränken kann.

So geschehen in Belgien. Ab dem 18 August darf keinem belgischen Bürger mehr Forex oder CFDs im OTC-Markt (over the counter) angeboten werden. Der angebliche Sinn dahinter: Schutz des Kunden.
Futures darf der Kunde natürlich weiterhandeln, obwohl hier in der Regel über 90% der Privatkunden kein Geld gewinnen, sondern verlieren. Wo ist da die Logik?

Um den Zusammenhang zu verdeutlichen, hier ein Beispiel aus der Vergangenheit, die sich jetzt offenkundig wiederholt:
Ich kann mich noch gut daran erinnern als 2008 der Verkauf von Real Madrid-Trikots in einigen Karstadt-Filialen in Deutschland wegen der darauf stehenden Bwin Werbung verboten wurde.
Hier mal eine Begründung vom 08.02.2008 des damaligen Pressesprecher Lotto Berlin, Thomas Dumke, in der Welt. Dumke sagte in der damaligen Stellungnahme, dass die Bürger vor der Spielsucht geschützt werden müssten (Spielsucht-Prävention) und dass der Staatsvertrag zu diesem Schutz beitrage. Hier das Interview:http://www.welt.de/regionales/berlin/article1650363/Wer-Toto-spielt-muss-sich-ausweisen.html

Es gibt noch viele solcher Angstmacher-Darstellungen. Was absolut klar ist, dass die Spielsucht eine schreckliche Krankheit ist und dass man diese Krankheit nicht von der Politik für andere Zwecke missbrauchen sollte!

2006 konnte ich noch problemlos eine Sportwette abgeben. Wie z.B. FC Bayern München gegen einen Viertligisten. Ein klares Ergebnis, welches sehr risikoarm war. Damals habe ich für einen Sieg auf die Bayern bei einer Quote von 1,02 für 1000 EUR = 1020 Euro bekommen. 2% Rendite in 90 Minuten ohne großes Risiko und dazu noch steuerfrei! Ich hätte aber auch von meinem Gewinn ohne Murren Steuern gezahlt!

Am 09.08.2016 möchte ich nun eine Wette platzieren. Ich suche mir eine möglichst risikoarme Wette aus. Olympische Spiele Rio 2016
Australien gegen Simbabwe um 21.00 Uhr, Frauenfußball. Quote 1,02, klarer Favorit ist Australien. Aber dann bekomme ich die Meldung:
„Diese Wette wird heute nicht mehr angenommen“. Ich solle bitte mehr Risiko eingehen! Wie bitte?

Aber was ist denn mit dem Staat, der mich doch angeblich vor Spielsucht schützen soll? Am Ende nämlich ist es jetzt der Staat, der mich in eine riskantere Wette drängt! Wieso? Weil der Staat durch die Regulierung nun vorab eine Steuer von 5% auf den Wetteinsatz vereinnahmt und deshalb risikoarme Wetten nicht mehr funktionieren.

In meinem Fall hätte ich damals 2% gewonnen und heute bei der gleichen Wette ein Verlust von 3,1%. Dank an die deutschen Politiker!
Kommen wir zurück zu unseren belgischen Freunden, wo ab dem 18.08.2016 keine CFD’s oder Forex- Banken/Broker mehr Werbung für diese Produkte machen dürfen.

Übrigens ist das aus meiner Sicht nur der Anfang! Es wird vermutlich in naher Zukunft Frankreich nachziehen! Aber was ist mit Deutschland? Am 11.08.2016 rufe bei der BaFin an und frage wegen einem drohenden Werbeverbot nach. Ich wurde an das Referat Wa 26 (ist unter anderem für OTC-Geschäfte zuständig) weitergeleitet. Ein freundlicher Mitarbeiter der BaFin begrüßte mich. Ich erklärte ihm mein Anliegen, doch zu meinem Erstaunen wusste dieser Mitarbeiter von nichts. Er versicherte mir dass solch ein Verbot, seines Wissens nach, von der BaFin nicht geplant ist. Am Ende des Gesprächs bat er mich, ob ich ihm dieses Schreiben der belgischen Aufsicht zukommen lassen könnte. Was ich natürlich tat, denn ich helfe dem BaFin immer gern..

Wie sehen das die Broker und Banken?

Am 11.8.2016 kontaktierte ich eine Bank, die auch CFD’s und Forex anbietet, und fragte nach, wie sie die belgische Verordnung interpretieren. Man teilte mir mit, dass die Rechtsabteilung der Bank zurzeit mit der belgischen Aufsicht in Kontakt stehe und aktuell keine konkrete Stellungnahme abgeben könne. So wie es auf den ersten Blick aussieht, ist der Vertrieb verboten, aber das könnte man schnell auch als generelles Verbot interpretieren. Wums! Generelles Verbot von OTC-Geschäften in Belgien? Das wäre in der Tat der Hammer! Denn viele Leute sichern so ihre Fremdwährungskredite und Aktiendepots ab – auch in Belgien.
Es tummeln sich viele schwarze Scharfe am Markt, die trotz Europäischer Finanzlizenz ihr Unwesen treiben können. Da stellt sich die Frage, ob es mehr Sinn macht, einfach bestimmte Produkte zu verbieten – oder ob es nicht eher ratsam wäre, die anbietenden Unternehmen strenger zu kontrollieren bzw. deren Lizenz einzuziehen!

Worum geht es wirklich? Das zeigt ein Blick auf Frankreich und Belgien:

a) Frankreich

Finanzsteuer geringer als erwartet: Der französische Staat nimmt mit der Finanztransaktionssteuer über 60% weniger ein als erwartet, weil viele Anleger die Belastung durch CFD’s vermeiden können. Seit 2012 erhebt der Französische Staat eine Steuer auf alle Aktienkäufe von französischen Gesellschaften, die einen Börsenwert von mindestens einer Milliarde Euro aufweisen. Dies betrifft ca. 130 Wertpapiere derzeit. Die Steuer liegt bei 0,2% des Aktienwertes. Durch diese Steuereinführung ist das Volumen dieser Aktien bereits im ersten Jahr nach Einführung der Steuer mit über 25% deutlich zurückgegangen – und das ging Jahr für Jahr so weiter!

b) Belgien

Der belgische Staat verlangt eine Börsenumsatzsteuer von 0,17 % bei Kauf/Verkauf belgischer oder ausländischer, börsennotierter Aktien, Anleihen und anderer Wertpapiere. Auch hier kann man mit Aktien-CFD’s die Steuer legal einsparen.

Also liegt das Interesse des Staats klar auf der Hand: Es geht hier nicht um den Schutz der Kunden, sondern vielmehr um die dringend benötigten Mehreinnahmen des Staates! Leider wieder zu Lasten der normalen Bürger, denn die Oberschicht wird Mittel und Wege finden, auch diese Steuer zu umgehen.

Offizielle Bekanntmachung des Verbots in Belgien: http://www.fsma.be/en/Site/Repository/press/div/2016/08-08_banning.aspx

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    KSchubert

    12. August 2016 13:05 at 13:05

    Sehr interessanter Artikel – Vielen Dank!

    Ich bin mal so dreist und trete – vermutlich – eine kleine Lawine los: Also ich würde mich dafür stark machen, dass Binäre Optionen verboten oder stark eingeschränkt werden, weil in diesem Bereich Versprechungen gemacht und Illusionen erzeugt werden, die

    a.) vollkommen an der Realität vorbeigehen (Verhältnis von Rendite und Aufwand)

    b.) es ein Zockerprodukt ist, welches ungleich mehr als CFD/Forex einem Glücksspiel gleicht.

    Na, da bin ich ja mal gespannt, ob es darauf Reaktionen gibt :-)

    • Avatar

      stock2double

      12. August 2016 13:58 at 13:58

      Meine volle Zustimmung in beiden Punkten.

    • Avatar

      traderX

      13. August 2016 21:13 at 21:13

      interessant , interessant..
      ich habe ein interessantes spektakel gewagt und mich bei einem CS job eines binary brokers zu bewerben.. haelfte des teams shady israelies und der job hoelle .. cold calling und agressiv deposit pushing fuer viele ziellaender.. in prag neues buero naehe museum ….

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        Signaltrader

        14. August 2016 09:17 at 09:17

        Drehen Sie ein Video undercover und dokumentieren alles mit Ross & Reiter.
        Die Tarnnamen und realen Identitäten der Telefondrücker … sorry „Account Mananger“ nicht vergessen. Diese Leutchen selber sind meist arme Würstchen – werden aber als Zeugen gebraucht. Alle verfügbaren Daten und IP-Adressen ect. von deren Servern sicher stellen.
        Damit kommen Sie entweder als Bestsellerautor groß raus oder lassen sich Ihr wohlwollendes Schweigen bezahlen. Die von Ihnen geschilderten Zustände sind bei 95% aller Broker – egal wo „reguliert“ – mehr oder weniger Alltag und Realität.

  2. Avatar

    Gordon Buffett

    12. August 2016 15:01 at 15:01

    Mal wieder ein klasse Artikel. Liest man sonst nirgends! Finanzmarkt-Team Hut ab!

    Binäre Option sind wirklich abzocke, aber wie im Bericht schon geschrieben, sollte man diesen Unternehmen den Garaus machen!
    Bald wird her Schäuble auch auf die Idee kommen, weil die Transaktionssteuer macht aus seiner Sicht ja nur Sinn wenn CFD’s verboten werden.
    Ab dann nur noch Long und bei der Hausbank für 1% Gebühren.

  3. Avatar

    Signaltrader

    12. August 2016 17:06 at 17:06

    ENDLICH WIRD HIER MAL ERMITTELT UND VERHAFTET – 4xp & co.
    Auf Betreiben und init den französischen Behörden geht die Justiz in Israel erstmalig gegen Brokerfirmen vor. Dabei wird in dem unten zitierten Beitrag klar von Geldwäsche und organisierter Kriminalität und internationalen Strukturen gesprochen. Erste Verhaftungen sind erfolgt.
    Für Geschädigte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das von besonderem Interesse.

    Wurden doch auch die ehemaligen Drahtzieher und Hintermänner der Firma 4xp ermittelt und teilweise festgesetzt. Der Broker 4xp ist in 2014 mit geschätzt – mind. 12 Millionen Euro Kundengeld aus den DACH-Staaten schlicht „verschwunden“. Webseite und Support eingestellt – und weg.

    Die Daten der betreffenden Betrüger von 4xp (ausnahmslos Israelis mit russischer Abstammung) sind in Deutschland bereits in 2013 von Geschädigten an die Behörden übermittelt worden.

    Statt – wie aktuell die Franzosen – in Israel direkt aktiv mit den dortigen Behörden – gegen diese Kriminellen vorzugehen – bleibt Justitzia in Deutschland diesbezüglich Jahre komplett inaktiv?
    Möglicherweise hat Justitzia in Deutschland Probleme weil es sich um Israelische Staatsbürger handelt? Political Correctness ohne jedes Maß scheint auch hier eine Rolle zu spielen?

    Stattdessen werden Webmaster, Affiliates und Entwicker von Tradingtools – die genau so von 4xp geschädigt und betrogen wurden – mit aberwitzigen Begründungen und sinnlosen Kosten für den Steuerzahler verklagt.

    Spannend ist nunmehr wie sich Geschädigte aus Deutschland als Zeugen, Nebenkläger usw. einbringen können? Welche Rechtsmittel im Rahmen der Europäischen Verträge gibt es um die Initiative der französischen Behörden mit zu nutzen und zu unterstützen? Das sollte zeitnah geschehen. So lange pfändbares Privat und Firmenvermögen noch nicht verschoben wurde. Die betreffenden Betrüger sind nicht mittellos, im Gegenteil, und aktuell in weitere Firmen investiert. Die gleiche Masche als Pseudobroker und Binary Porions – im neuen Gewand unter verschiedenen Labels.

    Auch zu genau zu beleuchten wäre die Rolle der Commerzbank die für 4xp als Zahlstelle in Deutschland agierte und die Kundengelder in Empfang nahm. Es sollte erklärt werden warum die 2. größte Geschäftsbank in Deutschland nichts „gemerkt“ haben will – zum Beispiel von gefälschter Regulierung von 4xp – angeblich nach englischem Recht, in GB? Oder – warum NACH dem Betrug von 4xp – die Commerzbank heute immer noch als Zahlstelle für dubiose Auslandsfirmen, Broker und Binary Options-Plattformen fungiert und Geschäftskonten für selbige „Unternehmen“ führt? „Gerettet“ wurde die CoBa nicht zuletzt anteilig auch von den 4xp-Geschädigten.

    Neben den juristischen Möglichkeiten wäre auch zu bedenken die Medien wirksam einzubeziehen um auch in Deutschland den Blick der Behörden nachhaltig auf diesen Sachverhalt zu lenken und ausreichend verweilen zu lassen?

    http://financefeeds.com/israeli-police-collaborate-with-french-regulator-15-fx-company-directors-under-criminal-investigation/

    (den Link ggfls. in Bwowser kopieren und bei Bedarf Übersetzungstool nutzen)

    Beste Grüße & gute Trades

  4. Avatar

    Hallo, interessanter Beitrag.

    Ich handel selbst seit vielen Jahren aktiv Futures. CfD’s und vor allem Binäre Optionen werden tatsächlich in den meisten Fällen vermarktet, um die Eintrittsschwelle ins vermeintliche Tradingglück so niedrig wie möglich zu gestalten und Kunden abzuzocken.

    Jeder halbwegs vernünftige Mensch kommt heute sehr schnell an die Infos, die er braucht, um sich in diese Richtung zu schützen. Einfach mal die eigene Faulheit, Naivität und Gier ausschalten und losgoogeln. Das Internet raubt den Leuten die Ausreden.

    Auf alle Fälle ist es in meinen Augen tatsächlich mal wieder die totale Heuchelei der Politik. Denn der Schutz des Bürgers ist hier zu 99% nicht das wahre Anliegen des Hohen Hauses. Schon eher die entgangenen Gewinne aus der Börsensteuer. Dieser Behauptung des Autors schließe ich mich ohne mit der Wimper zu zucken an.

    Wieso ist es eigentlich in Europa erlaubt, dass eine einzelne Person über 80 Mio in einer Lotterie gewinnen darf?

    Vielleicht wäre es vernünftiger, hier anzusetzen, wenn es der Politik wirklich nach dem Schutze ihrer Bürger dürstet…oder EU Außengrenzen vernünftig sichern, wäre auch ein guter Ansatzpunkt.

    Einen schonen Grüß vom Binären Optionen Trader…

    ALter 4 Jahre, Nettorendite p.a. über die letzten 10 Jahre 860% und dein Enkel kann das auch lernen, und zwar in nur 2 Tagen! Jetzt sofort kostenloses Konto und 500 Euro Funding Gutschein bei deinem Binären Optionen ‚Broker‘ des ‚Vertrauens‘ sichern ;)

    Danke und Tschüss

  5. Avatar

    Alexander Icke

    30. September 2016 21:09 at 21:09

    Das kommt davon wenn Idioten Politik machen … :(

    • Avatar

      FR

      1. Oktober 2016 08:17 at 08:17

      Es wird auch im Falle von Einschränkungen legale Lösungen geben.
      Was kommen wird ist die sicher die Steuer um die es ausschließlich geht. Ein, eher unwahrscheinliches, komplettes Verbot bleibt abzuwarten.
      ´Binäre Optionen haben mit Börse wenig und mit systematisch anlegen Null zu tun.
      Betreiber, Programmierer und Gestaltung entstammen dem so genannten Gamingbereich und bedienen Hartgeldtrader.

      Beste Grüße & gute Trades

  6. Avatar

    Claywalker

    18. Oktober 2016 18:12 at 18:12

    Wenn der Staat CFDs verbieten tut, dann schiessen die sich ins eigene Knie, und wäre unfair gegenüber den seriösen Brokern.

    Dem Staat entgehen keine Einnahmen, weil klare Regeln definiert sind. 25% Abgeltungssteuer. Am Jahresende bekommt mein Steuerberater die Unterlagen, und wenn ich tatsächlich Gewinne hatte, der Staat das was ihm zusteht, Punkt.

    Was wollen die den noch mehr?

    • Avatar

      Forex Reporter

      18. Oktober 2016 19:06 at 19:06

      Was sie mehr wollen? – zeitnahe, monatl. Besteuerung und die 100 % Kontrolle wo/wie viel der Schlafmichel die Brötchen hat. Unartige Bürger ohne Geld sind ein kleines Problemchen – mit Geld eine Gefahr.

      Beste Grüße & gute Trades

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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